!!!!! Aus einem anderem Forum: !!!!
Zitat:
Nur ist die Frage ob solche Widersprüche als Paradoxien wirklich geltend zu machen sind, oder evtl eine Falsche Fährte in eine Sackgasse führte und so das Rätsel nicht aufging und daher keine Vereinigung der zwei in Eins passieren kann.mmmmmmhhhhhhhhhhh aber das sei mal dahingestellt, ich weiß zuwenig über Kabbalismus um ernsthaft darrüber diskutieren zu können.
Natürlich ist nicht alles als Paradox geltend zu machen und deutlich von der Kontradiktion und dem Scheinparadox zu unterscheiden. Eine Kontradiktion besteht, wenn zwei Urteile nicht zugleich wahr oder falsch sein können. Ein Paradoxon besteht hingegen, wenn zwei kontradiktorische Urteile zugleich wahr sein können. Aus systemtheoretischer Perspektive entstehen Paradoxien, wenn die Bedingungen der Möglichkeit einer Operation zugleich auch die Bedingungen ihrer Unmöglichkeit sind.
Wenn man aber der Kontradiktion folgt, löst diese sich entweder logisch auf, oder geht in ein Paradoxon über.
Das merkwürdige an der Metapher der Heiligen und der Hure ist, daß beide in Binah zugleich existent sind. Wenn es ein Widerspruch wäre, würde es reichen, sich für das eine oder andere zu entscheiden, um das ‚Dilemma’ aufzulösen. Interessanterweise bringt das aber keinen Fortschritt in irgendeine Richtung. Das deutet imo zumindest eine paradoxale Beziehung an, die auch durch Polaritäten nicht hinreichend erklärt werden kann.
Ein Scheinparadoxon wäre die jungfräuliche Mutter, denn mit Jungfrau meinte man anno dazumal nicht die genitale Jungfräulichkeit, sondern entweder die autonome, unabhängige Frau, oder im übertragenen Sinne die Transzendenz.
Zitat:
Jetzt besteht die GROßE FRAGE: Tatsächlich? Wie läuft es dann mit Ama & Aima? Die unfruchtbare & Fruchtbare Mutter,... nur wenn man die Schablone der Eva & Lilith drüberlegt, so paßt dies nicht mehr, da ja beide Frauen fruchtbar waren, nur anders in herukunft und Charakter.
Wie läßt sich das erklären?
Lilith und Eva sind wahrscheinlich eher als Metaphern für heilig und unheilig zu nehmen.
Das unheilig Heilige.
Zitat:
In einem anderem Forum (eben da wo die Diskussion läuft) erzählte mir jemand das die Assoziation mit Lilith nur eine Entwicklung des modernen Postfeminismusses wäre? Inwieweit läßt sich das belegen....
Streng genau genommen ist Lilith die Symbolfigur des jüdischen Feminismus und es ist wohl logisch, daß dieses Symbol denn auch eine mythische Figur des Judaismus ist. Lilith ist auch Teil der jüdisch-feministischen Theologie, ich wüßte nicht, was daran als ‚nur’ zu bekritteln gibt.
Darüber hinaus sollte man zwischen der feministisch verwendeten Lilith und der esoterisch verwendeten Lilith unterscheiden. Nur weil ein Esoteriker sich des Lilith-Mythos bedient, heißt das noch lange nicht, daß man das so mir nichts dir nichts in die Feministinnen-Ecke stellen kann. Dann müßte man so konsequent sein und jeden verdammten Mythos um eine weibliche Gottheit dem Feminismus zuordnen, weil dazu sehr viel von Feministinnen geschrieben wurde. Macht wohl wenig Sinn... *g*
Wenn man wirklich verstehen will, wie der Lilith-Mythos geschmiedet wurde, muß man tiefer in die Geschichte gehen, dann wird man feststellen, daß die Verwendung von Lilith als Symbolfigur durchaus in der Natur des Mythos liegt, weil er stets zwischen Politik und Fantasmus stand.
Wen es interessiert, dem empfehle ich die babylonisch-sumerische Zeit, die Gefangenschaft der Hebräer bzw. ihr Zug nach Kanaan, das frühe Mittelalter, die Kabbalah des 15. Jahrhunderts und die Dichtung des 19. Jahrhunderts nach Lilith zu durchforsten und vor allem mit der jeweiligen demographischen, religiösen und kulturellen Gesamtentwicklung zu vergleichen, denn in diesen Perioden wurde der Mythos weitergeprägt, als das, worunter wir ihn heute kennen. Der Feminismus hat den Mythos ab den 50er-60er Jahren in seinen archteypischen Aspekten untersucht – und da gibt es durchaus Lesenswertes, von ‚nur’ kann also kaum die Rede sein.
Es ist bekannt von den Hebräern, daß sie, nachdem sie aus der ägyptischen Gefangenschaft nach Kanaan kamen, einiges unterschlagen bzw. geändert haben. Zu dem Zeitpunkt war der Lilithkult, orgiastische Kulte allgemein, relativ beliebt und mit ihm auch die sexuelle Freizügigkeit der Tempelprostitution. Den Mythos zu entstellen und Lilith als dämonengebärende, kindstötende Furie hinzustellen diente dazu, den Kult mit einem Tabu zu belegen und den eigenen Kult mit wesentlich strengeren Sexualgeboten zu festigen. Das hatte keinerlei religiöse Motive, sondern politische, um den Fortbestand des Volkes und der Religion zu sichern.
Die starke, verführerische und todbringende Lilith ist übrigens nicht dem Feminismus zuzuschreiben, sondern eher den romantischen Dichtern des 19. Jahrhunderts, die eine Schwäche für solche Figuren und Fantasmen hatten. Ein ähnliches Bild hat schließlich Crowley mit der Hure Babylon übernommen.
Der Lilith-Mythos heute ist also ein Konglomerat aus verschiedenen Epochen, nicht nur einer einzigen.
In diesem Sinne ist es dann aber auch uninteressant festzustellen, daß ein Mythos an eine Zeitperiode angepaßt wurde, denn das liegt schließlich in seiner Natur. Interessant ist vielmehr die Frage, inwiefern der Archetypus polarisiert, also was mit ihm verbunden wird.
Richtig ist, daß Lilith als Symbolfigur der Emanzipation eine Rolle als Gegenheldin der tugendhaften Eva zugewiesen bekam, was mitunter ein wenig überspitzt wird. Ich halte es jedoch für wenig hilfreich, sich einzig und allein auf jene überspitzten Aspekte zu reduzieren, denn den Feminismus macht denn doch wesentlich mehr aus. Das hieße, die Bewegung abzutun, und wie notwendig sie ist, zeigt sich eben am Ausmaß der Polarisierung um die archetypische Figur Lilith.
Um zu erläutern, was ich meine, zitiere ich mal eine der dümmsten Beweisführungen, die ich im Netz gefunden habe. Die Quelle behalte ich allerdings für mich, denn für so einen Schrott muß man echt nicht noch Werbung machen:
A: Wer gibt, bspw. Feministinnen jetzt das Recht, aus einer Nebulösen Gestalt wie Lilith nun die Schutzpatronin des Emanzentums zu machen?
B: Mal angenommen es gibt Lilith, ich hab noch nie von ihr gehört, aber anscheinend ist das ein dämon. Wenn nun die Feministinnen, die familienzerstörerin, mörderinen und kinderquälerinnen, Lilith als Schutzpatron haben, die ein dämon ist, dann sieht man ja von welchem Geist, diese Bewegung kommt.
Rettet die Kinder!
Rettet die Ungeborenen!
Rettet die Mütter!
burn feminismus
Hier gewinnt die Bezeichnung DAU – dümmster anzunehmender User – eine ganz neue Dimension…
Soviel zum Feminismus.
Zurück zur Kabbalah: Lilith gilt u.a. als der letzte Engel der unheiligen Sephiroth (also der Qliphot). In diesem Sinne wird Lilith mit Malkuth assoziiert, wo sie als Königin der Nacht regiert. Es besteht eine Verbindung zwischen Malkuth und Binah – über die Schechina, die als der weibliche Aspekt Gottes gedeutet wird. Die Schechina wird meistens keiner besonderen Sephirah zugeordnet, sondern Aspekte von ihr werden an den Sephiroth festgemacht. Binah/die große Mutter stellt den himmlischen Aspekt, Malkuth/Lilith den irdischen Aspekt der Schechina dar.
Die Schechina wird oft als Braut oder Prinzessin beschrieben, deren Geliebter eine Mischung aus den oberen neun Sephiroth ist und durch Tiphereth repräsentiert wird. Crowleys „Hure auf dem Tier“ ist also im Prinzip eine Abwandlung hiervon.
