Sehr interessant ist, dass das Referendum die Euro-Staaten zu spalten scheint. Die letzte Woche hieß es ja häufig "Tsipras hat sich verzockt!" und dann wurden ne Menge dämlicher Argumente gebracht, warum er Griechenland damit in die Katastrophe führt. Möglich ist das auch noch, also das es zu einem harten Aufschlag kommt. Aber: Viel stärker verzockt hat sich die deutsche Bundesregierung. Sie tun so, als ob Griechenland versuche Druck zu machen, den sie aber locker an sich abperlen lassen. Ist vielleicht auch so... dem direkten Druck aus Griechenland selbst werden sie vermutlich nicht nachgeben.
Aber... wenn man sich die Reaktionen anderer Staaten anschaut:
Frankreich:
Griechenland soll nicht aus dem Euro herausfallen - das ist das Ziel des französischen Präsidenten François Hollande.
Er will in der Krise jetzt die Initiative übernehmen und hat deshalb Kanzlerin Angela Merkel für heute Abend nach Paris eingeladen.
http://www.tagesspiegel.de/politik/...nde-beraten-zur-stunde-in-paris/12014378.html
Italien:
Italiens Matteo Renzi rief auf Facebook zu neuen Verhandlungen auf: "Wenn wir Gefangene von Regelungen und Bürokratie bleiben, ist Europa am Ende", schrieb er.
Das Gipfeltreffen der Euroländer am Dienstag in Brüssel müsse einen endgültigen Weg aufzeigen, um den sozialen und wirtschaftlichen Notstand in Griechenland zu beenden.
Großbritannien:
Großbritannien hat den Euro nicht eingeführt. Aber von der Krise in Griechenland fühlt sich auch die britische Politik betroffen. Schatzkanzler George Osborne sagte, die Situation in Griechenland drohe, sich zu verschlechtern, die Eurozone und Griechenland müssten eine nachhaltige Lösung finden.
Die Risiken für Großbritannien würden steigen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-alle-ereignisse-im-newsblog-a-1042030.html
Spanien:
Wegen dem Griechen-Referendum beruft Premier Rajoy eine Sondersitzung ein. Spanien schaut mit besonderer Nervosität nach Griechenland: Die Ansteckungsgefahr ist groß. Die Protestpartei Podemos sieht sich dagegen im Aufwind und nennt das Ergebnis einen Sieg der Demokratie.
http://deutsche-wirtschafts-nachric...ansteckung-spanien-beruft-krisen-sitzung-ein/
(Der Artikel zu Spanien ist übrigens sehr interessant... )
Der Punkt dabei ist: Die haben alle Angst. England denkt da sicherlich nur wirtschaftlich. Aber die Schwergewichte unter den Eurostaaten, abgesehen von Deutschland, fürchten sowohl ökonomische Folgen wie auch politische Folgen. Und sie sitzen voll in der Klemme, was sich in Spanien am deutlichsten zeigt. Sollte Griechenland sich durchsetzen, wird Podemos das feiern und als Beispiel betrachten. Sie sind bereits in Umfragen gleich auf mit der Regierungspartei und Ende des Jahres wird gewählt. Sie könnten also möglicherweise die Regierung übernehmen. Diese Wahrscheinlichkeit steigt, wenn Syriza Erfolg hat. Sie sinkt, wenn man in 4-5 Monaten sagen kann "Syriza hat Griechenland aus dem Euro und in die Katastrophe geführt.". Aber: Sollte das wiederum ökonomisch harte Folgen für Spanien haben, würde es Podemos auch helfen.
Für Frankreich gilt in etwa dasselbe, nur sind es dort die Rechten (Le Penn) die auf ihre Chance warten und ebenfalls Wahlen gewinnen könnten. Und Frankreich ist ebenfalls in Schwierigkeiten, genau wie Italien.
Nicht aufgezählt habe ich jetzt die USA, die aus geostrategischen Interessen (NATO) unbedingt wollen das Griechenland nicht rausfällt.
Auf jeden Fall ist das ein gigantischer Druck den Merkel jetzt von ihren "Freunden" bekommt. Sicherlich alles in freundlichem Ton... aber Druck ist es trotzdem. In Deutschland kriegt sie Druck von der Opposition, was sie sicherlich so gut wie gar nicht kümmert. Aber: Sie darf Griechenland nicht zu weit entgegenkommen, denn selbst das was Griechenland abgelehnt hat, ist in der Union möglicherweise nicht mehrheitsfähig. Nach dem Referendum eher noch weniger als vorher. Tsipras fordert aber das man Griechenland weiter entgegenkommt und durch das Referendum kann er das auch.
Es wird schwer für Merkel werden, das was kommt noch als Sieg zu verkaufen, und zwar egal was kommt. Das ist für sie alles scheiße... Ein Grexit kann sogar theoretisch zu einer Katastrophe führen, zumindest kann es in eine katastrophale Dynamik führen. Man stelle sich vor, in Spanien gewinnt Podemos und in Frankreich Le Penn. Oder man stelle sich vor, ein Grexit bringt die Haushalte der kippelnden Staaten (dazu gehört dann auch Italien) so durcheinander, dass sofort die Zinsen für Kredite leihen und schon bräuchte es MEHR Sparpolitik um dem zu begegnen. Das wiederum würde extreme Kräfte stärken.
Da gibts nicht viel das noch zu einem Happy-End führen kann.
Was theoretisch denkbar ist: Man lässt Griechenland aussteigen, bzw. behandelt sie hart und sie sagen "ja" oder "nein" und scheiden dann vermutlich aus. Gleichzeitig dürfen andere Staaten etwas lockerer mit ihrem Haushalt umgehen, damit extreme Kräfte ihre Argumente verlieren. Und ich könnte mir vorstellen, dass das passieren wird. Also im Hinblick auf Spanien hieße das dann: "Grexit führt zu ökonomischer Katastrophe in Griechenland, also wählt nicht Podemos wenn ihr sowas nicht wollt." Und: "Wir werden ein Investitionsprogramm starten" ......
Das wäre eine echt verlogene Politik, aber um die dortige Regierung an der Macht zu halten müssen sie irgendwas in der Richtung unternehmen, egal ob Griechenland im Euro bleibt oder nicht.
Bleibt jedenfalls spannend... ich vermute, dass es die nächsten Jahre kaum noch Ruhe geben wird an der Euro-Front.