Ich kenne die Ansichten indischer Yogis zum Thema Körper, damit hab ich mich einige Zeit lang auseinandergesetzt, du darfst also drauf vertrauen, daß nicht die Blinde von der Farbe redet, wenn ich jetzt gleich weiterquassle . Also. Wir kommen der Sache noch einen Schritt näher (das ist jetzt endlich die Ebene, auf der Austausch erstens Sinn hat und zweitens Spaß macht). Zu dem fettgemachten Satz hörst du von mir einfach "nein". DAS ist Maya, diese Ansicht haargenau ist Maya, darin besteht die Täuschung, Pyare. Und über genau diese Täuschung ist der Buddha hinausgegangen. Deshalb heißt es im Prajnaparamita-Sutra, Form ist Leere und Leere ist Form und Leere ist nicht unterschieden von Form. Deswegen schreiben all die Lamas ellenlange Abhandlungen und erzählen stundenlang Geschichten über das konventionelle und das Letztliche Bestehen, um am Ende zu erklären, daß Samsara und Nirvana nichts voneinander Geschiedenes sind, sondern LETZTLICH dasselbe. Es gibt nix jenseits. Es IST, ALLES. Reines bewußtes Sein. Und da ist der Knackpunkt. solange du noch glaubst, da gäbe es irgendwas außerhalb, solange kann ein Guruguru sein Abhängigkeitsspielchen spielen und du wirst hingerissen, entzückt und begeistert sein. Und deinen Körper als Tempel erleben und glauben, daß du ihn bewohnst.
Und jetzt kommt der Satz, den ich blau gemacht habe. Da steht es jetzt ganz deutlich lesbar, was ich die ganze Zeit zu sagen versuche. Es gibt nichts schöneres als die Sprache, da kommt alles ans Tageslicht irgendwann. Die Frage ist richtig, Pyare. Warum sollten wir anbeten. Und zwar irgendwas???? Warum? Solange du irgendwas anbetest, betest du irgendwas an, völlig wurscht, was. Du wirst dich immer wieder nur im Kreis drehen, betend. Anstatt im Sein zu sein. Und all die Gurugurus, die lehren einen irgendwas ANZUBETEN. Da tauscht du halt das eine gegen das andere aus, aber du betest an. Auf dem Altar eines buddhistischen Mönches steht ein Buddha, richtig, aber ER BETET IHN NICHT AN. Er steht dort, um ihn daran zu erinnern, daß er das selber ist. Erst wenn du aufhörst, was anzubeten, wirst du frei SEIN können.
Ok. Das ist gut. Sehr gut. Laß uns das auseinanderpflügen.
Du hast am Ende Recht, daß es nichts gibt, das es anzubeten gilt. Doch ist das erst mal eine Theorie, denn die Einswerdung mit Gott muß ERLEBT werden und sollte nicht aus Wissen bestehen. Nun gibt es auf dem Weg zur Einswerdung bestimmte Schritte, die vollzogen werden müssen. Der erste Schritt ist der der Anbetung. Hier begibt man sich erst einmal in Kontakt mit dem, was man als Gott versteht. Dafür ist eine Form notwendig (also ich rede hier in allgemeinen Termini, wobei ich mir vorbehalte, daß nicht jeder all die Schritte durchwandern muß, je nach Stufe, auf der er steht).
Zuerst also brauchen wir für das Ding Gott etwas greifbares. Etwas, auf das wir unsere Sehnsucht nach Gott, unsere Liebe zu Gott, unsere Gespräche mit Gott richten können. Dafür gibt es dann den Jesus, den Guru oder wen auch immer, der uns das, was wir (noch) nicht greifen können, personifiziert. Wenn wir also richtig Glück haben, dann haben wir eine lebendige Personifikation. Ein lebendiges Etwas, das das
verkörpert, das eigentlich ungreifbar ist. Wir kommen also mit einer Liebe, mit einem Mitgefühl, mit einer Akzeptanz, mit diesem tiefen JA, dieser Bedingungslosigkeit in BERÜHRUNG, von der wir bis dato nur gelesen haben, aber gar keinen Bezug zu haben. Wir konnten nur erahnen, was Bedingungslosigkeit sein soll. In der Begegnung mit einem Guru wird diese Bedingungslosigkeit ERFAHRBAR. Diese ERFAHRUNG wird erst mal so erlebt, daß da etwas ist, daß MIR das GEBEN kann. Und sie manifestiert sich innerlich als direktes Erleben von etwas, an das man bisher nur *blind glauben* konnte. Jetzt ist es wirklich da! Das alleine ist schon ein absolut kraftvolles Erleben.
Dann beginnt der Prozeß des Betens, des Mitteilens, des Bittens. Dann geschieht das Wunder der *Antworten*. Etwas ist also in Bewegung gekommen, etwas, das sich immer mehr bewußt wird über seltsame Vorgänge. Und etwas in uns erfährt, daß Gott lebendig ist, NICHT oben im Himmel sitzt und uns vielleicht gar nicht hört, sondern daß er direkt hier und ganz nah ist.
Nach einer Weile praktischer Meditation spürt man dann innerlich, daß da etwas erweckt wurde - und dieses etwas ist jetzt spürbarer als vorher. Man merkt, während des Vorgangs des Betens, daß man eigentlich mit etwas IN einem spricht, und nicht mit etwas nach Außen gerichtetem. Es besteht jedoch immer noch Dualität, Gott in mir, und ich hier draußen.
Und so weiter geht der Prozeß.
Man kann also nicht direkt mit der EINHEIT anfangen. Es geht Schritt für Schritt IN die Einheitserfahrung, die ja auch oft nur sporadisch vorherrscht, aber man hat schon mal einen Einblick darein. Mir ist wohl bewußt, daß es kein Darein und Daraus gibt, aber weil es so erlebt wird,beschreibe ich es jetzt so. Ich muß versuchen, etwas in Worte zu fassen.
So. Und jetzt haben wir Gurus, die eine bestimmte Sorte Schüler anziehen. Das ist das Gesetz der Resonanz. Ist die eine Stufe erklommen, kommt eventuell auch ein anderer Guru dran.
Nun ist Sai Baba ein Sadguru. Sprich Weltenlehrer. (Ich sag das jetzt mal so, kann ja glauben, wer will).
Die Menschen, die zu ihm kommen, sind von ihrem Bewußtsein her breit gefächert. Da kommt der abergläubische Dorfbewohner zusammen mit dem Professor aus England, der weit fortgeschrittene Spirituelle mit dem Nachbarn von nebenan zusammen. Sai Baba deckt in seiner Lehre alle ab. ALLE Stufen.
Wenn er also sagt: "Wenn Ihr *diesen Körper* anbetet." Dann ist das an die gerichtet, die mit Beten beschäftigt sind und die er nun auf eine höhere Stufe aufmerksam machen will.
Die, die auf dieser Stufe schon stehen, überhören den Satz, weil er für sie nicht mehr relevant ist. Das Interessante bei Baba für mich war auch immer, daß ich z. B. am Anfang auf Texte und Berichte von ihm gestoßen bin, die genau meiner Entwicklung zuträglich waren. Als ich fortschritt, *sah* ich erst das Buch in demselben Regal, ebenso von Baba, mit anderen Inhalten!
So ist es auch mit seinen Reden. Wir hören das, was wir empfangen können. Da können ganze Sätze von ihm einfach nicht gehört werden....."Was? DAS hat er auch gesagt?"
Was Deinen allerletzten Satz betrifft, JA. ABER dieser Mönch ist auch schon soweit, daß er das erfaßt hat.
Und hier kommt also Dein Statement nochmal zum Vorschein: Form ist Leere und Leere ist Form und Leere ist nicht unterschieden von Form.
Letztlich ist Gott ALLES, und trotzdem, um DAS zu erfahren, muß man schon auf der Leiter erst mal die erste Stufe nehmen. Sag das mal Deinem Nachbarn, der denkt, Du hast nen Knall. SO kann man ihn nicht erreichen.
Immer da abholen, wo der Mensch steht.
ICH z. B. stehe in meiner Entwicklung da, daß ich mich noch in der Annahme all dessen,was in mir vorgeht, zu üben. Kommt ein Gefühl, nehme ich es wahr, umarme es und es verschwindet. Puff. Je nach Gefühl ist es lediglich ein Anzeiger für meine Treue zu mir selbst. Hat aber NIEMALS mit dem anderen Menschen zu tun, wie es eben oft wirkt. Immer nur mit uns selbst. Der Körper ist ein spannendes Instrument, ganz sicher, der Verstand auch - letztlich kann das SPIEL nur so funktionieren! Keine Frage. Aber ICH bin trotzdem nicht das Auto.

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