Meditation und Enthaltsamkeit

"Enthaltsamkeit" ergibt sich meist von alleine. Sich zu Enthaltsamkeit zu zwingen, um irgendwas zu erreichen, halte ich nicht nur für sinnlos, sondern sogar für kontraproduktiv.

Dann erzähle mir doch bitte einmal, wie der Alkoholsüchtige mit dem Alkohol aufhört, der Sexsüchtige mit dem Sex, der Tablettensüchtige mit den Tabletten, der Kaufsüchtige mit dem Kaufen, der Drogensüchtige mit den Drogen, der Esssüchtige mit dem Essen und der Zigarettenkonsument mit den Zigaretten. Von alleine passiert da gar nichts.
 
Werbung:
ich glaube du musst zwei Sachen trennen. In der Relativität bist du immer mal Alkoholiker, dann nicht Alkoholiker, dann wieder Alkoholiker. Du gehst da immer hin und her (egal mit welchen Strategien, wie geradlinig oder (scheinbar) verschlungen).
Absolut gesehen gibt es überhaupt keine Bewegung, oder, da ja auch nur mit Worten ausgedrückt und damit Konzept, anders ausgedrückt: alles ist in jedem Moment sowieso perfekt. Denn es kann gar nicht anders sein, denn sonst wäre es nicht.

Du siehst schon, opti, in beiden Fällen braucht man sich nicht aufzuregen. Das Reden drüber ist einfach Unterhaltung. Und was willst du dann anderes als genießen.
 
ich glaube du musst zwei Sachen trennen. In der Relativität bist du immer mal Alkoholiker, dann nicht Alkoholiker, dann wieder Alkoholiker. Du gehst da immer hin und her (egal mit welchen Strategien, wie geradlinig oder (scheinbar) verschlungen).
Absolut gesehen gibt es überhaupt keine Bewegung, oder, da ja auch nur mit Worten ausgedrückt und damit Konzept, anders ausgedrückt: alles ist in jedem Moment sowieso perfekt. Denn es kann gar nicht anders sein, denn sonst wäre es nicht.

Du siehst schon, opti, in beiden Fällen braucht man sich nicht aufzuregen. Das Reden drüber ist einfach Unterhaltung. Und was willst du dann anderes als genießen.

Du meinst also, alles wäre perfekt? Du findest es auch perfekt, wenn die Menschen leiden, wenn sie unglücklich, unzufrieden sind? Mir scheint, deine Philosophie ist nicht perfekt. Warum interessierst du dich denn für Esoterik/Spiritualität wenn alles perfekt ist?
 
Du meinst also, alles wäre perfekt? Du findest es auch perfekt, wenn die Menschen leiden, wenn sie unglücklich, unzufrieden sind? Mir scheint, deine Philosophie ist nicht perfekt. Warum interessierst du dich denn für Esoterik/Spiritualität wenn alles perfekt ist?


Und auch du wirst dich immer mal sexueller fühlen und mal weniger sexuell in deinem Leben. Und das hört nicht auf. Also auch von jetzt an (egal welche Entscheidung du triffst: Enthaltsam oder nicht Enthaltsam) wirst du dich mal sexueller fühlen und mal weniger sexuell. Das geht immer so weiter.
Was du dann tatsächlich tust wird auch mal dies und mal das sein. Du weißt ja nicht was du morgen liest oder erlebst, das dich dann völlig umstimmt.

Bis dahin ist jeder von seiner Meinung überzeugt, und unterhält sich (aus Angst nicht alleine! sein zu müssen) damit, sein Umfeld unter Druck zu setzen damit es nicht von ihm fortgeht, also ihm ähnlicher wird. (Wenn erst alle so ähnlich sind wie ich, dann kann ich vielleicht endlich wie mich selbst auch die anderen kontrollieren. Und dann fühle ich mich vielleicht sicherer dass ich nicht irgendwann alleine sein muss. Davor hat jeder Angst.)


(Aber jetzt nicht falsch verstehen - Du brauchst aber daran gar nichts zu verändern. Das können wir vielleicht gar nicht.)
 
Genauso wie eine Flamme, die sich sehr schnell um sich selbst dreht, die Illusion eines Feuerkreises ergibt, ergeben sich aus den dynamischen Prozessen der körperlichen und geistigen Energie die Illusion des Ich, des Selbst, des Ego, der Seele. Sie werden Aggregate des Ergreifens genannt, weil wir an ihnen leidenschaftlich hängen und sie als "Ich" und "Mein" auffassen. Genauso wie ein mit einem Band an einen festen Pfosten gebundenes Tier um den Pfosten rennt, in seiner Nähe steht, sitzt und sich niederlegt, so kann auch die Person, welche die fünf Aggregate, die fünf Skandhas (Körper, Gefühle, Wahrnehmung, Geistestätigkeit, Bewusstsein), als sein Selbst ansieht, den Aggregaten und dem Leiden, der Verzweiflung und Furcht, die sie unvermeidlich begleiten, nicht entkommen.

Die fünf Aggregate sind für den Menschen ein privates Gefängnis. Sie leiden, weil sie an diesem Gefängnis hängen und auch auf Grund der Erwartungen, die sie von dem Gefängnis haben. Die Wahrnehmungen der äußeren Welt und die Beziehungen zu den Mitmenschen werden von der Natur dieses Gefängnisses geformt und deswegen werden die mitmenschlichen Beziehungen und die Kommunikation extrem komplex, heikel und problematisch. In dem Maße, in dem wir uns mit diesem privaten Gefängnis identifizieren, werden die Probleme komplizierter und komplizierter.

Auf diese Weise wird sehr klar, dass wir an unserem Körper hängen, als wäre er unser eigenes Selbst. Diese Identifikation ist so vollständig, dass sie sich auch in unseren Sprachgebrauch eingeschlichen hat. In diesem sich dauernd verändernden Körper gibt es absolut nichts, das als ein Selbst, als "Ich", als dauerhafte Seele verstanden werden kann. Von daher ist die Identifikation des Menschen mit dem Körper als Selbst eine große Täuschung.

Während seines Lebens macht der Körper die Stadien des Säuglingsalters, der Kindheit, der Pubertät, der Jugend, des mittleren Alters und des Greisenalters durch. Innerhalb dieses Prozesses gibt es für jedes spezielle Alter eine spezielle Art des Leidens. Im Säuglingsalter sind dies z.B. das Zahnen, das Laufen-Lernen, das Lernen der Kommunikation mit den dieses begleitenden Enttäuschungen. Auch die Kindheit ist gezeichnet von vielerlei Leid. Die Pubertät, in der das Individuum ist besonders leidvoll. In der Jugend wird der Körper zu einem Problem, da die sexuelle Energie einen Höhepunkt erreicht. Wird sie nicht mit Weisheit kanalisiert, auf akzeptable Weise ausgeübt, mit Zurückhaltung behandelt und sublimiert, kann die Jugend in großes Elend führen. Im mittleren Alter ist der Körper zu Krankheiten geneigt, die von Stress induziert sind, und für viele ist dies eine Periode von Angst. Das Leiden im Greisenalter ist mannigfach.

Obwohl wir den Körper mit allen Arten sinnlicher Vergnügungen verhätscheln, ist er niemals dankbar. Er benimmt sich nie so, wie wir es von ihm möchten. So oft wir ihn auch waschen, immer wird er schmutzig. Sooft wir ihn füttern, immer wird er hungrig und müde. Er wird krank, er wird alt, er verliert seine Schönheit und Stärke. Er bleibt nie in unserer Kontrolle. Darum ist er es nicht wert, dass wir uns zu viel mit ihm beschäftigen und ihn "Ich" und "Mein" nennen.

Prof. Lilly de Silva: Das selbstgemachte Gefängnis
 
Und auch du wirst dich immer mal sexueller fühlen und mal weniger sexuell in deinem Leben. Und das hört nicht auf.

Da irrst du dich leider. Derjenige, der die Sexualität sublimiert hat, denkt nicht eine Minute an Sexualität.

Soll ich dir sagen, wie man über den Körper denkt, wenn man die Sexualität sublimiert hat? Ich sag's einmal mit den Worten Buddhas:

"Gautama Buddha, der den Körper objektiv unter dem Mikroskop der Achtsamkeit analysiert hat, hat die wahre Natur des Körpers erkannt und herausgefunden, dass an ihm nichts ist, welches "schön" genannt werden kann. Der Körper besteht aus Fleisch, Schleim, Blut, Urin und Kot, und diese Körperbestandteile werden eher als das Gegenteil von "schön" bezeichnet. Das trifft sogar auf Haare, Zähne und Fingernägel zu, denn wenn diese nicht am Körper, sondern z.B. im Essen gefunden werden, werden sie vielmehr als "Ekel erregend" betrachtet."

Wir sehen den Körper nur als etwas Schönes, als etwas Begehrenswertes an, weil wir uns mit unserem eigenen Körper, mit unserer eigenen Sexualität identifizieren. Weil wir uns darin verhaften.

Derjenige, der das Rauchen aufgegeben hat, hat keine Lust mehr zu rauchen.

Derjenige, der sich von der Drogensucht befreit hat, wird keine Drogen mehr anfassen, weil er die Konsequenzen kennt.

Dies gilt im Prinzip für alle Laster, Verhaftungen und Süchte, von denen man sich befreit hat.
 
Werbung:
Nachsatz von Prof. Lilly de Silva:

Einmal erzählte mir ein Freund, dass er gesehen hatte, wie ein Kind an der hinteren Stoßstange eines geparkten Autos herumspielte. Der Besitzer kam, startete das Auto und das Kind klammerte sich an die hintere Stoßstange und schrie, als es mitgeschleppt wurde. Wenn es die Stoßstange nur losgelassen hätte, hätte es nicht so zu leiden brauchen.

In gleicher Weise klammern wir uns an unseren Körper. Wenn wir nur lernen würden, wie man ihn loslässt, dann würde unser Leiden enden. Darum sagt Gautama Buddha: "Gebt das, was euch nicht gehört, auf. Die fünf Aggregate (Körper, Gefühle, Wahrnehmung, Geistestätigkeit, Bewusstsein) gehören euch nicht."
 
Zurück
Oben