Meditation und Enthaltsamkeit

Unabhängigkeit wird auch gerne angestrebt. Und wenn man dann meint sie zu haben, dann hat man eine ziemliche Abhängigkeit davon erreicht.

Der der meint Alkohol zu brauchen ist vom Alkohol abhängig. Der der es geschafft hat davon loszukommen...........
ist dann vielleicht sehr abhängig davon (endlich davon) losgekommen zu sein.

Aber man braucht jetzt nicht mit irgendwas aufhören. Weil das wäre ja nur wieder ein Versuchen von etwas wegzukommen,
was gleich wieder einen Kreis dreht.

Kein Mensch kann allein sein. Das ist einfach nicht möglich.
Was kommt, wird auch wieder gehen. Und wenn ich eine relative Unabhängigkeit von Alleinsein oder Nichtalleinsein erreicht habe, dann..............
wird das auch wieder gehen.

Ja. Jetzt ist es auch bei mir angekommen ... :)

Es geht gar nicht anders, weil es immer ein Schwingen zwischen den Polen ist - man kann nur mitschwingen und annehmen, was gerade angeschwungen kommt :D
 
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Unabhängigkeit wird auch gerne angestrebt. Und wenn man dann meint sie zu haben, dann hat man eine ziemliche Abhängigkeit davon erreicht.

Der der meint Alkohol zu brauchen ist vom Alkohol abhängig. Der der es geschafft hat davon loszukommen...........
ist dann vielleicht sehr abhängig davon (endlich davon) losgekommen zu sein.

Aber man braucht jetzt nicht mit irgendwas aufhören. Weil das wäre ja nur wieder ein Versuchen von etwas wegzukommen,
was gleich wieder einen Kreis dreht.

Kein Mensch kann allein sein. Das ist einfach nicht möglich.
Was kommt, wird auch wieder gehen. Und wenn ich eine relative Unabhängigkeit von Alleinsein oder Nichtalleinsein erreicht habe, dann..............
wird das auch wieder gehen.

Deine Definition von Abhängigkeit erscheint mir etwas eigenartig. Aber von mir aus meine ruhig, dass es keine Unabhängigkeit gibt.

Wenn du also nur Abhängigkeiten siehst, dann würde ich allerdings noch unterscheiden, zwischen Abhängigkeiten die vernünftig und solche die unvernünftig sind.

Warum kann kein Mensch alleine sein? Die meisten Haushalte sind Single-Haushalte. Aber ich glaube, dass viele Singles sehr einsam und unglücklich sind. Aber nicht, weil sie alleine leben, sondern weil sie mit sich selber nichts anzufangen wissen. Also flüchten sie sich in die nächste Partnerschaft.
 
Thai, ich möchte dich gerne auf ein Interview mit dem Theravada-Mönch Bhante Henepola Gunaratana aufmerksam machen.

Was sagte Buddha zur Enthaltsamkeit?

So wie es hier in diesem Ausschnitt aus dem Interview steht meine ich es.

Frage: Wäre es also richtig zu sagen, dass es für einen Menschen, der kein monastisches Leben lebt, also für einen Laien, sehr viel schwieriger oder sogar unmöglich wäre, das zu tun?
Antwort: Auch Laien müssen einer Disziplin im Leben folgen; sie müssen eine gewisse Beherrschung üben. Deshalb gibt es auch Vorschriften für Laien; aber normale Laien müssen nicht enthaltsam sein. Laien können bestimmte Stufen der Erleuchtung erreichen - wir nennen sie "Mitfließende" oder "Einmal-Wiederkehrende" - , bevor sie für sich selbst erkennen, dass sexuelle Aktivität unausweichlich Schwierigkeiten und Probleme mit sich bringt.
Laien können sogar die dritte Stufe der Heiligkeit erreichen, wir nennen sie "Nie-Zurückkehrende". Aber sobald sie einmal diese Stufe erreicht haben, werden sie selbst aus ihrer eigenen Erkenntnis heraus entscheiden, dass eine Verstrickung in Sexualität den Fortschritt in ihrer spirituellen Praxis blockiert, und sobald sie das erkennen, werden sie ganz freiwillig aufhören, sexuell aktiv zu sein. Wie Sie sehen, ist Zölibat also nicht etwas, das mit Zwang oder durch ein Gebot auferlegt werden kann.

Also braucht alles seine Zeit. :liebe1:
 
Ich habe nicht bestritten das Sex keine Anhaftung ist, Sex ist hinderlich auf dem Weg der Erleuchtung. Darüber bin ich mir bewusst. Aber es ist nur ein Teil des Weges zur Erleuchtung, es ist nicht der Mittelpunkt, alles was auf dem Weg zur Erleuchtung hinderlich ist, ist gleichwertig hinderlich. Was nützt es wenn ich keinen Sex habe aber z. B. lüge, morde oder so? Ich habe die Drogensucht aufgegeben (ich weiß wie Drogensüchtige denken, war selber einer, man kann Sex nicht mit einer Drogensucht vergleichen), ich habe den Hass aufgegeben, ich habe den Neid aufgegeben usw. zurzeit höre ich das Rauchen auf. Es mag Menschen geben die gleich alles auf einmal aufhören können. Aber wer kann schon einen ganzen Weg der länger als ein Schritt ist auf einmal gehen. Ich setze einen Fuß vor den anderen und gehe meinen Weg.
Ich meine nicht dass jeder der mit Drogen oder so aufgehört hat in eine nicht Sucht-Anhaftung verfällt, es gibt aber Menschen die tun es. Sie werden zu Kämpfern gegen die Sucht, ohne Mitgefühl und Güte. Der Kampf gegen die Sucht wird zum Lebensinhalt, alles andere existiert für solche Menschen nicht mehr. Ich hoffe Du verstehst meine Ausführung richtig. Es finde es jeden Menschen bewundernswert der Anhaftungen aufgibt.
:liebe1:

Thai, ich sage ja nicht, dass andere Dinge nicht ebenso wichtig sind. Das habe ich schon oft genug gesagt. Ich favoriesiere ein wenig den Weg des Raja-Yoga. Im Raja-Yoga gibt es zwei Punkte, die sehr wichtig sind. Diese zwei Punkte sind Yama und Niyama. Dort ist auch die Enthaltsamkeit integriert.

Unter Yama versteht man 5 Regeln der Enthaltsamkeit:

1. Gewaltlosigkeit kommt zuerst, weil der Mensch zuerst seine brutale Natur beseitigen muss. Er muss gewaltlos werden. Gewaltlosigkeit ist die Lebenseinstellung Nichts und Niemanden in böser Absicht zu verletzen oder gar zu töten. Mahatma Gandhi's Gewaltlosigkeit ist eine hohe Ausdrucksform des Yama.

2. Dann kommt die Ehrlichkeit. Man sollte stets die Wahrheit sagen, nicht lügen oder heucheln.

3. Dann folgt das Nicht-Stehlen. Der Yogi sollte ein moralisches Bewusstsein entwickeln. Er sollte Richtig von Falsch unterscheiden können, Rechtschaffenheit von Ungerechtigkeit.

4. Die Enthaltsamkeit (Brahmacharya) ist eine göttliche Tugend. Der Yogaschüler wird nur durch die Praxis von Brahmacarya oder Keuschheit zur Erleuchtung finden. Unter Brahmacharya ist aber nicht nur die sexuelle Enthaltsamkeit gemeint, sondern jegliche Jagd nach Sinnenlust sollte vermieden werden.

5. Das fünfte Regel ist die Unbestechlichkeit. Durch das Annehmen von Geschenken besteht die Gefahr, dass man abhängig wird. Dadurch wird man eventuell in seiner Entscheidungsfreiheit beeinträchtigt. Es gibt sogar einige spirituelle Gemeinschaften, die das "Nichts Annehmen" als Ordensregel haben und ihren Lebensunterhalt nicht erbetteln, sondern selber erarbeiten.

Niyama besteht aus fünf Verhaltensregeln: Reinheit, Zufriedenheit, Disziplin oder Askese, Studium der Heiligen Schriften und Hingabe an Gott. Ich möchte sie an dieser Stelle gar nicht weiter erläutern.

Yama und Niyama setze ich also gewissermaßen als selbstverständlich vorraus. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Verhaftung an die Sexualität bei sehr vielen Menschen, besonders bei den Männern, die stärkste Verhaftung ist. Darum betrachte nicht nur ich, sondern auch Buddha (siehe Interview Bhante Henepola Gunaratana u.a.) die Enthaltsamkeit als zentrales Element.

Im Gegensatz zum Yoga, vertrete ich allerdings die Auffassung, dass Yama und Niyama an keinerlei Religionen oder Gottesvorstellungen gebunden sein müssen.

Wie ist es dir gelungen den Hass und den Neid aufzugeben? Wie war es vorher und was empfindest du heute? Wie lange hat dieser Prozess gedauert?
 
Hallo Dhyana :)

Danke für die schöne Geschichte.

Du hast sicher recht, dass jeder selbst auf die Suche nach Antworten gehen sollte und nicht irgendeinen Meister fragen sollte.

Bonobos sind eh ziemlich praktisch veranlagt und schauen sich einfach an, was wie auf wen wirkt. :cool:

So haben sie auch schnell raus, wo es sinnvoll ist, weiter Fragen zu stellen und wo sie keine Antworten erwarten dürfen.

Ich dachte mir, dass du mich nicht verstehen wirst. Das macht aber nichts.

Liegt das an mir oder an dir?

Aber du hast Recht.

Es macht Nichts.

Es ist usuell, vom Nick auf die Person zu schliessen. Hätte ich gewusst, dass du mir die Berechtigung dazu versagst, wäre ich erst recht daraufgekommen.:) Ebenso schliesse ich daraus, dass du immer das letzte Wort haben willst.

Ich bin da nicht so schnell mit meinen Schlüssen.

Sicher hast du auch schon das Eine oder Andere Mal festgestellt, dass der Nick und der damit vielleicht verbundene Anspruch, sehr wenig mit der Person oder ihrem Verhalten zu tun hat, die dahinter steht, oder?

Ich kenne die Verhaltensweise der Bonobos.

Was genau, weißt du denn über das Verhalten der Bonobos?

Vorurteile? Ich stelle lediglich fest.

Wo ist der Unterschied?

Bist du sicher, dass die Grundlagen deiner Feststellungen oder Vorurteile immer ausreichend sind?

Wen immer möglich hänge ich keinen Gedanken nach. Weder Gedanken über Vorteile oder Nachteile noch über Vorurteile, ausser ich habe es mit Menschen zu tun, die nichts anderes kennen. Wir sind mit unserer Umgebung verbunden, wir können uns nicht davon trennen.

Die Aussage habe ich jetzt auch nicht verstanden.

Wie sind denn Menschen, die nichts Anderes kennen und was sollten sie denn kennenlernen?

Machst du dir jetzt gerade Gedanken darüber, ob es Vorteile oder Nachteile hat, deine Aussage noch einmal zu präzisieren oder läßt du mir in diesem Zusammenhang das letzte Wort?


Fragen über Fragen.
Doch, ich kann etwas zu deinen Fragen beitragen:

Ich habe eigentlich nur eine Frage und die lautet:

Kann sexuelle Enthaltsamkeit, sofern sie als Dogma verstanden und aus der falschen Motivation heraus praktiziert wird, dazu führen, dass sie auf dem Weg zur kleinen oder vollen Erleuchtung eher hinderlich ist?

Feng kam zu seinem Meister und sagte:
Meister, ich habe eine Frage.
Der Meister: Wie schön, vergiss sie nicht.
F.: Aeh, ich meine, ich möchte etwas wissen.
M.: Ja, das habe ich gehört-und ich sagte: vergiss deine Frage nicht.
F.: Ah, du hast keine Zeit und willst sie mir vielleicht später beantworten.
M.: Nein, ich will sie dir gar nicht beantworten.
F.:..., aber dann bleib ich ja dumm, ich will doch von dir etwas lernen.
M.: Im Gegenteil mein Lieber, ganz im Gegenteil.
Wer Fragen hat ist offen für Antworten. Er sucht, und findet auf dem Weg zur Antwort einen ganze Menge. Kurz, er ist "offen", d.h. er ist lebendig. Wer eine Antwort hat, sucht nicht mehr, da ist nichts mehr offen.
F.: Aber es gibt doch Dinge, die ich nicht weiss...
M.: Gut, ich gebe zu, wenn du den Weg zur Toilette wissen möchtest, ist es hygienischer, ihn dir zu sagen.
F.: Nein, das meinte ich nicht. Es geht schon um eine Frage, die das-rechte- Leben-an-sich betrifft.
M.: Das dachte ich mir. Wenn ich dir auf einen solche Frage antworte, kann es sein, dass ich mich irre. Du hast deine Antwort, bist zufrieden und suchst nicht weiter- wäre das denn hilfreich?
F.: Nein, aber du irrst dich selten.
M.: Nun gut, nehmen wir an, ich irre mich nicht, sag dir aber aus meiner Sicht etwas, was für dich nicht angemessen ist. Sehr bald hiesse es überall: "Sieh, das kommt der Papagei des Meisters." Wäre das dann hilfreich?
F.: Nein,... wohl auch nicht...Ich sehe schon, ich werde mich selbst auf den Weg machen müssen, um meine Antwort zu finden.
M.: Siehst du, darum sagte ich: "Wie schön, vergiss sie nicht."
------Sag mal, was wolltest du denn Wissen?
F.::

LG D

Teile dein Wissen mit anderen...
Dies ist eine gute Möglichkeit,
Unsterblichkeit zu erlangen...

Dalai Lama XIV.

Liebe Grüße

Bonobo
 
So wie es hier in diesem Ausschnitt aus dem Interview steht meine ich es.

Frage: Wäre es also richtig zu sagen, dass es für einen Menschen, der kein monastisches Leben lebt, also für einen Laien, sehr viel schwieriger oder sogar unmöglich wäre, das zu tun?
Antwort: Auch Laien müssen einer Disziplin im Leben folgen; sie müssen eine gewisse Beherrschung üben. Deshalb gibt es auch Vorschriften für Laien; aber normale Laien müssen nicht enthaltsam sein. Laien können bestimmte Stufen der Erleuchtung erreichen - wir nennen sie "Mitfließende" oder "Einmal-Wiederkehrende" - , bevor sie für sich selbst erkennen, dass sexuelle Aktivität unausweichlich Schwierigkeiten und Probleme mit sich bringt.
Laien können sogar die dritte Stufe der Heiligkeit erreichen, wir nennen sie "Nie-Zurückkehrende". Aber sobald sie einmal diese Stufe erreicht haben, werden sie selbst aus ihrer eigenen Erkenntnis heraus entscheiden, dass eine Verstrickung in Sexualität den Fortschritt in ihrer spirituellen Praxis blockiert, und sobald sie das erkennen, werden sie ganz freiwillig aufhören, sexuell aktiv zu sein. Wie Sie sehen, ist Zölibat also nicht etwas, das mit Zwang oder durch ein Gebot auferlegt werden kann.

Also braucht alles seine Zeit. :liebe1:

Ich stimme dem zu. Aber diese Erkenntnis stellt sich in der Regel nicht von alleine ein. Man muss sie sich erarbeiten. Wenn sie sich von alleine einstellt, dann meistens, weil ein entsprechender Leidensdruck vorhanden ist.
 
Was sind Sinnesobjekte? Das Wort Sinnesobjekt bezieht sich in der Bhudda-Sprache auf Dinge, die der Geist aufgreift und an denen er anhaftet. Sinnesobjekte sind die Welt, alles in der Welt Existierende. In der Welt gibt es nichts außer Formen, Tönen, Gerüchen, Geschmäcker, Berührungsempfindungen und Geistobjekte. Die ganze Welt setzt sich aus diesen sechs Arten von Sinnesobjekten zusammen.

Soweit es die menschliche Perspektive betrifft, so sind sie die Dinge, die uns beherrschen; wir sind ihre Sklaven. Natürlich sind auch alle anderen Lebewesen Sklaven der Sinnesobjekte und dienen ihnen. Manchmal sagen wir auch, daß wir Sklaven der Augen, der Ohren, der Nase, der Zunge, des Körpers, des Geistes und der ihnen zugeordneten Objekte sind. Die Augen, Ohren, Nase, Zunge, der Körper und der Geist suchen ständig nach Sinnesobjekten, nach Formen, Tönen, Gerüchen, Geschmäckern, Berührungen und Gedanken. Wir neigen dazu den ganzen Tag angenehme, glückliche, erfreuliche und delikate Sinnesobjekte erfahren zu wollen: Visuell, oral, taktil, etc.

Wir suchen besonders nach jenen Sinnesobjekten, die unserer Meinung nach ein befriedigendes und köstliches Ergebnis zeigen. Sobald wir sie haben, verhaften wir uns an sie. Die Konsequenz daraus ist unsere nicht enden wollende Versklavung, die wir nicht einmal bemerken.

Wenn die Außenwelt mit der Innenwelt zusammenwirkt, dann wird Sinnesbewusstsein geboren - mitten drin stecken die Sinnesobjekte. Die äußeren Objekte sind die Sinnesobjekte der inneren Sinnesgrundlagen und sie gebären Sinnesbewußtsein, die zu Kontakt und Berührung führen. Ist also der Körper und das entsprechende Bewusstseins vorhanden, so kommt es zu einem Sinneskontakt. Dieser bedingt Gefühl. „Was man fühlt, das nimmt man wahr“, erkennt es wieder, das ist Wahrnehmung. Unter dem Einfluß der Wahrnehmung, wägt man ab, bedenkt und strebt schließlich danach, entsprechend zu reagieren (Willen). Auf diese Weise sind die Sinnesobjekte mit den fünf Daseinsgruppen (Körper, Bewusstsein, Gefühl, Wahrnehmung, Willen) verbunden.

Der Bedingten Entstehung zufolge wird, sobald Kontakt entsteht, anschließend Gefühl geboren; Begehren wird geboren; Anhaften wird geboren; und dann alle Formen von Leidhaftigkeit. Es beginnt mit nichts weiter als den Sinnesobjekten, aber in der Folge steigt der Strom der bedingten Entstehung auf und fließt weiter. Wenn wir die fünf Daseinsgruppen begreifen wollen, dann müssen wir die Sinnesobjekte, bzw. die Grundlagen verstehen. Haben wir die Sinnesobjekte richtig, vollständig und wirklichkeitsgemäß erfasst, wird es uns leicht fallen die fünf Daseinsgruppen so zu kontrollieren, daß sie nicht zu Verhaftungen führen, die Leid hervorbringen. Wir werden es leicht haben, den Fluß der bedingten Entstehung zu regulieren, damit er nichts zusammenbraut und in alle Formen von Leid einfließt.

Das wäre ein immenser Nutzen, aber wir müssen dazu unsere Fähigkeit, Kontrolle über den Geist auszuüben, trainieren. Deshalb üben wir uns in achtsamer Ein- und Ausatmung, um über genügend Achtsamkeit und Geistesgegenwart, über genügend Bewußtheit und Weisheit zu verfügen, um die Sinnesobjekte zu kontrollieren. Diese Fähigkeiten müssen schnell wie der Blitz zur Verfügung stehen, damit sie unmittelbar mit den Sinnesobjekten zusammen im Geist auftreten.

Ajahn Buddhadasa: Sinnesobjekte sind bloße Vorstellungen des Geistes
 
Diese Dinge hängen also alle zusammen, denn wenn wir die Sinnesobjekte nicht rechtzeitig abfangen, werden die 5 Daseinsgruppen geboren, die voller Anhaftungen sind; und diese sind nichts anderes als Leid. Oder, anders ausgedrückt, der Strom der Bedingten Entstehung wird zusammengebraut, was auch nichts anderes als Leid ist. Wenn ausreichend Achtsamkeit und Weisheit zusammen mit Bewusstsein vorhanden sind, dann sind die Daseinsgruppen bloße Objekte, die nicht leidbringend sein müssen. Mit Hilfe von Geistesgegenwart, klarer Bewußtheit und Weisheit steigt der Strom der bedingten Entstehung nicht auf oder wenn doch, können wir ihn noch rechtzeitig stoppen, ihn versiegen lassen und verhindern, daß er Leid hervor bringt.

Macht euch also bitte mit den Sinnesobjekten vertraut. Kurz gesagt, die Sinnenobjekte sind das, worauf sich der Geist stürzt und sie ergreift. Oder andersherum, es sind die Dinge, die in den Geist eindringen und ihn veranlassen, sie zu ergreifen und daran festzuhalten. Oder, noch einmal anders ausgedrückt, sie sind die in den Sinnesbereichen ausgelegten Köder, nach denen es uns verlangt und von denen wir uns Köstlichkeit, Freude und Spaß erwarten. Doch dann werden sie zu unseren Herren und wir zu ihren Sklaven.

Als nächstes wollen wir darüber sprechen, daß die Sinnesobjekte nichts Reales sind, sie sind nur Illusionen, bloße Einbildungen, hervorgebracht vom Geist. Die Sinnesobjekte sind Dinge, die in unserer
Vorstellung entstehen, demzufolge haben sie Einfluß auf unser Leben. Wenn sie nur ganz natürlicherweise im Universum vorhanden wären, würden sie uns nicht weiter interessieren. Wir bekommen aber mit ihnen zu tun, wenn sich der Geist etwas vorstellt, seinen Zielen, seinen Bedürfnissen, seinen Verhaftungen und Wünschen entsprechend. Dann können sie in den Geist eindringen.

Wären die Sinnesobjekte einfach natürliche, gewöhnliche Elemente, nur eine Form oder irgendein festes Ding, wie könnten sie in den Geist eindringen? Formen oder Töne, o. ä., das sind einfach natürliche Elemente, materielle Dinge, nicht fähig in den Geist zu gelangen. Sobald sie aber einen Wert, eine Vorstellung, eine Phantasie oder eine Bedeutung haben und der Geist diese aufgreift und daran festhält, dann bildet sich im Geist eine Vorstellung um diese Bedeutung herum, und nur dann können sie wirklich in den Geist eindringen und ihn beeinflussen.

Nichts Materielles kann in den Geist eindringen - wird aber an der Bedeutung, dem Wert, der Qualität einer Sache gehaftet und diese in eine entsprechende Vorstellung umgewandelt, dann spielt es keine Rolle mehr, ob es sich um eine Form, einen Ton, einen Geruch, einen Geschmack, eine Berührung oder ein Geist-Objekt handelt. Zudem haben sie ihr delikates Aroma, ihren Zauber, der eine geistige Vorstellung erschafft und diese wird zu einer Angelegenheit des Geistes. Wenn wir also nicht so dumm sind und diesen Dingen Bedeutung zumessen, und uns im Geist dazu etwas einbilden, dann können sie uns überhaupt nichts anhaben.

Nehmt zum Beispiel an, daß ein junger Mann ein bestimmtes Mädchen liebt. Wie kann der Körper des Mädchens aus Fleisch und Blut in den Geist des jungen Mannes gelangen? Wenn sich der Geist des jungen Mannes die Bedeutung von Weiblichkeit und Sinnlichkeit vorstellt, dann wird unverzüglich etwas Faßbares daraus. Sobald eine geistige Phantasie daraus geworden ist, wird es zu einer Angelegenheit des Geistes und kann im Herzen des jungen Mannes mit aller Macht festen Fuß fassen. Das Wort „Einbildung“ bedeutet, die wichtigste Bedeutung einer Sache, eines Sinnesobjektes, einer im Geiste entstandenen Phantasie, aufzugreifen und daran festzuhalten. So werden Formen, Töne, Gerüche, Geschmäcker oder Berührungen in geistige Vorstellungen umgewandelt.
 
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Wahrnehmung heißt erinnern, wiedererkennen, etwas als dieses oder jenes betrachten, dafürhalten, wahrnehmen. Die Wahrnehmung nimmt also Dinge als glücklich oder leidvoll, als weiblich oder männlich, als Gewinner oder Verlierer, als Sieger oder Besiegter wahr. Die Wahrnehmung benennt Dinge und ordnet sie ein. Alle Objekte sind daher Dinge, die der Geist wahrgenommen, auf eine gewisse Weise betrachtet und in geistige Vorstellungen umgewandelt hat. Nicht einmal das kleinste Sandkorn kann in den Geist gelangen. Erst wenn es einen bestimmten Sinn, eine Bedeutung, einen Wert oder dergleichen erhält, auf die Weise, wie wir es eben beschrieben haben, dann kann es hinein und dort alles Mögliche anstellen.

Nun wollen wir uns ansehen, wie die Sinnesobjekte uns dominieren. Wenn ihr das beobachten wollt, leicht und äußerst klar, unmittelbar während es geschieht, dann achtet auf die Berührungs-Empfindungen, der Sinnesobjekte. Besonders jene Berührungen, die mit dem anderen Geschlecht zu tun haben, die beim Sex auftreten, sind ein großes Problem in der Welt. Einige Leute sind so töricht, Sex zu vergöttern, die Verständigen jedoch betrachten ihn eher als dämonisch. In Indien wurden diese Berührungs-Empfindungen sogar personifiziert, zu sexuellen Gottheiten, und verehrt. Aber auch diejenigen, die sich am Valentins-Tag rote Blumen an die Brust heften o. ä., gehören zu dieser Art Verrückter, die Sex zu ihrem Gott machen.

Die sexuellen Objekte sind Objekte extremer Einbildung, aber das versteht kaum jemand, und daher können sie uns an der Nase herumführen, wie sie wollen. Die Berührungsempfindungen müssen erfolgreich in geistige Vorstellungen umgewandelt werden, damit es überhaupt irgendeine Art sexueller Aktivität geben kann. Werden diese geistigen Vorstellungen nicht vollständig ausgestaltet, geschieht nichts. Berührungen müssen in geistige Bilder umgewandelt werden, der Körper des Partners muß in der Vorstellung mit der Qualität oder der Bedeutung des Mann- oder Frauseins versehen werden und nichts davon ist wahr oder real - alles nur Einbildungen.

Wenn es sich um ein so direktes Anliegen handelt, dann ist das sehr leicht, dann geschieht es fast von selbst, automatisch, natürlich. Die Vorstellungen werden geschaffen, ehe wir es merken und sind im Nu vollständig und fertig ausgestaltet. Sobald die entsprechenden geistigen Vorstellungen vorhanden sind, kann es sexuelle Handlungen geben. Können diese Vorstellungen jedoch nicht geschaffen werden oder sind sie nicht zu Ende geführt, dann ist es unmöglich, sexuelle Handlungen zu vollziehen.

Gewöhnlich wird der Sexualakt mit dem gegenteiligen Geschlecht vollzogen, aber er läßt sich sogar mit gleichgeschlechtlichen Partnern durchführen, wenn das entsprechende Sinnesobjekt den Geist übernimmt. Heutzutage kommt das recht häufig vor. Darüber hinaus kann es durch die entsprechenden Einbildungen auch mit Tieren geschehen, was eine recht verdrehte Art von sexueller Neigung darstellt. Und was noch verrückter ist als dies, manche erschaffen sich das geistige Bild eines vollwertigen Geschlechts-Partners selbst mit einer Leiche, die erst vor kurzem verstorben und noch nicht in Verwesung übergegangen ist. Ja selbst mit Puppen und Menschen-Atrappen ist es möglich Sex zu haben, wenn wir mit Erfolg entsprechende geistige Vorstellungen kreieren.

Das instinktive Verlangen nach Sex kann schon recht stark sein. Erkennt aber hier bitte die ganze Wahrheit und glaubt nicht etwa, daß die Instinkte für diese ganze verrückte Sexgeschichte verantwortlich seien. Die Instinkte zielen nur auf die Fortpflanzung ab. Die reine Fortpflanzung ist aber gar nichts Erfreuliches; sie ist ermüdend und schwierig. Selbst die Tiere würden sich damit nicht abgeben wollen, wäre da nicht ein erfreulicher und befriedigender Lohn vorangestellt. Die Natur ist hier klug und geschickt und hat Sex vor die Fortpflanzung gestellt. Fortpflanzung ist nicht dasselbe wie Sex, sie ist nur an der Erhaltung der Art interessiert, will verhindern, daß sie ausstirbt. Auch die Menschen werden mit Sex für die Fortpflanzung entlohnt und das ist, recht verstanden, die eigentliche Bedeutung von Sex.
 
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