Für alle, die das schreckliche Schicksal Deutschlands durch die Krise/n beweinen...
So sehr hat Deutschland vom Euro profitiert
In der deutschen Diskussion über den Euro und die Schuldenkrise hört man immer wieder, die Einführung des Euro habe der deutschen Wirtschaft gehörig geschadet.
In
einer bemerkenswerten Studie verweisen die Volkswirte der Citigroup dieses Argument jetzt ins Reich der Legende. Die Citi-Ökonomen Nathan Sheets und Robert Sockin argumentieren, die Einführung des Euro habe zu einem massiven Windfall-Profit für die deutsche Volkswirtschaft geführt – das Papier ist meiner Meinung nach Pflichtlektüre für jeden D-Mark-Nostalgiker.
Nach den Berechnungen von Sheets und Socking hat die Währungsunion zusammen mit der deutschen Lohnzurückhaltung Deutschland massive Vorteile auf dem Weltmarkt verschafft: Der reale effektive Wechselkurs ist demnach dank des Euro 15 bis 20 Prozent niedriger als wenn es die D-Mark noch geben würde.
Simulationsrechnungen der Volkswirte zeigen: Diese Wettbewerbsvorteile haben über Jahre massiv den deutschen Export stimuliert – die Ökonomen schätzen, dass die Exportüberschüsse dadurch pro Jahr um vier Prozent des BIP bzw. 100 Milliarden Euro höher ausgefallen sind. Unter dem Strich spreche einiges dafür, dass die Mitgliedschaft in der Währungsunion die deutsche Wirtschaftsleistung beflügelt habe, so die Schlussfolgerung der Volkswirte.
Ganz abgesehen von dem Chaos, das mit der Auflösung der Währungsunion einhergehen würde, zeigen diese Berechungen: Wer sich in Deutschland nach der D-Mark zurück sehnt, sollte wirklich vorsichtig sein, was er sich da wünscht.
Die vollständige Studie findet sich hier.
Update: Sehr interessante Berechnungen zu den ökonomischen Vorteilen durch den Euro hat kürzlich übrigens auch McKinsey vorgelegt – demnach fällt rund die Hälfte der Vorteile bei Deutschland an.
http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2012/01/30/so-sehr-hat-deutschland-vom-euro-profitiert/
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2. Mythos: Die Griechenland-Krise kostet Deutschland viele Milliarden
Als die Finanzmärkte Athen fallen ließen, brach Panik aus. Viele Anleger wussten nicht, wo ihr Geld noch sicher war. Große Vermögensverwalter wie Banken, Versicherungen und Rentenkassen sind aber darauf angewiesen, riesige Summen sicher anzulegen. In der Krise waren das vor allem Staatsanleihen aus Deutschland. Wer diese Papiere kauft, wird Kreditgeber der Bundesrepublik.
Und Deutschland hat den Ruf, nicht pleitegehen zu können. So sind Bundesanleihen seit ein paar Jahren äußert begehrt. Weil so viele Großinvestoren Deutschland einen Kredit geben wollten, sanken die Zinsen für den Bund. Manche Anleihen haben sogar negative Renditen. Das heißt: Investoren zahlen Geld, statt Zinsen zu bekommen, um deutsche Anleihen zu halten.
Wie groß ist dieser Vorteil? Der Ökonom Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel hat das ausgerechnet. Zum Vergleich legt er die Zinsen an, die Deutschland
in den Jahren 1999 bis 2008 zahlen musste.
Demnach hat der Bund seit Beginn der Krise bis 2014 rund 60 Milliarden Euro an Zinsen gespart. Und weil die Kredite oft erst in vielen Jahren zurückgezahlt werden müssen, hält der Effekt noch lange an.
Durch bereits ausgegebene Anleihen spart Deutschland bis 2030 insgesamt etwa 160 Milliarden Euro.
Deutschland zahlt in der Griechenland-Krise nicht drauf, das Gegenteil ist richtig: Deutschland profitiert. Wenn die Krise nicht mehr so akut ist, wollen die Anleger auch wieder mehr Zinsen von Deutschland. Ökonom Boysen-Hogrefe rechnet damit, dass ab 2017 bis 2020 wahrscheinlich die Zinsen wieder steigen. Dann ist die Zeit des billigen Gelds für die Bundesregierung vorbei.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/euro-krise-fuenf-mythen-ueber-griechenland-1.2415138-2