Versucht mal, hier zu raten:
1.) Haben Sie und Anna ihre Gefühle schon ein bisschen auseinander sortiert? Wissen Sie schon, was "nur für den Augenblick" ist und was "Bestand" haben könnte? Haben Sie schon "jeder für sich" ein paar "Fragen einzeln beantwortet"?
Ach, ich sehne mich nach dem alten Max, der gesagt hat, was zu sagen war, und der gefühlt hat, was zu fühlen war.
2.) Schatten auf der Mauer gegenüber. In dem kleinen spanischen Dorf war man zur Rast gekommen, hatte das Gasthaus mit dem billigsten Essen gesucht. Sie hatte sich auf diese Bank gesetzt, die Holzbank mit dem abblätternden Lack, an der Wand vor diesem Geisterhäuschen, schon vor zwanzig Jahren hatten die Menschen diese Dörfer hier verlassen, übriggeblieben waren zwei, drei Gaststätten, Stille, Dürre. Sie hatte sich auf die Lehne der Bank gesetzt, ihren Blick immer wieder auf die Tür gerichtet, gewartet, bis die Frau hinter der Theke, die sie von ihrer Bank aus sehen konnte, mit dem Einpacken fertig war. Zehn Falschen, es mussten zehn Flaschen gewesen sein, die Elias, der aus dem Gasthaus trat, in zwei Plastiksäcken in der Hand hielt und schwenkte.
3.) Wie lautet die mathematische Entsprechung für Gefühle, wie Freude, Trauer, Haß? Nach welchen Formeln funktionieren Gruppen, wie entstehen Minderheiten? Läßt sich Unendlichkeit wirklich denken? Aus welchem psychologischen Gesetz heraus erfanden wir die Dreifaltigkeit? Ist Gott axiomisierbar?
Ich war fest überzeugt, dass es kein Phänomen gibt, das sich nicht auf Formeln reduzieren lässt, und dass, sobald man einmal herausgefunden hätte, weshalb Menschen in bestimmten Situationen so "funktionieren", für immer alle Konflikte gelöst sein würden.
4.) Maria weiss haargenau, was sie und Daniel zu tun haben: Entweder nehmen sie sich das Leben oder sie werden endlich berühmt.
Wenn sie nicht berühmt werden, ist alles andere auch schon egal. Es ist so unglaublich sinnlos, einfach nur durch die Gegend zu laufen und irgendwer zu sein - ein ganz gewöhnlicher, unbekannter Mensch.
Selbstverständlich ist es verlockender, berühmt zu werden, als im Alter von vierzehn Jahren zu sterben. Aber eigentlich wäre es das Allergräßlichste und gleichzeitig das Romantischste, wenn sie und Daniel sich zusammen umbrächten, und wenn man sie dann nebeneinander liegend im Wald finden würde, zusammen mit einem Abschiedsbrief.
Und alle würden verrückt vor Kummer.
Ich hab völlig willkürlich ins Regal gegriffen, mal sehen, was dabei rauskommt.