Von dem Fischer und seiner Frau

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Nein, sie wird nicht wirklich Gott. Das geht ja noch viel weniger als Papst zu sein. Das ist eine so absurde Überspitzung, daß man schon mitten beim Lesen denkt "na warts ab, am Ende sitzt du wieder in der Armut von anfangs da, wenn nicht sogar noch schlimmer". Und so kommt es ja dann auch, einfach weil sie so gierig war. Als Leser schmunzelt man sich eins über ihr Mißgeschick und lobt sich ein bischen selbst, daß man es hat kommen sehen, daß man also die Moral, die dem Märchen zugrunde liegt, bereits inne hat.

Ansonsten erfüllt dieses Märchen (für meine Begriffe) keinen irgendwie emotional hilfreichen Zweck, wie andere Märchen dies vermögen. Solche, die dem Kind ermöglichen, zum Beispiel die Themen Geschwisterrivalität oder Konflikte mit den Eltern usw spielerisch zu durchleben. Emotional mit dem Helden voll dabei zu sein, und am Ende geht alles gut aus. Das Kind erfährt daraus, daß es alles Schwere siegreich hinter sich lassen kann. Solche Märchen (wie Hänsel und Gretel, Aschenputtel usw) haben für mein Empfinden mehr zu bieten als der Fischer und seine Frau.
 

in Stade gibt es einen Brunnen mit dem Fischer, im Gespräch mit dem But.

Für mich war die Geschichte immer eine Art Warnung, wie sie ja öfters in Märchen verpackt ist.
Die Warnung vor der Unersättlichkeit und dem Ziel Zufriedenheit zu erlangen, nicht immer mehr und mehr zu wollen, damit man am Ende nicht mit leeren Händen da steht.
Bei Hans im Glück geht es um das gleiche Thema. Zuerst hat er einen Klumpen Gold Aber er tauscht und tauscht, bis er am Ende gar nichts mehr hat.
 
Bei Hans im Glück geht es um das gleiche Thema. Zuerst hat er einen Klumpen Gold Aber er tauscht und tauscht, bis er am Ende gar nichts mehr hat.
Das Märchen vom Hans im Glück finde ich dennoch wesentlich eher „spirituell“ interpretierbar – als dies beim Fischer und seiner Frau der vermeintliche Fall sein könnte.:cautious:
 

in Stade gibt es einen Brunnen mit dem Fischer, im Gespräch mit dem But.

Für mich war die Geschichte immer eine Art Warnung, wie sie ja öfters in Märchen verpackt ist.
Die Warnung vor der Unersättlichkeit und dem Ziel Zufriedenheit zu erlangen, nicht immer mehr und mehr zu wollen, damit man am Ende nicht mit leeren Händen da steht.
Bei Hans im Glück geht es um das gleiche Thema. Zuerst hat er einen Klumpen Gold Aber er tauscht und tauscht, bis er am Ende gar nichts mehr hat.
Das ist ja schon sehr weit interpretiert und in meinen Augen wichtiges ausgelassen.
Dass es ein Leben gibt, das zu einem passt hatte ich schon mehrfach geschrieben.
Ob das Ziel von Fischers Fru Zufriedenheit ist, wissen wir nicht, es könnte auch Macht sein, oder Fülle – um nur zwei Ziele zu nennen.

Was aber so gar nicht stimmt in beiden Deiner Interpretationen ist Deine Meinung, dass beide am Ende gar nichts mehr haben. Die überall für lau zu habende Sichtweise des übertriebenen Materialismus (und seine negativen Folgen für uns Menschen).

Alle Beteiligten Fischer, seine Frau und Hans im Glück haben vorallem ERFAHRUNGEN gemacht.
Und um das geht es meines Erachtens in dieser Welt, das ist das, was uns niemand nehmen kann:
den Erfahrungsschatz.

Im letzten Hemd ist kein Platz für Materie, Material, Macht.
Im letzten Hemd sind aber alle Erfahrungen, unsere Weisheiten des Lebens drinnen.
Alle Erfahrungen dienen der Seele und Erfahrungen sind das, was wir mitnehmen, das, was die Seele ausmacht.

Ebenso spannend ist, dass Fischers Fru erst nach den Erfahrungen wie es ist als Kaiser, König, Papst zur Erfahrung WIE Gott kommt – sie will nicht Gott sein, sondern wie Gott – ein kleiner, aber feiner Unterschied.
 
Eine Sichtweise auf das Märchen der Fischer und seine Frau offenbart eine Art umgekehrtes Hans im Glück Erlebnis: bei Hans im Glück fängt es mit dem grössten möglichen materiellen Wert (Gold) an und endet mit dem grösst möglichen immateriellen Wert (Erfahrung), Hans handelt anders herum als die Anderen (das "kehret um" von Jesus), allerdings finden ihn die anderen als Sonderling ...
Fischers Frau ist "normal", sie will immer mehr (zuerst Materie, Material, dann auch Macht), ist nicht zufrieden mit dem Erreichten und sie kommt bei der ihrem einfachen Gemüt maximal vorstellbaren Macht an (Gott) und landet im materiellen Nichts ...

Hans im Glück und die Fischers landen am Ende bei null Materie und maximal Erfahrung.
Ihr Weg in der Materie ist entgegengesetzt: einmal Start bei 100, Ende bei Null (Hans im Glück) und bei Fischers Start bei Null Steigerung bis 100 und am Ende wieder Null.

Für Gott ist die Materie wie eine Hütte, das heisst nur ein winziger Teil seiner Selbst.

Es ist von Vorteil nicht etwas als besser oder schlechter zu werten, alles hat seinen Wert.
In unterschiedlichen Systemen (menschliches System, göttliches System) unterschiedlichen Wert.
 
Nein, sie wird nicht wirklich Gott. Das geht ja noch viel weniger als Papst zu sein. Das ist eine so absurde Überspitzung, daß man schon mitten beim Lesen denkt "na warts ab, am Ende sitzt du wieder in der Armut von anfangs da, wenn nicht sogar noch schlimmer". Und so kommt es ja dann auch, einfach weil sie so gierig war. Als Leser schmunzelt man sich eins über ihr Mißgeschick und lobt sich ein bischen selbst, daß man es hat kommen sehen, daß man also die Moral, die dem Märchen zugrunde liegt, bereits inne hat.

Ansonsten erfüllt dieses Märchen (für meine Begriffe) keinen irgendwie emotional hilfreichen Zweck, wie andere Märchen dies vermögen. Solche, die dem Kind ermöglichen, zum Beispiel die Themen Geschwisterrivalität oder Konflikte mit den Eltern usw spielerisch zu durchleben. Emotional mit dem Helden voll dabei zu sein, und am Ende geht alles gut aus. Das Kind erfährt daraus, daß es alles Schwere siegreich hinter sich lassen kann. Solche Märchen (wie Hänsel und Gretel, Aschenputtel usw) haben für mein Empfinden mehr zu bieten als der Fischer und seine Frau.

Das ist es ja eben. So wirklich klar ist nicht, wie das Ende nun gemeint ist. Denn dass der Butt einfach antwortet, da jetzt sitzt sie wieder in ihrem Pisspot oder wie das heißt, bedeutet ja eben nicht unbedingt, sie wäre abgestraft worden. Der Logik des wenig komplex wirkenden Märchens folgend, ist es sehr viel naheliegender, dass eben auch dieser Wunsch ihr erfüllt wurde. So absurd das natürlich sein mag. Aber Märchen halt. Es gibt eben verschiedene Auslegungen: Erstens die Frau wurde einfach abgestraft, indem ihr alle erreichten Güter und Titel wieder entzogen wurden. Zweitens , der Frau wurde der Wunsch einfach erfüllt. Die erste Auslegung folgt der Logik des Materialismus: Alles Streben nach mehr ist verständlich, aber übertreibe es nicht, denn sonst wirst du alles wieder verlieren. Bei der zweiten Auslegung ist das alles gar nicht mehr so klar. Denn da spielt das Gottesbild der Frau mit ein. Gott ist in diesem Bildnis sehr viel mehr als der Papst. Er stellt die absolute Macht dar und diese begehrt die Frau. Sie will nicht mehr nur Geschöpf sein sondern Schöpfer selbst. Und der Butt beantwortet ihre Begierde mit ihrem eigentlichen Schicksal, nämlich das Leben als arme Fischersfrau. Sie sagt ja sie will sein wie Gott und die Antwort lautet: Sein wie Gott bedeutet den Verzicht auf sämtliche Bestrebungen und Begierden.

Das wäre eben auch eine mögliche Lesart. Und ja natürlich, es gibt Märchen, die reizender sind, möglicherweise auch inspirativer. Aber als ich das Märchen gestern wieder einmal las, fiel mir auf, dass dieses Märchen in seiner einfachen Struktur eigentlich doch sehr komplex ist. Es wirkt leicht durchschaubar und dabei ist z.b Strafe und Bedingungen überhaupt kein Thema des Märchens. Das heißt, wir folgen mit der ersten Lesart nicht der Logik des Märchens, sondern vielmehr der Logik unserer Werte, unsere eigenen Moral. Und die ist ja nicht schlecht, aber es ist fraglich, ob es die tatsächliche Botschaft dieses Märchens ist. Mich erinnert das ganze übrigens an diese Geschichte von den Spuren im Sand. Auf Anhieb liest sich diese wie eine Geschichte des Trostes oder des göttlichen Beistands in der Not, aber der Inhalt gibt einfach nur frei, dass du selbst Jesus bist.
 
Das ist ja schon sehr weit interpretiert und in meinen Augen wichtiges ausgelassen.
Dass es ein Leben gibt, das zu einem passt hatte ich schon mehrfach geschrieben.
Ob das Ziel von Fischers Fru Zufriedenheit ist, wissen wir nicht, es könnte auch Macht sein, oder Fülle – um nur zwei Ziele zu nennen.

Was aber so gar nicht stimmt in beiden Deiner Interpretationen ist Deine Meinung, dass beide am Ende gar nichts mehr haben. Die überall für lau zu habende Sichtweise des übertriebenen Materialismus (und seine negativen Folgen für uns Menschen).

Alle Beteiligten Fischer, seine Frau und Hans im Glück haben vorallem ERFAHRUNGEN gemacht.
Und um das geht es meines Erachtens in dieser Welt, das ist das, was uns niemand nehmen kann:
den Erfahrungsschatz.

Im letzten Hemd ist kein Platz für Materie, Material, Macht.
Im letzten Hemd sind aber alle Erfahrungen, unsere Weisheiten des Lebens drinnen.
Alle Erfahrungen dienen der Seele und Erfahrungen sind das, was wir mitnehmen, das, was die Seele ausmacht.

Ebenso spannend ist, dass Fischers Fru erst nach den Erfahrungen wie es ist als Kaiser, König, Papst zur Erfahrung WIE Gott kommt – sie will nicht Gott sein, sondern wie Gott – ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Doch, der Mann sagt doch dass es um Zufriedenheit geht. Aber diese Zufriedenheit wird ja nicht erreicht sondern im Gegenteil der See bzw die Seele wird ja immer modriger und stinkiger, das Wetter oder die Stimmung immer mieser. Ob sie letztlich zufrieden oder unzufrieden war in ihrer Hütte lässt das Märchen ja offen. Das darf vielleicht jeder Leser für sich selbst reflektieren, ob er unter diesen Umständen noch zufrieden sein könnte.
 
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Ich glaube dass die Frau hier den Verstand darstellt der uns immer zwischen grätscht. Das Märchen beginnt ja eigentlich mit einem zufriedenen Bewusstsein. Der Mann hat null Bestrebungen den Fisch auch nur den geringsten Handel aufzuzwingen . Diese Bedingungslosigkeit des Mannes, welche er zunächst an den Tag legt, beantwortet der Fisch ja mit exakt derselben Bedingungslosigkeit allen Begierden der Frau gegenüber. Als Papst ist sie zunächst nur der Stellvertreter Gottes auf Erden. Aber diese Stellvertreterfunktion reicht ihr irgendwann nicht mehr. Die Steigerung ist "wie Gott sein ". Jetzt ist die Frage beantwortet der Butt das mit einem Aufstieg oder mit einem Abstieg, mit einem Fall?
 
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