Condemn schrieb:
Und was mich persönlich echt ankotzt, das ist diese hochmütige Haltung, dass sich selbst die ärmsten Deutschen mit einem tollen BIP identifizieren obwohl sie nix davon haben. Die einen arbeiten hart und fühlen sich trotzdem wie Dreck weil sie aufstocken müssen, da die Firmen keine anständigen Löhne zahlen.
Und trotzdem verstehen die „kleinen Leute“ die Anspruchshaltung Griechenlands nicht. Wer Chaospolitik betreibt, kein funktionierendes Steuersystem hat, sich einen Kredit nach dem anderen auflädt, ohne nachzudenken, ob er ihn je zurückzahlen kann, ist in den Augen der Deutschen nun einmal ein Narr. Gut, nun kann sich ja jeder aussuchen, ob er den Chaot und Narr spielen will. Was allerdings nicht verstanden wird ist, dass Europa und deren Steuerzahler für diesen die Suppe auslöffeln soll.
M.E. empfinden die Leute diese Ungerechtigkeiten gerade, weil in diesem Land die Schere zwischen arm und reich immer mehr auseinander driftet und von gerechter Teilung keine Rede mehr sein kann und in Schieflage geraten ist. Menschen, die haushalten müssen, reagieren empfindlich, wenn da unser aller Steuern in irgendeinem Schlund verschwindet. Im Übrigen stieß es den Leuten auch sauer auf, als diverse Banken mit unseren Steuern subventioniert wurden. Ich sage doch: Die Leute spüren genau, was richtig läuft und was falsch.
Litauen ist erst seit Januar dieses Jahres im Euro. Zu sagen, sie mussten sich aus eigener Kraft aus der Misere befreien ist m.A.n. gleich zweifach nicht ganz richtig... Erstens: Inwiefern haben sie sich aus der Misere befreit? Müsste es ihnen dann nicht gut gehen?
Natürlich kann es ihnen noch nicht gut gehen. Sie mussten ja sehr viele Reformen durchziehen, u.a. wurde der Staatsapparat abgespeckt. Die Beamten wurden zu 30 % in die Arbeitslosigkeit entlassen. Zudem wurden die Renten gekürzt. Also alles Maßnahmen, die Griechenland verweigert.
Und nein, es ging ihnen und geht den Litauern immer noch nicht gut. Viele Menschen sind deshalb ins europäische Ausland weggezogen, um Arbeit zu finden. Dennoch: Hörte man von denen so ein Gejammer, wie aus Griechenland? Der Hohn ist doch, dass die Litauer – nun in der europäischen Union angekommen – ausgerechnet den Griechen unter die Arme greifen sollen. Was für eine Farce…..
Was Gartenpartys betrifft: Ich war gestern selbst auf einer Art Gartenparty... eine befreundete Familie wird wegziehen und hat sowas wie ein Abschieds-Fest gegeben. Es waren ca. 80 Personen da... Kinder mit eingerechnet. Und logischerweise sind das alles Freunde dieser Familie. Und auch wenn dort Griechenland meines Wissens kein großes Thema war (ich bin nur kurz hin und wieder weg) könnte ich nen Wahlausgang auf dieser Party sehr klar vorhersagen: 80-90% würden wohl Linke oder Grüne wählen... die sind alle ziemlich links-alternativ-waldorfmäßig drauf.
In meiner Umgebung wählen sehr viele Links. Ich komme schließlich aus Hamburg. Links zu sein, hat Tradition. Es ist dennoch so, dass ich das Gefühl habe, dass– quer durch alle Parteien – dieses Unverständnis vorherrscht. Vielleicht liegt es auch ganz einfach an der deutschen Mentalität, die Chaos nun einmal nicht nachvollziehen kann bzw. keine Lust hat, Chaos zu unterstützen? Es ist jedenfalls dieses Grundgefühl von Unverständnis und dem Mangel an gesundem Menschenverstand vorhanden.
Und das Ausland betreffend: Die Stimmung die ich letzte Nacht etwas mitgeschrieben habe... die ist auch total überdreht, nicht objektiv etc. Aber das ist einfach eine riesen Masse an Menschen, denn Deutschland ist verglichen mit dem Rest der Welt dann doch sehr klein. Und wenn Twitter auf einmal heiß läuft und da Sprüche kommen wie man sie sonst eigentlich nur von Hardcore-Linken aus Griechenland kennt, wenn internationale Medien auf einmal klar Stellung gegen Deutschland beziehen, dann ist das erstens eine Stimmung die keine deutsche Gartenparty einfangen wird und zweitens ist das absolut nicht irrelevant.
Ich glaube, dass die internationalen Medien den vorgeschlagenen „Grexit auf Zeit“ von Schäuble nicht prickelnd fanden, aber dennoch natürlich – zusammen mit Deutschland – eine klare Haltung und klare Forderung an Griechenland stellen.
Lg
Urajup