Ruhigstellen von Kindern

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Es geht mir nicht um die Einzelheiten des Experiments, sondern um den Fakt, dass eine scheinbare Autorität (im weißen Kittel) es schafft, einen gewissen Druck auf normale Menschen auszuüben, sodass diese in heftige Gewissenskonflikte geraten können.

Nur hat der "weiße Kittel" nicht einmal annähernd so viel Druck geschaffen, wie Milgram behauptet hat. Es gab auch ein anderes Experiment (muss gleich noch einmal nachschlagen), welches verdeutlichen sollte, wie Autoritäten Untergebene untergraben, wenn sie die Macht dazu erhalten. Das Experiment wurde abgebrochen, denn es wurden vernünftige Vereinbarungen getroffen und Freundschaften geschlossen - was nicht im Sinn der Leitung war.
 
Nur hat der "weiße Kittel" nicht einmal annähernd so viel Druck geschaffen, wie Milgram behauptet hat.
... der von Probanden ja scheinbar trotzdem irgendwie als Druck empfunden wurde.

Es gab auch ein anderes Experiment (muss gleich noch einmal nachschlagen), welches verdeutlichen sollte, wie Autoritäten Untergebene untergraben, wenn sie die Macht dazu erhalten. Das Experiment wurde abgebrochen, denn es wurden vernünftige Vereinbarungen getroffen und Freundschaften geschlossen - was nicht im Sinn der Leitung war.
Klar, wenn es keinen gibt, der Druck ausübt bzw. vorgibt, was zu tun ist, dann verbünden sich Menschen freundschaftlich.
Das gibt aber nicht die Machtsituation wieder, die Winterhoff geschaffen hat.


David Mantell übrigens wiederholte Milgrams Versuch 1970 in München:


Darin verlinkt gibt es die Doku auf YouTube:



Beschreibung:

Abraham - ein Versuch​

DE - 1970

Hans Lechleitner, David Marc Mantell & Paul Matussek

Fernsehdokumentation einer Experimentenreihe des Max-Planck-Instituts in München. Das Experiment ist eine leicht abgewandelte Wiederholung der berühmten Milgram Experimente aus den USA. Ein Wissenschaftler veranlasst im Verlauf des Experiments einen „Lehrer“ (die eigentliche Versuchsperson), die Fehler eines „Schülers“ mit Elektroschocks zu bestrafen. Die Stromstöße sind, ohne dass die als „Lehrer“ ausgewählten Versuchspersonen es wissen, simuliert. Die Schreie der „Schüler“ kommen vom Tonband. Von den zufällig ausgewählten Versuchspersonen gingen in der ersten Versuchsanordnung 85% bis zur schwersten Strafe: 450 Volt. 74% fühlten sich für ihr Tun nicht verantwortlich. 15% hielten den „Schüler“ am Ende für tot. Nur 2% zweifelten nach eigenen Angaben an der Echtheit der Inszenierung, alle anderen Versuchspersonen glaubten, die „Schüler“ würden wirklich gequält.

Die Frage ist halt, ob man heutzutage noch zu solchen Ergebnissen käme ...
nach 55 Jahren ...
Aber in Teilen "funktioniert" es bestimmt immer noch.
 
Zuletzt bearbeitet:
... der von Probanden ja scheinbar trotzdem irgendwie als Druck empfunden wurde.

Ja - aber nicht annähernd in dem Ausmaß, das oft angenommen wird.

Aber der Wunsch vieler war tief, in besagtem Experiment eine Spiegelung der Realität zu sehen.

Klar, wenn es keinen gibt, der Druck ausübt bzw. vorgibt, was zu tun ist, dann verbünden sich Menschen freundschaftlich.


Ja - und wenn so getan wird, als ob kein Druck ausgeübt wird (dies aber tatsächlichdoch geschah), kann man ein Experiment als gescheitert betrachten. Wie z.B. das Stanford-Prison-Experiment.
 
Zitat: "Das Experiment misst nicht Bosheit, sondern wie Menschen in unklaren Situationen rationalisieren – sie taten es „für die Wissenschaft“, ähnlich wie Eichmann seine Taten als „für das Reich“ rechtfertigte."

Wobei ich den Vergleich hanebüchen finde, denn die Vernichtung der Juden war keine "unklare Situation", die ganzen Jahre unter dem Naziregime waren es schon nicht.
Dass man in dem o.g. Laborexperiment zu Friedenszeiten in einer Demokratie irritiert ist, das leuchtet ein. Aber Eichmann und Konsorten hörten, sahen und wussten- seit Jahren. Eichmann rechtfertigte sich mit Gehorsam, weil er sich selbst retten wollte, das war m.E. reine Berechnung.
 
Aber der Wunsch vieler war tief, in besagtem Experiment eine Spiegelung der Realität zu sehen.
Das ändert nichts daran, dass die Wiederholung des Milgram-Experiments zu ähnlich schlimmen Ergebnissen geführt hat.

Die Experiment-Wiederholung von 1970 in München nannte ich schon ...

Z.B. auch 40 Jahre später (2008) nochmal in den USA:

Auszug:
Damals war es ein Schock: 1961 bewies Stanley Milgram in einem fragwürdigen Stromstoß-Experiment, wie leicht sich Menschen zu Gnadenlosigkeit und Grausamkeit erziehen lassen. Nun wollte Jerry Burger wissen, ob ein solches Ergebnis auch heute noch möglich wäre. Der Psychologe von der Santa Clara University in Kalifornien wiederholte Teile des Experiments in einer abgemilderten Form und bewies, dass die Menschen nicht viel dazu gelernt haben seit den frühen Sechzigern.

Siehe auch:
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ändert nichts daran, dass die Wiederholung des Milgram-Experiments zu ähnlich schlimmen Ergebnissen geführt hat.

Die Experiment-Wiederholung von 1970 in München nannte ich schon ...

Z.B. auch 40 Jahre später nochmal in den USA:

Auszug:
Ich weiß gar nicht, ob das ein Beweis für Boshaftigkeit ist oder für Angst.
Wir erleben es ja auch im täglichen Leben so, dass das Aufbegehren gegen "Druck" von oben oder allgemein vorgegebene Richungen/Meinungen, z.B. gegen Ärzte, Chefs, die Wisssenschaft, die Experten, gegen wen auch immer einfach nichts nützt.
Wir kennen zu oft keine Selbstwirksamkeit, sondern nur "Anpassung oder Pech gehabt, dann stehst du allein- wenn nicht Schlimmeres".
Im kollektiven Unterbewusstsein ist über Jahrhunderte abgespeichert, "wenn ich mich widersetze, geht es mir selber schlecht."
Deswegen halten wir aber auch sehr oft Menschen für Helden, die sich widersetzen.
Das ist auch der Mensch, diese große Verehrung für Helden, die sich gegen Autoritäten durchsetzen. für Menschlichkeit kämpfen usw.

Für mich ist das eher ein Beweis, wie tief Unterdrückung und Gehorsam in den Menschen verankert ist, nicht unbedingt
wie tief die Boshaftigkeit. Wobei beides zusammengeht wiederum, Unterdrückung und Angst machen auch aggressiv und boshaft. Von sich aus ist der Mensch mehrheitlich nicht boshaft, das glaube ich nicht.
Henne oder Ei...ich denke aber, Angst und Folgen von Unterdrückung oder drohendem Ausschluss aus der Gemeinschaft, das ist das, was sich in solchen Experimenten zeigt.
 
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