Mipa's Thread

Hallo Inti
was verändert sich da genau, oder hat sich bei dir verändert?
Die angst verliert sich zuletzt, wenn sterben unabwendbar wird und an deren stelle tritt eine art neugier/staunen, etwas, wovon man sich auch ungern ablenken lässt - so war es zumindest bei mir. Es ist einfach eine andere phase. Wie es allerdings aussieht, wenn man bis zuletzt an starken schmerzen leidet, weiss ich nicht.
Aber ich denke mal, das ist ev. eine 'phase', die bei allen menschen gleich/ähnlich verläuft.

könntest du die Veränderung des Bewusstseins beschreiben?

Eine andere körperwahrnehmung stand im vordergrund. Der kopf wuchs, schien sich auszudehnen, der körper, beine, der ganze rest, schrumpfte. Dabei war ich aber hellwach.

Ist es jetzt immer noch so präsent wie früher als du es erlebtest, oder hat sich das verändert?

Es ist noch präsent.

meinst du mit "persona" das Ego oder die weltliche "Persönlichkeit"?

Ich weiss nicht genau....
Die persona ist die summe der erscheinungsformen, die das 'ich' ausmachen.

"Grösserem" Platz machen heißt religiös gesprochen - sein eigenes Wollen zurückfahren wie im Spruch "nicht mein Wille geschehe sondern der Deine?"

Ja, wobei die beiden meiner erfahrung nach eins sind, es ist dasselbe, wird aber ev. als 'zwei' wahrgenommen.
Bei der ausdehnung des kopfbereiches war mein eindruck, dass man erfahren kann, anteil von etwas grösserem zu sein, dieses 'grössere' aber von einem selbst ausgeht, es zuvor lediglich in einem verborgen war. Schwierig zu erklären.

Gute nacht:)
 
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Was für eine Szenerie, wäre ich malerin, würde ich sofort staffelei, farben und pinsel hervornehmen.
So aber bleibt mir nur, es mit worten zu versuchen, was mit einem bild vielleicht viel besser gelingen könnte.
Alles ist in warmes licht getaucht mit einem stich ins gelbe.
Auf der einen seite das ende des Fijords und das meer in schillerndem abendlicht, wir, am ufer, auf einer kleinen wiese. Der platz ist klein, aber fein, mit uns drei zelter und zwei Pick-up-womos, fertig. Hinter uns der mächtige wasserfall. Tosend stürzen die wassermassen in die tiefe. Es ist 21 uhr, eigentlich mitten am tag.
Wir sind eben zum wasserfall hinaufgewandert, dessen kraft und wucht einen in faszination versetzt und nebenher im nu in feinen sprühnebel hüllt.
Etwas entfernt setze ich mich auf einen felsen und höre dem intensiven rauschen zu. Es erinnert mich unwillkürlich an eine geräuschmeditation, die im Liber Draconis (Isegrim) beschrieben wird, um in die magische trance zu gelangen.
Diese versenkung ist hier tatsächlich sehr gut möglich, es braucht nur zeit und einen regenschutz.;)
Ich bin eher der typ der gedankenkettenmeditation, weil sie mir als denkerin diese nicht verbietet, sondern im gegenteil, sich die denkerei zunutze macht. Letztlich kommt die lösung durch erschöpfung, das hab ich auch schon einige male erlebt und zunächst an zufall geglaubt.
Ich gebs zu, ich habe mich in das buch verliebt und es die ganzen ferien hindurch rumgeschleppt, manchmal ein ganzes kapitel, manchmal nur zwei zeilen gelesen und die erst mal sacken lassen. Der autor ist ein unikum, klug, sehr humorvoll und leicht lesbar. Im grunde ist es das erste buch zur einführung in die magie und mystik, das mir keiner empfohlen hat, sondern das ich selbst gefunden habe. Es ist herrlich, wie der autor, alle teilbereiche anspricht, seien es magische weltbilder, das ying/yang-modell, arbeit mit den Chakren, den farben oder steinen, meditationen, energieköper, elemente, sigillen, traumarbeit, nordische lehren, etc. er zeigt überall verbindungen und entsprechungen auf. Mystik und gemütsarbeit (gefühle und emotionen) bekommen zu meiner freude einen festen und unverzichtbaren platz. Die fussnoten allein sind mindestens so lehrreich wie der rest des buches und ich habe selten so gelacht. Alles ist verständlich geschrieben (wenn auch dichter, als man zunächst erwartet) und wird damit auch selbstverständlich, jenseits von elitärem gehabe und geheimniskrämerei, wenn man an magie interessiert ist und sich nicht scheut, sich mit sich selbst zu befassen.
Gerade im land der trolle, das mich in all seinen facetten immer wieder an die landschaften des films 'The Lord of the Rings" erinnerte, erfuhr ich einiges über riesen, egregore, götter und dämonen.
So passte das buch wunderbar zur insel aus feuer und eis, wo ich den eindruck hatte, allem erschaffenden, ursprünglichen, gegensätzlichen und doch verbindenden besonders nah zu sein.
Ich kann dieses buch jedem empfehlen....ausser vielleicht den ganz faulen, denn, cave: Ab der mitte des buches wird praktiziert.:sneaky:
 
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Eis
Der schutzwall war gewaltig und ungewiss, was sich dahinter verbarg. Als ich die anhöhe erreicht hatte, entfuhren mir worte der verzückung, die der der heftige wind in fetzen zerriss. Zurück blieb ungläubiges staunen.
Glatt wie ein spiegel lag der gletschersee vor mir. Im hintergrund der gewaltige gletscher und auf dem see gewaltige schwimmende Eisberge. Es war wie der eintritt in eine märchenwelt, verzaubert durch eis und schnee.
Ich lief ein grosses stück am wall entlang und dann ans ufer hinunter. Die eisriesen wippten leicht im wind. Bizarr ihre formen, beeindruckend ihre grösse, schillernd ihre farben von durchsichtig, über weiss zu allen blauschattierungen.
Hunderte von kameras und handys, vor, hinter und neben mir brachten sich in stellung und versuchten den zauber der szenerie einzufangen. M.e konnte das nicht gelingen, da dieses bild nur durch das auge des betrachters, eingebettet in eine faszinierende landschaft, genährt durch eigene emotionen zum leben erweckt werden konnte. Ich habe selbst versucht, es zu bannen - und aufgegeben. Vor allem verpasste man beim versuch, das bild festzuhalten, den moment, wo es sich veränderte. Ein eisriese verlor ganz plötzlich das gleichgewicht, fiel zischend und tosend in sich zusammen oder verursachte einen gewaltigen sog, um wie durch zauberhand in einer anderen form wieder vom see aufzusteigen.
Gegen abend staute eine art flut das meer durch den fluss zurück und die eisberge, die sonst als kalte fracht vom fluss ins meer transportiert wurden, stauten sich im see zurück und zusammen. Ein becken entstand, in dem sich seehunde und vögel um den lachs stritten. Die abendsonne brach durch die wolken und die eisberge glitzerten wie diamanten. Ein friedvoller und wunderschöner augenblick, kraftvoll und unberechenbar. Man selbst konnte nur bewegt am ufer stehen und das alles wie ein schwamm aufsaugen. Es ging wohl vielen wie mir, gedanken verloren sich und nicht nur ich blinzelte tränen weg.:blume:
 
Hi Mipa,

ich lese deine Texte gerne, weil du ein Mensch bist, der die Welt und der Magie der Natur mit allen Sinnen und offenem Herz begegnet, ohne dass deine Texte nur um die eigenen Befindlichkeiten kreisen.

Eine kleine Anmerkung hätte ich noch zu der Form. Es ist schwer für mich dem Textfluss und dem Inhalt bei permanenter Kleinschreibung zu folgen. Ab und zu ein Absatz würde dem Text den Klotzcharakter nehmen und mehr Freiraum geben.

Darauf zu achten, wäre Respekt dem eigenen Text zu schenken - und auch Respekt dem Leser gegenüber. :)

LG

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Dein Verweis auf das Buch 'Liber Draconis' hat mich neugierig gemacht. Ich sehe es mehr als Werkzeug, sich einen Überblick über magische Praktiken zu verschaffen, als von 200 Seiten Text einen tieferen praktischen Einstieg zu erwarten, oder ?
 
90 stunden
oder so...ist es her, dass die fähre den hafen in S. verliess und ich hätte nie gedacht, dass es mich schon wieder dahin zurückziehen würde. Vielleicht liegt es an der kälte dort, die ich so liebe und die mir ausgezeichnet bekommt oder daran, den eindruck zu haben, dem atem der welt näher zu sein, teilweise wirklich all-ein zu sein.

In den westfijorden Islands, ab vom ring, wo die natur noch karger und wilder, die gegend sehr verlassen, höfe oft unendlich weit voneinander entfernt waren, fühlte ich, wie ich erstmals seit monaten wieder zu mir selbst zurückkehrte, sich die ständige zerstreutheit und gestresstheit legte, über die mir sonst nur das schreiben hinweghalf.
Wo ich zu beginn noch notizen machte, gab ich das irgendwann auf, vergass es, obwohl ich es doch so liebte. Es war nicht mehr nötig und auch nicht mehr wichtig. Ich ging in dieser landschaft auf, mehr musste nicht sein.

Weg unter die füsse zu nehmen und dabei auch auf die schritte zu achten, wie auf lavafeldern mit scharfen steinen und geröll oder innezuhalten, wo es galt, geduld zu haben (wie beim ausbruch des grossartigen Strokkur-Geysirs oder beim beobachten von Papageientauchern), war auch für meine seele hilfreich. Wichtig war einzig das, was gerade geschah.

In die einzigartige berglandschaft des Landmannalaugar im hochland Islands muss man sich verlieben. Ich habe nie im leben zuvor eine so farbenprächtige und abwechslungsreiche landschaft gesehen.
Sanft geschwungene berge in allen warmen tönen, schneebefleckt, bizarre lavafelder, plötzliche heisse quellen, dazwischen saftiges grün oder trollförmige, schlammfarbige hügel, in der ferne seen, die dem ganzen eine unglaubliche tiefe verleihen.
Immer wieder stiess ich auf süsse blumen, die eine blüte in der art eines weissen 'wattekopfes' besassen.
So etwas weiches und sanftes inmitten des rauen windes....

Gespannt war ich auf die kirche von Reykjavik, die mir von aussen wenn auch imposant und speziell, doch recht hässlich erschien.
Als ich die weisse fassade berührte, war diese sehr viel gröber, als es auf den fotos immer erschien. Sie war plötzlich gar nicht mehr so kalt und erhaben.
Vom Innern war ich extrem überrascht. Ein helles und hohes kirchenschiff, kein bild, keine bemalten fenster, nichts. Der gang durch das schiff war mit einem grün-blauen teppich bedeckt, die bänke trugen den gleichen weichen bezug. Selbst meine tochter, die sich für kirchen nicht begeistert, meinte, noch nie sei sie in einer kirche gewesen, die eine solche wärme ausstrahlen würde.
Ja, in der tat. Die schlichtheit schuf so viel anmut und weite. Man wollte einfach nur noch sitzen bleiben oder staunend umhergehen.

Beim rauslaufen sah ich die grosse weisse statue am eingang, die mir zuvor nicht aufgefallen war. Aehnlich einem römischen adligen, krauses haar, kräftige statur, gekreuzte arme, etwas einschüchternd, aber sympathisch. 'Jesus' stand auf dem schild daneben. Aha, mal kein schmächtiger softie.
Väterlich halt.:blume:
 
Hallo Livie
ich lese deine Texte gerne, weil du ein Mensch bist, der die Welt und der Magie der Natur mit allen Sinnen und offenem Herz begegnet, ohne dass deine Texte nur um die eigenen Befindlichkeiten kreisen.

Das freut mich!:)
Allerdings finde ich es gerade in diesem uf ganz legitim, wenn eigene befindlichkeiten mal raum haben dürfen, wohingegen sie in den anderen uf'en eher die themen zerreissen.

Eine kleine Anmerkung hätte ich noch zu der Form. Es ist schwer für mich dem Textfluss und dem Inhalt bei permanenter Kleinschreibung zu folgen. Ab und zu ein Absatz würde dem Text den Klotzcharakter nehmen und mehr Freiraum geben.

Du hast recht, ich habe vor lauter schreibbegeisterung nicht darauf geachtet, angemessen zu strukturieren, das kann stören.

Manchmal ist mir auch einen moment nicht bewusst, dass und wer alles hier mitliest...
Ich glaube, es ist nicht der mangelnde respekt, sondern manchmal bin ich wohl mit einer liebenden zu vergleichen, die ihren geliebten stürmisch umarmt und dabei beide tassen kaffee umwirft und ein chaos anrichtet.:)

Dein Verweis auf das Buch 'Liber Draconis' hat mich neugierig gemacht. Ich sehe es mehr als Werkzeug, sich einen Überblick über magische Praktiken zu verschaffen, als von 200 Seiten Text einen tieferen praktischen Einstieg zu erwarten, oder ?

Ja, es ist auf jeden fall in erster linie ein nachschlagwerk mit lexikalem charakter.
Ich mache die erfahrung, dass die seitenanzahl nicht sehr viel mit der fülle des inhalts zu tun haben muss.
Es ist nicht so, dass ich etwas von diesem buch erwarte, sondern dass es mich dazu animiert und inspiriert, mehr zu leisten.

Gute nacht:blume:
 
Lieber Inti

Ich finde, dass es - vor allem in meinem fall, zur zeit - sehr sinnvoll ist, sich zu zentrieren, immer wieder einzumitten, zunächst auf das wesentliche zu fokussieren, dafür aber auch instrumente in der hand zu haben, eben z.b. durch Achtsamkeitsübungen oder andere einfache rituale, Divination mit Karten, etc. (ein tun/leisten hierauf bezogen).
Bringen tun diese Dinge nur dann etwas, wenn man sie in den Alltag einbaut und mit einer bestimmten Konsequenz verfolgt. Da gehört eine Portion Disziplin dazu und ich gehöre - wenn es nicht gerade ums schreiben geht - nicht immer zu den fleissigsten (bin allerdings auch relativ streng mit mir selbst).
Im urlaub, wo man fern ist von den Aufgaben des Alltags, sich ev. in einer speziellen Umgebung befindet, rutscht man (fast automatisch) in eine phase rein, die sich im alltag nicht immer aufrechterhalten lässt. Island war quasi eine 'dauermeditation'.

Ich sehe hinter Deiner Frage aber noch eine viel tiefere - quasi zwischen den zeilen - wenn ich mich nicht täusche und die ist interessant und trifft den kern: Die frage nach der 'wahl' (ob ich überhaupt eine habe?) des weiteren weges, den man einschlagen möchte. Wie bewusst passiert das ganze eigentlich.
Hier habe ich fragezeichen, auch im hinblick auf die magische Praxis. Mich zieht es klar zur Mystik und mir ist klar, dass Mystik und Magie zusammengehören/hängen.
Der weg wird's zeigen.

Island besitzt unzählige, einfache, farbige, schlichte aber wunderschöne kirchen, die sich meistens an sehr speziellen Orten befinden, man also meistens eine wunderbare aussicht nach irgendwohin hat. Umgeben waren sie immer von einem friedhof, auf dem kreuze vorherrschten, wild durcheinander, das totale chaos, keine wege, nur gras. Das war sehr schön.
Leider waren die kirchen meist verschlossen, wenn ich sie mir ansehen wollte. Ich hab dann begonnen, um die kirchen rumzugehen und über die tiefliegenden grossen fenster einen blick ins innere zu werfen. Oft reichte der blick bis zum altar und immer wieder - oder fast ausschliesslich - traf ich auf das bild des Jesus beim abendmahl, wie seltsam...
Jedes bild war anders und wenn ich dann doch in eine kirche reingehen konnte, konnte ich das betreffende bild genauer ansehen.
Ich ertappte mich dabei, wie ich die jünger durchzählte, als ob eine andere zahl als 12 rauskommen könnte.....diese bilder waren genial. Was sie aussagen ist so lebensnah und lebensbejahend und schliesst den tod gleich mit ein:
Gemeinschaft, teilen, gemeinsam verbrachte zeit, nahrung als so viel mehr, bereicherung im sinne von innerem reichtum, verwandlung, bzw. veredelung, einssein.....
Ich war jedesmal so gebannt, versunken, glücklich, geborgen. Ich kanns schlecht erklären und wenn ich den versuch wage, wie jetzt, klingen meine worte sentimental und verschleiern vielleicht, was ich eigentlich sagen möchte.

Dion Fortune drück es in der Mystischen Kabbalah so aus: 'Bei der Magie muss man, ebenso wie auf der Geige, erst "seine eigenen Töne finden". Sie sind nicht bereits da, wie auf dem Klavier.'

Der kirchen-bilder-exkurs ist wieder über mich gekommen. Da kann man nicht viel machen, liebe ist tatsächlich eine himmelsmacht.:)
 
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