Schizophrenie

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Die akuten, die bei mir landen, schreien, quieken, schlagen, beißen, kratzen, koten ein, versuchen, mit dem Kot zu werfen, nässen, ein, versuchen, zu onanieren, versuchen, sich zu entkleiden, schlagen mit dem Kopf vor die Wand, greifen Mitarbeiter an, versuchen, sich mit allem, was ihnen in die Finger kommt, zu suizidieren.


Und das sollen dann die "typischen" Schizophreniekranke sein, ja?

Also entschuldige, aber nach Schizophrenie hört sich nichts von dem oben was du nennst an. Meine Erfahrung und auch die von allen anderen Betroffenen/ehemaligen Betroffenen die ich gesprochen habe war ein ganzer Zoo von verschiedenen Wahnvorstellungen. Aber absolut nichts von dem was du beschreibst.



Hier mal die Symptome die ich bei Wikipedia gefunden habe und die sich mit den Berichten und meinen eigenen Erfahrungen deckt. Da ist ebenfalls nichts von dem was du beschreibst genannt.



Positivsymptome

Als Positivsymptome bezeichnet man Übersteigerungen und starke Fehlinterpretationen des normalen Erlebens bis hin zu manifesten chronischen Halluzinationen. Sie können, je nach Schwere der Erkrankung, unterschiedliche Formen annehmen.

Schizophrenien mit überwiegend positiven Symptomen beginnen oft plötzlich, und es gibt oft vorher keine nach außen auffälligen Merkmale. Der Krankheitsverlauf ist hierbei eher günstig.

Charakteristische Positivsymptome sind inhaltliche Denkstörungen, Ich-Störungen, Sinnestäuschungen und zudem motorische Unruhe. Typisch für die inhaltlichen Denkstörungen ist Wahnbildung. Häufig treten akustische Halluzinationen (Akoasmen) auf: Etwa 84 % der an einer schizophrenen Psychose Erkrankten nehmen Gedanken wahr, deren Ursprung von den Betroffenen außerhalb verortet wird (Stimmen hören). Befehlende (imperative) sind dabei selten. Häufig hingegen haben Betroffene den Eindruck, durch fremde Stimmen beleidigt zu werden. Ein solches Erleben kann für die Betroffenen allein und inmitten von Sätzen, die umstehende Menschen sagen, auftreten.

Für den Laien wird eine psychotische Schizophrenie zumeist an der Wahnsymptomatik erkennbar: Ein Betroffener kommt im Zuge seines Erlebens beispielsweise zu dem Schluss, von Außerirdischen oder Geistern aus dem Jenseits beobachtet zu werden (Verfolgungswahn), dass Nachbarn oder andere ihn schädigen wollen, dass seine Gedanken von anderen gehört werden können oder dass er aufgrund früherer Sünden Schuld an Naturkatastrophen trage. Häufig ist auch die wahnhafte Überzeugung, dass im Kopf ein Chip oder Ähnliches implantiert sei, mit dem die Gedanken oder das Handeln kontrolliert oder sogar gesteuert würden.

Wahn bedeutet eine unerschütterliche Überzeugung, die auch durch Fakten nicht zu widerlegen ist, und ist dadurch gekennzeichnet, dass die eigene Person wesentlich darin verwickelt ist; für den Betroffenen besteht eine Gewissheit, dass das wahnhaft Vorgestellte tatsächlich geschieht.

Zu den Ich-Störungen zählen Gedankeneingebung (Gedanken werden eingegeben und nicht selbst gedacht), Gedankenausbreitung (Andere denken die eigenen Gedanken mit), Gedankenentzug sowie Gefühle, Handlungen oder Impulse, die als fremdgemacht empfunden werden.
Negativsymptome [Bearbeiten]

Als Negativsymptome oder Minussymptome bezeichnet man die Einschränkungen des normalen Erlebens. Die Minus-Symptomatik ist gekennzeichnet durch einen Wegfall früher vorhandender Persönlichkeitsmerkmale.

Schizophrenien, die mit Negativsymptomatik einhergehen, beginnen oft schleichend, und der Krankheitsverlauf ist eher ungünstig. Mit zunehmender Krankheitsdauer verstärken sich üblicherweise die Negativsymptome.

Zu ihnen gehören „dynamische Entleerung“, „kognitive Defizite“ (kognitiv: Auffassung und das komplexe Denken betreffend) sowie „motorische Defizite“, also etwa eine Reduzierung von Mimik und Gestik. Negativsymptome können schon Monate oder Jahre vor den akuten psychotischen Symptomen auftreten [„Knick in der Lebenskurve“, „Vorauslaufender Defekt“]. Als initiale Symptome einer Schizophrenie treten sehr oft Schlafstörungen auf, nicht selten auch depressive Symptome.

Bei etwa zwei Dritteln der an Schizophrenie Erkrankten überdauern die Negativsymptome die Positivsymptome nach einem akuten Schub [„schizophrener Defekt“, „Residualzustand“, „Residualsymptomatik“]. Diese unterschiedlich ausgeprägten Einschränkungen führen zu Kontaktstörung, sozialem Rückzug und oft auch zu Invalidität. Ein gewisser Prozentsatz der an Schizophrenie Erkrankten entwickelt jedoch keine Residualsymptomatik.

* „Dynamische Entleerung“: Dies kann einen Mangel an Motivation zu Aktivitäten mit resultierender Antriebsarmut, defizitäre Zukunftsplanung, bis hin zu weitgehender Perspektivlosigkeit umfassen. Im weiteren Sinne könnten auch depressive Symptome hier zugeordnet werden. Oft kommt es zur typischen Affektverflachung. Die Betroffenen reagieren gemütsmäßig nur eingeschränkt auf normalerweise bewegende Ereignisse, erscheinen durch Erfreuliches wie Unerfreuliches wenig berührt. Die normale Schwingungsfähigkeit zwischen verschiedenen affektiven Zuständen (Freude, Neugier, Trauer, Wut, Stolz, …) geht verloren.

* „Kognitive Defizite“: Das Denken wird kurzschrittig; mehrschichtige Zusammenhänge werden in ihrer Komplexität nicht mehr begriffen. Das Schreiben von Texten, die mehrgliedrige Kausalverkettungen enthalten, gelingt nicht mehr („Verkürzung der Spannweite des intentionalen Bogens“). Der sprachliche Ausdruck verarmt. In zugespitzten Fällen können Perseveration (stereotypes Wiederholen eines Wortes oder Gedankens) oder Idiolalie auftreten.

* „Motorische Defizite“: Die Mimik, aber auch das Bewegungsspiel für Gestik, ist reduziert. Motorische Einengung kann auch Spracharmut (Alogie) umfassen. Diese Defizite lassen den Erkrankten oft abweisend erscheinen, kontaktgestört. Diese Distanz lässt sich durch Zuwendung überbrücken, die von den Erkrankten in der Regel dankbar angenommen wird, auch wenn sie das durch Mimik und Gestik nicht zeigen können. Die Verarmung der Psychomotorik lässt die affektive Resonanz stärker beeinträchtigt erscheinen, als sie es ist. Werden die Patienten also nicht gerade auf einen verfestigten Wahn angesprochen, sind sie zumeist empfänglich für Empathie.

Nach Abklingen einer akuten Krankheitsphase bei einer schubförmig verlaufenden Schizophrenie folgt gelegentlich eine vorübergehende depressive Episode („depressive Nachschwankung“).

Unterschieden werden sollte zwischen echten Negativsymptomen und den Nebenwirkungen der Therapie mit einem Neuroleptikum. Die Nebenwirkungen von Neuroleptika können das Vorliegen einer Negativsymptomatik imitieren.
 
Werbung:
Schizophrenie wirkt sich nicht auf die Sprechfähigkeit oder die Fähigkeit subjektive Bedürfnisse zu äussern aus.

Daß die Wünsche die ein akut schizophrener Mensch äussert in unserer Realität keinen Sinn ergeben ist eine ganz andere Baustelle.

Daß sich jemadn ggf hinterher nur bruchstückhaft erinnern kann hat ebenfalls nichts damit zu tun.


Ich wüsste übrigens nicht daß Schizophrene Menschen in der Akuten Phase einen Filmriss hätten. Ich hatte keinen und ich kenne Menschen die sehr gut darüber berichten konnten was während ihres Wahns so abgegangen ist.

Ich kenne auch beides. Hab einen Menschen erlebt, der nicht mehr wusste, wo er ist, sich ausgezogen hat usw. - der aber trotz allem sehr lieb wirkte und auch war - und jemanden mit der Diagnose, der keine Medikamente nahm und sich auch an diesen "Vorfall", wie es ablief erinnerte.
 
:thumbup:

Insbesondere früher, leider oftmals noch heute sind Behandelnde (egal welcher Berufsgruppe oder auch "Berufungsgruppe") der Ansicht " ...ich weiß schon, was für Dich gut ist, Du mußt nur auf mich hören".
Sowas ist FATAL!


Ich kenne Menschen, und zwar nicht nur einen, die sich dieser Haltung hartnäckig widersetz(T)en. Wenn dies unbewusst geschieht, also ein unbewusster Widerstand die eigene Selbstzerstörung fördert und sie ihre Fähigkeiten nie entdeckt haben, ist das natürlich mehr als traurig. Sie sind eigentlich ständig mit ihren Defiziten beschäftigt, statt den Fokus auf ihre Fähigkeiten zu richten. Ja, das auszuhalten und geistig damit umzugehen, ist unglaublich schwer.

Meiner Meinung nach ist das auch ein "wunder Punkt" beim (auch ganz persönlichen) Ursachen-Suchen. Obwohl ich sagen muss, dass es für mich auch ganz wichtig wichtig ist, resp. war. Es geht doch eigentlich dabei immer um Defizite (m. E. weniger um Schuld und Sühne ;-), und um damit konstruktiv umzugehen, braucht es auch zuerst wieder eine gewisse Reife oder geistige Voraussetzung.

Klar kann man sagen, irgendwann wäre für den Betroffenen vielleicht mal der Zeitpunkt da gewesen, wohl sehr früh, an die Ursachen des Leidens heranzukommen, aber das bringt ja auch nichts, denn es zählt immer das Jetzt, und immer die Bereitschaft des Kranken.
 
Man sollte sie fragen, ob sie es wissen wollen. Evtl. hilft auch ein Video- ich weiss, das klingt krass. Aber jemand, der sich so erlebt, "vergisst" seine Medi`s sicher seltener- und dies wiederum ist ja therapiefördernd.
Ich habe in der ambulanten Betreuung nämlich immer wieder mit Menschen zu tun gehabt, die ihre Medi`s früher oder später nicht nehmen wollten, da ihnen die Einsicht in ihre Krankheit logischerweise fast vollständig fehlte. Woher sollte die auch kommen?
Als ich das aber in einer Mediation offen ansprach, wurde mir nahe gelegt, an meinem Mitgefühl zu arbeiten.

Ja, das würde ich auch so sehen - allerdings bin ich mir gleichzeitig sicher, dass derjenige wo das sagte, selber keine rechte Idee hat, was Mitgefühl ist.

Rollen wir die Sache mal von der richtigen Seite auf: als Mitarbeiter in einer psychiatrischen Einrichtung hat Du die undankbare Aufgabe, den menschlichen Ausschuss den diese Gesellschaft produziert irgendwie zu versorgen. Selbst wenn du die Weisheit hast, zu erkennen wo da was schiefläuft, hast du weder die Möglichkeit die entsprechenden Dinge zu verändern noch die dazu erforderliche Kapazität.
Von daher ist es verständlich, dass Deine Motivation in erster Linie dahin geht, dass die Betroffenen sich wie vorgesehen versorgen lassen (von Heilung kann ja nicht die rede sein) und möglichst keinen Stress machen. Mitgefühl ist das aber tatsächlich nicht.

Man sollte sie fragen, ob sie es wissen wollen.

Ja, vielleicht sollte man das. Es kommt dabei auf die Motivation an. Wenn die Motivation lediglich dahin geht, dass der Betroffene dann im Therapiebetrieb "besser funktioniert", dann ist das allerdings problematisch.

Eine andere Motivation könnte freilich sein, dass der Respekt und die Achtung, die man einem Menschen entgegenbringt, durchaus begründen können, dass man ehrlich zu dem Menschen ist.
M.a.W., die im Therapiebetrieb übliche Verfahrensweise, die Insassen über ihre Situation im Unklaren zu lassen und Klartext lediglich über sie zu reden aber nicht mit ihnen, kann man auch als Respektlosigkeit auffassen.
Freilich, ob jemand imstande ist mit Ehrlichkeit umzugehen, das ist wieder so eine Sache die sehr vom Einzelfall abhängt.

Ansonsten könnte es interessant sein, über die Doppelbedeutung des Begriffs "Emergenz" zu meditieren - was einerseits einen "Notfall" bedeutet, andererseits aber ein "Auftauchendes", ein "in Erscheinung tretendes" - etwas was zur Kenntnis genommen werden will.
Bei dem was hier als "psychotischer Schub" oder dgl. bezeichnet wird, handelt es sich jedenfalls um eine Emergenz.

Und freilich ist es so, dass die Koryphäen der Psychoanalyse, wie Freud und Jung, sich vor allem mit intellektuellen, gut kontrollierten Klienten des gehobenen Bürgertums beschäftigt haben, mit denen man nett über ihre Traumerlebnisse und sonstigen Anwandlungen plauschen konnte.
Der m.W. einzige, der sich angeschaut hat, wie dasselbe sich etwa im Umfeld der Arbeiterklasse manifestiert, wo keine so ausgeprägten Fähigkeiten zur Selbstkontrolle und Reflektion vorliegen, war Wilh. Reich - und den hat man dann ja bekanntlich in der Müllverbrennungsanlage verschürt...
 
Ich kenne auch beides. Hab einen Menschen erlebt, der nicht mehr wusste, wo er ist, sich ausgezogen hat usw. - der aber trotz allem sehr lieb wirkte und auch war - und jemanden mit der Diagnose, der keine Medikamente nahm und sich auch an diesen "Vorfall", wie es ablief erinnerte.

Muss mich kurz korrigieren, sorry. Er wusste es schon, wollte manchmal nach Hause, zu seiner Familie und hat dann auch geweint. War aber dennoch in manchen Momente wie weg, hat Fragen gestellt usw.
 
Rollen wir die Sache mal von der richtigen Seite auf: als Mitarbeiter in einer psychiatrischen Einrichtung hat Du die undankbare Aufgabe, den menschlichen Ausschuss den diese Gesellschaft produziert irgendwie zu versorgen. Selbst wenn du die Weisheit hast, zu erkennen wo da was schiefläuft, hast du weder die Möglichkeit die entsprechenden Dinge zu verändern noch die dazu erforderliche Kapazität.
Von daher ist es verständlich, dass Deine Motivation in erster Linie dahin geht, dass die Betroffenen sich wie vorgesehen versorgen lassen (von Heilung kann ja nicht die rede sein) und möglichst keinen Stress machen. Mitgefühl ist das aber tatsächlich nicht.

Oh, ich arbeite schon lange nicht mehr in dem Metier.
In mir begründet sich die Befürwortung einer geeigneten Medikamentengabe an den beobachteten Rückfällen samt tragischen Konsequenzen für Betroffene und Angehörige und es erschreckt mich eher, dass du diese Möglichkeit nicht mal in Betracht gezogen hast.
 
Das habe weder ich noch sonst jemand hier gesagt!!!

Und: ob der Mißhandelte/ Geprügelte/ Vergewaltigte den Täter zur Strecke bringen will (oder nicht), ob er verarbeiten will oder nicht entscheidet dieser ganz allein!!!

(und das muß man als Behandelnder erst mal aushalten lönnen, ... - schon mal versucht?)


Beitrag 320 :

Es gibt kaum einen Zusammenhang zwischen Erlebtem und psychischer Krankheit: warum gibt es durchaus psychisch gesunde, ehemals mißhandelte, traumatisierte oder mißbrauchte Personen, müßten nicht ALLE krank sein?


Von dir :rolleyes: Bevor du scheiße von dir gibst vergeiwssere dich doch das diese niemand liest oder zurückverfolgen kann . Du hast das behauptet , Du hast das geschrieben .
 
Werbung:
Ich wüsste übrigens nicht daß Schizophrene Menschen in der Akuten Phase einen Filmriss hätten. Ich hatte keinen und ich kenne Menschen die sehr gut darüber berichten konnten was während ihres Wahns so abgegangen ist.

Zumindest im Bereich (absichtlicher) religiöser Besessenheit gibt es, soweit ich ermitteln konnte, beide Varianten. Ich konnte aber noch nicht herausfinden, woran sich der Unterschied festmacht.
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Zurück
Oben