Die Realität ist nicht individuel, sondern wir leben alle in der selben Welt. D.h. Schlussfolgerungen aus Wahrnehmungen können auch falsch sein.
Eine gemeinsame Realität scheint es zu geben. Die Naturgesetze und die Wissenschaft beziehen sich vollständig auf diejenige Realität, in der wir alle leben. In dieser gemeinsamen Realität gelten die Naturgesetze für jedermann. Wenn jemand mit Kühlschrankmagneten hantiert, sind sich alle beobachtenden Menschen einig, ob sie eine Abstossung oder eine Anziehung gesehen haben. Der Magnetismus ist also ein Naturgesetz in einer Realität, die uns allen gemeinsam ist.
Es ist aber auch möglich, dass es zusätzlich noch weitere Realitäten gibt, wo es Kräfte gibt, die nur für manche Personen existieren. Man könnte beispielsweise die Gedankenwelt als real definieren, aber nicht als real existent in unserer gemeinsamen Realität, sondern halt in einer Realität, die zusätzlich zur gemeinsamen Realität existiert.
Aber auch reale Wahrnehmungen (anstatt nur Gedanken) könnten sich auf Dinge beziehen, die nicht in der gemeinsamen Realität vorkommen. Anstatt die Gedankenwelt als eine Realität zu definieren, die über die gemeinsame Realität hinaus geht, könnte man auch einen Teil der Realität, die real mit den Sinnesorganen wahrgenommen wird, als über die gemeinsame Realität hinausgehend ausmachen. Es ist nämlich durchaus möglich, dass zwei Personen eine schwarze Form anschauen, aber jemand zusätzlich auch noch eine Farbe sieht, während der andere nur die schwarze Form sieht. Beim Sehen einer Aura bzw. bei Synästhesien kann es so etwas geben.
Nehmen wir die Synästhesie, bei der die Schriftzeichen eine Farbe bekommen. Manche Personen erleben diese Farbe als wirklich real und sehen sie mit den Augen dort, wo das Schriftzeichen ist. Dennoch haben sie nicht den Eindruck, diese Farbe würde sich auf physikalisches Licht in unserer gemeinsamen Realität beziehen. Die Farbe wird also als real empfunden und trotzdem nicht so, als würde sie eine Aussage über physikalisches Licht in unserer gemeinsamen Realität machen.
Man kann diese Synästhesie so interpretieren, dass die Farbe im Kopf entsteht und einfach so empfunden wird, als befände sie sich in der Realität.
Aber es ist auch möglich, zu sagen, dass sich die synästhetische Farbe auf etwas bezieht, das tatsächlich in irgendeiner Realität existiert. Die Farbe von Schriftzeichen könnte sich etwa auf eine Eigenschaft beziehen, die es in der Realität, die uns allen gemeinsam ist, tatsächlich gibt, aber halt auf etwas anderes als auf Licht. Nämlich auf ein bislang unbekanntes physikalisches Feld, das in der Realität existiert, in der alle leben...
Es ist auch denkbar, dass sich die Farbe auf eine Eigenschaft bezieht, die zwar real existiert, aber nicht in der Realität, die uns allen gemeinsam ist. Vielleicht gibt es ja mehr als ein Universum gleichzeitig. Es wäre aber auch denkbar, dass nur ein Teil der Realität von allen Personen geteilt wird, sozusagen als Schnittmenge. Jeder lebe in einem anderen Universum, aber ein Teil davon überschneidet sich und in diesem Teil gibt es objektive physikalische Naturgesetze. Die synästhetische Farbe von Schriftzeichen könnte sich dementsprechend auf Eigenschaften in einem Parallel-Universum oder in einem Teil der Realität unseres Universums beziehen, der nicht zur gemeinsamen Realität gehört.
Diese Interpretationen finde ich genauso gut möglich wie die Interpretation, dass die synästhetische Farbe im Kopf entsteht und in die Realität projiziert wird.
Ein anderes Thema:
Die Frage nach dem Sinn von alternativen Heilmethoden ist mir noch durch den Kopf gegangen.
Den Placebo-Effekt könnte man als eine nicht-übersinnliche Variante der Geistheilung bezeichnen. Eine Studie, die einen signifkanten Placebo-Effekt rein durch Zuckerpillen belegt, bezieht sich auf den Mittelwert der Versuchspersonen. Der Placebo-Effekt funktionierte im Mittel, aber das muss nicht heissen, dass der Placebo-Effekt bei jeder Person gewirkt hätte. Manche Personen sprechen möglicherweise nicht auf Pillen oder Aussagen eines Arztes an. Für diese Personen finde ich es sinnvoll, wenn sie anderswo die Möglichkeit haben, von einem Placebo-Effekt zu profitieren, beispielsweise durch alternative Heilmethoden. Wenn man diese alternativen Heilmethoden streichen würde, würde man diesen Patienten den Placebo-Effekt vorenthalten. Deshalb finde ich, dass alternative Heilmethoden wichtig sind.
Zusätzlich werden derzeit auch Effekte der alternativen Methoden oder Heilmittel erforscht, die über den Placebo-Effekt hinaus gehen. Es scheint durchaus Methoden zu geben, die bei bestimmten Beschwerden stärker wirken als Placebo.
Ausserdem wäre zudem eine Geistheilung möglich, die völlig übersinnlich/paranormal ist und sich wissenschaftlich nie wirklich zu 100% sicher beschreiben lässt. Auch dies dürfte man ruhig mal ausprobieren, auch wenn man es nicht belegen kann.
Natürlich finde ich es aber wichtig, zuerst die Methoden auszuprobieren, von denen man die wissenschaftliche Evidenz hat, dass sie im Durchschnitt wirken.