Die Offenbarung und das Evangelium nach Johannes halte ich die für am wenigsten glaubwürdigen Schriften im Neuen Testament.
In diesem Evangelium lassen sich aufgrund historischer Quellen nachträgliche Einschübe und Veränderungen des Textes nachweisen (z. B. die Geschichte von der Ehebrecherin [Joh 8, 1-11], die erst ab dem 5. Jh. auftaucht). Auch im Schreibstil und den Widersprüchen in den Aussagen des Evangeliums verraten, dass hier massiv nachgebessert wurde.
Auch die unterschiedlichen Schreibstile der Offenbarung und des Evangeliums schließen einen gemeinsamen Verfasser aus. Auch wenn der Apostel Johannes ein biblisches Alter erreicht haben sollte, ist aus verschiedenen Gründen mehr als fraglich, ob er überhaupt als Autor infrage kommen kann.
Ganz oben auf der Liste für die Offenbarung dürfte eine frühchristliche Strömung sein, die sich als die Propheten bezeichneten. So zum Beispiel Johannes den Presbyter, der von dem Kirchenvater Papias in einem Atemzug mit den Aposteln genannt wurde. Er hatte um das Jahr 120 die Bücher zur Auslegung der Worte des Herrn verfasst, die leider nur noch bruchstückhaft überliefert wurden.
Auch wenn in der Offenbarung die Apokalypse des Jüngsten Tages im Sinne der Propheten im Alten Testament dargestellt wird, sind da sehr viele fremde Elemente, die Jesus nicht gemeint haben kann. Ich denke, dass die Grundlage zur Offenbarung, die Gedanken Paulus waren (siehe dessen Briefe).
Man sollte auch nicht vergessen, dass die Offenbarung in der frühen Christenheit sehr umstritten war und nicht überall zum Kanon des Neuen Testament gehörte. Sie war auch wenig im Umlauf und wurde deshalb auch selten abgeschrieben, wobei sich durch den schwierigen Text auch Fehler einschlichen.
Da jetzt eine Wahrheit in der Begrifflichkeit zu suchen halte ich deshalb für sehr gewagt. Trotz der Problematik dieser beiden Schriften gewähren sie jedoch einen Einblick in die damalige Gedankenwelt und der Entwicklung des Christentums.
Merlin