Hallo Munay! Jetzt bin ich wieder hier und möchte nun genau analysieren, was du sagst.
Gott selbst soll von sich sagen "Ich bin".
Wird mit diesem Satz angedeutet, dass Gott in der Bibel sagt: "Ich bin, der Ich bin!" ?? Wenn das gemeint ist und zugleich ob der Wahrheit in der Bibel in Frage gestellt wird, dann hätte der Satz eigentlich so lauten müssen:
Gott soll angeblich von sich sagen, Ich bin
Die zweite Möglichkeit, den Satz zu verstehen, läge darin: Ja, nur Gott soll mit Recht sagen können und dürfen, "Ich bin." - Aber nicht wir Menschen, weil wir viel zu klein, viel zu gering, viel zu beengt sind.
Das menschliche Ego kann damit aber nichts anfangen, ich bin, ja was denn?
Falsch: Das Ego, das schöne, einzigartige Ich-Empfinden des Menschen, kann sowohl mit dem "Ich bin", das in Gott liegt, als auch mit dem etwas anfangen, was die Wahrnehmung seiner eigenen Person als "Ich bin" angeht. Ich bin meint nämlich sehr wohl: Ich bin vorhanden, ich bin da, ich erkenne mich im Spiegel.
Man darf hier nicht sofort das kleine, sagen wir niederträchtige Ego, ins Spiel bringen.
es will sich identifizieren
Der Mensch erkennt sich immer sofort und automatisch, identifiziert sich mit sich selbst. Das muss er nicht erst "wollen".
mit einem Geschlecht, einer Rasse, einer Nationalität, einem Glauben, einem Beruf,...
Das ist nicht die eigentliche Identifikation, das ist das Schaffen einer Zugehörigkeit zu etwas. Das Annehmen von Verwandtschaften, Ähnlichkeiten, Umständen. Hat nichts mit dem Ich eines Menschen zu tun.
Trennt sich damit schon, wird individuell. Bis dahin, alles gut.
Nein, nicht wegen dieses Annehmens wird ein Mensch individuell. Individuell ist er unabhängig davon.
Doch das reicht dem Ego nicht, es will besser sein, gibt ja immer noch so viele andere, die in den einzelnen Gruppen vertreten sind.
Prompt wird hier das persönliche Streben angesprochen, noch dazu jenes des primitiven Vorgehens, das der einfältigen Kurzsicht - bzw. des großen und kleinen Egoismus.
Dieses Besser sein wollen, wird gespeist von Hass, Neid, Zorn, Angst, ...
Das alles kann hin und wieder vorkommen, ist aber bei Weitem nicht die Triebfeder eines Menschen. Gott gibt dem Ichfunken im Herzen immer den Antrieb und den Willen, sich zu entfalten. Und das ist nicht egoistisch, sondern eine Urquelle im Menschen.
Dass das Tun und Wollen egoistisch, ja sogar pur egoistisch werden kann, das ist eine andere Sache.
(siehe auch Todsünden in der Bibel).
Warum hier der Verweis auf die Bibel?
Diese Überwinden kann nur die Liebe, das Mitgefühl und die Nächstenliebe.
Stimmt nicht ganz. Das Schlechte und Böse wird nicht ausschließlich durch Mitgefühl und Nächstenliebe überwunden. Auch durch höhere Einfügung ins Schicksal und auch durch klares Denken.
Den Unterschied bringt das Herz.
Ja, ein klares Herz, nicht ein verirrtes Herz.
Die Entscheidung trifft das Ego.
Welches Ego denn? Etwa das Ich als Identifiktation seiner Persönlichkeit? Nein, die Entscheidung trifft das Erkennen, das Wollen.
Das Ich, Individualität, Persönlichkeit usf. ist in der dualen Welt nicht wegzudenken.
Richtig.
Wenn Gott sich durch den Menschen erfahren will, doch abwechslungsreich und nicht uniformiert. ?????Ließe sich bei der Vielfalt, die das Leben und menschliche Lebensläufe bieten, auch nicht realisieren.
Hier wird dem "Wenn Gott" plötzlich eine andere Richtung eingeschlagen, nämlich die zu einer anderen Lebenseinstellung, wenn nicht sogar zu einer anderen philosophischen Religion, die das Ich anders betrachten will.
Es geht - m.E. nach - um das Wie wir durch die Welt gehen. In Liebe und Mitgefühl oder als Egoisten.
Einverstanden. Hat aber mit dem Ich nichts zu tun, sondern damit, wie der Mensch am besten lebt.
Das ist nicht die unbedingte Folge eines liebevollen Lebens. Ich und Du - geht ohnedies nicht anders.
Da gibt es diesen SanskritGruß: Tat tvam asi = das bist du. Sich selbst und Gott im Du erkennend.
Ja, jetzt sind wir bei der anderen Religion. Ich denke: Jeder Mensch kann "seiner" Religion folgen.
Dazu braucht es ein Ich, das nicht Egoist:
Oder in christlicher Ausdrucksweise: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."
Hab gestern im einem der Erleuchtungsthreads im Forum eine Diskussion verfolgt, bei der es darum ging, ob ein Erleuchteter überhaupt noch ein Ich habe bzw. sich mit Ich bezeichnen würde.
Das mag jeder Erleuchtete handhaben wie er will.
Ich meine: Das Ichbewusstsein als seine Persönlichkeitswahrnehmung darf nicht im Geringsten mit dem verbunden und verwechselt werden, was in irgendeiner Weise mit Egoismus im eigentlichen Sinn zu tun hat.
Das Ich ist im Grunde der Hinweis auf die Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen.