Was sind Sinnesobjekte? Das Wort Sinnesobjekt bezieht sich in der Bhudda-Sprache auf Dinge, die der Geist aufgreift und an denen er anhaftet. Sinnesobjekte sind die Welt, alles in der Welt Existierende. In der Welt gibt es nichts außer Formen, Tönen, Gerüchen, Geschmäcker, Berührungsempfindungen und Geistobjekte. Die ganze Welt setzt sich aus diesen sechs Arten von Sinnesobjekten zusammen.
Soweit es die menschliche Perspektive betrifft, so sind sie die Dinge, die uns beherrschen; wir sind ihre Sklaven. Natürlich sind auch alle anderen Lebewesen Sklaven der Sinnesobjekte und dienen ihnen. Manchmal sagen wir auch, daß wir Sklaven der Augen, der Ohren, der Nase, der Zunge, des Körpers, des Geistes und der ihnen zugeordneten Objekte sind. Die Augen, Ohren, Nase, Zunge, der Körper und der Geist suchen ständig nach Sinnesobjekten, nach Formen, Tönen, Gerüchen, Geschmäckern, Berührungen und Gedanken. Wir neigen dazu den ganzen Tag angenehme, glückliche, erfreuliche und delikate Sinnesobjekte erfahren zu wollen: Visuell, oral, taktil, etc.
Wir suchen besonders nach jenen Sinnesobjekten, die unserer Meinung nach ein befriedigendes und köstliches Ergebnis zeigen. Sobald wir sie haben, verhaften wir uns an sie. Die Konsequenz daraus ist unsere nicht enden wollende Versklavung, die wir nicht einmal bemerken.
Wenn die Außenwelt mit der Innenwelt zusammenwirkt, dann wird Sinnesbewusstsein geboren - mitten drin stecken die Sinnesobjekte. Die äußeren Objekte sind die Sinnesobjekte der inneren Sinnesgrundlagen und sie gebären Sinnesbewußtsein, die zu Kontakt und Berührung führen. Ist also der Körper und das entsprechende Bewusstseins vorhanden, so kommt es zu einem Sinneskontakt. Dieser bedingt Gefühl. Was man fühlt, das nimmt man wahr, erkennt es wieder, das ist Wahrnehmung. Unter dem Einfluß der Wahrnehmung, wägt man ab, bedenkt und strebt schließlich danach, entsprechend zu reagieren (Willen). Auf diese Weise sind die Sinnesobjekte mit den
fünf Daseinsgruppen (Körper, Bewusstsein, Gefühl, Wahrnehmung, Willen) verbunden.
Der Bedingten Entstehung zufolge wird, sobald Kontakt entsteht, anschließend Gefühl geboren; Begehren wird geboren; Anhaften wird geboren; und dann alle Formen von Leidhaftigkeit. Es beginnt mit nichts weiter als den Sinnesobjekten, aber in der Folge steigt der Strom der bedingten Entstehung auf und fließt weiter. Wenn wir die fünf Daseinsgruppen begreifen wollen, dann müssen wir die Sinnesobjekte, bzw. die Grundlagen verstehen. Haben wir die Sinnesobjekte richtig, vollständig und wirklichkeitsgemäß erfasst, wird es uns leicht fallen die fünf Daseinsgruppen so zu kontrollieren, daß sie nicht zu Verhaftungen führen, die Leid hervorbringen. Wir werden es leicht haben, den Fluß der bedingten Entstehung zu regulieren, damit er nichts zusammenbraut und in alle Formen von Leid einfließt.
Das wäre ein immenser Nutzen, aber wir müssen dazu unsere Fähigkeit, Kontrolle über den Geist auszuüben, trainieren. Deshalb üben wir uns in achtsamer Ein- und Ausatmung, um über genügend Achtsamkeit und Geistesgegenwart, über genügend Bewußtheit und Weisheit zu verfügen, um die Sinnesobjekte zu kontrollieren. Diese Fähigkeiten müssen schnell wie der Blitz zur Verfügung stehen, damit sie unmittelbar mit den Sinnesobjekten zusammen im Geist auftreten.
Ajahn Buddhadasa:
Sinnesobjekte sind bloße Vorstellungen des Geistes