Schön!
Von Jesus weiß ich, daß ihm die Schriften gelehrt wurden - seine Spiritualität wird wohl in ihm nicht von anderen geweckt worden sein. Also nicht in Form eines Gurus oder Meisters. Aber da bin ich vielleicht nicht firm genug.
Ja, ich letztlich auch nicht. Es gibt da viele verschiedene Theorien drüber.
Um was es mir hier immer noch geht, ist eigentlich, daß Sai Baba wie ein Gott verehrt wird bzw. verehrt werden möchte. Vielleicht könnt ihr, die ihr ihn kennt, ja was drüber sagen.
Denn Jesus wollte das nicht, und ich verweise nochmal auf Amanda's Text über spirituelle Meister, der beinhaltet, daß ein wahrer Meister es ablehnt, in so einer Form angebetet zu werden, wie es Sai Baba bei sich zuläßt. Und es kann natürlich sein, daß er den Willen seiner Anhänger befolgt - weil sie es so wollen. Insofern wäre er ein Opfer seiner eigenen Guru-Tätigkeit.
Was mich auch wundert, ist, wenn er doch alles weiß, dann wußte er ja auch, was auf ihn zukommt. Auch die kritischen Stimmen. Wenn er es nun weiß, dann hält er es für richtig, daß es so ist, oder täusche ich mich?
Selbst wenn ich keinen Lehrer habe - lehne ich es nicht ab, wenn jemand Lehrer hat.
Aber ich lehne es ab, wenn jemand sich über die Menschen erhebt, der selbst nur Mensch ist.
Danke daß Du *fragst*
Hm. Zuerst einmal ein paar kleine Geschichten über seine Vorgehensweise mit engsten Studenten.
Zu einem Student sagte er: "Du sollst heiraten." Der Student antwortete: "Nein Baba." "Ich bin Gott, und Du tust, was ich sage!" "Nein, Baba."
Baba schmeißt ihn aus dem Ashram. Der Student wohnt fortan in Puttaparthi-Dorf. Also außerhalb des Ashrams. Nach einer Weile schickt Baba seine Seva-Dals zu ihm nach Hause. Sie haben den Auftrag zu fragen, ob er jetzt doch heiraten werde. Der Student sagt Nein. Baba läßt ihn aus Puttaparthi rausschmeißen. Der Student lebt fortan in Bangalore.
Es dauert wieder eine Weile, bis Baba mit dem Auto nach Whitefield fährt. Dabei kommt er an Bangalore vorbei und fährt zu dem Stundenten. Er sagt:"Und? Hast Du es Dir jetzt überlegt? Wirst Du heiraten?" Der Student sagt: "Nein, Baba!"
Baba klopft ihm auf die Schulter und sagt: "Gut, Du bist mein Student! Komm zurück."
"Entdecke Mich in Deinem Herzen!"
"Ich bin in Jedem von Euch. Seht mich überall und in Jedem."
Zum letzten Satz noch eine Geschichte: Eine Familie kommt zum Interview. Baba verspricht ihnen, zum Essen zu kommen. sie laufen aufgeregt nach Hause und bereiten alles vor. Kaufen die schönsten Speisen, legen die schönsten Gedecke auf, das beste Geschirr. In all der Vorbereitung klopft ein zerlumpter Bettler an die Tür und bittet um Speise. Sie weisen ihn ab in ihrer Aufregung, alles muß rechtzeitig fertig werden. Doch wer kommt nicht? Na klar. Baba.
Nächsten Tag im Darshan kriegen sie wieder ein Interview. Sie fragen ihn aufgebracht: "Warum bist Du nicht gekommen, Swami? Wir haben alles vorbereitet und auf Dich gewartet!" Baba antwortet: "Ich war da. Aber Ihr habt mich wieder weggeschickt."
Ein Student wird anläßlich einer Rede vorne hingestellt. Baba gibt ihm eine Kokosnuß. Er fragt öffentlich: "Gib die Kokosnuß dem, dem Du am meisten vertraust!" Der Student überlegt eine Weile und sagt: "Dann muß ich sie behalten." Raunen in der Menge. Und Baba sagt: "Wunderbar! Danke."
So - und jetzt zu MEINER Wahrnehmung. Zu Baba kommen Menschen aller Couleur. Strenge Katholiken. Menschen, die von strengen Katholiken erzogen wurden. Menschen, die sich dagegen sträuben, und über Baba reden, als wäre er ihr Kumpel, mit dem sie gestern aufn Bier aus waren....und Menschen, die Angst vor Gott entwickelt haben. Die sitzen in der Halle, zucken zusammen, wenn er kommt und falten die Hände mit ängstlichem Blick. Menschen mit Autoritätsproblemen aller Art, sind hingerissen, sehen ihn aber als Autorität an, oder brechen bewußt alle Regeln im Ashram. Menschen, die Regeln brauchen, um Struktur in ihr Leben zu kriegen, und die dann streiten mit denen, die sie mißachten. Menschen, die keine Regeln akzeptieren können, und die dann streiten mit denen, die auf ihnen pochen.
Der Typ, der mit Baba n Bier trinken gehen würde, steht auf der Veranda und klopft Baba kumpelhaft auf die Schulter und sagt: "Du bist n guter Kerl!" Die strengen Katholiken beobachten das von hinten und sind empört! Baba lacht, klopft zurück und sagt: "Du auch!" Das verwirrt sie total.
Menschen, die Gott als etwas potentiell strafendes ansehen, und Angst vor Baba haben. Menschen, die Gott als etwas liebendes ansehen, und Liebe in Baba sehen. Menschen, die Gott um mehr Geld bitten, und das auf Baba übertragen. Menschen, die glauben, Gott würde alles richten, und das auf Baba übertragen.
Er ist für ALLE da und bietet ihnen, was sie brauchen. Nur wer Augen hat, kann sehen. Und nur wer seine eigenen inneren Vorgänge abbauen kann, kann die Vielfalt in Baba erkennen.
Jetzt zu mir.
ICH habe ein Autoritätsproblem!

Ich wehre mich gegen Autoritäten, aber wenn sie vor mir stehen, zucke ich zusammen. Wenn sie sich mächtig vor mir aufbauen, muß ich erst schlucken und all meinen Mut zusammennehmen, mich zu vertreten. Und das kann auch mehrere Anläufe brauchen. (Übrigens,seit ich das kann, wehre ich mich auch nicht mehr!

)
Baba innerlich zu verehren, war für mich nicht so das Problem. Er kam mir ja nicht nah als Körper.
Aber ganz am Anfang, der erste Aufenthalt und auch zur Hälfte meines zweiten Aufenthaltes, scheute ich seine Nähe. Wenn er mich anzusehen drohte, spürte ich Angst. Auch die Angst, er könnte in mein Inneres schauen, ojeee, da gab es ja soooviel drüber zu urteilen! Und wenn er Gott war, was würde er wohl von mir denken?
Ich beneidete die Leute, die ihn anstrahlten, die ihn anlachten, wenn er reinkam, die auf ihn zugingen, ihn ansprachen, die ihm einfach so Fragen stellten im Vorbeigehen. Das hätte ich mir nie erlaubt! Dafür hatte ich viel zu viel Respekt. Und Angst, einen fatalen Fehler zu machen!
Wenn er kam und ich quatschte gerade mit meiner Nachbarin, zuckte ich zusammen. Wie in der Schule! Wenn der Lehrer die Klasse betritt!
Naja - dann kam ja mein Interview. Du glaubst ja nicht, was DA in mir vorging. Ich war gerade mal 2 Monate dort, meine zweite Reise. Und dann ein Interview. Ich fühlte mich wie ein Hase in der Falle, als alle aus meiner Gruppe aufstanden und zu diesem einflußreichen, mächtigen, alleswissenden Mann zu gehen, der vielleicht Gott persönlich war! (Man beachte hier meine Wahrnehmung!) Ich meine, man kann ja nie wissen, ne? Ich wollte gerne in seiner Nähe sein, aber meine Angst davor war viel größer. Während des Interviews beobachtete ich ihn mit Argusaugen, mit Abwehr, auf der Jagd nach irgendeinem Beweis dafür, daß er nicht war, wer er sein sollte! Als er uns dann alle ansprach, und Fragen stellte, dachte ich nur eines und das wiederholte ich wie ein Mantra: "Sprich mich bloß nicht an. Sprich mich bloß nicht an." Ich war übrigens die einzige, der er keine Frage gestellt hat!

)
Nunja, wie auch immer. Es war ein längerer Prozeß, aber ich habe alle meine Ängste ihm gegenüber verloren. Irgendwann war ich diejenige, die ihn anstrahlte, wenn er reinkam. Was für eine Erleichterung, FREUDE zu empfinden, unbeschwerte Freude, anstatt Achtung. Irgendwann begann ein gegenseitiges Freudespiel, er strahlte, ich strahlte, ich stellte eine innerliche Frage und kurz darauf traf mich sein Blick - eine Verbindung war hergestellt, ich konnte seine äußerlich Gestalt frei nutzen, sie war nicht mehr belegt mit meinem eigenen Dünkel.
Wenn der Darshan begann und ich redete mit meiner Nachbarin, beendete ich gemütlich den Satz. Außer ich hatte eine neben mir, die selbst noch gefangen war. ;-))
Wenn ich keine Lust hatte, am Bhajan-Singen teilzunehmen, nahm ich nicht teil. Wenn ich keine Lust hatte, zum Morgen-Darshan zu gehen, ging ich nicht. Ich schlief ein bissl länger.
Wenn ich rauchen wollte, ging ich aus dem Ashram und rauchte. Ich meine, das tat ich vorher auch, aber ich hatte ein schlechtes Gewissen! Jetzt hatte ich keines mehr. Das kann man natürlich einem Baba-Devotee nicht erklären, der noch voll drin hängt in seiner Angst. Der steht dann vor Dir und sagt: Was bist Du nur für ein Devotee!
Tja, und das Treiben im Ashram selbst ist wie auf dem Marktplatz. Mitten im Leben. Da stehst Du stundenlang Schlange, in der prallen Sonne, manchmal bist Du genervt, kein Rückzug in irgendeine Höhle, zum stundenlangen Meditieren, nein, mitten im Leben. Alles kommt hoch, wird ausgeschissen oder ausgekotzt und gut ist.
Irgendwann stehst du dann nicht mehr in der Schlange, weil Du nicht mehr vorne sitzen brauchst. Du kriegst auch ganz hinten genug. Irgendwann droppst Du den Darshan, weil Du Deinen Baba in der Wohnung hast. Irgendwann liegst Du glücklich im Bett und nichts auf der Welt kann Dich in den Ashram treiben, weil Du alles da ist. Irgendwann schaust du in die Augen einer Kuh und ein Glücksgefühl durchströmt Dich, weil Du Deinen Geliebten gesehen hast.
Aber die Liebe zu Baba in seiner Form - die bleibt bestehen. Und ich sehe auch keinen Grund, warum nicht.
Das ist, was ich dazu sagen kann.

)