Unreine Gedanken, die beim Anblick einer Frau entstehen, verschwinden allmählich, wenn deine Reinheit durch regelmäßiges Japa und Meditation wächst. Es dauert einige Zeit, bis die alten lüsternen Eindrücke im Unterbewusstsein beseitigt sind und sich ein neues Bewusstsein gebildet hat. Dann steigen allmählich reine Gedanken auf. Richte deinen Blick auf Gott. Versuche immer wieder, die Frauen als Göttinnen zu betrachten, dich von der sexuellen Vorstellung zu lösen und nicht im Körperlichen zu verhaften.
Wann immer sich lüsterne Gedanken einstellen, dann denke daran, dass selbst die hübscheste Frau nur aus Fleisch, Knochen, Urin, Schweiß und Fäkalien besteht. Dieses verursacht Abscheu und Leidenschaftslosigkeit. Dann wirst du nie wieder einen unkeuschen Blick auf eine Frau richten. Frauen, die ebenfalls das Brahmacharya praktizieren, sollten in ähnlicher Weise vorgehen.
Du solltest nicht nur Abscheu entwickeln, sondern dich auch von der sexuellen Verhaftung befreien. Bist du nicht extrem erschrocken, wenn eine Kobra direkt auf dich zukommt? Die gleiche Einstellung solltest du besitzen, wenn lüsterne Gedanken in deinen Verstand eindringen. Dann nur wird die sexuelle Anziehung allmählich nachlassen. Selbst auferlegte Bußen sollen helfen, sich lüsternen Gedanken hinzugeben. Verzichte auf das Abendessen, wenn du dich lüsternen Gedanken hingegeben hast. Mache zwanzig Japas (Mantrameditation) mehr auf der Mala (Gebetskette). Trage einen Lendenschurz oder ein Langoti (eine Art Tanga) im Buße zu tun.
Betrachte eine Frau nicht mit lüsternem Auge. Wenn sie alt ist, betrachte sie als deine Mutter. Wenn sie jung ist, als deine Schwester. Und wenn sie sehr jung, als dein Kind. Du kannst das Gefühl entwickeln, das alle Frauen deine Mütter und Schwestern sind. Befolge eisern diese Praxis. Wenn du auf der Straße gehst, dann schaue nicht wie ein Affe hierhin und dorthin. Gehe in dich gekehrt mit würdigen Schritten durch die Straße, in der Haltung eines Guru. Dies wird es dir erleichtern, nicht gegen die Gebote des Brahmacharya zu verstoßen.
O Kind von unsterblichem Wesen! Du bist lange Zeit mit lüsternen Augen durch die Welt gegangen. Kultiviere dein Urteilsvermögen und lerne die Kunst der Unterscheidung. So gewinnst du ein großmütiges Sehvermögen. Dann wird dir die ganze Welt als eine Masse kristallisierten Glücks erscheinen. Dann wirst du kein Übel, keine Hässlichkeit finden.
Es ist nicht zu leugnen, dass die Sinneslust die mächtigste Kraft ist, die man überwinden sollte. Äußerlich kannst du sagen: "Ich sehe die Frau als meine Mutter, ich betrachte sie als meine Schwester." Aber selbst wenn du dich bemühst, alle guten Vorsätze zu beachten, so spielt dir dein Geist doch immer wieder einen Streich. Es zieht ihn immer wieder in die falsche Richtung. Immer wieder schleichen sich sinnliche Wünsche und Gedanken in den Verstand. Sie sind fast ebenso schlimm wie die Tat. Solltest du einmal auf die Probe gestellt werden, dann wirst du vielleicht hoffnungslos versagen, da du keine Kontrolle über deine Sinne hast.
Es gibt nichts, was der Yogi nicht erreichen könnte, wenn er seinen Verstand kontrolliert. Je grösser die Schwierigkeit, desto größer ist der Glanz des Erfolges. Versuche es immer wieder. Betrachte die Frau nicht als Sexualobjekt. Wenn du dazu nicht in der Lage bist, und die Frauen weiterhin mit lüsternem Blicken betrachtest, dann stelle dir in deiner Phantasie das Bild einer Leiche, eines Skeletts oder einer verrunzelten, kranken und alten Frau vor und behalte es solange in deinem Gedächtnis, bis du mit Ekel erfüllt bist.
Dieses wird dir ermöglichen, deine Leidenschaften zu überwinden. Gleichzeitig nimm Zuflucht zu den Lotosfüßen der Göttin Devi, die alle anderen Göttinnen in sich vereint. Bete zu ihr und bitte sie um die Stärke, den Versuchen der Leidenschaft zu widerstehen und sie zu besiegen. Durch eine aufmerksame und konstante spirituelle Praxis, wird es dir gelingen, allmählich Fortschritte zu erzielen.
Nachtrag: Die Betrachtung der Frau als Leiche oder Skelett, sowie als alte, verrunzelte und kranke Frau, geht vermutlich auf Buddha zurück. Buddha ersann insgesamt 40 Meditationsmethoden, wobei sich zehn Meditationsmethoden auf die Unreinheiten des Körpers bezogen. Detaillert kann man dies im Palikanon unter "
Der Weg zur Erlösung" nachlesen.
Practice of Brahmacharya