Liebe Izabella,
Izabella:
Würde mich deine Interprätation hizu (Ego, Paulus und so) interessieren *bitte, danke*
ich komme gerade aus Frankreich wieder, wenn ich im Forum schon als Gott tituliert werde, dachte ich, dann muss ich doch auch wie Gott in Frankreich leben *soviel zu meinem Ego*
aber mal ernsthafter. Wobei man sich ja auch fragen könnte, wieviel ein kleines Kind an Ernst hat... wenn es so egolos ist wie man sich das so denkt.
Aber nun zu dem, was Du schreibst:
Izabella:
Das was der Bewußtwerdung dient ist der Verstand. Für mich ist Ego nicht gleich Verstand.
Jedenfalls liebt das Ego solche Definitionen...
ohne Ego zu sein bedeutet letztlich, sich gar keinen Kopp um irgendwelches Ego zu machen und trotzdem wirklich auch egolos zu handeln... wobei ich diese Wort "wirken" dafür liebe. Es ist so wie die Sonne. Die Sonne tut nix, außer Sonne zu sein. Aber in ihrem Sein hat sie eine Wirkung. Deshalb ist sie wirk-lich.
Ego gibt es nicht nur im Verstand, das wird oft vereinfachend gleichgesetzt.
Zwar ist der Verstand - oder du sagst Vernunft - eine große Hürde, doch über 21 Hürden musst du springen, möchtest du wirklich dein altes Ego hinter dir lassen, es sterben lassen...
Izabella:
In jedem Moment, wo du dir des Egos bewußt wirst ist es genau genommen kein Ego mehr, sondern ein altes konditioniertes Denkmuster. Das Ego speist sich aus Unbewußtheit. Bewußtheit und Ego schließen sich, für mich gesehen, gegenseitig aus.
uffuff, ja, ich kann nachfühlen, was du meinst. Ob es sich wirklich daraus speist, hmja. Ich betrachte es eher als Figur-Grund-Phänomen. Wo das Muster ein Ego erkennen läßt, ist der Hintergrund Unbewusstheit.
Wobei - ich muss hier doch mal zu den Wurzeln zurückkehren.
Das Ego an sich, das hier immer so als der Buhmann des Selbst dargestellt wird, ist ja so ähnlich wie die Funktion des Verstandes.
Es gibt ein Ego und es gibt ein Ego.
Wir meinen dann normalerweise das Ego, das begrenzt ist, und das hat als Hintergrundmuster immer die Unbewusstheit.
Doch was ist mit all den großen "ICH bin"-Worten von Jesus?
Dort betont er sein Ego. Allerdings ist dies ein anderes Ego.
Es ist ein Ego, das grenzenlos ist, das aus seiner Eierschale der Unbewusstheit hinausgeschlüpft ist und in Bewusstheit wirklich keine Grenze kennt.
OOhh, höre ich da schon ein paar aufhorchen, bestimmt habe ich dann auch so ein grenzenloses Ego.
Doch Vorsicht!
Nichts tut das begrenzte Ego lieber als sich so ein grenzenloses Ego zugutezuhalten. Dann ist es nämlich richtig groß.
ICH hab mein Ego längst abgelegt... - sagt wer? Natürlich sagt so etwas fast immer nur ein begrenztes Ego...
Bist du wirklich grenzenlos in dir?
Dann macht es dir doch sicher nichts aus völlig zu verschwinden, oder?
Wer ein grenzenloses Ego hat, der hat wirklich dann kein Ego mehr.
Er IST Ego... - so auch Jesus, wenn er sagt "ICH BIN"... und durch diesen merkwürdigen Trick des Bewusstseins, das alle Dinge unsichtbar werden lässt mit denen wir uns völlig identifizieren, mit denen wir völlig verschmolzen sind, verschwindet dann das Ego.
In diese Richtung der Verschmelzung des Ego mit allem was da ist gehen viele mystische Erlebnisse.
So löst sich das begrenzte Ego auf, weil eben seine Begrenzungen wegfallen.
Ich bin ich und ich bin du und ich bin das, was zwischen uns ist und das, was ausser uns noch ist.
In dieser Art kommen dann Äußerungen zustande wie "Ich bin Anfang und Ende, bin Mann und bin Weib, und bin die geschlechtslose Gestalt", wie sie in den Nag Hammadi-Texten ("Der Donner") und im Candamaharosanatantra zu finden sind.
Wer wirklich grenzenlos ist, ja, dem öffnen sich natürlich auch alle Welten zu allen Geheimnissen... es gibt nichts, was er nicht erkennen könnte... alle Dinge liegen offen vor seinen Augen...
Auch die Liebe wird dann grenzenlos und bedingungslos erlebt, sie umfasst einfach alles. Das Erbarmen ist überfließend, es ist so ein großes mütterliches Gefühl... kommt her, meine geliebten Kinder, möchte ich rufen, so wie Jesus über Jerusalem ruft:
Matthäus 23,37:
"Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!"
Es ist völlig egal, was meine Kinder tun... sie sind doch meine Kinder!!!
Nicht, dass ich ihnen alles durchgehen lasse - das wäre Gleichgültigkeit, und die Liebe ist nicht gleichgültig. Aber sie bleiben meine Kinder, egal was sie tun, und ich bin für sie da und gebe ihnen, was sie zum Wachstum brauchen.
Die Liebe hofft alles, glaubt alles, erduldet alles...
Das Ego hingegen kennt Grenzen der Hingabe.
Es will nicht alles erdulden, nicht alles glauben, nicht alles hoffen.
Dann würde es sich ja gar nicht mehr spüren können...
Das Ego ist eigentlich die Leerstelle im Bewusstsein, die leere Menge der Mathematik. Sie enthält nichts, außer sich selbst.
Im Hebräischen ist "ich" "ani", und schreibt sich mit denselben Zeichen wie "nicht"... und auch im Deutschen ist in "nicht" das "ich" sozusagen ganz nichtig enthalten
Und was ist die größte Sehnsucht des "ich", des kleinen, begrenzten Ego?
Wenn es doch von Haus aus gar nichts ist, noch nicht einmal ein schlechtriechender Pups, sondern wirklich leer, und nur aufgeblasen wie ein Luftballon?
Das "nichts" möchte so gerne einmal "etwas" sein...
Das Ego möchte
etwas darstellen.
Und wenn es schon "etwas" hat, dann möchte es...? Na was? Ja, natürlich!... "noch
etwas mehr"...
Und das auf allen Ebenen, eben nicht nur auf der Ebene des Verstandes.
Auch im Gefühl. Aua, daaa hast du MICH aber jetzt verletzt!!!
Auch im Körper. Nein, das ist mein Stück Kuchen!!!
und das auf allen sieben Chakren in Leib, Seele und Geist... so kommen die 21 Hürden zustande...
Man könnte da auch an die 21 Zeichen des hebräischen Alphabets denken oder die 21 großen Arkanen des Tarot, bevor das 22. Zeichen und das 22. Arkanum kommt, das Sterben des Ego am Kreuz, das letzte hebräische Zeichen ist die "Taw", und die wird seit Urzeiten als Kreuz geschrieben.
Der spirituelle Weg ist ein Weg, auf dem das begrenzte Ego langsam weniger wird und das unbegrenzte Ego wächst. Immer häufiger werden die Durchbrüche ins Unbegrenzte, bis es dann Schlag auf Schlag geht.
So ist Johannes der Täufer ein Symbol für das feinste und schönste und reinste und kultivierteste Ego, das es überhaupt gibt... und trotzdem ist es "nur" ein Ego... - der Kleinste im Königreich der Himmel (eben der unbegrenzten Egos) ist größer als er.
Wenn dem Ego bewusst wird, welche Aufgabe es eigentlich hat, dann predigt es sich selbst "Taufe" im "Wasser"...
es muss alles ablegen, nicht "noch etwas mehr" heißt dann die Devise, sondern "noch etwas weniger"...
es muss untergehen...
sterben...
Und Johannes der Täufer (also dieser Bewusstseinszustand im Menschen, der begreift, welche Funktion das Ego hat) sagt von Jesus: "
ich muss abnehmen,
ER aber muss wachsen".