Mipa's Thread

Nun stand ich tatsächlich nach so vielen jahren mit weichen knien in der küche und die angst schnürte mir den atem zu. Seit sehr langem habe ich wieder mal etwas geschluckt.
Ich bin ganz plötzlich mit unbeantwortbaren fragen konfrontiert, sitze über arztberichten, von denen ich zwar einen grossen teil verstehe, der rest mir jedoch ein rätsel bleibt, halte männerunterhosen in der hand, die löcher haben, in meinem kopf drehen sich die gedanken wie ein karusell, suche fehlende knöpfe, führe telefongespräche, während denen ich in tränen ausbreche, treffe mich mit menschen, auf deren hilfe ich dringend angewiesen bin, weil ich keine ahnung habe, erkläre ihm dasselbe unzählige male...
Das mir, die dachte, es würde ihr nie passieren, weil ich abgeklärt sei, weil es mich nicht erschüttern würde.
Aber nein, die liebe schlägt auch hier mit voller wucht zu. Lässt alles unwichtig werden, was einst verletztend und schmerzlich war, wischt es einfach weg. Erinnert mich an kurze und schöne sequenzen in meiner kindheit mit ihm zusammen. Lässt mich verzeihen und nachsehen, was ich ihm so lange nachtrug. Macht aus mir einen neuen menschen, einfach so, konfrontiert mich mit dem, was ich am meisten ablehnte und zwingt mich in die knie. Erteilt mir eine lektion.
Inmitten meiner ratlosigkeit, meiner angst, einen fehler zu machen, etwas zu übersehen, lässt sie mich aber nicht im regen stehen. Ich kann sie spüren, als eigenständiges wesen, fühle mich von wärme umgeben und aufgehoben, fühle sie in mir. Unsere verbindung ist stark und unerschütterlich.
Sie prüft und beschenkt mich gleichzeitig reich.

Sie ist frage und antwort in einem.
 
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Berggruppe
Heute waren sie plötzlich wieder vor meinem inneren auge. Das erste mal begegnete ich ihnen vor knapp 3 jahren. Wir waren damals daran, umzuziehen und unser kleines haus abzugeben. Alles war mühsam und lief irgendwie schief. Ich war absolut überfordert, eigentlich am ende. Vieles musste ich alleine managen.
Die gegenwart eines wesens, für mich ein engel, war nichts neues. Ganz plötzlich war da aber eine kleine gruppe von weiteren 'wesen'. Eigentlich hatten sie die form von kleinen bergen, braun. Es klingt seltsam, ich weiss, aber sie sind eine art 'armee'. Durch und durch friedlich, aber sehr präsent. Sie vermitteln mir den eindruck, in begleitung einer übermacht und stark zu sein. Sie haben etwas kindliches an sich, stehen aber unerbittlich, absolut loyal und treu hinter mir.
Heute waren sie auf einmal wieder da, diese freunde.
Für sie:
 
Spinnennetz
Als ich gestern morgen aufstand, war mir leichter ums herz, das erste mal seit vielen tagen. Die angst, es nicht zu packen, war verschwunden, absolut weg. Das hat mich nun doch verwundert, schliesslich sind die gründe für meine ängste und befürchtungen dieselben geblieben.

Was genau wirkte da, was mir verborgen blieb? Was hatte sich da unbemerkt gelöst, mir den zentnerstein vom herz genommen?

Heute, auf dem heimweg durch die stadt, betrat ich spontan die stadtkirche. Ich war das letzte mal vor ca. 15 jahren zur hochzeit meiner freundin dort gewesen.

Ich nahm in einem der vorderen bänke platz. Von draussen waren gedämpft die geräusche der stadt und der wind zu hören. Als ich an der wand entlangblickte, sah ich all die biblischen gestalten, die ich nur teilweise kenne. Jesaia, Amos, David natürlich, und viele andere, deren namen ich schon wieder vergessen habe. Auf der anderen seite des kirchenschiffes war der kreuzweg aufgemalt, moderne bilder, trotzdem sehr eingängig. Jesus beim abendmal, beim verrat, bei der geisselung, dem tragen des kreuzes, der kreuzigung und auferstehung, dazwischen engel.

Ich verweile in der regel nie lange bei solchen bildern, nehme sie nur am rande wahr. Heute ertappte ich mich dabei, wie ich den kopf neigte, um sie besser betrachten zu können. Die gesichter waren ausdruckstark gemalt und ausgehend vom abendmal verflocht ich mein fühlen und denken mit diesem weg, der einem vollendeten werk glich, einem werk, dem ein anfang, ein verlauf und ein 'ende' innewohnte. Ich tauchte iregendwie in die ganze darstellung ein und verlor mich in der zeit.

So oft schon wurde von der karwoche gesprochen und natürlich wusste ich verstandesmässig, worum es ging, aber nie habe ich es im innern erfasst. Heute nahmen mich die einzelnen stationen gefangen, erzählten mir, dass es ohne die vorangehende, die nachfolgende nicht gebe. Mir wurde bewusst, dass diese stationen geselligkeit und glück, wie das gemeinsame feiern des abendmals genauso umfassten, wie schmerz und verlust beim tragen des kreuzes und der kreuzigung und dass diese stationen erst in ihrer summe genau diesen weg ergaben. Irgendwie schien mir das ganze doppeldeutig, so, als ob hinter diesem (kreuz)weg eine tiefere wahrheit verborgen war. Nicht im religiösen sinn im zusammenhang mit Jesus, sondern auf einer anderen ebene, die ich gerade nicht in worte fassen kann.

Es gibt unzählige, verschiedenste wege. Eigen ist ihnen allen aber m.e. das grundprinzip, dass sich stationen, wegetappen verändern, dass keine ewig andauert, dass veränderung und erneuerung täglich stattfinden können und dass sie durch unser denken und dem daraus resultierenden handeln zusammenhängen und weiter-bewegt werden können - schneller oder langsamer.

Ich denke sogar, dass es vor dem ablauf denken/handeln noch einen geheimnisvollen aspekt, eine triebkraft, quelle gibt, die sich einschaltet. Der Pur-sänger würde vielleicht sagen, ‚jeder tuts auf seine weise‘.

Ich sehe plötzlich überall parallelen und noch mehr zusammenhänge, wegweiser und hinweise.

Vielleicht ist das für mich der weg zu erkennen, wie etwas für mich wirklich ist, dass es immer mehrere seiten gibt, dass ich achtsam sein sollte, alle zu 'sehen'. Das ist einerseits ein gewinn, zeigt aber auch, dass ich mir nichts vormachen kann.
So wurde vermutlich gestern in mir eine weiche gestellt, die die nächste station vorbereitete.

Ich musste heute an Stefan denken, einen ehemaligen user dieses forums. Er schrieb mir einst: Wir sind alle teil dieses 'spinnennetzes'. Wenn sich einer bewegt, bewegt sich das ganze netz.:blume:
 
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Danke für deine sehr tiefreichenden Gedanken, sie regen auch mich an, nachzuspüren, was die einzelnen Aspekte eines Schrittes sind, die ich gehe. Einerseits ist das Leben ein Fließen, dem wir uns hingeben können, andererseits ist es einen Fuss vor den anderen setzen und jeder erfordert einen Willensimpuls - es ist gleichzeitig ein analoger und digitaler Ablauf.

LGInti
 
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