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Gedanken zu Psalm 23

Dieses Thema im Forum "Religion & Spiritualität" wurde erstellt von maria45, 5. Oktober 2009.

  1. maria45

    maria45 Guest

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    Da die heutige Tageslosung einen Vers aus dem Psalm 23 enthält und ich gebeten wurde, auch noch zu einem anderen Vers des Psalms etwas zu sagen, möchte ich die Gedanken zu diesem Psalm lieber in ein extra Thema bringen, daß sie im Zusammenhang stehen und nicht in dem langen Tageslosungsthread untergehen.

    Der Psalm ist wohl einer der bekanntesten überhaupt, wenn nicht sogar der Lieblingspsalm aller, die sich überhaupt mit Psalmen beschäftigen. Ich übersetze ihn Vers für Vers und schreibe etwas dazu, so wie immer.
    Der Psalm ist als Text für ein Lied auf der Harfe gedacht. Es gibt einige Psalme, die diese Überschrift tragen.

    Die Harfe ist zwar nicht direkt im Text enthalten, eigentlich ist das Wort "mismor" nur "Lied", da aber David Harfe spielte, wird es wohl ein Lied für die Harfe sein. Buber übersetzt jedenfalls auch "Harfenlied".

    Das Wort leitet sich von "samar" ab, von "musizieren", und das schreibt sich "sajin+majim+resch", in Zahlen "7+40+200", im Gesamtgewicht 247.

    Die 247 ist nun eine wirklich außerordentlich interessante Zahl. Sicher, jede Zahl ist interessant, aber sie ist eine der zentralen Zahlen, die einem so begegnen können. Die 247 ist die Zahl, die zu der rechten Säule gehört. Und die rechte Säule ist die Engelsäule, die Säule der Söhne Gottes.

    So wie die linke Säule die Säule des inkarnierten wahren Menschensohnes ist.

    Und vielleicht könnte man die Assoziation nachvollziehen, weshalb die "Engel" in den Himmeln als harfenspielend symbolisch dargestellt werden.

    Die Psalmen, die diese Markierung tragen, sind Engelslieder. Sie tragen sehr reine, klare Schwingungen aus den himmlischen Hallen hier in die Welt. Deshalb sind sie wirklich besonders. Und die Seele der Menschen reagiert - obwohl sie bewußt vielleicht überhaupt nichts von Engeln weiß oder hält - ganz besonders auf diese Schwingungen und fühlt sich hingezogen, hört aus der Ewigkeit den himmlischen Klang.

    Man kann sich natürlich bei "Engel" so alles mögliche vorstellen. Besonders süßliche, licht-und-liebe-versprühende Wesen, die alles in rosarote Wolken tauchen oder so.
    Die Energie der Engel an sich ist allerdings eine sehr durchdringende. Man kann vielleicht daran denken, daß es im angenehmen Bereich manche Musikstücke gibt, die einem regelrecht durch Mark und Bein gehen, die gänsehautig schön sind und einen im Innern berühren. Im unangenehmen gibt es auch Laute, so wie der von quietschender Kreide auf Tafel, die einem durch Mark und Bein gehen und Gänsehaut verursachen.

    Die reine ungefilterte Energie der Engel wird durch diese Lieder gerufen. Und es ist eine Grenzwanderung zwischen himmlischem Genuß und schaurig schön bis unheimlich. Es ist keine Energie, die einen unberührt läßt.

    Das kommt auch in dem Verb "samar" zum Ausdruck. Es hat noch eine zweite Bedeutung, von "abschneiden, putzen" von Weinreben. Das Wort für Winzermesser, "masmerah" und für Dochtschere, Dochtmesser "masmärät" ist davon abgeleitet.

    Es sind auch diese Engelskräfte, die das Ende des Lebens markieren und die die Seele einsammeln zu Gott. Das ist der Teil der Gänsehaut, die einen schon mal unangenehm berühren kann. Eine Vorahnung von Tod. Wer sie erlebt hat, da können schon mal alle Haare am Körper eine heftige Gänsehautreaktion zeigen.

    Das Wort "mismor", "Harfenlied", schreibt sich "majim+sajin+majim+waw+resch", in Zahlen "40+7+40+6+200", im Gesamtgewicht 293. Die 293 ist die 63.ste Primzahl, und die 63 ist die Ebene aller Möglichkeiten. In diesem Harfenlied-wort stecken deshalb alle Klänge, alle Lieder, die je gespielt wurden und noch werden.

    Das nächste Wort "ledawid", bedeutet zum einen "für David", andererseits (und so habe ich es übersetzt) ist "dawid" "Geliebter". Der wahre Geliebte ist Gott. Hier steht also "ein Lied" (und damit alle Lieder) "für den Geliebten" (und alle Lieder sind für Gott).

    Und doch ist hier der bewußtmachende Aspekt. Es ist "für den Geliebten". Sonst könnte man auch einfach schreiben: "ein Lied". Die bewußte Benennung einer Widmung ist Hingabe. "für dich, mein Schatz". Es ist ein Geschenk. Ich gebe ein Lied, und in diesem einen Lied alle Lieder, alles was ich bin, singt dieses eine Lied für den Geliebten.

    Und es ist das "Kommen" zu Gott. Er hat uns zuerst geliebt, er hat uns ins Leben gehaucht, hineingeliebt. Nun, in diesem Lied, ist es ein Zurückgehen, denn ich bringe ihm Liebe. So bedingungslos wie Gott selbst die Liebe ist, so hilflos, ohnmächtig steht Gott vor der Frage, ob der Mensch ihn aus freiem Willen zurücklieben wird.

    Das spiegelt sich doch in jedem Menschen, der einmal geliebt hat. Egal welche Liebe es war, bedingt, gehemmt, bedingungslos, hemmungslos, besitzend, ergreifend, annehmend oder schenkend oder alles zugleich. Das einzige ist diese Hilflosigkeit, diese stumme Frage: "Liebst du mich auch?"

    In diesem Psalm, der die hohen Engelskräfte bewußt einlädt, antwortet der Mensch: "Ja, hier, ein Lied. Für den Geliebten".

    Der Geliebte ist hier ein männliches. Doch was wäre Gott, wäre er nur männlich? Nichts. Deshalb erweitert das nächste Wort die Perspektive sofort in die männlich-weibliche Natur. "ein Lied, für den Geliebten, die EWIGE".

    Jetzt ertönt sie. In der JHWH sind alle Töne vereint, alle Laute zugleich erklingend in einer herrlichen Sinfonie, einer ganz unglaublichen Harmonie.

    Das Lied des Anfangs, "mismor", war der Same. Hier ist die Möglichkeit. Die Möglichkeit aller Möglichkeiten. Dann eine bewußte Wahl, ein "Ja!". Ja, ich liebe dich auch, du bist mein Geliebter, und dir singe ich. Und dann kommen alle Töne, alle Klänge, aus dieser Wahl heraus. Aus diesem Bewußtsein der Hingabe an das EINE, unnennbare.

    Das Lied hebt an mit allen Tönen, mit der JHWH, mit der weiblich erscheinenden Seite Gottes. Und in der völligen Hingabe kommt auch das völlige Angenommensein. "Die EWIGE" ist "mein Hirte". Da wieder ein männlicher Aspekt. Der Garten des LEBENS ist in diesem Bild, in dem ich meine Nahrung finde, mein Wasser trinken kann und meinen Schutz. Und seine wirkenden Kräfte, die ihn erschaffen haben und erhalten, diese behüten mich.

    "JHWH roi", "die EWIGE mein Hirte", schreibt sich "jod+he+waw+he + resch+ajin+jod", in Zahlen "10+5+6+5+200+70+10", im Gesamtgewicht 306. Dieselbe 306, die im Garten Eden die "Ische" ist, das Weib, das die andere Seite von Adam ist. Diese Ische, die ISIS, die IESOUS genannte, die barmherzige Göttin des Mitgefühls, auf sanskrit "avalokiteshwara", und in dem "eshwa-ra" ist wieder RA und Jehoschua, Jesus als Sonne meines Herzens meines Mitgefühls, enthalten. Sie ist mir, dem Menschen, als Gegenüber die Hilfe.

    Ich darf trotzdem noch mein Gras selber fressen und mein Wasser trinken, in diesem Bild des Hirten und des Mitglieds der Herde. Es ist aber da eine, einer, etwas, das mich führt, das mich leitet, und auf frischen Wiesen und an sprudelnden Quellen labt.

    Im Deutschen ist "Hirt" einer der "hört". "hear my, my god, i cry for you." Das, was im 22.sten Psalm noch die Verzweiflung war: "wo bleibst du denn, mein Gott, mein Gott, ich rufe zu dir, ich schreie, ich stöhne, weshalb hast du mich verlassen, warum bist du mir fern?", das findet im 23.sten Psalm seine Antwort: "für dich, Geliebter, du EWIGE, die du da bist, bist mein Hirt, hast mich erhört."

    Und das indirekt, nur im Schweigen vorhandene, im "adam", das ist "a-dam", "ich schweige", dieses in der Bezeichung "mein Hirt" implizit anwesende "ich bin Teil der Herde, bin eins mit Herde und Hirt, habe Gemeinschaft."

    Die Herde im Deutschen ist "H" und "Erde", die Verbindung von dem Hauchlaut, dem geistwehenden, und der Erde. Wir alle sind Teil der Erde, wir alle atmen dieselbe Luft, und werden durch den einen Geist belebt und behütet. Das ist die im Verborgenen anwesende Erkenntnis in diesem Bild des Hirten, des "mein Hirte".

    Was will ich mehr? Ich bin geliebt und liebe in Antwort. Und wer wahrhaft geliebt ist und antwortet, der ist gerne niedriger als der andere, nimmt den niederen Platz ein. In dem Bewußtsein, bedingungslos geliebt zu sein, darf ich die Kleine sein, darf mich einfach wie ein Kind mich von der großen Hand festhalten lassen, dem Großen mich in die Arme werfen und an seiner Brust ruhen und an den Brüsten der allmächtigen Göttin saugen.

    Es ist die "El Schaddai", die wörtlich übersetzt bedeutet "Gott meiner Brust, Gott meiner Brüste", und nun von männlichkeitsbesessenen Theologen als "Gott der Allmächtige" übersetzt wurde.

    Diesem Gott, der mich ernährt, der mir einen Lebensgarten der Freude erschaffen hat und mich selbst darinnen, der mir alles gibt dessen ich bedürfen könnte, dem werfe ich mich in diesem Bild von "mein Hirte" in die Arme.

    Aus diesem Bewußtsein heraus ist verständlich, wenn dann als nächstes kommt: "nicht werd ich ermangeln." Ich habe "ächesar" als "mir wird keine Grenze zustoßen" übersetzt, weil es im Kern diese Bedeutung trägt.

    Mangel ist Grenze, die nicht die Fülle umschließt, sondern die Grenze, die einengt, bedrängt, die einem als Gegner begegnet.

    Es gibt Grenzen. Grenzen an die ich gelange, andere Grenzen, die ich überschreite. Doch die zustoßende Grenze ist wie der Wachzaun, der Ost- und Westdeutschland trennte. Das ist der Mangel. Auch in der Mangel, wo die Wäsche "platt" gemacht wird, ist das Plattmachen enthalten, wo ich platt bin, geplättet, übergebügelt. Eine harte, bedrängende Grenze.

    Im Deutschen ist "Mangel" ein M an der Angel. Das M, das ist das Zeitliche, hat einen an der Angel. Oder ein "man-gel", ein "Man" hängt am Gel. Gel ist das beliebig formbare und doch feste. Egal in welche Form man es bringt, es ist nur begrenzt viel da. Die zu kurze Bettdecke oder das zu kurze Bett. Man kann sich nicht ausstrecken ohne an die Kante zu stoßen, ohne zu frieren oder ohne aus dem Bett herauszuragen oder herauszufallen. In der Ursprache ist "G-L" das Formprinzip. Das was eigentlich fest erscheint und sich doch ständig verändert. Dazu haben Gels die Eigenschaft einzutrocknen. Es wird nicht mehr, sondern noch weniger.

    Im Hebräischen ist das Verb "mangeln, Mangel leiden" "chassar", und schreibt sich "cheth+samekh+resch". Es hat zwei Komponenten, zum einen die Cheth, die Hieroglyphe für "Zaun", der die Grenze eines Gartens oder einer Weise markiert, und "sar", das im Verb "sarar" zustoßen bedeutet, zustoßen wie ein Stier, der einen auf die Hörner spießt.

    Nun sagt der Text "lo ächesar", "nicht wird mir mangeln". Das Wort "lo", "nicht", ist ein interessantes Wort, vor allem wo alle esoterische Welt immer sagt, daß es "nicht" nicht gibt. "lo" schreibt sich "lamed+aleph", und ist genau das umgedrehte von El, von "Gott", der sich "aleph+lamed" schreibt.

    Was bedeutet es? Es ist der Weg ins negative Nirvana, ins Nichtexistieren, in die Null, die Leere. Die Lamed ist das Antreibende, und sie treibt im Wort "nicht", "lo" in die Ver-nicht-ung.

    Es gibt diesen Weg in die Ungeoffenbartheit, vom Antrieb zur Aleph, zum Schweigen der Lämmer, der Vernichtung des Lebens.

    Und doch... so muß auch der Selbstmörder erkennen, "ganz" vernichten geht nicht... die Aleph trägt bereits in sich den "El", den offenbarenden, die Samen sind da, und auch die Lamed, die wieder neu zu Inkarnation treibt, und zur Phe, zum sich öffnenden Mund, dem Mutter-mund, der das Kind ausspricht.

    Das spannende hier ist aber, daß man den Mangel vernichten kann. Man kann ihn beseitigen. und wie? im "nicht ich". In der Rückführung des "ich" als "aleph" hier, der Aleph von "äni", von "ich", mit "een", mit "nichts".

    In der Anbindung von Aleph aus "lo" an die Aleph von "ächesar" sprießt neue Fülle in mir, inkarniert sich wieder alles in mir. Wenn "ich" "mich" mal beseite stelle, ungeoffenbart bleibe, dann ist das was da ist doch Fülle.

    Wohlgemerkt, es geht nicht um Selbstmord oder Selbstauflösung. Nur die Verbindung von Aleph zu Aleph. "ich" soll schweigen. Schweigen schweigt das Schweigen an. Und ich merke, daß ich verbunden bin mit diesem Schweigen und in diesem Schweigen. Es ist die tiefe Meditation. Und in dieser Meditation er-fülle "ich" "mich", erfüllt das Große Een, das Große Nichts, "mich", das ist "äni", und "äni" bedeutet eigentlich "mein Nichts". Und deshalb stoße ich an keine Grenze, genau deshalb wird mir nichts mangeln.

    Die "lo" ist also eine treibende Kraft, das "nicht" treibt "mich" in tiefe Meditation. Nur aus Mangel an Vertrauen könnte es passieren, daß ich denke, daß ich etwas festhalten muß... und dadurch entsteht der Mangel. Ich angel nach dem "m", nach dem Greifbaren, möchte Momente festhalten, Dinge, Eigenschaften.

    "Wer sein Leben behalten will, wird es verlieren." Das sich klammern an das Gel, an die Form, die doch vertrocknet, ist nicht nur unnütz, sie erzeugt erst den M-angel.

    Nackt bin ich auf die Welt gekommen, und nackt gehe ich wieder aus ihr.
    Alles, was dazwischen ist, erfüllt mich.

    Von dem Gedanken, daß die EWIGE mein Hirte ist, und mir immer wohl weidet, nun zu dem Gedanken, daß Festhalten Mangel erzeugt, Vertrauen und Verbundensein mit dem Urgrund aber Fülle.

    "lo ächesar" ist geschrieben "lamed+aleph + aleph+cheth+samekh+resch", in Zahlen "30+1+1+8+60+200", im Gesamtgewicht 300. Es ist die 300 von "schin", von dem Geistfeuer, die mich durch alles hindurchträgt. Der Heilige Geist ist der, der Tröster genannt wird. Er beseitigt allen Mangel in mir.
     
  2. Linking

    Linking Mitglied

    Registriert seit:
    23. Juni 2009
    Beiträge:
    611
    Wow, der Gedanke ist mir so noch nie in den Sinn gekommen. Jetzt bin ich total platt und sprachlos.....................

    Ein riesiges :danke: und ich freue mich auf mehr.


    neugierige Grüße
    Linking
     
  3. maria45

    maria45 Guest

    Diesen "Hirten" sollte man allerdings noch tiefer verinnerlichen. "roi" schreibt sich nämlich "resch+ajin+jod", wobei die angehängte Jod das Possessivpronomen "mein" ist, also von "mein Hirte", Hirte selbst ist "ro" und schreibt sich identisch mit dem Wort "ra", "resch+ajin", nur anders vokalisiert, und "ra" bedeutet "böse, Böser".
    Und noch spannender wird es, wenn wir auch noch die dritte Möglichkeit der Vokalisierung heranziehen, die von "rea", "Nächster". So wie im alttestamentarischen Gebot der Nächstenliebe:
    Dieser "Nächste" ist "rea", und schreibt sich ebenfalls "resch+ajin", nur wieder mit anderen Vokalen.

    Nun ist in der jüdischen Überlieferung klar gesagt, daß die Heilige Schrift keine Vokalisierung enthält. Das, was die Schriftgelehrten der Zeit, in der die Überlieferung zu verloren gehen drohte, die Massoreten, in der Zeit nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem und der Zerstörung der Torahschulen in heftiger Verfolgung unternahmen, nämlich daß sie festlegten, wie ein Wort gelesen werden soll und es so im Text fixierten als kleine Pünktchen und Strichelchen unterhalb und oberhalb der heiligen Zeichen, ist im Prinzip eine Notbremse gewesen. Eine Art Versiegeln des Heiligen, Tieffrieren, in der Hoffnung auf bessere Zeiten.

    Den Eingeweihten in die Heiligen Schriften war zu allen Zeiten klar, daß es nicht DIE "richtige" Lesung, nicht die EINE fixierte, feste Auslegung und nicht die EINE richtige Lehrmeinung gibt. Dogmen entstehen lediglich durch das sehr begrenzte Bewußtsein der Menschen, die von den Heiligen Dingen hören.

    Die Fixiertheit, Sturheit, Borniertheit und Besessenheit von der absolut richtigen Bedeutung, von dem völlig korrekten, wie es ganz genau bis ins i-Tüpfelchen hinein zu sein hat, hat - wie auch Weinreb schon sagte - etwas Satanisches.

    Sie gleicht dem Festnageln Jesu am Kreuz. Nun will ich es aber ganz genau wissen. Und im Ganz-genau-wissen-wollen tötet man es. Nun haben wir ihn festgenagelt. Nun wolln wa doch ma sehn, ob er Gott oder Mensch ist. Wenn er Gott ist, wird er sich ja sicher befreien und vom Kreuz herabsteigen. Und wenn nicht, dann war es halt nur ein Spinner. Jetzt wollen wir es doch mal genau sehen.

    In der modernen Version ist dies Ganz-genau-wissen-wollen die Besessenheit, z.b. den Freien Willen des Menschen im Gehirn verorten zu wollen. Kunstvolle Experimente werden entwickelt, nur um ganz genau sagen zu können, ob es nun frei oder nicht frei ist. Gibt es da nun so ein unbestimmtes Agens, das nicht-materiell ist, das mich wirklich frei wählen lassen kann? Oder sind wir doch nur biologische Roboter, vollkommen fixiert selbst in dem was wir meinen frei wollen zu können?

    Es ist dieselbe Schamlosigkeit, dieselbe Fixiertheit auf das Eindeutige, das vor nichts haltmacht und auch das Innerste nach außen kehren möchte.

    Ja, also aus diesem Grund, eben um das Leben zu bewahren, um das Lebendige stets fließend zu erhalten, gibt es in den ursprünglichen Torahrollen keine massoretischen Schriftzeichen, sondern nur die 22 Heiligen Zeichen, ganz ohne Vokale.

    Und so ist also nicht klar, nicht eindeutig fixiert, welche Bedeutung von "resch+ajin" denn nun in der jeweiligen Schriftstelle anwesend ist. An dieser Stelle ist es gut, einmal bewußter mit diesem Fließenden , mit dieser Welt der Vokale zu werden.

    Vokale sind das, was die Stimme trägt. Der Mensch singt eigentlich, wenn er spricht. Wenn er keine Stimme mehr hat, ist es nur noch ein Hauchen und Flüstern. Doch wenn er spricht, trägt der Klang die Mitlaute, tragen die Vokale die Kon-sonanten, das bedeutet die mit-klingenden, von con-sonare.

    Die Vokale verleihen uns erst die wirkliche Stimme. Noch stärker natürlich im Singen (abgesehen vom Rap-Sprechgesang), wo die Vokale in den Vordergrund treten, bis hin zur Opernarie, die ohne ein Textbüchlein meist unverständlich bleiben muß, weil sie fast nur noch Vokal ist.

    Die Stimme drückt die Stimmung aus. Wie bist du heute gestimmt? Heiter, traurig, wütend, ängstlich, freudig, aufgeregt, angespannt, kränklich, elend, angetörnt oder in homerischem Gelächter ertrinkend? Die Stimme sagt es. Ein einziges Wort am Telefon und schon habe ich einen Eindruck von dem Anrufer, schon ist da etwas, das sich durch die Stimme mitteilt.

    Und so ist es auch in der Schrift. Die Stimmung des Lesenden erzeugt die Bedeutung. Seine Gemütsverfassung und seine Bewußtseinslage erzeugt erst zusammen mit den vorgegebenen schweigenden Zeichen das, was die Bedeutung in ihm singt und zum Schwingen bringt.

    Die Zeichen selbst, so wie auch dieser Text, sind schweigend. Im Schweigen sind alle Töne im Verborgenen anwesend. Schweigen kann alles bedeuten. Von innigster Verschmelzung bis hin zu völligem Kommunikationsabbruch.

    Wenn also hier gesagt wird, die EWIGE ist "mein Hirte", aber andererseits Jesus im Gleichnis des barmherzigen Samariters nahelegt, daß er selbst dieser Nächste ist, der "rea", den man lieben sollte (er fragt nämlich suggestiv: Wer ist der Nächste dessen, der unter die Räuber fiel? Und die Antwort ist natürlich: Der, der die Barmherzigkeit an ihm tat), dann verschmelzen diese beiden Bedeutungen miteinander. Die EWIGE ist die Barmherzige, die mich aufrichtet. Sie ist mir die Allernächste. Näher als das kann mir niemand sein. Näher als Hände und Füße, so heißt es, bin ich dir. Denn ich wohne unerkannt in deinem Herzen.

    Hättest du doch Ohren, mich zu hören. Horch, ich klopfe an. Jedes Klopfen meines Herzens ist ein Klopfen Gottes. Wenn ich still bin, in Ruhe, dann kann ich es hören. Es ist eine spannende Kontemplation, wenn man sich in diesen Gedanken versenkt, daß der Herzschlag ein Klopfen von dort ist, ein Pochen aus der Ewigkeit...

    Ich selbst in meiner Stimmung, in meiner Gestimmtheit, be-stimme es, ob mir das LEBEN selbst als behütend, als hirtenhaft, oder als barmherzig, als Nächster, oder als böse, als Feind, gegenübertritt.

    Es ist meine Wahl, meine Freie Wahl, welcher Stimmung ich mich hingebe. Die Möglichkeiten sind alle da. Doch welche erwähle ich für mich?

    Der Stamm dieser drei Worte, von "ro" - Hirte, "ra" - "Böser" und "rea" - Nächster, ist "resch+ajin", in Zahlen "200+70". Es ist ein Bewegen durch die Resch, ein weitgreifender Schreiten, in Richtung der 70, der Ajin als Auge.

    Die Resch ist der Kopf eines Menschen. Und die Ajin ist das Auge. Es liegt also genau in diesen beiden Hieroglyphen die Frage: "Wie siehst Du es?" Wie blickst du auf die bunte Vielfalt des Lebens hier im Erscheinenden? Siehst es als bedrohend, als böse? Siehst es als hütend und führend, als das, was immer für mich sorgt, mir stets das bringt an Nahrung und Trank, dessen ich bedarf? Siehst es auch als Nächsten, das Leben, das mir Barmherzigkeit schenkt, wenn ich in Not bin? Oder verhindert dein Stolz und dein Mißtrauen, daß du Hilfe vom Leben annimmst?

    Die 270 ist auch die 9*30. Die 9 ist das Zeichen der Schwangerschaft, da wo sich Neun, Neues, ankündigt, in 9 Monaten. Doch wie wird dieses Neue heißen? Welchen Namen gibst du deinem Kind? Und die 30 ist das Antreibende, das Voranbringende. Die Schwangerschaft ist naturgemäß, je weiter sie fortschreitet, auch beschwerlich. Es ist eine Last da. Alles ist schwerer als sonst. So wie Not auch ein schwerer Teil des Lebens ist.

    Und doch ist es die Frage, ob es nicht eine süße Not ist? Sehe ich nur auf das Schwere, nur auf das morgendliche Kotzen? Und die vielen Eindrücke, die mich durch den Hormoncocktail, der in mir ist, völlig fertigmachen können? die Reizbarkeit, das Laß-mich-in-Ruh? Und diese Verletzlichkeit. Ich könnte sie ablehnen, könnte sagen, nein, das will ich nicht, will nicht so hilfsbedürftig sein, ich will stark für mich sein. Kinder und mögliche Schwangerschaft als Bedrohung, der ich mich widersetzen muß, wo ich verhüten muß, damit das ja nicht passiert, daß ich nicht mehr Alleinherrin meines Lebens bin.

    Doch wahre Stärke liegt in der Schwäche, in dem Weichsein, im Nachgeben. Im Annehmenkönnen. Dann ist es keine Bedrohung mehr, kein Übel kann mir nahen, wenn ich das, was mir geschieht, als Hilfe annehme, behütend und barmherzig.

    Und sehe ich nicht doch lieber auch auf das, was kommt, was sich entwickelt? Ist da doch das Doppel-Leben da. Lebendig bin ich, und in mir ist neues Leben. Es ist ein Wunder, was da geschieht. Ein neues Universum entsteht. Denn jeder Mensch trägt doch das All in sich. Ich bin direkt mit dem Entstehen eines neuen Universums verbunden. Die Nabelschnur ist da, wo sich die Dinge alle bereits auf subtilste Weise mit-teilen.
     
  4. Brotherhood

    Brotherhood Mitglied

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    Schon nicht schlecht, wie ich finde. Aber zuviel Spezifikation. Zumal "ra" und "rea" beide "das Böse" bedeuten (was aber dann auch Gegensätzlichkeit bedeutet und damit den "Nächsten" auch enthält). Genau wie "sera" als Samen auch das Böse enthält - aber eben auch nicht.

    Schaddai ist vom Worte shed, was der Dämon ist. Deswegen ist das Saugen von der Brust, das Nehmen der Milch, nicht das Aufwachsen vom Himmlischen her, sondern vom Weltlichen. Die Mutterbrust bedeutet ein Wachstum, eine Linearität und ist somit nicht der Einfluß des Himmlischen. Durch die Dualität nimmt der Mensch aber immer in sich die Milch auf, also das, was aus dem Bewußten entsteht, das schon vorher anwesend war. Anders: Ableitungen aus Vergangenem.

    Die Harfe steht für das Körperliche. Wenn die körperliche Kraft, der Nordwind, durch die Harfe klingt - dann klingt die Melodie an. Diese Melodie ist Dein Tun (unbewußt) hier in der Zeit. Durch das Fenster, die He, weht (im Falle des Davids in uns) der Nordwind und bringt in Dir die Harfe zum klingen. Sprich: Unterhalb Deiner Bewußtseinsschwelle kommt Dir vom Jenseitigen Dein Tun von außerhalb der Zeit. Dein Körper setzt dann den Wind von außerhalb der Zeit in einem unbewußten Tun im Fließen der Zeit um.

    Lg
     
  5. Teigabid

    Teigabid Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
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    6.066
    Ort:
    burgenland.at
    Ja, ja, Unkraut vergeht nicht!


    Fabelhaft schöne Darstellung, wenn ich das so sagen darf.
    Will jetzt nicht in die griechische Phase in der Zeit danach abgleiten.

    Aber ganz super wäre es – wenn es nicht zu schwierig werden verspricht – könnten wir speziell hier angelehnt an der Redewendung „Liebe deinen Nächsten“,
    und zwar an der damals verwendeten parallel praktizierten Sprache des Altaramäischen, eine vergleichende Gegenüberstellung lesen.

    Obwohl wenn nicht, dann kann es so bleiben,
    denn auch die Jesaja Prophetie soll in Hebräisch für die Nachwelt abgefasst worden sein.

    Jetzt sage ich bestimmt nicht zuviel,
    wenn ich darauf hinweise,
    zumindest ein Versuch kommt sicher!



    und ein :zauberer1
     
  6. maria45

    maria45 Guest

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    Lieber Brotherhood,
    ja schon richtig. Nur daß die Kombination aus Schin und Dalet ebenfalls eine Dualität ist.

    So ist der Text eben nicht eindeutig, ob "schedim" oder "schadajim". "sched" als Dämon taucht übrigens nur zweimal in direkter Bedeutung in der Schrift auf, in den übrigen Fällen ist es immer "schad" - Brust, oder "schod" - Verwüstung. Deshalb nun einfach "schaddai" ausschließlich von "sched" abzuleiten, ist einseitig und folgt nur der männlichen Linie, in der schedim die männliche Form mit männlichem Plural ist.

    Doch die weibliche Linie ist impliziert, sobald sich JHWH ins Spiel bringt. Am einfachsten und auch ohne weitere Zahlenhintergründe nachvollziehbar z.b. in Jesaja 66, in dem sich JHWH als die im Himmel Thronende vorstellt (vers 1), und dann in Vers 11 auffordert "sauget und sättiget euch an der Brust ihrer Tröstungen, auf daß ihr schlürfet und euch ergötzet an der Fülle ihrer Herrlichkeit" sowie in Vers 13 die weibliche Seite betont: "wie einen, den seine Mutter tröstet, also werde ICH euch trösten; und in Jerusalem sollt ihr getröstet werden.", wo es also nicht um Aufnahme irdischer Dualität geht, sondern von himmlischem Trost.

    Und Jerusalem hat ebenfalls wieder die Doppelnatur. Einmal die des irdischen Wachstums, das irdische Jerusalem, und einmal das himmlische Jerusalem, die Stadt Gottes, die nicht mehr im Zeitlichen, sondern im Ewigen angesiedelt ist, aber bis hinunter in die Zeit ihre Segnungen verströmt.

    In den Zahlen könnte man eigentlich auch leicht die Verwandschaft von "schamajim" und "schadajim" sehen, von "Himmel" und "Brüste", das eine schreibt sich "300+40+10+40", das andere "300+4+10+40".

    Genauer betrachtet sind die "himmlischen Brüste" des El Schaddai sogar noch über die Himmel erhoben... eine genauere Betrachtung führt hier jedoch in Tiefen, in denen wohl keiner zu folgen vermag...

    Möge die Andeutung genügen, daß der Gesalbte Gottes, der in Ewigkeit im Schoße der Gottheit spielt, im Psalm 22 ausruft, daß er an den Brüsten seiner Mutter gesaugt hat.

    Und überhaupt, wer wollte denn ernsthaft einen "El Schaddai" anrufen, wenn man schaddai von sched, Dämon ableitet? Würde es doch bedeuten, den - wörtlich übersetzt - "Gott meines Dämons" anzurufen...

    Wie mein Lehrer dazu sagte, kann man solches natürlich tun, und er bewundert jeden aufrichtig, der diesen Weg wählt, freiwillig sich in größtmögliche Entfernung von der Quelle aller Freude und aller Liebe zu begeben... - aber sein Weg sei es nicht..., der seines Lehrers hingegen schon...

    und nur noch kurz im Nebensatze Teigabids Frage nach dem "Liebe deinen Nächsten als dich selbst" streifend (auf die historisierende Sicht, geliebter Teigabid, gehe ich natürlich wie immer nicht ein und bitte dafür um Verständnis, denn das Kreuzigen des Ewigen Wortes überlasse ich weiterhin den Römern im Geiste, die können das gut), ein Ausdruck, dessen Gesamtgewicht 814 ergibt, und 814 ist ebenfalls der volle Wert von "schaddai"...
    so darf man im "El Schaddai" auch den Gott im Aspekt der Nächstenliebe erkennen... und ja, wer wirklich soweit ist, der wird natürlich auch den Bösen lieben und damit auch alle Dämonen im Schaddai in Liebe binden und integrieren, an ihren Platz stellen, aber wer ist denn schon so weit...?
     
  7. FIST

    FIST Neues Mitglied

    Registriert seit:
    16. Februar 2004
    Beiträge:
    25.988
    als geleriger schüler des "Klubs der Toten dichter" kann ich nur sagen: wer ein Gedicht versucht auseinanderzunehmen und zu analysieren, hat es nicht verstanden... Gedichte (und Lieder) sind da um gesungen zu werden, man muss sie über die Zunge Rollen, mit Hauch und Athem erfüllen, geschriebenes durch das Lesen mit Leben erfüllen...

    das Analysieren eines Gedichtet ist wie wenn man mit einem Schwert in ein Herz hineinstösst um herauszufinden, warum es schlägt :rolleyes:

    Der Herr ist mein Hirte

    mir wird nichts mangeln.

    Er weidet mich auf einer grünen Aue

    und führet mich zum frischen Wasser.

    Er erquicket meine Seele.

    Er führet mich auf rechter Straße um seines namens Willen.

    Und ob ich schon wanderte

    im finstern Tal,

    fürchte ich kein Unglück;

    denn DU bist bei mir,

    DEIN Stecken und Stab trösten mich.

    DU bereitest vor mir einen Tisch

    im Angesicht meiner Feinde.

    DU salbest mein Haupt mit Öl

    und schenkst mir voll ein.

    Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang

    und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

    Amen

    lG

    FIST
     
  8. Teigabid

    Teigabid Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. November 2006
    Beiträge:
    6.066
    Ort:
    burgenland.at
    Na also, es geht doch – Ansatzweise.


    Bedenkt man die Sprache, allgemein und im speziellen, dann kommt man wohl nicht umhin, dass am Beginn, also ganz am Anfang, da stand was man heute Hauptwörter bezeichnen möchte, und die haben ganz konkret eine Person, ein Tier oder eine Sache und derlei andere Dinge benannt, wobei es vorkommen konnte, dass für mehrer zu beschreibende Objekte ein Wort verwendet wurde. In der Sprache und dann auch in der Schrift, was man halt so als Schrift verstanden hat.

    So gesehen bildet etwa das reine Tierkreiszeichen beherrschende „Chinesische Horoskop“ eine sehr alte konservierende Darstellung von den Anfängen.
    Möchte man dabei mit der Schlange beginnen und darauf den Drachen folgen lassen, dann kommt unser menschlicher Zweig mit dem Affen irgendwo mitten drinnen sehr spät an die Reihe.
    Diesem Urbild, dem Affen, gleicht unser Erscheinungsbild am ehesten.
    Für weniger geübte Astrologen und Astronomen soll nun doch die griechische Philosophie behilflich sein.
    Denn es ist just das Zeichen des Löwen in dem David zur Welt gekommen war.
    Jener Sektor der angeglichen dem entspricht, der für den Affen, also dem Urstamm, bestimmt wurde.
    Ob es nun just Juli/August ist, wo alle Menschen ihre Jungen werfen, das ist wahrscheinlich eine andere Frage.

    Kehren wir zum Wort zurück, und halten wir fest, Verständnis in der jeweiligen Sprache ist nicht immer ganz einfach. Meistens beschränkt man sich gerne auf einen engen Bereich und bezeichnet ihn als sehr üppig. Als Beispiel sei hier angeführt, wie es sich zugetragen hatte, als die Spanier nach Mittelamerika kamen. Die Ureinwohner, kurz Indianer gerufen, sie kannten das Pferd nicht, hatten also auch keine Laute und Zeichen dafür. Aber in der Art glich das Pferd einem anderen Haustier, und darum nannten sie es „großer Hund“.


    Was nun den Klang der jeweiligen Worte betrifft, und weil doch die Kreuzigung auch hier erwähnt wurde, sei es nun aufrecht stehend oder auf den Kopf gestellt, vielleicht auch kreuzweise wie man es dem Andreas nachsagend vorweg nimmt. Darum erlaube ich mir nun den ersten Satz aus den Schriften des Thomas ins Spiel zu bringen:



    Und er sprach: Wer die Interpretation dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.


    (Matthaeus 16,28: Wahrlich ich sage euch: Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich.

    Markus 9,1: Und er sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Es stehen etliche hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis daß sie sehen das Reich Gottes mit seiner Kraft kommen.

    Lukas 9,27: Ich sage euch aber wahrlich, daß etliche sind von denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis daß sie das Reich Gottes sehen.

    Johannes 8,52: Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich.)


    Eigentlich, so könnte man sagen, hat jeder seine eigene Interpretation gefunden.
    Um hier zum Verständnis der Melodie zu kommen, dürfen wir ein donnerndes Dogma negieren.
    Verneinung einer Ansage, die kein wenn und aber gestattet.

    Wie schmeckt der Tod? Wie macht er das?

    Viel mehr war es ein Lacher, ein Scherz, ein Erklären im Freundeskreis.
    Als wäre es eine Weise aus Rotkäppchen der Brüder Grimm.

    „Was ankommt an meinem langen Riecher mit üblen Gestank,
    das wird mein Mund nicht kosten.“





    und ein :weihna1
     
  9. maria45

    maria45 Guest

    wobei man im Speziellen auch in der diachronen Sicht bedenken sollte:

    Im Hebräischen wurden die Hauptwörter bestenfalls als Packpapier oder Geschenkband um die in schwarze Seide gehüllten diamantbesetzten Regenbogenstrahlen der Hochzeitsringe der Verben geschlagen.

    mit anderen Worten: es spricht sich hebräisch ewiglich handelnd.

    oder, um im Text des Psalms 23 zu bleiben, anstelle zu übersetzen:

    "Der Herr ist mein Hirte"

    wäre eine Übersetzung wie

    "Ewiglich strömendes herdet mich."

    sehr viel näher an der Poesie dieser Sprache.
    :rolleyes::kuesse:
     
  10. tyrael63

    tyrael63 Guest

    Werbung:
    wenn es nur um eine "ebene" geht, hast du durchaus recht, schätze ich.
    anders siehts wohl hier aus:

    also, um ehrlich zu sein, auch wenn das packpapier schon wunderschön ist, aber wer würde nicht lieber das geschenk wollen, so jemand es einmal "ent-deckt" hat? (danke für die ent-wicklung, maria45)

    ist das eigentlich der sinn von "verpackung", ihre dualität sozusagen, das 2 (oder 3,4,..) in 1, um schicht für schicht in die tiefe/höhe zu gelangen?

    faszinierender ansatz für sprache generell. die worte weisen auf etwas, außerhalb ihrer selbst. sind "nur" verpackung, aber nicht inhalt. würde die "heiligkeit" der worte, die ja früher, besonders als schriftsprache oft nur "eingeweihten" zugänglich und gestattet war, erklären. nur wir mit unserer westlich-profanen worteflut geben uns der illusion hin, dass worte in sich selbst die "wahrheit" beinhalten.

    bin nunmal ein linguistisches untalent, aber gibt es, weil du hier gerade anhand eines beispiels das "problem" der übersetzung/umdeutung in einen anderen geistigen/sprachlichen kontext verdeutlicht hast, ist das probem nicht ähnlich z.b. bei chinesisch, und seiner "bildersprache" und einer entsprechenden übertragung in einen europäischen sprachkontext?

    man könnte das natürlich noch anders ansetzen: die sprache, worte sind der männliche, profane, im außen agierende teil, der sich wandelt, auch im zeitlichen kontext gesehen, sich dem außen anpasst, während der inhalt, das worauf sprache verweist, bezug nimmt, das mysterium, das weibliche, im extremfall das ewige, unaussprechliche bleibt. yin und yang, odysseus auf der reise, und penelope daheim, als archetypen, wie auch immer. und somit wieder in sich, als gesamtstruktur, als prinzip das universum im kleinen.

    würde sogar noch weiter gehen, zum dilemma der "aufhebung" der dualität, die ja auch im forum immer wieder "auftaucht": wenn die struktur so stimmen würde, ginge es gar nicht darum, etwas in sich aufzuheben, auszulöschen, sondern darum, den "fluss", die interaktion zwischen den dualen polen wiederherzustellen, ob in sich selbst, zwischen mann und frau oder welt und himmel, profan und sakral, wie auch immer, als prozess, nicht (nur) als zustand. damit wäre das problem eben nur über die ebenen hinaus auflösbar, weil ein "teil" nicht in der "wirklichkeit" ist, oder wir es (normalerweise) nicht sind, je nach betrachtungsweise.

    was natürlich auch in gewisser weise die von dir öfters eingebrachte (an)deutung des göttlichen als etwas "eher-weibliches" nahelegen würde. zumindest vom prinzip her.

    ? schon faszinierend, was ein paar worte bewirken können....
    ich mag damit völlig daneben liegen, aber irgendwie macht's sinn so. zumindest für mich.

    :umarmen: :escape:
     
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