Ein richtig guter Artikel und noch bessere Kommentare

!
Seumas Milne
03.07.2015 | 12:25 139
Operation Regime Change
Griechenland Es geht nicht ums Geld, es geht um Macht. Noch mehr als einen Grexit fürchten die europäischen Eliten, dass der griechische Widerstand im Erfolgsfall Schule macht
In der Schwebe: Griechenland vor dem Referendum
Bild: Christopher Furlong/Getty
Mittlerweile ist offenkundig, dass es Deutschland und den anderen Mächten Europas nicht ausreicht, die griechische Regierung nur in die Knie zu zwingen.
Sie wollen einen Regimewechsel, mit weniger geben sie sich nicht zufrieden. Natürlich nicht mit militärischer Gewalt, die Operation wird schließlich von Berlin und Brüssel aus geleitet – und nicht aus Washington.
Es kann allerdings kein Zweifel mehr daran bestehen, dass Angela Merkel und die Troika die demokratisch gewählte Regierung in Athen stürzen wollen. Schließlich zielt alles, was sie in den vergangenen Wochen in Bezug auf Syriza unternommen haben, darauf ab,
die Regierung von Alexis Tsipras zu spalten und zu diskreditieren.
So auch am vergangenen Mittwoch: Als Tsipras anbot, im letzten Moment doch noch beinahe alle Sparauflagen zu akzeptieren, über die er am Sonntag ein Referendum abhalten lassen will, wenn bloß endlich über eine Umstrukturierung der Schulden verhandelt werden würde, antwortete Merkel darauf lediglich: Vor dem Referendum wird es keine weiteren Gespräche geben.
An einem Kompromiss besteht also augenscheinlich kein Interesse. Vielmehr sollen Tsipras und seine Regierung so nachdrücklich wie möglich gedemütigt und in Verruf gebracht werden, um einer schnellen Ablösung durch eine gefügigere Administration Vorschub zu leisten. Aus den IWF-Dokumenten, die vergangene Woche für die
„abschließenden Vorschläge“ vorbereitet wurden, geht hervor, dass die Gläubiger sich völlig darüber im Klaren sind, dass die griechische Zinslast selbst im günstigsten Fall noch bis mindestens ins Jahr 2030 höher bleiben wird, als es der IWF selbst für zulässig und tragbar erachtet – und das unter der Prämisse, dass Athen alle Forderungen uneingeschränkt umsetzt.
Das verdeutlicht, dass es bei diesen Forderungen in Wahrheit erst in zweiter Linie um Geld geht. In erster Linie geht es um Macht und Hegemonie. Wenn es gelingt, Tsipras aus dem Amt zu drängen, kann sein Nachfolger – sollte er sich als „stubenrein“ erweisen – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit einem deutlich weniger verheerenden Auflagenpaket rechnen. ..]
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/operation-regime-change
Ich habe die größte Hochachtung von den Griechen, den Griechinnen und ihrer Regierung! Sie haben tapfer und mutig abgestimmt, ohne sich einschüchtern zu lassen, von dem Druck der um sie herum aufgebaut worden war.
Die Regierung kommuniziert mit seinem Volk und lebt die Demokratie immer wieder auf´s Neue*.