Meditation und Enthaltsamkeit

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Genauso wie eine Flamme, die sich sehr schnell um sich selbst dreht, die Illusion eines Feuerkreises ergibt, ergeben sich aus den dynamischen Prozessen der körperlichen und geistigen Energie die Illusion des Ich, des Selbst, des Ego, der Seele. Sie werden Aggregate des Ergreifens genannt, weil wir an ihnen leidenschaftlich hängen und sie als "Ich" und "Mein" auffassen. Genauso wie ein mit einem Band an einen festen Pfosten gebundenes Tier um den Pfosten rennt, in seiner Nähe steht, sitzt und sich niederlegt, so kann auch die Person, welche die fünf Aggregate, die fünf Skandhas (Körper, Gefühle, Wahrnehmung, Geistestätigkeit, Bewusstsein), als sein Selbst ansieht, den Aggregaten und dem Leiden, der Verzweiflung und Furcht, die sie unvermeidlich begleiten, nicht entkommen.

Die fünf Aggregate sind für den Menschen ein privates Gefängnis. Sie leiden, weil sie an diesem Gefängnis hängen und auch auf Grund der Erwartungen, die sie von dem Gefängnis haben. Die Wahrnehmungen der äußeren Welt und die Beziehungen zu den Mitmenschen werden von der Natur dieses Gefängnisses geformt und deswegen werden die mitmenschlichen Beziehungen und die Kommunikation extrem komplex, heikel und problematisch. In dem Maße, in dem wir uns mit diesem privaten Gefängnis identifizieren, werden die Probleme komplizierter und komplizierter.


Prof. Lilly de Silva: Das selbstgemachte Gefängnis

Hallo Opti :)

Danke für den Link.

Sicher ist es wichtig sich mit allen Aggregaten gleichermassen zu beschäftigen, da sie eng
miteinander verbunden sind und miteinander interagieren.

Die Prozesse sind extrem komplex und diffizil und lassen sich nur in ihrer Gesamtwirkung einschätzen und ändern.

In einem Gleichnis aus den Kommentaren werden sie mit den Wassern an einem Zusammenfluss gleichgesetzt, an dem sich fünf Flüsse treffen. Man kann nicht aus diesen
Wassern eine Hand-voll schöpfen und sagen, dass sie von dem einen oder anderen Fluss kommen, denn die Aggregate ändern sich andauernd und sind in einem konstanten Zustand des Fließens.



Das Aggregat der Wahrnehmung

Saññâ wird in Pâli als Wahrnehmung oder Ideation übersetzt. Wahrnehmung ist nichts als der Akt des Wahrnehmens. Deshalb ist es ein dynamischer Prozess, eine Aktivität. Was wird wahrgenommen? Z.B. werden Farben wie blau, gelb, rot, weiß usw. wahrgenommen. Diese Definition von saññâ scheint zu implizieren, dass die linguistische Fähigkeit des Menschen mit saññâ verbunden ist. Das Wort saññâ bedeutet auch ein Symbol, und die Symbolisierung ist eng mit der Sprache verbunden. Es ist die Sprache, die uns hilft, Ideen zu formen, und das ist der Grund, warum saññâ manchmal als Ideation übersetzt wird.

Der Wahrnehmung gemäß bildet man Standpunkte, eine Idee.

Wir identifizieren uns auch mit unseren Ideen: "Dies ist mein Standpunkt, dies ist meine Idee, dies ist meine Meinung, dies ist, was ich meine" - dies alles sind Ausdrücke, die uns mit Ideation und Wahrnehmung identifizieren. Manchmal ist diese Identifikation so stark, dass wir bereit sind, für eine Idee unser Leben zu opfern.

Viele Kriege werden in der Welt um der Ideen, die verteidigt oder verbreitet werden sollen, willen geführt. Da dies eine so dominierende Art des Anklammerns ist, wurde sie von Gautama Buddha als ditth'upâdâna herausgestellt, als das Anklammern an eine besondere Ansicht, die man sich auswählt, um sie zu glauben. Wir identifizieren uns mit den verschiedenen Standpunkten und nennen uns Demokraten, Sozialisten, Ewigkeitsgläubige, Vernichtungsgläubige, Positivisten.

Unsere Ideen ändern sich gemäß der Emotionen und Umstände. Ein Freund wird ein Feind, ein Feind ein Verbündeter, eine Fremde eine Ehegattin. Darum gibt es auch in der Ideation nichts Konstantes und Dauerhaftes; es ist nicht möglich, sie als "Ich" oder "mein" festzuhalten, ohne enttäuscht zu werden und auf diese Weise leiden zu müssen.

Wie formt saññâ eine Wand unseres privaten Gefängnisses? Jeder von uns nimmt die Welt um uns durch seine eigenen vorgefassten Meinungen wahr. Dies zeigt bereits ein sehr grobes Beispiel. Die Wahrnehmung der Welt eines Arztes wird von der Wahrnehmung eines Politikers oder Geschäftsmannes sehr verschieden sein. Ein Arzt, der einen Apfel betrachtet, denkt vielleicht an seinen Ernährungswert, ein Politiker an die Vor- und Nachteile der
Erlaubnis des Imports, ein Geschäftsmann an seinen kommerziellen Wert. So werden wir so viel von unseren Interessen und Ideologien konditioniert - einige davon stammen aus der Erziehung, einige aus der Kultur, in die wir hineingeboren wurden, einige aus dem akademischen oder professionellen Training, das wir durchgemacht haben -, dass nicht zwei Personen identische Wahrnehmungen haben. In diesen Aspekten gibt es genügend gemeinsame Faktoren, so dass wir eine allgemeine oberflächliche Übereinstimmung mit anderen Personen erzielen, aber wenn wir all die Verzweigungen in Betracht ziehen, müssen wir daraus schließen, dass auch in Bezug auf die Wahrnehmung jeder von uns in seinem privaten Gefängnis lebt. Wenn wir Weisheit und Glück in uns erreichen wollen, müssen wir es aufgeben, an unseren Ideen zu hängen und müssen das, was wir Jahre hindurch gelernt haben, verlernen, uns zu dekonditionieren und unseren Geist zu leeren.


Prof. Lilly de Silva: Das selbstgemachte Gefängnis

Ich vermute, dass es mit der Erleuchtung nur funktioniert, wenn man, die nicht permanente, sich dauernd verändernde, konditionale Natur dieser fünf Faktoren der Persönlichkeit erkennen und sich von ihnen lösen kann.

Nur damit befreit man sich von dem selbst gebauten Gefängnis der eigenen Persönlichkeit.

Liebe Grüße

Bonobo
 
Zu diesem Thema möchte ich sagen dass es für denjenigen der sich für die Enthaltsamkeit entschlossen hat wohl auch der richtige Weg ist. Ich halte es so dass ich wenn ich keine Lust auf Sex habe keinen Sex habe wenn ich Lust habe und meine Frau natürlich auch wir Sex haben. Ich bin mir bewusst dass Sex auf dem Weg ins Nirvana hinderlich ist, aber dafür habe ich andere Anhaftungen aufgegeben. Wenn ich mal älter bin werde ich auch den Sex aufgeben, aber soweit ist es noch nicht. Jedes Ding braucht seine Zeit. Man sollte jeden der einen solchen Weg eingeschlagen hat wertschätzen. Natürlich sollte das Thema kein Sex zu haben nicht zum Lebensinhalt werden sonst erreicht man genau das Gegenteil, man haftet am kein Sex haben an. Somit entsteht wieder Leid und wer will das schon. Man kann ja auch bestimmte Zeiten festlegen in denen man keinen Sex hat. In einer solchen Zeit sollte man auch mehr Meditieren. Es gibt einige Schulen und Wat´s in denen man über eine längere Zeit Meditieren kann. In dieser Zeit gibt es Regeln die man einhalten soll, dazu gehört auch keinen Sex zu haben.:liebe1:
 
Jedes Ding braucht seine Zeit.

Das gleiche Verhalten zeigt der Alkoholiker, der Drogensüchtige, der Nikotinsüchtige, usw.. Es ist nichts als eine Ausrede. Die sexuelle Enthaltsamkeit ist das zentrale Element auf dem Weg zur Erleuchtung.

Meinst du, dass der derjenige, der sich von der Alkoholsucht befreit hat, in der Nicht-Alkoholsucht verhaftet ist, dass derjenige, der sich von der Nikotinsucht befreit hat, in der Nicht-Nikotinsucht verhaftet ist, usw.?
 
Zu diesem Thema möchte ich sagen dass es für denjenigen der sich für die Enthaltsamkeit entschlossen hat wohl auch der richtige Weg ist. Ich halte es so dass ich wenn ich keine Lust auf Sex habe keinen Sex habe wenn ich Lust habe und meine Frau natürlich auch wir Sex haben. Ich bin mir bewusst dass Sex auf dem Weg ins Nirvana hinderlich ist, aber dafür habe ich andere Anhaftungen aufgegeben. Wenn ich mal älter bin werde ich auch den Sex aufgeben, aber soweit ist es noch nicht. Jedes Ding braucht seine Zeit. Man sollte jeden der einen solchen Weg eingeschlagen hat wertschätzen. Natürlich sollte das Thema kein Sex zu haben nicht zum Lebensinhalt werden sonst erreicht man genau das Gegenteil, man haftet am kein Sex haben an. Somit entsteht wieder Leid und wer will das schon. Man kann ja auch bestimmte Zeiten festlegen in denen man keinen Sex hat. In einer solchen Zeit sollte man auch mehr Meditieren. Es gibt einige Schulen und Wat´s in denen man über eine längere Zeit Meditieren kann. In dieser Zeit gibt es Regeln die man einhalten soll, dazu gehört auch keinen Sex zu haben.:liebe1:


Das klingt vernünftig. :)



@all

Mir ist auch klargeworden, dass man die Wirkung der Dinge erst erkennt, wenn man mal einen gewissen Abstand zu ihnen einnimmt. Aber anderen dann ebenfalls diese Erfahrung nahezubringen ist menschlich und mE verständlich, denn es widerfährt einem ja gutes und das möchte man auch für seine Umwelt.

Dieses "Nicht allein sein wollen" ist ja nicht umsonst in uns angelegt. Wir sind mE nicht hier um allein zu sein, sondern um uns gegenseitig zu helfen. So ist es eher ein Akt der Liebe und des Miteinanders ...

jedenfalls sehe ich das so.
 
Dieses "Nicht allein sein wollen" ist ja nicht umsonst in uns angelegt. Wir sind mE nicht hier um allein zu sein, sondern um uns gegenseitig zu helfen. So ist es eher ein Akt der Liebe und des Miteinanders ...

Ich bin nicht dagegen, dass Menschen zusammen wohnen und leben. Aber das Nicht-Allein-Sein-Wollen ist in der Regel eine Flucht vor der Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit und vielfach auch ein Schritt, um ein angenehmeres Leben führen zu können, also rein materielle Gründe. Und dann kommt natürlich noch der sexuelle Aspekt hinzu.

Wenn man nicht in der Lage ist, allein glücklich zu sein, wird man es auch nicht in einer Partnerschaft sein.
 
Das gleiche Verhalten zeigt der Alkoholiker, der Drogensüchtige, der Nikotinsüchtige, usw.. Es ist nichts als eine Ausrede. Die sexuelle Enthaltsamkeit ist das zentrale Element auf dem Weg zur Erleuchtung.

Meinst du, dass der derjenige, der sich von der Alkoholsucht befreit hat, in der Nicht-Alkoholsucht verhaftet ist, dass derjenige, der sich von der Nikotinsucht befreit hat, in der Nicht-Nikotinsucht verhaftet ist, usw.?

Ich habe nicht bestritten das Sex keine Anhaftung ist, Sex ist hinderlich auf dem Weg der Erleuchtung. Darüber bin ich mir bewusst. Aber es ist nur ein Teil des Weges zur Erleuchtung, es ist nicht der Mittelpunkt, alles was auf dem Weg zur Erleuchtung hinderlich ist, ist gleichwertig hinderlich. Was nützt es wenn ich keinen Sex habe aber z. B. lüge, morde oder so? Ich habe die Drogensucht aufgegeben (ich weiß wie Drogensüchtige denken, war selber einer, man kann Sex nicht mit einer Drogensucht vergleichen), ich habe den Hass aufgegeben, ich habe den Neid aufgegeben usw. zurzeit höre ich das Rauchen auf. Es mag Menschen geben die gleich alles auf einmal aufhören können. Aber wer kann schon einen ganzen Weg der länger als ein Schritt ist auf einmal gehen. Ich setze einen Fuß vor den anderen und gehe meinen Weg.
Ich meine nicht dass jeder der mit Drogen oder so aufgehört hat in eine nicht Sucht-Anhaftung verfällt, es gibt aber Menschen die tun es. Sie werden zu Kämpfern gegen die Sucht, ohne Mitgefühl und Güte. Der Kampf gegen die Sucht wird zum Lebensinhalt, alles andere existiert für solche Menschen nicht mehr. Ich hoffe Du verstehst meine Ausführung richtig. Es finde es jeden Menschen bewundernswert der Anhaftungen aufgibt.
:liebe1:
 
Unabhängigkeit wird auch gerne angestrebt. Und wenn man dann meint sie zu haben, dann hat man eine ziemliche Abhängigkeit davon erreicht.

Der der meint Alkohol zu brauchen ist vom Alkohol abhängig. Der der es geschafft hat davon loszukommen...........
ist dann vielleicht sehr abhängig davon (endlich davon) losgekommen zu sein.


Aber man braucht jetzt nicht mit irgendwas aufhören. Weil das wäre ja nur wieder ein Versuchen von etwas wegzukommen,
was gleich wieder einen Kreis dreht.






Kein Mensch kann allein sein. Das ist einfach nicht möglich.
Was kommt, wird auch wieder gehen. Und wenn ich eine relative Unabhängigkeit von Alleinsein oder Nichtalleinsein erreicht habe, dann..............
wird das auch wieder gehen.
 
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