Sexuelle Enthaltsamkeit

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Ja muß ich auch sagen alles sehr intelligente Beiträge und das sind nur drei.
LG
Sole
 
Hallo

was sind sexuelle Situationen ? Das Ansehen von erotischen Bildern etc. kann die Erregung auch sehr anheben oder das Beisammensein mit auf einen erotisch wirkende Frauen ? Nach Swami Sivananda kann man an der Art der Erregung erkennen, ob jemand noch in der Sexualität verhaftet ist oder nicht. Die Abtötung des sexuellen Verlangens - ein Irrweg ? M.E. ist es nur die Anhaftung an sexuelle Praktiken oder sexuelle Gefühle. Keineswegs sollte man aber den Samen verschwenden. Längere Enthaltsamkeit führt aber automatisch zu einer geringeren sexuellen Anhaftung - bis sie irgendwann ganz verschwindet.

Man stelle sich vor, dass man einer Frau erkläre, dass man sie sehr erotisch und erregend finde, aber kein Sex mit ihr haben möchte, sondern viel mehr die erhöhte Samenproduktion zur spirituellen Entwicklung nutzen möchte.

Ich habe mir neulich ein Video von Swami Chidanandaji Maharaj angesehen. Er wirkt alles andere als erleuchtet auf, sondern eher devot und von Anhaftung an seinen Lehrer Swami Sivananda geprägt, den er huldigt. Jegliche Anhaftungen, selbst an spirituelle Meister, sind aber nicht förderlich. Das Leben ist ein ganz anderes in deren Hermisphäre und für mich völlig unvorstellbar.

Das Video: http://sivanandaonline.org/html/n-o-swamiji.shtm


Namaste!
Yogi32







Hallo Opti,


Wenn ich dich recht verstanden habe, geht es dir darum, den Samen im Körper zu behalten, um ihn via Sublimierung in "Erleuchtungsenergie" umzuwandeln. Das scheint mir der Dreh- und Angelpunkt deiner Enthalsamkeitstheorie zu sein. Nun haben wir aber gelernt - und ich hoffe einfach mal darauf, daß du dich grundlegenden Informationen auf Dauer nicht verschließen wirst - daß die Produktion von Samen gerade in sexuellen Situationen angekurbelt wird. Daraus müßte sich eigentlich logischerweise für dich das Programm ergeben, statt dich zu enthalten, gerade in die Welt der Sexualität einzutauchen, damit die Samenproduktion auch tüchtig auf Touren kommt. Du müßtest Ausschau halten nach Methoden eines ejakulationsfreien Sex, da du ja der Vorstellung anhängst, daß der zurückgehaltene Samen für die Erleuchtung genutzt werden kann. Meines Wissens nach werden solche Methoden im tantrischen Sex gelehrt; wenn du konsequent sein wolltest, müßtest du dich in dieser Richtung orientieren.

Enthaltsamkeit wäre gemessen an deinem eigenen Modell, das dir vorschwebt (Zurückhaltung des Samens zur spirituelle Nutzung) genau der falsche Weg, da die Abtötung des sexuellen Verlangens zu einer heruntergefahrenen Samenproduktion führt und du daher irgendwann kein Material mehr hast für deinen spirituellen Weg.
:)
 
opti

war bis jetzt nicht in der Lage und

hat noch nie STELLUNG bezogen

was er unter Erleuchtung versteht

und warum er verzweifelt versucht diese über sexuelle Enthaltsamkeit zu erlangen
 
Hallo

Man stelle sich vor, dass man einer Frau erkläre, dass man sie sehr erotisch und erregend finde, aber kein Sex mit ihr haben möchte, sondern viel mehr die erhöhte Samenproduktion zur spirituellen Entwicklung nutzen möchte.

Namaste!
Yogi32

Ich stelle mir das vor! Das sollte sich lieber keiner wagen ... :nudelwalk
 
Enthaltsamkeit und Charakter

Enthaltsamkeit erzeugt solch eine große Energie, die so wertvoll, so notwendig ist für alle, daß sie nicht nur auf das erste Stadium des Lebens, auf die Zeit des Schülers, begrenzt werden sollte. Es ist falsch, zu denken, daß die Enthaltsamkeit nur im Knabenalter wichtig ist. Die Enthaltsamkeit sollte nicht nach dem Vermitteln des Grundwissens des Lebens an den Schüler beendet werden; sie sollte nicht mit dem Erklimmen des ersten Schrittes auf der Lebensleiter abgeschlossen sein. Sie ist für das ganze Leben von Bedeutung. Ohne Brahmacharya ist es unmöglich, einen anständigen Charakter zu bilden. Ebenso ist es unmöglich, ein Gebäude ohne Mörtel zu errichten. Genauso wie ein bestimmter Teil eines Gebäudes wackelt, wenn die Stärke des Mörtels geschwächt ist oder verloren ging, so ist auch der Teil unseres Lebens Gefahren ausgesetzt, wo es an Stärke von Brahmacharya mangelt.

Die Qualitäten, die im ersten Stadium des Lebens geübt werden, sind ebenfalls in allen weiteren Stadien des Lebens erforderlich. Sogar im Leben eines Familienvaters, ist Brahmacharya von großen Wert. Dieses gilt selbstverständlich auch in den übrigen zwei Lebensstadien (Einsiedler, Mönch). Ohne Brahmacharya ist es unmöglich, das Leben eines Familienvaters entsprechend den Pflichten der heiligen Schriften zu führen. Ohne Selbstkontrolle können Verheiratete ihre Ideale nicht verwirklichen. Sri Ramakrishna wendete sich an alle, dabei waren die Familienväter nicht ausgenommen, und sagte: „Mache zuerst die Erfahrung des Einsseins mit dir selbst und dann erledige deine Pflichten. Suche zuerst festen Halt bei Gott und dann lass' dich treiben. Fixiere den größeren Teil deines Verstandes auf Gott und erledige mit dem Rest deines Verstandes die täglich anfallenden Pflichten.“ Mit diesen und vielen anderen schönen Gleichnissen, pflegte er den Verheitateten beizubringen, wie sie ihr Leben führen sollten. Es ist ratsam, als Verheirateter nach diesen Anweisungen zu leben. Deshalb ist Enthaltsamkeit die erste Sache, die erforderlich ist.

Anmerkung opti: Sicher wird sich derjenige der gläubig ist, auf Gott konzentrieren. Aber nicht jeder ist gläubig und nicht jeder möchte sich auf Gott konzentrieren. Der Weg mit Gott, ist ein möglicher Weg. Der Weg ohne Gott, ein anderer. Da aber niemand weiß, ob es wirklich einen Gott gibt, ist mir persönlich der zweite Weg der ehrlichere. Weiter ist anzumerken, dass Verheirateten nach den Vorstellungen des Varnashrama-Dharma, welches einerseits die Kastenzugehörigkeit und andererseits die 4 Lebensabschnitte beschreibt, und die auf den Veden beruht, ist der Geschlechtsverkehr zwischen Eheleuten keineswegs verboten. Er sollte allerdings nur zur Zeugung des Nachwuchses praktiziert werden. Ende der Anmerkung.

Zuallerst ist also eine Kontrolle der Sinne erforderlich. Man sollte lernen, die Sinne durch den Willen zu zügeln. Mit anderen Worten, die solltest perfekte Selbstkontrolle beherrschen. Dies ist der Grund, warum einige den Lebensabschnitt der Verheirateten, als den schwersten Lebensabschnitt bezeichnen. Es ist in der Tat ein sehr reiner Lebensabschnitt. Er ist nichts für Rohlinge, sondern für die, die rein im Herzen sind und das Brahmacharya perfekt meistern. Für die menschlichen Rohlinge hat der Lord keinen Ashrama (Lebensabschnitt) vorgeschrieben. In keiner heiligen Schrift ist zu lesen, dass der Verheiratete die Zügel schleifen lassen sollte, um seinen Leidenschaften zu frönen. Stelle dir für einen Moment vor, wie rein der Lebensabschnitt der Heiligen und Mönche und sogar der des Lords ist, und in welcher Reinheit sie wiedergeboren werden. Welch eine große Vorsicht müssen sie ausüben. Es kann kein Wohlergehen ohne Brahmacharya geben, weder für einen Yogaschüler, einen Verheirateten, einen Einsiedler im Wald oder für einen Bettelmönch. Ohne Brahmacharya wird es in der Gesellschaft weder Wohlergehen noch Frieden geben.

Quelle: Brahmacharya

Fortsetzung folgt.
 
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Und ja ... vielen Dank für den regen Schlagabtausch mit Dir. Freut mich sehr, dass Du so rege auf unsere Antworten eingehen kannst. :stickout2
 
Der Sufismus

Im Islam gibt es die Bewegung der Sufis, den Sufismus, wobei betont wird, dass die Sufis eigentlich unabhängig von einer Religionszugehörigkeit sind und diese Bewegung schon weitaus älter ist als der geschichtliche Islam. Die Sufis selber betonen jedoch, dass sich der Sufismus zu seiner vollen Blüte erst ab dem Auftreten des Propheten Mohammed entwickelt hat. Die ersten Sufis sollen aus dem Jemen kommen, wo sie in der Wüste gelebt haben sollen. Die meisten Sufis bewegen sich aber innerhalb des orthodoxen Islams von Sunna und Schia und sind somit entweder Sunniten oder Schiiten. Ihr Weg folgt vier Stufen, die auf die Prägung aus dem indischen Raum verweisen; bis heute ist jedoch offen, wie und in welche Richtung diese Beeinflussung historisch verlief:

1. Auslöschen der sinnlichen Wahrnehmung.
2. Aufgabe des Verhaftetseins an individuelle Eigenschaften.
3. Sterben des Ego.
4. Auflösung in das göttliche Prinzip.​

Das oberste Ziel der Sufis ist, Gott so nahe zu kommen wie möglich und dabei die eigenen Wünsche zurückzulassen, wobei der Suchende danach strebt, die Wahrheit schon in diesem Leben zu erfahren und nicht erst auf das Jenseits zu warten. Dies spiegelt sich klar in dem Prinzip "zu sterben bevor man stirbt" (Wiedergeburt im jetzigen Leben) wieder. Hierzu versuchen die Sufis, die Triebe der niederen Seele bzw. des tyrannischen Ego so zu bekämpfen, dass sie in positive Eigenschaften umgeformt werden. Auf diese Weise kann man einzelne Stationen durchlaufen, deren höchste die reine Seele ist. Diese letzte Stufe bleibt jedoch ausschließlich den Propheten und den vollkommensten Heiligen vorbehalten.

Die Sufis suchen durch tägliche regelmäßige Meditation Gott nahe zu kommen oder mit Gott bereits im irdischen Leben eins zu werden. Kommen Sufis einem solchen Zustand nahe, geraten sie oft in Trance. Ein bekanntes Beispiel für Trancezustände bei Sufis sind die so genannten drehenden Derwische aus Konya in der heutigen Türkei, die sich um ihre eigene Achse drehen und dadurch in Trance geraten. Während iher Meditation (Anrufung Gottes) rezitieren die Sufis immerwährend, wie bei der Mantrameditation, bestimmte Stellen aus dem Koran und eine bestimmte Anzahl der göttlichen Attribute (im Islam: 99).

Vor allem Osho übernahm in seinen auf den westlichen Menschen zugeschnittenen Mediationen und Therapien zahlreiche Elemente aus dem Sufismus. So ist seine für alle Sannyasins vorgeschriebene Dynamische Mediation eine Kombination sufischer Techniken. Bei der Dynamischen Mediation praktizieren die Sannyasins sufische Techniken wie kathartisches Atmen, stossweise Intonierung der Silbe "Hu" ("HU" gilt den Sufis als besonders mächtiger Name Gottes) sowie der anschliessenden Stop-Technik, bei der die Initianten für einen längeren Zeitraum regungslos verharren müssen. Auch beim "Sufi-Whirling" übernehmen die Sannyasins die sufische Technik des Kreistanzes, um ihr Bewusstsein zu klären.

Wie bereits in den vorhergehenden Kapiteln angedeutet wurde, war die Askese eines der zentralen Mittel, von dem sich die Sufisten einen Einblick in das Wesen Gottes erhofften, da diese Lebensweise sie automatisch von allen weltlichen Belangen und Problemen loslöste und sie sich somit ganzzeitlich dem Gottesgedenken widmen konnten. Das Sichbefreien von allen weltlichen Gegenständen ging laut Schimmel (Schimmel, Annemarie: Mystische Dimensionen des Islam. Die Geschichte des Sufismus. Köln: Diedrichs. 1985.) soweit, daß sich die Sufisten - bis auf die in den Regeln für die rituelle Reinheit vorgeschriebenen religiösen Waschungen - niemals wuschen, und mit Stolz auf ihren Schmutz und ihre vor Ungeziefer starrenden Kleider blickten; die Verwendung von Steinen als Kopfkissen oder - als extremeren Schritt - das Sichenthalten von jeglichem Schlaf sind Beispiele für die totale Ablehnung von weltlichem "Luxus" seitens der sufistischen Heiligen.

Die Blütezeit der asketischen Strömung innerhalb des Sufismus kann man laut Schimmel im 9. Jhd. ausmachen, hier entstanden auch erste theoretische Schriften über die richtige Praxis und den Sinn und Zweck der Askese. So schildert eine von einem Mann namens Ibrahim stammende Definition die in drei verschiedenen aufeinanderfolgenden Stufen erfolgende Abkehr von der Welt und die Zuwendung zum totalen Gottesgedenken folgendermaßen: im ersten Schritt erfolgt die Aufgabe der Welt, im zweiten die Aufgabe des Glücksgefühls, das aufgrund der Erfüllung des ersten Schritts im Sufisten aufgekommen war und im dritten Schritt erreicht man einen "Zustand, in dem der Asket die Welt für so unwichtig ansieht, daß er sich nicht mehr um sie oder die eigene Weltabkehr kümmert". - Warum lehnten die Sufisten überhaupt jeglichen weltlichen Luxus ab?

Diese Frage kann man in ganz ähnlicher Weise beantworten, wie die Frage danach, warum die Sufisten weltliches Wissen ablehnten: Alle Dinge des täglichen Lebens sind eine Last für den wahren Gläubigen, da sie ihn von dem absoluten und immerwährenden Gottesgedenken abhalten und damit - wie im 9. Jhd. ein Mann namens Bishr glaubte - einen "Schleier zwischen Gläubigen und Gott bilden"; mit weltlichem Luxus - oder schlimmer noch - eindeutig sündigem Verhalten ist eine wahre Gotteserkenntnis unmöglich. Vermutet man jetzt jedoch, die Sufisten hofften in einem nach dem Tode beginnenden Leben in einer Art Paradies ungehemmt den von Gott dort zur Verfügung gestellten Luxus - quasi als Entschädigung für ihr irdisches Entsagen - genießen zu können, irrt man: die Sufisten leugnen zwar die Existenz eines von Gott geschaffenen Paradieses - ebenso wie die Existenz der Hölle - nicht, das Gelangen zu diesem Ort ist jedoch nicht das Ziel einen wirklichen Sufisten, da dieser Ort - weil "geschaffen" - nicht mit Gott identisch ist und der wahre Sufi erst dann am Ziel ist, wenn er Eins geworden ist mit seinem Herrn: "Wenn er deine Sinn mit Paradies und Huris füllt, dann wisse, daß er dich fern von sich hält."

Eine der Askese ganz ähnliche Funktion hat auch das Zölibat in der sufistischen Lehre: Obwohl der Prophet ursprünglich seine Anhänger immer dazu angehalten hatte, "Familien zu gründen, herrschte unter den frühen Asketen eine Vorliebe für das zölibate Leben": ebenso wie im weltlichen Wissen und im irdischen Luxus erblickten die Sufisten im Familienleben eine Gefahr, die sie von Gott entfremden könne, da einem verheirateten Menschen immer ein guter Teil seiner Zeit, nämlich der, den er mit der Versorgung seiner Familie zubringen muß, an der totalen Gottergebenheit fehlt und er sich somit nicht absolut der Gläubigkeit hingeben kann. Außerdem stand das Heiraten und Gründen von Familien immer in dem Ruf, eine Art "legalisierte Sünde" zu sein; das Familienleben war so eines der "größten Hindernisse auf dem mystischen Pfad".

Die sehr negative Einstellung zur Familie ging bei manchen Sufis soweit, daß sie den Tod eines nahen Verwandten als glückliches Zeichen von Gott auffaßten und sich sogar über den Tod der eigenen Kinder freuten. Zölibates Leben ist ein Ausdruck der Gläubigkeit, den sowohl männliche als auch weibliche Sufisten praktizieren konnten; anders sah es jedoch mit der im Islam - und damit auch im Sufismus - weit verbreiteten Abscheu gegen alles Weibliche aus, eine Tatsache, die sicher nicht in direktem Zusammenhang mit der tiefen Religiosität zu sehen ist sondern wahrscheinlich einen mehr sozial-ideologischen Hintergrund hatte und noch immer hat: Beispielsweise berichten viele Überlieferungen, wie schrecklich das Eheleben - oft bedingt durch die reine Anwesenheit der Frau - doch sei und wie "frech, unerzogen, redselig" und damit unnütz die Frau sei.

Noch extremere Sichtweisen finden sich in den Darstellungen, wo Heilige es vermeiden, mit Dingen in Berührung zu kommen, die bereits von einer Frau berührt wurden oder wo alle weltliche Verdorbenheit und Sündhaftigkeit umfassend mit dem Begriff "Frau" identifiziert wird. Ausnahmen von dieser Regel der Verdammung alles Weiblichen finden sich im Islam und auch im Sufismus nur sehr wenige, zwei der bekanntesten und verehrtesten Frauen innerhalb der islamischen Welt sind die in sexueller Hinsicht unberührte Maryam (die Maria der Christen) und die Heilige Rabi'a al-Adawiyya.

Ein sehr einflussreicher früher Sufi war der Asket Hasan al-Basri (642–728 n.Chr.). Seine Vorstellung von einem spirituellen Leben waren: wenig Schlaf, sich weder über Hitze noch über Kälte zu beklagen, keinen festen Wohnsitz zu haben und stets zu fasten. In Basra (im heutigen Irak) lebte und wirkte Rabia al-Adawiyya (etwa 714-801 n.Chr.), eine der bedeutendsten weiblichen Sufi-Heiligen. Es wird angenommen, dass sie nie einen Lehrer hatte und sie wird als eine „trunkene Gottesliebende“ bezeichnet, die als eine strenge Asketin lebte: zum Trinken und für ihre rituellen Waschungen soll sie einen zerbrochenen Krug, eine alte Schilfrohrmatte zum Liegen und einen Flussstein als Kopfkissen verwendet haben. Im 9. Jahrhundert war Dhu'n-Nun al-Misri († 859) einer der ersten Sufis, der eine Theorie über „Fana“ (arab. für Auflösung) und „Baqa“ (arab. für Bestehen) entwickelte, eine Lehre über die Vernichtung bzw. Auflösung des Selbst.

Außerdem formulierte er die Theorie von Ma'rifa (intuitive Gotteserkenntnis). Bayazid Bistami (803-875 n.Chr.), aus Bistam in dem heutigen Iran, hielt vor allem die Liebe für das Wichtigste, um die Einheit mit Gott zu erreichen. Darüber hinaus erlangte er den Zustand von absolutem Einssein mit dem Schöpfer durch strenge Selbstkasteiung und Entbehrungen. Ein wichtiger Vertreter des Sufismus ist al-Ghazali († 1111). Er war einer der ersten Perser (Iraner), der seine Ideen zu einem mystischen System ordnete. Der ursprüngliche Rechtsgelehrte erkannte eines Tages, dass er nur durch eine der Welt entsagende Lebensweise wirklich zu Gott finden könne. Er gab deshalb seinen Lehrstuhl an der Universität in Bagdad auf, um als wandernder Derwisch viele Jahre in der Abgeschiedenheit zu verbringen. Der Lehre al-Ghazalis gemäß besitzen die Menschen in ihrer Brust ein "feinstoffliches Herz", das in der Welt der Engel beheimatet ist. Dieses Organ ist in der grobstofflichen Welt im Asyl und weist den Menschen den Weg ins Paradies zurück.

Dass der Sufismus innnerhalb des Islams größte Schwierigkeiten hatte, und heute noch hat, liegt zum einen darin, dass die lebensfrohen Tänze den orthodoxen Islamisten immer schon ein Dorn im Auge waren. Ausserdem fand die asketische Lebensweise der Sufisten nicht die Zustimmung der Islamisten. So ist z.B. von Muhammad bekannt, dass er einen Harem von neun Frauen und drei Konkubinen. (Beischläferinnen, Prostituierte) hinterließ.

Sufismus I
Sufismus II
Geschichte des Islam
 
Nachtrag: In dem Satz "Wenn er deine Sinn mit Paradies und Huris füllt, dann wisse, daß er dich fern von sich hält." bedeuten die Huris Jungfrauen im Paradies, die nach islamischem Glauben zur Belohnung der Seligen dienen. Vielfach wird dabei eine Anzahl von 72 angenommen.. Sie stehen also für die erotische Lust im Paradies.
 
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