Von dem Fischer und seiner Frau

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Ja, der Butt, aber auch die Frau und der Mann können als unsere eigenen Inneren Anteile gelesen werden. Ich persönlich würde darin kein "sich lustig machen über Gott" erkennen. Vielmehr, die Entlarvung des Gottesbildes als der "Allmächtige, Machttrunkene" dem wahren Wesen Gottes gegenübergestellt als "der einfachste unter uns". Nur gibt es eben auch die andere Seite der Medaille aus dem Blickwinkel des Materialismus.

Eine indirekte Wertung des Geschehens gibt es aber ja schon auch im Märchen enthalten. So wird mit jedem Mal der Steigerung der Gier das Meer oder die See dunkler, verfaulter, schwarz und stinkig.

Der Butt und die Frau haben keinen Kontakt, die Kommunikation verläuft ja nur über den Mann als Mittler. Jedes Mal ist ihm das Ansinnen seiner Frau unangenehm peinlich. Aber jedesmal, nachdem der Butt den Wunsch erfüllt hat, bestärkt er die Frau, wie schön sie jetzt sei. Und je schöner und strahlender und angenehmer das Leben und die Frau wird, desto stinkender und fauliger wird der See.
Ich mach mal munter weiter:
Ich würde das Problem auf "im Moment" der Geschichte setzen.
Es steht dem Menschen zu sich alles zu erarbeiten oder hineinzuwachsen (ich meine nicht Adel/Könige/Kirche/Papst), dann ist die Frau wirklich schön und der See auch, kein Gestinke, keine Schwärze.
Wünscht sich aber der Mensch einen Wunsch der im Moment zu gross ist für sein Leben, dann stinkt es zum Himmel, nicht unbedingt an der Fassade von Dorian Gray, sondern in den Coltan-Bergwerken in Afrika, im brasilianischen Urwald und so ...
Der Zustand, der im Moment dem entspricht, wie weit er gewachsen ist, ist die Hütte.
Ohne jede Wertung. Also weder gut noch schlecht.

Der kapitalistisch kritische Zögling findet eine Hütte mies – aber ist sie das wirklich?
Welcher Banker mit Villa und Boot in Nizza kann sein "Eigentum" sinnvoll verwalten?
Welche Beziehung hat ein solcher Banker, beziehungsweise, wieviel Zeit hat er für Beziehung wirklich, muss er nicht dauernd dem Geld hinterherrennen um all den Luxus zu finanzieren? Und wieviel stinkenden Müll produziert er in den Favelas in Südamerika?
In einer Hütte ohne viel Brimborium habe ich Zeit fürs Wesentliche, für die Beziehung: zu mir, zu Dir und zu Gott, der Schöpfung, der Welt.

Das Weibliche, die Frau, will schön sein, Schönheit ist ein Prinzip der Harmonie und der Ordnung. Im ersten Anlauf stellt sich die Frau vor, dass die Maske schön ist, die Maske von mehr, mehr und mehr, König, Kaiser, Papst, Gott ... deswegen ist Gott unsterblich und zugleich für den Kapitalismus gestorben/tot, weil weder Geld in Gott angelegt werden kann, noch die Überfülle irgendwie gesteuert werden kann, die Gott und Mutter Erde ständig herstellen. Könige, Kaiser und Päpste müssen vielmehr den Reichtum Gottes zerstören, damit ihre falsche Botschaft vom Mangel ankommt und das Volk steuerbar wird im Sinne des Mammon.

Bezeichnenderweise wird nichts über die Frau berichtet in der Hütte, als sie sein will wie Gott.

So weit meine Facetten ...
 
Naja, wenn man es sooo wörtlich nimmt, stellt sich die Frage, wieso es ihr Recht sein sollte, einen "am Leben gelassenen" nun für den Rest seines Lebens aussaugen zu können nach Belieben? Im russischen Pendant zu diesem Märchen ist der letzte Wunsch der Frau nicht Gott zu werden, sondern das Meer zu beherrschen in welchem sie von nun an wohnen wolle und der Fisch sei ihr ewiger Diener und Wunscherfüller.
Da hat die Ilsebill über ihr Ziel hinaus geschossen, keine Frage!
Und der Mann in der Geschichte ist ja nun ... sehr einfach gestrickt. Selbst der Fisch scheint es zu sein. Einen Klassenkampf kann ich da schwer erkennen. Es gibt oder gab wohl die Interpretation einer Parodie auf Napoleon ( ließ mal im Wiki verschiedene Deutungsansätze).
Ich habe auch die Interpretationen im Wiki gelesen.
Die Märchen damals waren wohl auch für das einfache Volk bestimmt -
und ich stelle mir jetzt vor, wie das auf das einfache Volk ( die keinen besonderen spirituellen Hintergrund hatten) wirkte:
Der einfache Mann denkt: Bloß nicht auf die Frau hören,
Die einfache Frau denkt: Bloß nicht Ansprüche stellen oder gar den Mann bedrängen.
Der Prinz denkt: Bloß nicht sich vom einfachen Mann einfangen lassen und gar in seiner Schuld stehen! ;) :ironie:
 
Als sie schließlich fordert, wie der liebe Gott zu werden, wird sie wieder zurück in die armselige Hütte versetzt, wie am Anfang. („Ga man hen. Se sitt all weder in’n Pissputt.“)
Spontan fallen mir 2 Sachen ein.

1. Nicht gierig sein.

2. Gott hätte kein Problem in der Hütte zu leben (Wenn er ein Mensch wäre.), da er keinen Wert auf Geld, Macht ect. legt.
 
Hier einmal eine weitere Auslassung zu diesem Märchen:

  • Der Butt ein verwunschener Prinz, der Wünsche erfüllt, da stimmt etwas nicht. Denn der Butt, oder was auch immer er wirklich ist, er kennt sich mit der Gefahr beim Wünschen aus, ist er doch selbst verwunschen.
    Wie der Fischer sitzt, angelt und in das klare Wasser schaut angelt er den Butt, der Fischer hat Zugang zu den schöpferischen Kräften, der Butt spricht mit ihm. Einen sprechenden Fisch "werde ich wohl schwimmen lassen," sagt der Fischer, er kann Phantasie und Wirklichkeit auseinanderhalten und lässt den Butt zurück ins Wasser, ins Unbewusste gleiten.
    Sollte man wie der Fischer mit Wünschen umgehen, sie aufsteigen lassen, mit ihnen sprechen und sie wieder ziehen lassen. Was gewinnt man damit, innere Zufriedenheit, ein tiefes Erlebnis und Freiheit.
    Das schlechte Gewissen, das der Fischer immer wieder mit den Wünschen seiner Frau zum Butt trägt, ist wie die Eintrübung und das Aufwühlen des Meeres, er kennt die Gefahr, er kann sie nicht aufhalten. Er ist mit seiner Frau verbunden, sie ist seine andere Seite, die mit der Wirklichkeit hadert und zweifelt, die kämpft und um Wohlstand, Prestige und Macht ringt. Auf Kosten des Zaubers und des inneren Friedens.
    Sich etwas wünschen ist schwierig, und führt in die Not, die einfache Erfüllung von Wünschen macht nicht glücklich, sondern treibt die Wunschspirale immer wieder aufs Neue an. So geschieht es anschaulich mit der "Ilsebill" seiner Frau. Er sieht sie genau an, erkennt ihren Status an, "Kaiser steht dir gut" und stellt ihr immer wieder die gleiche Frage, "bist du jetzt zufrieden"? Aber die Zufriedenheit stellt sich nicht ein.
 
Wiyana
vor 3 Jahren

Hallo QuestionAboutU,
spannend! Du hast mich gerade dazu gebracht, neu über das Märchen nachzudenken!
Hab es auch inmer als "Strafe" oder "erzieherische Massnahme" fürs Nicht-Erkennen von menschliche Grenzen gesehen, als "Hochmut kommt vor dem Fall"-Geschichte.
Oder ich hab einfach gedacht dass es nicht geht. Wenn es etwas gibt, was "allmächtig" ist, kann nicht ein zweites, davon unterschiedenes ("sein wie Gott") die gleichen Eigenschaften haben.
Jetzt frage ich mich grad: Was für ein Gottesbild - oder was für verschiedene Gottesbilder - liegen der Geschichte überhaupt zugrunde? Das vom "Allmächtigen Vater"? Oder das des Kindes zu Bethlehem, in die Armut der Welt hinein geboren (nein, gar nicht romantisch ...)? Das der Schöpferkraft, die den Menschen "nach ihrem Bilde" schafft - den Menschen, so wie er ist?
Vielleicht hats da noch eine verborgene Dimension in dem Märchen. Vielleicht hat Gott eben nichts mit "Macht" zu tun, so wie die Frau sich das vorstellt. Vielleicht ist "Sein wie Gott", Ebenbild Gottes sein gemäss der Schöpfungsgeschichte, tatsächlich nur aus Liebe und Verbundenheit mit allem Lebendigen möglich - und die lebt sich im Pott gleich gut wenn nicht besser wie im Palast. Aber da müssen die Menschen auch selber Verantwortung übernehmen für das, was sie tun. Wohl kein Zufall, dass verschiedene Mönchsorden auch die Armut als Weg zum Göttlichen sehr pflegten. Spannend, spannend. Das ist keine fertige Antwort - aber ich merke: Da denk ich selber gerne noch ein bisschen weiter nach. Danke fürs inspirieren!
LG
Wiyana
Hilfreich
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Nicht hilfreich
 
Meinem Empfinden nach ist in dem Märchen kein größeres Geheimnis um Gott herum mit drin.

Die Fischerfrau will immer mehr, immer doller und doller, und schon daß sie Papst sein will, ist ja absurd.
Eine Frau kann nicht Papst sein, und Papst wird man nicht mal eben, sondern das ist ein aufwändiger Akt.

Daß ihr letzter Wunsch dann Gott zu sein ist, setzt einfach nochmal einen obendrauf und sagt aus, daß
sie absolut keine Grenze kennt. Es ist ein Märchen, in dem es um den Menschen geht und nicht um Gott.
 
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Meinem Empfinden nach ist in dem Märchen kein größeres Geheimnis um Gott herum mit drin.

Die Fischerfrau will immer mehr, immer doller und doller, und schon daß sie Papst sein will, ist ja absurd.
Eine Frau kann nicht Papst sein, und Papst wird man nicht mal eben, sondern das ist ein aufwändiger Akt.

Daß ihr letzter Wunsch dann Gott zu sein ist, setzt einfach nochmal einen obendrauf und sagt aus, daß
sie absolut keine Grenze kennt. Es ist ein Märchen, in dem es um den Menschen geht und nicht um Gott.
Erst will sie ne Hütte, dann will sie Geld, Reichtum und nen Titel, dann will sie noch mehr Reichtum und Macht.
Der Mann fragt, ob sie jetzt endlich zufrieden wäre. Das fragt er sie ja jedes Mal. Und sie verneint immer wieder und möchte letztlich Papst werden. Sprich sie möchte neben all dem unermesslichen weltlichen Reichtum auch noch Ehren und Würden ohne die geringste spirituelle Anstrengung. Alle, selbst Könige und Kaiser, sollen ihr zu Füßen liegen. Aber auch das macht sie nicht glücklich. Und jetzt kommt die Pointe der Geschichte: sie will Gott sein. Und dieser Wunsch wird ihr auch erfüllt, zumindest liest sich die Geschichte so, es gäbe ja auch noch eine andere Auslegung. Und Gott sein bedeutet eben den Weg den sie zu Beginn umgeht halt doch zu gehen. Vielleicht ist eine wichtige Botschaft der Geschichte, dass man eben einen Weg auch gehen muss, ein Leben leben muss und dass das genau das ist was Gott letztlich in jedem einzelnen Menschen tut?
 
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