Ich würde es gern von dir hören. Wenn es darum geht, die Begierde in sich abzutöten, wie du ja in epischer Breite auf vielen hundert Seiten darlegst, wie soll es da dann zur Entwicklung von Sexualität kommen?
Mit der Kraft der Sexualität soll doch gerade gearbeitet werden, das heißt:
sie soll sublimiert werden.
Wenn aber die sexuelle Kraft abgetötet wird, gibt es nichts mehr zu sublimieren.
Das will Opti, der bis zur Brust in altertümlichen vorwissenschaftlichen Modellen watet, nicht einsehen.
Er glaubt auch nicht daran, wie ihm Goldstern in mehreren Beiträgen in einem anderen Thread näher bringen wollte, dass ein Trieb, der über viele Jahre nicht beansprucht wird,
auch erlahmen und absterben kann.
Nach seinem Modell findet bei einem Yogi, desen Begierde/Trieb vollkommen abgetötet ist eine vollkommene Sublimation statt.
In meiner Terminologie dagegen hört sich das an, als ob ein Impotenter, ein Eunuch - die Englein zwitschern hört...
Ein Widerspruch. Wie die ganze Enthaltsamkeitsideologie ein einziger Widerspruch in sich ist.
- Evolutionstheoretisch: Die Gattung Mensch verdankt ihr Überleben in erster Linie der Resistenz gegenüber Enthaltsamkeitspostulaten
- Philosophisch: Die Enthaltsamkeitsideologie übersteht den Kantschen Verallgemeinerungstest nicht. Wenn die Maxime: "Lebe enthaltsam" zu einem Prinzip würde, an das alle sich halten, gäbe es in etwa 70, 80 Jahren diese Empfehlung nicht mehr, weil keiner mehr da wäre, der sie ausprechen könnte. Diese Maxime gerät also, aufgrund mangelnder Verallgemeinerungsfähigkeit in einen Selbstwiderspruch und ist daher in einem philosophischen Sinne *ethisch falsch*.
- Psychologisch: Die Unterdrückung eines so gewaltigen Triebes wie die Sexualität bleibt nicht ohne Folgen für den Seelenhaushalt. Es ist eher mit zahlreichen Neurosen oder gar Psychosen zu rechnen als mit der sogenannten "Erleuchtung", die inhaltlich leer bleibt. Auf der Folie der Frustrations-Aggressionshypothese ist eine erhöhter Aggressivität erwartbar bei erfolgreichem und auf Dauer gestellten Triebverzicht.
- Soziologisch: Sexualität erweist sich kulturübergreifend und unabhängig von bestimmten Gesellschaftsformationen als sozialer Kitt. Soziale Strukturen würden sich innerhalb weniger Jahre in Nichts auflösen, wenn Männlein wie Weiblein der irrationalen Enthaltsamkeits-Empfehlung folgten.
Die Enthaltsamkeitsdogmatik, die du hier vorlegst, ist eine einzige Farce und auf vielen Ebenen widerlegbar. Aber ich denke, es läßt sich ohnehin kaum jemand von deinen Ausführungen beeindrucken, egal, welche Quellen noch kommen.
Also, das Herdentier-Argument - "wenn alle so dächten" ist ein eigentliches Totschlag-Argument.
Es denken nun einmal nicht alle so.
Und damit ist es aus dem Verkehr gezogen.
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Aber mich würde interessieren, was Du von den möglichen Gefahren einer unterdrückten Sexualität weißt.
Von den Neurosen und Psychosen, die dadurch verursacht werden können.
Sagen die fortschrittlichen Psychologen nicht auch, dass diese jugendlichen Amokschützen, die vermehrt in den letzten Jahren aufgetaucht sind, über mehrere Monate und Jahre enthaltsam gelebt haben sollen und dadurch enorm aggressiv und mordlustig wurden?
idea
