Vitella:
die Bibelstelle in Lukas ist nicht vollständig übersetzt worden.
Es heisst:" wer seinen Vater und seine Mutter nicht hasst wie ich, kann nicht mein Jünger sein.
und wer seinen Vater und seine Mutter nich so liebt wie ich, kann nicht mein Jünger sein.
denn meine Mutter schenkte mit Falschheit,doch meine wahre Mutter schenkte mir das Leben"
aus der Nag Hammadi Bibliothek....
Mit Falschheit ist der Körper gemeint, der Körper als Illusion in einer Welt der Zeit wo Welt und Zeit ebenso Illusion sind....
Die wahre Mutter, Gott, schenkt Leben, Bewusstsein im Geist..
Die Bibel ist nur halb und diese Hälfte ergibt oft keinen Sinn oder es steht die falsche Hälfte drin....
Zur Vollständigkeit betrachte man die beiden Texte, hier den in der Bibelstelle:
Lukas 14,25
Es gingen aber große Volksmengen mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen: "Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater und seine Mutter und sein Weib und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein; und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein.
Das Logion aus Nag Hammadi ist zwar ähnlich, aber eben doch anders. Es enthält zum einen Zusätze ("wie ich", und die weitere erklärende Passage mit der falschen und wahren Mutter), zum anderen fehlt vieles (Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, eigenes Leben).
So schöpfen beide Textpassagen aus einer gemeinsamen mystischen Quelle, doch haben sie unterschiedliche Betonungen und Schwerpunkte.
Mir geht es gar nicht darum, hier zu analysieren wer "rechter" hat oder nicht oder wer abgeschrieben oder verfälscht hat oder welcher Text nun älter ist, ich nehme die beiden Texte einfach "as is" (englisch für "wie sie sind"), und kann sowohl aus der Bibel wie aus den Nag Hammadi-Texten mich ansprechen lassen. "AS IS" ist übrigens wie "ISIS" oder "IESOUS" oder die nordische "ASE" jeweils eine Vokalfolge mit dem Schlangenlaut der Kundalini... (diese kleine Bemerkung zur mystischen Tradition musste sein)
Ich halte allerdings solche Schlussfolgerungen wie "die Bibel ist nur halb" oder "ergibt keinen Sinn" oder so für leichtsinnig, geboren aus dem eigenen Unverständnis.
Was bedeutet der Hass, der hier angesprochen ist? Hass ist eine Emotion, die wegnehmen möchte was Freude macht.
Es ist die Freude an der Welt des "aussen", die hier angesprochen ist. Es sind nur äussere Dinge, die hier begegnen, und wer sie liebt, wer - wie die Bibel sagt - "die Welt liebt" - der kann "Gott" nicht lieben...
Betrachten wir einfach die parallele Stelle in Johannesevangelium, dann wird es deutlicher:
1 Johannes 2,15-17
Liebet nicht die Welt, noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit."
Es gibt also entweder die Liebe zur Welt oder die Liebe des Vaters, die in einem wohnt.
Das mag nun vielen als "dualistisch" erscheinen... - und doch steht diese Haltung in der mystischen Tradition.
Betrachten wir dazu parallel eine Stelle aus "Die Stimme der Stille", einem der ältesten buddhistischen Texte:
Das materielle Selbst und das geistige SELBST können nie zusammenkommen. Eines der beiden muss verschwinden. Für beide gibt es keinen Platz.
Ehe deiner Seele Geist verstehen kann, muss die Knospe der Persönlichkeit ausgerissen und der Wurm der Sinne endgültig zertreten sein.