Sei gegrüßt!
Zunächst einmal möchte ich dir ein Kompliment machen. Du schreibst oft sehr gute Beiträge. Allerdings bin ich nicht immer mit deinen Beiträgen einverstanden. Ich würde gerne oft den einen oder anderen Punkt mit dir diskutieren, aber es fehlt mir mitunter die Zeit dazu.
Ich habe soeben einen langen Artikel geschrieben, den ich aber versehntlich gelöscht habe... Daher jetzt nur eine kurze Antwort. Danke, für das Kompliment. Die Zeit ist leider ein limitierender Faktor.
opti schrieb:
Nun aber zu diesem Beitrag. Ich habe es schon so oft gesagt, dass das Wort "Unterdrückung" die falsche Bezeichnung für das freiwillge Zölibat ist. Ich frage mich, wie oft ich das noch sagen soll, damit ihr es endlich versteht? Wer unterdrückt mich denn? Ich lebe freiwillig enthaltsam und das sehr wohl überlegt und aus guten Gründen.
Wenn du freiwillig im Zölibat lebst, ohne dabei Druck, Zwang, Unwohlsein zu empfinden, ist das in Ordnung. Aber du pauschlisierst...
Die Formel: Sex = Unglücklich sein, wird von vielen Menschen als falsch empfunden, da die Libido des Menschen natürlich ist und durch den Hormonhaushalt beeinflußt wird. Wenn alle Menschen Spiritualität und Glück nur durch den Zölibat erfahren könnten, dann müssten sie zwangsläufig ihre Libido unterdrücken. Das kann also nicht stimmen, zumal Glück ein subjektiv empfundenes Gefühl ist.
Über Jahrhunderte diktierte die Kirche und die Medizin eine prüde Moral, die aus heutiger Sicht nur als unchristlich bezeichnet werden kann.
wikipedia schrieb:
Falsche Vorstellungen kursierten über Jahrhunderte, dass Selbstbefleckung die gesunde geschlechtliche Entwicklung eines Knaben behindere und zur Gehirnerweichung und zum Rückenmarksschwund führe. Auch Krebs, Wahnsinn oder Lepra sollten angeblich die Folge der Masturbation sein. Erst nachdem Robert Koch 1882 den Tuberkelbazillus entdeckte, behaupten die Mediziner nicht mehr, dass Masturbieren Tuberkulose hervorrufe.
In einer bestimmten Interpretation der paulinischen Tradition, die sich unter anderem auf Philo von Alexandria zurückführen lässt, die jedoch ausdrücklich nicht von römisch-katholischer Seite gelehrt wird, gilt ferner allgemein jedes geschlechtliche Tun, das nicht der Fortpflanzung dient, als schwere Sünde der Unzucht.
Für einige Wissenschaftler ist die Negation des Auslebens der Sexualität gerade in der römisch-katholischen Kirche Ursache von Persönlichkeitsveränderungen bei Angehörigen des Klerus.
Natürlich wird kein Mensch mit physischer Gewalt zum Zölibat gezwungen. Aber der psychische Druck, der durch eine öffentliche Brandmarkung der Sexualität, durch Androhung drakonischer Strafen (Höllenfeuer und ewige Verdammnis) aufgebaut wurde/wird, ist mit Gewalt gleichzusetzen. Wieviele Schuldgefühle und Komplexe das bei Menschen über die Jahrhunderte ausgelöst haben muss und was für Konsequenzen es gehabt hat, kann man gar nicht abschätzen. Menschen haben sich für etwas gegeißelt, das zu ihrer Natur gehört! Die Ironie dabei ist, dass noch nicht einmal in der Bibel ein Gebot existiert, welches Sex ausdrücklich verbietet!
opti schrieb:
Und dasselbe trifft wohl auf alle Mönche und Nonnen zu. Keiner zwingt irgendeinen Mönch oder irgendeine Nonne zum Zölibat. Sie können jederzeit vom Zölibat zurücktreten. Aber sie wollen es gar nicht, wahrscheinlich, weil die meisten Mönche und Nonnen die Sexualität längst abgelegt haben. Für die Mönche und Nonnen und für viele enthaltsam lebende Laien ist die Sexualität überhaupt kein Thema mehr. Sie haben keinerlei sexuelles Begehren.
Wer weiß?! Keiner wird es an die große Glocke hängen ob er mastubiert oder nicht, da dieses Thema ein Tabuthema ist und die Intimssphäre eines Menschen berührt.
opti schrieb:
Die Sexualität ist eigentlich nur ein Thema der Menschen, die regelmäßig Sex haben. Wie lange können sie denn ohne Sex leben? Die Realität ist doch, dass mindestens 90 Prozent aller Männer mehr oder weniger sexsüchtig sind. Und das wird von den meisten Menschen als vollkommen normal betrachtet. Das ist es aber nicht, sondern es ist eine Form der Sucht. Von Unterdrückung kann also überhaupt nicht die Rede sein, weil die Entscheidung enthaltsam zu leben, freiwillig ist.
Du wirst imho die Begriffe (gesunde) Sexualität und Sexsucht durcheinander. Das eine ist Ausdruck der Natur des Menschen, das andere ist ein Krankheitsbild.
http://www.onmeda.de/lexika/sexualitaet/sexsucht.html?p=2
Sexsucht schrieb:
Häufigkeit
Schätzungen, wie verbreitet sexuell süchtiges Verhalten ist, gehen stark auseinander. Abhängig davon, wie Sexsucht (Hypersexualität) definiert wird, schwanken die Angaben zwischen einem und sechs Prozent in der erwachsenen Bevölkerung. Von Hypersexualität sind deutlich mehr Männer (ewta 75%) als Frauen (etwa 25%) betroffen.
http://www.netdoktor.de/sex_partnerschaft/menshealth/selbstbefriedigung_maenner.htm
Masturbation schrieb:
Wie oft kann man onanieren?
Eine Norm, wie häufig onaniert wird oder werden sollte, existiert nicht - "normal" ist, so oft wie man will. Gerade männliche Jugendliche können mitunter auch zehn Mal am Tag ein solches Verlangen verspüren. Es gibt aber auch erwachsene Männer, die das Onanieren täglich brauchen, manchmal mehrmals an einem Tag, manchmal seltener. Die Häufigkeit der Selbstbefriedigung ist letztlich individuell unterschiedlich und zudem abhängig von Lebensphase, körperlichem und psychischem Befinden und vielen anderen Faktoren.
...
Kann die Masturbation krank machen?
Es ist keineswegs schädlich, sich selbst zu befriedigen und es macht mit Sicherheit nicht krank. Die Sexualität gehört nicht nur zum menschlichen Leben dazu, sondern ist sogar eine Energiequelle für dieses. Wenn man Lust verspürt, ist es der einfachste Weg, sie auszuleben. Die Fantasien spielen keine Rolle und man ist auch keinem anderen Rechenschaft darüber schuldig, was man bei der Selbstbefriedigung denkt oder sich vorstellt.
Außerdem führt imho gerade eine gesunde Sexualität dazu, dass Menschen sich eben nicht mehr geistig mit diesem Thema zu jedem Zeitpunkt beschäftigen müssen. Siehe Buddha, Weg der Mitte.
opti schrieb:
Es ist auch nicht richtig, wenn du sagst, dass der enthaltsam lebende Mensch nicht zwangsläufig spirituell wird, denn er wird tatsächlich zwangsläufig spirituell.Es findet eine Orientierung in religiöse Richtung statt.
Das ist eine These, deren Beweis mich interessieren würde.
opti schrieb:
Ich merke es sehr deutlich an mir.
Du schließt von dir auf andere.
opti schrieb:
Früher habe ich gegen die Kirche rebelliert und nun kann ich mich sogar mit dem katholischen Kirchentag anfreunden. Was mich allerdings hindert an Gott zu glauben, ist meine Vernunft, denn niemand weiß, ob es einen Gott gibt. Und ich denke, die Vernunft sollte unsere oberste Instanz sein, denn sonst können wir beliebige Annahmen treffen. So können wir ebenso die Annahne treffen, das Universum sei vom Satan erschaffen. Diese Aussage hat genau so viel Gewicht, wie die Aussage, das Universum ist von Gott erschaffen. Weil wir darüber aber in Wirklichkeit keine Aussage treffen können, sollten wir uns einer Aussage enthalten. Ist derjenige, der glaubt, die Welt sei von Gott erschaffen, also wirklich spirituell oder einfach nur leichtgläubig und hilfesuchend? Welche Beweggründe treiben ihn an, so etwas zu glauben? Das zu untersuchen, wäre bestimmt auch sehr interessant.
Wenn du so denkst, ist das vollkommen in Ordnung. Jeder so wie er mag...
opti schrieb:
Und eigentlich ist die Frage nach der Spiritualität auch gar nicht so wichtig. Was wollen wir denn? Wollen wir spirituell sein und an Gott glauben oder wollen wir einfach nur glücklich und zufrieden sein? An Gott zu glauben ist ganz einfach. Das machen nämlich sehr viele Menschen und zwar besonders die Menschen, die in Not sind, die von Krankheiten gezeichnet sind. Sie wenden sich an den lieben Gott und hoffen dadurch geheilt zu werden. Und geschieht das? Nein, in den meisten Fällen geschieht es nicht. Sie mögen zwar spirituell (gottgläubig) sein, aber hilft ihnen das irgendwie, glücklicher zu sein? Ich glaube kaum.
Du pauschalisierst, denn mein Glaube hat mir schon häufig geholfen. Gott ist kein Wunsch-o-Mat, bei dem man ein paar Münzen einwirft und der auf Befehl Wünsche realisieren muss.
opti schrieb:
Es kommt nämlich gar nicht so sehr darauf an, spirituell zu sein, sondern in erster Linie kommt es darauf an, sein Leben sehr bewusst zu leben. Und Bewusstsein zu schaffen ist ein sehr schwerer und mühseliger Weg, den die meisten Menschen gar nicht auf sich nehmen wollen oder können, weil ihnen dazu der Mut und das Wissen fehlt.
Da stimme ich dir zu.

Zwischen Glaube und Spiritualität sowie einem tiefen Verständnis desselben gibt es Unterschiede. Aber das ist ein Prozess, eine Entwicklung.
Man wird nicht sofort spirituell oder gewinnt plötzlich die Einsicht, dass das Leben in der Tonne (s. Kyniker), fernab allem weltlichen Luxus, das einzig wahre ist.
opti schrieb:
Und diese Menschen flüchten sich dann in die Religion, sie werden spirituell. Was nützt es aber, wenn ich mich aus meiner Not heraus an Gott wende, aber mein Leben ganz genau so unbewusst weiterlebe wie bisher? Was nützt es, wenn ich täglich bete oder in die Kirche gehe, aber täglich meine sexuellen Energien vergeude, die nämlich für mein Unglücklichsein verantwortlich sind, weil mit dem Verlust der sexuellen Energie ebenfalls die Lebensenergie und die Lebensfreude verloren gehen.
Religion = Opium für das Volk? Ehemalige Sowjetbürger freuen sich über die freie Religionsausübung.
Sex = Unglück?, geht als Gleichung nicht auf. (s.o.) Gerade Sex kann Ausdruck von purer Lebensfreude sein, in die man gerne Energie investiert.
Liebe Grüße

Toffifee