Nach einer wunderschönen Runde unter den Lebensbäumen Am Himmel von Wien

ist mir noch was eingefallen, ich denke, es paßt schon zum Thema. Es dachte in mir rund um diese Thematik so vor sich hin:
Dabei ergab es sich, Lehrer-Schüler-Beziehungen sind ja nun nicht nur in Indien auf diese besonders starke Anziehungskraft gegründet. Auch in Tibet wird ja Riesenwert auf die Verehrung des Lehrers gelegt, das sieht ja gelegentlich auch so ähnlich aus. Aber es ist eben doch ein Unterschied, und jetzt ist mir klargeworden, worums da geht.
Wenn eine Tradition von einem personifizierten Gottesbegriff ausgeht, dann ist das Verstehen der Göttlichkeit so vorprogrammiert, daß nun dem Lehrer, der diese Göttlichkeit repräsentiert, eine Verehrung entgegengebracht wird, als sei er Gott. Es ist in diesem traditionellen Denkmodell sehr schwer, dieser Programmierung zu entkommen.
In einer Tradition, in der von keinem personifizierten Gott ausgegangen wird und in deren Lehren ein solcher Gottesbegriff nicht vorkommt, sieht das naturgemäß anders aus. Die tun sich wesentlich leichter damit, das Göttliche im Lehrer zu verehren, aber nicht die Person des Lehrers, weil sie nicht auf Personifizierung vorprogrammiert sind.
Dazu muß aber relativierend gesagt werden, daß es selbst in buddhistischen Traditionen nicht zu vermeiden ist, daß sich die Volksfrömmigkleit eben doch solchen Personifizierungen zuwendet. Instinktiv... Warum das so ist, darüber könnten wir nachdenken.