Mit hat die Frage interessiert, warum eigentlich im japanischen Zen-Buddhismus offiziell keine Enthaltsamkeit mehr praktiziert wird. Seht einmal, was dabei herausgekommen ist:
Das buddhistische Shaolin-Kloster in der chinesischen Provinz Henan wurde um 500 n.Chr. gegründet. Im Jahr 527 n.Chr. kam der Legende nach der indische Mönch Bodhidharma in das Kloster und begründete dort die Lehre des Chan (japanisch: Zen)-Buddhismus. Es ist berühmt für seine Kampfkunst sowie für Quigong, eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist und gilt außerdem als die Geburtsstätte des historischen Chan-Buddhismus, dem Vorläufer des Zen-Buddhismus. Neben Meditation und Buddhismus pflegen Shaolin-Mönche auch Kenntnisse in traditioneller chinesischer Medizin, Qigong, Kalligrafie und natürlich Kung-Fu. Die Lebensweise eines Mönches ist streng: kein Fleisch, kein Alkohol, kein Sex. Entsprechend Letzterem gilt das Zölibat.
Der Zen-Buddhismus oder Zen ist eine in China ab dem 5. Jahrhundert nach Christus entstandene Linie des Mahayana-Buddhismus, die wesentlich vom Daoismus beeinflusst wurde. Der chinesische Name (Chan) stammt von dem Sanskritwort Dhyana (Meditation). Ab dem 12. Jahrhundert wurde das Zen auch nach Japan übertragen. Die im Westen verwendeten Begriff Zen kommt aus dem Japanischen. Zentrales Element der Praxis des Zen ist die Sitzmeditation Zazen, die im Lotussitz in strenger äußerer Disziplin vor allem in Klöstern ausgeübt wird. Indem der Übende alle seine Gedanken zur Ruhe bringt, ermöglicht er die mystische Erfahrung der Erleuchtung (Satori), ein oft plötzlich eintretendes Erleben universeller Einheit und Leere, das der gesamtbuddhistischen Erleuchtung entspricht. Satori ist die plötzliche Erkenntnis vom universellen Wesen des Daseins. Es ist ein Schlüsselkonzept des Zen-Buddhismus und kann nur in der persönlichen Erfahrung verstanden werden. Satori steht im Gegensatz zum Nirvana, denn es ist kein andauernder sondern nur ein vorübergehender Zustand. In diesem Zusammenhang ist oft vom Buddha-Werden, oder der Verwirklichung der eigenen Buddhanatur die Rede.
Der Zölibat ist in fast allen in Japan verbreiteten buddhistischen Richtungen aufgehoben, die meisten Mönche haben Familie und betreiben ihre Tempel wie einen Familienbetrieb, der später an die Kinder weitergegeben wird. Solche Familientempel sind häufig von einem kleinen Friedhof umgeben und versorgen eine lokale Gemeinde von Gläubigen mit religiösen Dienstleistungen, vor allem bei Todesfällen. Eine Randstellung unter den buddhistischen Mönchen nehmen die Bergasketen (Yamabushi) ein. Sie besitzen eine eigene Tracht und eigene Riten, die stark vom esoterischen Buddhismus beeinflusst sind. Nachdem die Yamabushi unter dem Einfluss des Staatsshinto lange Zeit verboten waren, weil sie nicht eindeutig dem Buddhismus oder dem Shinto zugeordnet werden konnten, erfreuen sie sich in letzter Zeit wieder steigender Beliebtheit.
Ursprünglichen bestanden in den Zenklöstern allerdings monastische (mönchische) Regeln, die jede Berührung mit weltlichen Dingen untersagt. Allem voran stehen die beiden Hauptthemen: Besitz und Sexualität. So leben die Mönche und Nonnen der alten Regeln gemäss nicht nur im Zölibat, sondern sie vermeiden auch jede direkte Berührung mit Geld. Garten und Küchenarbeit darf deshalb nicht gemacht werden, weil dabei lebende Wesen zu schaden kämen. Einige dieser Regeln wurden schon im China des 8. Jahrhunderts von Zen-Meistern wie Pai-Chang verändert, und von ihm stammt der Ausdruck: Ein Tag ohne Arbeit ein Tag ohne Essen. Weitere Reformen kamen später durch Zen-Meister wie Hakuin in Japan, oder durch den japanischen Kaiser Mutsuhito, der das Zölibat, infolge der Staatsshinto in der Zeit der Meiji-Restauration, für die Zen-Mönche seines Landes aufhob. Es wird gesagt, dass der japanische Kaiser Mutsuhito das Zölibat aufhob, weil er Angst vor den Selbstbewussten der enthaltsam lebenden Mönche hatte. Heute ist zwar in den Zenklöstern das Zölibat nach wie vor aufgehoben, aber auch wenn es einige verheiratete Klostervorsteher gibt, so soll doch stillschweigend das Zölibat vorausgesetzt werden. Genauere Kenntnisse fehlen mir allerdings.
Der Staatsshinto ist die tragende Ideologie der Regierungsform, die sich nach der sogenannten Meiji Restauration (1868) bildete und bis zur Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg (1945) Bestand hatte. Diese Regierungsform rückte die Institution und die Figur des japanischen Tenno (japanischer Kaiser) wieder ins Zentrum der politischen Macht und versuchte, diese Rückkehr zu den politischen Verhältnissen des alten Japan aus der japanischen "Urreligion", also aus dem Shinto, zu begründen. Die Ideologie des Staatsshinto fußt auf den Ideen der Kokugaku (Nationale Schule), die sich im Laufe des 19. Jh. zunehmend politisiert hatte und den Umsturz des Shogunats (Anführer aus der Kriegerkaste der Samurai) ideologisch vorbereitete. Mit der Machtübergabe an den zu dieser Zeit 15-jährigen Tennō Mutsuhito lag die Zentralgewalt seit vielen Jahrhunderten erstmals wieder in den Händen des Tennō.
Meiji-Restauration bezeichnet den politischen Umbruch im Jahr 1868 und den Beginn einer neuen Regierungsform im Kaiserreich Japan. Sie stand am Anfang einer Epoche der rasanten Modernisierung und Verwestlichung der japanischen Gesellschaft, wiewohl sie zunächst die Rückkehr zu alten japanischen Werten propagierte, insbesondere der Wiederherstellung des Kaisertums. Die Meiji-Restauration beendete somit die über 250 Jahre währende Herrschaft der Tokugawa-Shogun-Dynastie. Eine ihrer zentralen Vorstellungen war die Wiederherstellung der Einheit von religiösem Ritus und politischem System in der Person des Tenno, die den ursprünglichen japanischen Staat des Altertums angeblichen geprägt hätte. Tatsächlich wurde zum ersten Mal in der japanischen Geschichte Shinto explizit zur Staatsreligion erklärt. Jeder Bürger hatte im Tenno die vergöttlichte Personifizierung des Staates anzuerkennen. War in alten Zeiten der Tenno im Ritus als höchster Repräsentant der Menschen seinen göttlichen Ahnen entgegengetreten, so sollte nun der einfache Bürger im shintoistischen Ritus dem vergöttlichten Repräsentanten des Staates Reverenz erweisen.
Der Buddhismus passte sich der Diesseitsgläubigkeit des Shinto an, indem die Askese und das Zölibat seiner Mönche aufgegeben wurde und der Weg zur Erleuchtung durch Kunstübungen (Zazen?), Teezeremonien, Kalligraphie und Dichtungen möglich wurde. Der Staatsshinto wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter amerikanischer Besatzung offiziell abgeschafft, die Trennung von Staat und Religion in der Verfassung verankert, sämtlichen Shinto Schreinen (religiöse Stätten), wurden ihre staatlichen Förderungen entzogen. Dennoch blieb die Ideologie des Staatsshinto unaufgearbeitet. Auch in Korea, das im zweiten Weltkrieg unter japanischer Besatzung war, wurde das Zölibat verboten. Der unter japanischem Einfluss aufgehobene Zölibat für Priester wurde nach dem Krieg - nicht ohne erhebliche Diskussionen - wieder eingeführt.
Buddhistische Klöster scheinen im alten Japan bereits früh Zentren homosexueller Aktivität gewesen zu sein; der Berg Koya, der Sitz von Kukais Kloster, wurde zum Beinamen für gleichgeschlechtliche Liebe. Hingegen enthalten weder Shinto noch die japanische Lesart des Konfuzianismus irgendwelche Verbote. Genügend Mönche scheinen der Ansicht gewesen zu sein, dass ihr Keuschheitsgelübde sich nicht auf gleichgeschlechtliche Beziehungen erstreckte, so dass Geschichten, die von den Affären zwischen Mönchen und jungen Akolythen (Begleitern) erzählen. Solche Affären wurden milde bespöttelt, solange die Leidenschaften nicht bis zu körperlicher Gewalt eskalierten, was durchaus nicht ungewöhnlich war. Jesuiten berichteten entsetzt über die Verbreitung der "Sodomie" unter buddhistischen Mönchen.
http://www.haustao.ch/n1/engagier.htm
http://www.univie.ac.at/rel_jap/gesch/staatsshinto.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Meiji-Restauration
http://de.wikipedia.org/wiki/Mönch
http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualität_in_Japan