Was ich von deiner Intelligenz und deiner Ironie halte, kannst du dir ja denken.
Aber für die anderen, denen noch ein Rest von Denkfähigkeit geblieben ist:
Wenn jemand sagt: Töte den Buddha.
Dann geht es dabei nicht darum, sich in Mordphantasien am Morden zu berauschen, sondern es geht darum, ein BILD ich sich abzutöten- nämlich das Bild des Helden im Gegensatz zu dem Bild des Schwächlings, welches die beiden Seiten der Polarität: hoher-niedriger Mensch darstellen.
Solange es für den einzelnen hohe und niedere Menschen in seinem Werteverständnis gibt, kann er nicht zur Wahrheit- der Gleichheit der Menschen gelangen.
Deshalb rät ein Weiser dem Menschen,
das Bild von dem erhöhten Buddha in sich abzutöten.
Wir suchen Lichtgestalten, die uns von dem Zauberreich Kunde bringen und uns einen Kompass liefern, damit wir aus den Verirrungen im Labyrinth des Lebens einen Ausweg finden. Der Ausweg soll ein Weg ins Innerste sein, ein Weg zu Christus in uns, ein Weg zu Gott, ein Weg zum All-Einen, ein Weg zur Erleuchtung, ein Weg ins Nirvana.
Nicht die Meister, als einzelne Personen, sind das Problem, aber das, was wir aus ihnen machen. Wir sind geradezu süchtig danach, sie in das Reich des Heldenhaften zu entrücken.
Gewiss schüren sie auch selbst manches Mal die eigene Überhöhung. Und doch ist es an uns, die Himmelsstürmer mit dem Erdreich zu verwurzeln.
Weil die Meister uns eine himmlische Botschaft bringen, überhöhen wir sie und halten sie selbst für Götter.
Wir identifizieren sie oft mit dem Inhalt, von dem sie künden, so, als gäbe es keinen Unterschied zwischen dem Verkünder und den himmlischen Wahrheiten selbst.
Dadurch verschwindet das menschliche Antlitz, es verschwinden die menschlichen Fehler, Schwächen und Verirrungen, wodurch das Nichtkönnen als Schatten in den Hades verstoßen wird.
Wer das Persönlich-Menschliche an den Meistern nicht mehr sehen will, der spaltet sie unbewusst in zwei Teile:
in einen göttlich-heldenhaften, der alles überstrahlt, und in einen niederen Menschen, der sein Dasein unerlöst in der Unterwelt fristen muss.
Aber Erleuchtung bedeutet gerade, diesen abgespaltenen, niederen Teil des Menschen zu integrieren, so dass aus dem höher-niedriger eins wird- und somit der Mensch zum Mensch wird.
Gleichsam wie aus einer zerbrochenen Nussschale schälen wir aus dem harten, versteinerten Material das weiche, verletzliche Wesen.
Erst zu diesem Kern können wir eine wirkliche Herzensnähe empfinden.
Die bloße Beziehung zum äußeren Idealbild gleicht hingegen mehr einer ehrfürchtig-dogmatischen Bewunderung, oft verbunden mit der uneingestandenen Gier danach, dass einige Häppchen Erleuchtung vom großen Meister auf den kleinen Schüler fallen.
Nur schwer ertragen wir die Ohnmacht der Ungewissheit und suchen im entscheidenden Moment nicht die bergende Zuflucht in uns selbst, sondern im äußeren Wort einer Autorität.
Folgen wir ihr, dann sind wir befreit davon, in jeder Situation immer wieder neu eine eigene Einstellung dem Leben gegenüber für uns selbst zu finden. Wir bilden dann keine wirklich eigene Meinung zu den Dingen und Geschehnissen aus, sondern schließen uns einer fremden Meinung an (und sei es auch das alleredelste Idealbild).
Dadurch sind wir von der Verantwortung befreit, für uns selbst entscheiden zu müssen. Wir glauben uns weniger schuldig zu machen, wenn wir einem Führer folgen.
Und genau dieses Schuldgefühl wird uns nicht mehr loslassen, wenn wir es ernst meinen sollten, bis wir die Wahrheit annehmen- dass wir allein verantwortlich sind für unsere Entscheidungen und dass wir gezwungen sind, sind, sie ohne jede Unterstützung zu fällen und durch unser eigenständiges Reden und Verhalten beweisen.