Mipa's Thread

Dann gehts uns beiden gleich.:)
Mein post habe ich in der farbe abgeschwächt, weils mit dem thread ja nichts zu tun hat...allerdings wars/ists für mich momentan tatsächlich frag-würdig.:D

Danke, Inti.
 
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Sommerhitzetraum
Was für ein 'heisses' erlebnis heute...
Es begann unerwartet für uns zuschauer in einem alten zürcher quartier, nahe der Rudolf Steiner schule, aufgeführt durch die schüler der abschlussklasse.
Alte herrschaftshäuser, versteckt hinter dichten gärten, gesäumt von mächtigen, alten bäumen boten kleine bühnen für einzelne sequenzen der aufführung. In lauschigen nischen, glücklicherweise im schatten, die dem verzauberten wald des stückes sehr nahe kamen, lernten wir zunächst die hauptakteure und ihre (vor)geschichten kennen:
Theseus und Hippolyta, Hermia und Lysander, Helena und Demetrius....Puck, Oberon,Titania und die feen. Die texte waren kraftvoll, die kostüme üppig, mit einem touch ins alternativ-hippymässige, im hintergrund spielten gitarristen, trommler, manchmal gesang....eine spezielle stimmung. Irgendwann verliessen wir die schattigen plätzchen, wo hie und da ein leichte brise abkühlung verschaffte und man die eigene seele mit der geschichte verflechten konnte und machten uns auf zur halle, wo das grosse finale stattfinden sollte.
Das grossartige bühnenbild versetzte einen sofort ins waldhaushotel, wo die geschichte der liebenden und ihrer liebeswirren ihren weitern lauf nehmen sollte. Lustige herausgearbeitet der quirrlige hofnarr puck mit seinem liebes-zaubertrank, der immer wieder zu verwechslungen und die liebenden in die irre führte.

Da ich nur die klassische variante des sommernachtstraumes kannte, haben mich die modernen elemente überrascht und ich empfand die synthese von alt und jung, von klassik und moderne als sehr stimmig. Die gelungene komposition gab dem stück eine ungeahnte tiefe, momente des schmunzelns, aber auch nachdenkliche oder einfach imposante, wechselten sich ab.


Es war ein traum.:blume:
 
Du
Als ich mich heute um dich gekümmert habe, habe ich mich wieder leise erschrocken, ertappte mich dabei, wie ich dich ganz bewusst an den schultern berührte, um festzustellen, wie dünn du langsam geworden bist. Dein gang war stockend und etwas unsicher.
Der langsame körperliche und auch geistige zerfall ist offensichtlich und fortschreitend. Die letzten wochen haben spuren hinterlassen, da lässt sich nichts ungeschehen machen. Zu schaffen macht mir deine niedergeschlagenheit, hinter der sich die angst vor dem sterben verbirgt. Ich würde eigentlich sehr gerne mit dir darüber reden. Das thema begleitet mich schliesslich, seit ich ein kleines mädchen war.
Sehr früh war ich mit der tatsache des sterbens, bzw. nicht-weiterlebens, konfrontiert und das immer wieder. Als säugling mit einer missbildung geboren, die erfolgreich operiert werden konnte, verlief die angst noch unbewusst, später, im meinen kinderjahren war es eine schwere erkrankung, die mir sehr schnell und nachdrücklich klar machte, dass es knapp war, später ein ernster zwischenfall nach einer geburt, die mich auch eher zufälligerweise am leben liess. Dazwischen über jahre angstzustände, die mir suggerierten, dass es zu ende ging. Mehr übung als genug also.
Ich hatte möglichkeiten und war auch fast gezwungen, mich mit dem sterben und tod auseinanderzusetzen. Es ist mir nicht fremd. Der tod ist einer meiner begleiter, der immer wieder meine aufmerksamkeit bekommt, ich anerkenne ihn, schliesse ihn nicht aus, weiss auch, dass er es einem auch nicht immer leicht macht, im gegenteil. Ich wünschte, ich könnte dir irgendetwas davon vermitteln, etwas tröstliches, erträgliches, etwas, was die angst kleiner werden lässt. Ich wünschte auch, dein glaube würde dir nützlicher sein, als er es ist. Manchmal versuche ich, mit dir darüber zu sprechen. Ich würde dir so gerne zeigen, dass man über das sterben sprechen kann, wie über alles im leben sonst auch. Dass das geheimnis darin liegt, den tod in die normalität zu überführen, kehrseite der gleichen medaille. Manchmal bedauere ich es, dass du in dir selber gefangen bist, ich dich nicht richtig erreiche, dein blick ins leere geht oder du abwesend bist.
Ich bin dann ruhig. Vielleicht ist das alles auch gar nicht nötig. Meine sorge unbegründet. Vielleicht reicht es ganz einfach, für dich da zu sein, zeit miteinander zu verbringen und den weg zusammen zu gehen, soweit und solange das möglich ist.:blume:
 
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Mipa
Der tod ist einer meiner begleiter, der immer wieder meine aufmerksamkeit bekommt, ich anerkenne ihn, schliesse ihn nicht aus, weiss auch, dass er es einem auch nicht immer leicht macht, im gegenteil. Ich wünschte, ich könnte dir irgendetwas davon vermitteln, etwas tröstliches, erträgliches, etwas, was die angst kleiner werden lässt.
Wie kann man einem Sterbenden sagen: alles wird gut? Wie schaffst du es damit umzugehen?

LGInti
 
Wie kann man einem Sterbenden sagen: alles wird gut? Wie schaffst du es damit umzugehen?

LGInti

Ich glaube, es geht um verschiedene phasen, wobei diejenige, die dem tod noch nicht so nahe ist, die schwierigste ist. Ich durchlief die phasen, die bei anderen zum teil monate, wochen, tage auseinanderliegen, in meinem fall innert 2h und da war effektiv grosse angst und verzweiflung, tausend fragen, dann eine zeit des kämpfens, max. präsent-seins, dann die phase der ruhe und verwunderung und der letzte gedanke: Ich geh nun dahin, wo alle hingehen. Zu sagen ist auch, dass ich kaum schmerzen hatte.
Ich befand mich persönlich eigentlich immer sehr schnell in einer unmittelbar todesnahen situation, wo sich das bewusstsein m.e. bereits leicht veränderte/verändert hatte, obwohl präsenz vorhanden war. Der blick darauf zurück, würde es mir aber vielleicht (heute) erleichtern, die momentane situation besser durchzustehen.
Nun ist es aber so, dass nicht jeder diese oder gleiche erfahrungen macht. Ich denke aber, dass man das ev. auf einer anderen ebene dennoch (im kleinen) 'üben' kann.
Klingt nicht so weltbewegend, hat aber viel damit zu tun, die persona etwas 'abzuschwächen' und etwas grösserem platz zu machen. Den gleichen effekt hat es, selbst zum grösseren zu werden. Wobei für mich das im grunde dasselbe ist.

Dass alles gut wird, bringt wohl nichts zu sagen, weil es nicht mehr gut ist, sondern einfach gar nicht mehr ist. Das zu akzeptieren ist kolossal. Das ist vorgängig - für mich auch jetzt - ein un-heimlicher und ent-täuschender gedanke, im wahrsten sinne des wortes, der sich aber meiner erfahrung nach verändert - kann das aber nur aus dem von mir erlebten ableiten. Allerdings habe ich während meinem studium 6 jahre auf der altenpflege gearbeitet und ähnliche beobachtungen gemacht, hing aber auch von verschiedenen faktoren ab.

Ich merke einfach - auch in meinem umfeld - dass man den tod und das sterben ganz gern ausklammert, einen weiten bogen drum macht, auch keine vorkehrungen trifft, bzw. wünsche anspricht, die man jetzt noch erfüllen könnte.
Wenn man diese ganzen prozesse eher ansprechen würde - nur das meine ich - sie als lauf der dinge ansehen könnte, wäre es vielleicht ein wenig einfacher und unsere endlichkeit nicht ein solches tabu.
 
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Dieses besondere lied einer grossartigen sängerin habt ihr so schön gesungen, mein schatz!:kiss4:
 
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Mipa
Wenn man diese ganzen prozesse eher ansprechen würde - nur das meine ich - sie als lauf der dinge ansehen könnte, wäre es vielleicht ein wenig einfacher und unsere endlichkeit nicht ein solches tabu.
Ich denke mal es ist nur deshalb ein Tabu, weil wir in dem Punkt einfach sprachlos sind. Wir wissen, dass die Körper, die wir als Mitmensch kannten irgendwann sterben, wir können nicht mehr von Körper zu Körper kommunizieren. Also wird auch mein Körper einmal nicht mehr sein - alles was ich mithilfe des Körpers schaffen, erschaffen oder wahrnehmen kann wird nicht mehr sein. Wenn ich mich nun mit dem Körper identifiziere ist dann alles aus.

Wenn ich mich aber in meinem Geist als ein ICHBIN erkenne, erhoffe ich mir eine weiterführende Existenz in irgeneiner Form. Jeder Agnostiker wird dies als Hilfskonstrukt ansehen, um nicht in der Verzweiflung zu enden, aber selbst wenn, es ist eine Hilfe. Erstens hilft es mit einer gewissen Hoffnung dem Tode entgegen zu sehen und zweitens ist es eine Vorbereitung, wenn es tatsächlich igendwie weitergeht.
Das ist vorgängig - für mich auch jetzt - ein un-heimlicher und ent-täuschender gedanke, im wahrsten sinne des wortes, der sich aber meiner erfahrung nach verändert - kann das aber nur aus dem von mir erlebten ableiten.
was verändert sich da genau, oder hat sich bei dir verändert?
Ich befand mich persönlich eigentlich immer sehr schnell in einer unmittelbar todesnahen situation, wo sich das bewusstsein m.e. bereits leicht veränderte/verändert hatte, obwohl präsenz vorhanden war.
könntest du die Veränderung des Bewusstseins beschreiben?
Der blick darauf zurück, würde es mir aber vielleicht (heute) erleichtern, die momentane situation besser durchzustehen.
Ist es jetzt immer noch so präsent wie früher als du es erlebtest, oder hat sich das verändert?
Klingt nicht so weltbewegend, hat aber viel damit zu tun, die persona etwas 'abzuschwächen' und etwas grösserem platz zu machen. Den gleichen effekt hat es, selbst zum grösseren zu werden. Wobei für mich das im grunde dasselbe ist.
meinst du mit "persona" das Ego oder die weltliche "Persönlichkeit"?
"Grösserem" Platz machen heißt religiös gesprochen - sein eigenes Wollen zurückfahren wie im Spruch "nicht mein Wille geschehe sondern der Deine?"

LGInti
 
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Du
Als ich mich heute um dich gekümmert habe, habe ich mich wieder leise erschrocken, ertappte mich dabei, wie ich dich ganz bewusst an den schultern berührte, um festzustellen, wie dünn du langsam geworden bist. Dein gang war stockend und etwas unsicher.
Der langsame körperliche und auch geistige zerfall ist offensichtlich und fortschreitend. Die letzten wochen haben spuren hinterlassen, da lässt sich nichts ungeschehen machen. Zu schaffen macht mir deine niedergeschlagenheit, hinter der sich die angst vor dem sterben verbirgt. Ich würde eigentlich sehr gerne mit dir darüber reden. Das thema begleitet mich schliesslich, seit ich ein kleines mädchen war.
Sehr früh war ich mit der tatsache des sterbens, bzw. nicht-weiterlebens, konfrontiert und das immer wieder. Als säugling mit einer missbildung geboren, die erfolgreich operiert werden konnte, verlief die angst noch unbewusst, später, im meinen kinderjahren war es eine schwere erkrankung, die mir sehr schnell und nachdrücklich klar machte, dass es knapp war, später ein ernster zwischenfall nach einer geburt, die mich auch eher zufälligerweise am leben liess. Dazwischen über jahre angstzustände, die mir suggerierten, dass es zu ende ging. Mehr übung als genug also.
Ich hatte möglichkeiten und war auch fast gezwungen, mich mit dem sterben und tod auseinanderzusetzen. Es ist mir nicht fremd. Der tod ist einer meiner begleiter, der immer wieder meine aufmerksamkeit bekommt, ich anerkenne ihn, schliesse ihn nicht aus, weiss auch, dass er es einem auch nicht immer leicht macht, im gegenteil. Ich wünschte, ich könnte dir irgendetwas davon vermitteln, etwas tröstliches, erträgliches, etwas, was die angst kleiner werden lässt. Ich wünschte auch, dein glaube würde dir nützlicher sein, als er es ist. Manchmal versuche ich, mit dir darüber zu sprechen. Ich würde dir so gerne zeigen, dass man über das sterben sprechen kann, wie über alles im leben sonst auch. Dass das geheimnis darin liegt, den tod in die normalität zu überführen, kehrseite der gleichen medaille. Manchmal bedauere ich es, dass du in dir selber gefangen bist, ich dich nicht richtig erreiche, dein blick ins leere geht oder du abwesend bist.
Ich bin dann ruhig. Vielleicht ist das alles auch gar nicht nötig. Meine sorge unbegründet. Vielleicht reicht es ganz einfach, für dich da zu sein, zeit miteinander zu verbringen und den weg zusammen zu gehen, soweit und solange das möglich ist.:blume:

Ich wünsch dir viel Kraft Mipa!
 
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