Schon zu Beginn dieses Thread hatte ich ja schon von den Seelenschatten geschrieben, also jene Aspekte der Seele, die wir an uns vermissen oder lieber verdrängen wollen. Sich selbst zu finden bedeutet für mich, gerade die Unliebsamen zu erkennen und sich ihrer anzunehmen.
Mit dem Heil ist ja ursprünglich ein vollkommener Zustand gemeint und deshalb erscheint es mir für das Seelenheil unabdingbar sich gerade diesen negativen Schatten zuzuwenden. Es macht aber wenig Sinn, diese nun als gegeben hinzunehmen und wie eine Monstranz vor sich her zu tragen („Ich bin halt so und darf das!“).
Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass man das nicht durch Handauflegen oder dem reinen Wollen verändern kann, vielmehr sollte man lernen, mit diesen Dingen besser umzugehen. Sich in bestimmten Situationen selbst Grenzen zu setzten, die nicht übertreten werden sollen, wäre eine gute Strategie.
Wenn der Grenzübertritt dennoch geschieht, sollte man das als solchen annehmen und sich vornehmen bei einem nächsten Mal besser zu machen. Wer diese Grenze ausloten möchte, sollte sich einfach einmal eine solche Situation nochmals vor Augen führen und klären, an welchem Punkt das Geschehen seine Eigendynamik entfaltet. Einmal zu schweigen und zuhören, wenn man eigentlich das letzte Wort haben möchte, könnte sich zum Beispiel an einem solchen Checkpoint als gute Strategie erweisen.
Seelendinge brauchen ihre Zeit und deshalb darf man da auch nicht mutlos werden wenn, wenn da ein Schatten einfach nicht verschwinden mag. Nach und nach wird sich aber das Gefühl einstellen, dass man der Situation nicht mehr ohnmächtig ausgeliefert ist. Eine Strategie der kleinen Schritte, bei der jeder noch so kleine Erfolg das Glücksgefühl verbreitet, sich selbst überwinden zu können.
„Das wirkliche Glück liegt nicht in einem großen Ereignis, sondern in den vielen kleinen Momenten des Alltages.“
Eine andere Baustelle zum Seelenheil erscheint mir als soziales Wesen, auch der Umgang mit meinen Mitgeschöpfen und gerade da lauern gerne die unliebsamen Schatten. Mitgefühl ist nach meiner Meinung ein zentraler Wesenszug der Menschen – wo sind da also meine Grenzen? Davon hängt dann auch die Qualität des Einklanges mit meiner Seele ab, an der ich mich messen möchte? Hier sehe ich einfach meine Sorge, dass aus der Suche nach dem Einklang mit der Seele eine egozentrische Nabelschau wird.
Jesus ist nicht ohne Grund einen Schritt weitergegangen als Platon, in dem er eben die Sorge um das eigene Seelenheil mit der Sorge um den Nächsten erweiterte. Hiermit wird also meine Grenze zu einem kollektiven Seelenheil erweitert.
Merlin