Moin,
melde mich auch mal wieder zu Wort; wozu haben sonst Hörsäle WLAN
Wie weit ist es denn möglich?
Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.
Mir scheint, es wäre gewinnbringender, sich diese "Suggestionseffekte" genauer anzusehen anstatt sie ausschalten zu wollen. Schließlich sind wir Menschen nicht nur Materie, sondern auch Geist.
Man will sie ja nicht ausschalten. Man will wissen, worauf ein beobachtetes Phänomen beruht, ob es ein materielles ist, oder ob es eine reine Suggestion ist.
Ergebnis einer solchen Doppelblind-Studie kann immer nur ein begrenzter Ausschnitt aus der materiellen Wirklichkeit sein, der auch immer nur in seinem begrenzten Rahmen "objektive Aussagekraft" haben kann. (...)
Das Ziel ist es ja gerade, die "materielle Wirklichkeit" zu beschreiben. Was ist "echt" und was ist "eingebildet" oder "suggeriert"? Dabei wird der Wert des Eingebildeten gar nicht mal geschmälert.
Ich glaube, dass die "Beweisbarkeit des Jenseits" nur schmerzbetäubende Wirkung hätte. (...)
Ja, der Trennungsschmerz bliebe.
Woher weißt Du das? Und läge dann nicht nahe, die menschliche Natur umfassender als bisher in experimentellen Untersuchungsmethoden zu berücksichtigen, - sprich: den Geist - miteinzubeziehen?
Er wird ja dadurch mit einbezogen, indem man sich fragt, welche Phänomene sind außerhalb des Menschen und welche beruhen auf seine Suggestion.
Zugvogel schrieb:
Wie vielen hilft eine Chemo nicht? Wenn schulmedizinische Behandlungen rein wissenschaftliche, objektiv messbare Vorgänge wären, dann müsste jede Behandlung bei jedem (im objektiv gleichen Zustand) gleich wirken. Offensichtlich ist der Mensch aber doch nicht so einfach gebaut wie ein Auto...
Nein, ist er nicht. Und kein Mensch ist im "objektiv gleichen Zustand" zu einem anderen. Wie weit eine Therapie anschlägt, hängt eben auch von Faktoren ab, die wir nicht unter Kontrolle haben und bestimmt auch von vielen, die wir nicht einmal kennen. Darum ist ja dieser ganze Aufwand mit Statistiken notwendig.
Gawyrd schrieb:
Es gibt genug wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema. Man muss sie nur finden wollen.
Und es ist gut, dass es die gibt. Es ist niemals "dumm" etwas auszuprobieren, so unplausibel es auch anderen erscheinen mag. Es könnte unethisch oder unmoralisch sein; aber niemals dumm. Es gibt viele seriöse Wissenschaftler, die sich mit Jenseits oder Telepathie beschäftigen, und die diese Dinge für sich als bewiesen ansehen. Und da sind dann Skeptiker, die ihnen systematische Schwächen in ihren Untersuchungsmethoden a priori unterstellen oder auch nachweisen. Es kann lange dauern, bis wirklich etwas als "nachgewiesen" gilt, und selbst dann ist es nicht in Stein gemeißelt.
Das ist Wissenschaft; sie lebt vom Disput. Es geht ja nicht unbedingt darum zu schauen: "Warum ist die Aussage wahr?", sondern darum "Wie könnte die Aussage noch falsch sein?" Und so fußen die Thesen, die immer mehr Tests bestehen, auf sehr festem Fundament.
Ich kann dazu ein Beispiel aus der Physik liefern: Eine "Heilige Kuh" in der Physik ist die Lorentzinvarianz; eine Grundlage der speziellen Reltivitätstheorie von Einstein. Ich arbeite u.a. derzeit an astronomischen Beobachtungen, die diese Lorentzinvarianz widerlegen könnten, obwohl knapp ein Jahrhundert lang jede Messung zu diesem Thema die von der Theorie vorhergesagten Ergebniosse hatte... aber es blieben immernoch Freiräume, wie stark man es verletzen kann.
Gawyrd schrieb:
Es besteht nicht nur die Täuschungsmöglichkeit, einem illusionärem Trugbild zu folgen. Es kann genauso die Täuschung sein, eine reale seelische Begegnung nicht als solche erkannt und gewürdigt zu haben.
Man kann Wunschbildern genauso auf den Leim gehen wie dem eigenen Skeptizismus.
Insoferne ist es aufs erste nicht "naturwissenschaftlicher", sich für die eine Möglichkeit zu entscheiden oder für die andere.
Im Rahmen der Naturwissenschaft liegt die Beweislast beim Thesenaufsteller. Eine Aussage, die das aktuelle naturwissenschaftliche Weltbild verlässt oder widerspricht, gilt so lange als "falsch" oder zumindest als "unbewiesen", bis ein Beweis vorliegt; und der gilt auch nur so lange als Beweis, bis eventuel jemand anderes einen Grund findet, warum es doch kein Beweis war.
Soweit zum "offiziellen".
Nun meine Gedanken dazu: Natürlcih kann man auch seinem Skeptizismus auf dem Leim gehen. Da muss ich mich jetzt fragen: Wem gehe ich lieber auf dem Leim? Ist es ein schönerer Gedanke, einer möglichen Illusion nachzulaufen (wobei ich in dem Falle nie feststellen würde, dass es eine Illusion war), oder ist es für mich lieber möglichen Illusiuonen mit skeptischen Abstand zu begegnen? Ich habe mich für letzteres entschieden. Dabei will ich meine Erlebnisse in keinster Weise herabsetzen; ich bin sehr dankbar dafür. Ich bin dankbar für jeden Traum. Ich bin dankbar für jeden "Gedanken"... nur eben mit dem Unterschied, dass ich die Möglichkeit in Betracht ziehe, dass es "nur von mir" kommt.
Viele Grüße
Joey