Ruhigstellen von Kindern

Für mich auch ...
Andererseits zeigt sich hier aber auch der Wunsch, Verantwortung abzugeben.
Dann ist man fein raus.
Ja, aber der Punkt toppt m.E. das andere nicht, ich glaube, das ist der kleinere Aspekt.
Ich habe mir schon oft überlegt, dass ich z.B. gewiss keine Sophie Scholl geworden wäre nach ´33....
Obwohl man auch da sagen könnte, es wäre die Verantwortung eines jeden gewesen, eine zu sein.
Warum klappt Unterdrückung so gut, je mehr sie betrifft.
Das ist ein komplexes Thema, denke ich.
 
Werbung:

Siehe auch #107. Schon allein die Tatsache, dass die meisten Leute das Experiment abbrachen blieb unerwähnt. Auch dass den Lehrern gesagt wird, sie hätten keine andere Wahl und müssen weitermachen, ließ man bei der Auswertung unter den Tisch fallen. Stattdessen wurde die vermeintliche Bereitwilligkeit zum Gehorsam betont...

Selbst Milgram selbst schien (ich weiß nicht ab welchem Zeitpunkt) wenig überzeugt, denn in seinem nachgelassenen Tagebuch fragte er sinngemäß, ob dies mit Wissenschaft oder eher Theater vereinbar wäre - und hielt Letzteres für wahrscheinlicher.

Das Buch "Im Grunde gut" könnte dich vielleicht interessieren. Gebraucht ist es sehr günstig zu haben.
 
Warum klappt Unterdrückung so gut, je mehr sie betrifft.
Das ist ein komplexes Thema, denke ich.
Das auch.

Der Witz ist nur, dass bei diesem Experiment kein gar so großer Druck ausgeübt wurde.
Es wurde nur immer wiederholt, dass man mit den Fragen fortfahren soll und dass es für das Experiment wichtig sei.
Die Leute hätten eigentlich aus dem Versuch aussteigen können, viele taten es aber trotzdem nicht.
Schon schräg.

Irgendwie hätte ich gedacht, dass durch entsprechende Aufklärung seit den 1990ern und spätestens nach so einem Kinofilm wie "The Green Mile", über den mehrfach berichtet wurde und den Millionen Menschen gesehen haben, so ein Versuch mit Stromschlägen kaum zu realisieren ist, einfach weil die Teilnehmer fehlen.
Aber so kann man sich irren.
 
Das Buch "Im Grunde gut" könnte dich vielleicht interessieren. Gebraucht ist es sehr günstig zu haben.
Dass der Mensch im Grunde genommen gut ist, bestreite ich auch nicht.
Aber durch falsche, unbarmherzige Sozialisation ist es nun mal möglich, aus Menschen gewissenlose Wesen heranzuziehen.

Fakt ist, dass sich erst seit 20, 30 Jahren die Erziehungsmethoden wandeln.

P.S.: Dass auch neuronale Abweichungen zu "kalten" Charakterzügen führen können, sollte man trotzdem nicht vergessen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Dass der Mensch im Grunde genommen gut ist, bestreite ich auch nicht.
Aber durch falsche, unbarmherzige Sozialisation ist es nun mal möglich, aus Menschen gewissenlose Wesen heranzuziehen.

Fakt ist, dass sich erst seit 20, 30 Jahren die Erziehungsmethoden wandeln.

P.S.: Dass auch neuronale Abweichungen zu "kalten" Charakterzügen führen können, sollte man trotzdem nicht vergessen.

Da würde ich dir weitestgehend zustimmen. Wobei ich schon die Auffassung teile, dass eine unbarmherzige Sozialisation nicht ausreicht, damit Menschen gewissenlos werden. Da müssen schon mehrere Faktoren zusammenkommen. In Erziehungsratgebern wird öft der verwöhnte Dudley aus den Harry-Potter-Büchern als Beispiel dafür angeführt, was dabei herauskommt, wenn man einem Kind alles durchgehen lässt. Weniger wird darauf eingegangen, dass ein Kind welches "im Schrank unter der Treppe" lebt, in aller Regel kein Beispiel für Höflichkeit und Hilfsbereitschaft abgibt.
Ich wollte dir auch nicht unterstellen die Annahme zu vertreten, dass der Mensch im Grunde nicht gut sei.
 
Der Witz ist nur, dass bei diesem Experiment kein gar so großer Druck ausgeübt wurde.
Es wurde nur immer wiederholt, dass man mit den Fragen fortfahren soll und dass es für das Experiment wichtig sei.

Dem wiederum würde ich nicht zustimmen. Den Teilnehmern wurde gesagt, sie hätten keine andere Wahl und müssen weitermachen! Das ist schon hoher Druck.

Irgendwie hätte ich gedacht, dass durch entsprechende Aufklärung seit den 1990ern und spätestens nach so einem Kinofilm wie "The Green Mile", über den mehrfach berichtet wurde und den Millionen Menschen gesehen haben, so ein Versuch mit Stromschlägen kaum zu realisieren ist, einfach weil die Teilnehmer fehlen.
Aber so kann man sich irren.

Wobei im Nachhinein auch sehr viele Angaben, nicht wirklich an Stromstöße geglaubt haben - schon in Anbetracht des Gesamtbildes: Von Wissenschaftlern an einer berühmten Universität.
 
In Anbetracht der seit Ausbruch der Pandemie herrschenden Aggressionen - Tendenz: zunehmend -
würde mich eine erschreckend hohe Zahl von Gehorsamkeits-Kopfdrückern bzw. absichtliches Knopfdrücken bei einer erneuten Versuchsanordnung in verschiedenen Ländern - oder allein in D - nicht wundern.
 
Dem wiederum würde ich nicht zustimmen. Den Teilnehmern wurde gesagt, sie hätten keine andere Wahl und müssen weitermachen! Das ist schon hoher Druck.
Beim deutschen Versuch wurde den Teilnehmern bei manchen Versuchsdurchläufen freigestellt aufzuhören.
Trotzdem hörten nicht alle auf.
Aber ja, wenn der Versuchsleiter darauf drängte, die Fragen fortzusetzen, machten sie weiter.

Wobei im Nachhinein auch sehr viele Angaben, nicht wirklich an Stromstöße geglaubt haben - schon in Anbetracht des Gesamtbildes: Von Wissenschaftlern an einer berühmten Universität.
Das meinte ich eben mit der Aussage, dass manche einfach die Verantwortung abgeben und sich bestimmte Vorkommnisse so hindrehen, dass sie sich selbst freisprechen können.

Man darf zudem trotzdem die ähnlichen Versuche nicht vergessen, die später durchgeführt wurden.
Die Ergebnisse scheinen so oder so darauf hinzuweisen, dass Menschen in Anwesenheit von scheinbaren Autoritäten eher einknicken und gehorsam bleiben.
 
Werbung:
Das mag vllt etwas überspitzt wirken für viele, aber dennoch: Ich empfinde es so, dass die Franzosen ein Beispiel dafür sind, wie nachhaltig kollektiv eine erfolgreiche Revolution gegen Autoritäten und Unterdrücker wirken kann. Das ist alles Psychologie, die pflegen ihren z.T. selbst erschaffenen Kult der ewigen Revoluzzer bis heute, selbst die Freiheitsstatue in NY ist ja deren Geschenk gewesen usw.
Das alles zeigt noch immer Wirkung.
Franzosen wehren sich immer, auch bekloppt und verwöhnt zwar, aber da herrscht bis heute eine Kultur des sich Wehrens gegen Autoritäten. Wenn da die Bauern demonstrieren, sind ganze Städte und Autobahnen dicht. Die haben erstmal keine Angst.

Für mich ist das ein Beleg dafür, wie tief vergangene Erfahrungen mit Autoritäten kollektiv wirken, bis in die
Identität und ins Unterbewusstsein.
An RU sehen wir das Gegenteil, die haben eine im Grunde gescheiterte Revolution gemacht, die war kein Erfolg in Sachen mehr Freiheit, und sie sind bis heute depressiv, resigniert, lassen sich jede Brutalität gefallen und üben sie auch auf Befehl ohne Zögern aus.
Und das gilt für den Einzelnen genauso.
Du brauchst ein Erfolgserlebnis im Konflikt mit einer Autorität. Hast du die nicht, dann hast du sie halt nicht und verhältst
dich entsprechend.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben