Jain.
Ich stimme zu, dass es diverse Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.
Das beantwortet aber nicht folgende Fragen, die zu JEDEM einzelnen Attribut getrennt und jeweils neu betrachtet werden müssen:
Was groß ist der Unterschied?
Was ist der Grund für den Unetrschied? Ist das ein "natürlicher" Unterschied oder aufgrund gesellschaftlicher Prägungen?
Bei vielen der behaupteten Unterschiede, die in diesen Diskussionen immer wieder auftauchen, ist die Streubreite in den Attributen größer als der Unterschied der Mittelwerte in den entsrpechenden Gruppen. Von einem "deutlichen Unterschied" zwischen Männern und Frauen kann man da dann nicht mehr reden. Und da kann man meiner Ansicht nach auch nicht mehr das eine Ende der Attribut-Skala "männlich" und das andere Ende "weiblich" nennen.
Erst Recht macht das keinen Sinn, wenn die Ursache des Unterschieds - egal ob er groß oder klein ist - eben gesellschaftliche Prägung ist. Wie diese Stereotype sich auf diverse Leistungen auswirken, habe ich schon erwähnt und vorhin einen Spektrum-Artikel hier verlinkt.
Wenn wir jetzt z.B. die Körpergröße als Attribut betrachten. Männer sind im Schnitt größer als Frauen. Man kann sich die Verteilungsfunktionen anschauen; ein Überlapp findet statt... aber grob geschätzt liegt der Unterschied in der Größenordnung einer Statndard-Abweichung. D.h. das kann man einen großen Unterschied nennen. Der Grund dafür dürfte nicht gesellschaftliche Prägung sein. In einem populärwissenschaftlichen Buch über Genetik hat die Autorin kurz die Hypothese in den Raum geworfen, dass es evtl. mit Epigenetik erklärbar wäre - wobei sie DEUTLICH den Disclaimer brachte, dass derartige Hypothesen noch genauester Forschung bedrüften, ehe man sie ernst nehmen solle. Wenn wir jetzt also - dem Farben-Gleichnis von Musikuss folgend - "klein" als rot und "groß" als blau gleichsetzen, so besitzt jeder Mensch eine Mischfarbe, Frauen sind im schnitt deutlich röter als Männer, und die Ursache dafür ist wahrscheinlich nicht in der gesellschaftlichen Prägung zu finden.
Wenn wir jetzt z.B. die Fähigkeiten im mathematischen Bereicht als Attribut heranziehen, sieht die Lage ganz anders aus. Frauen sind nicht schlechter in Mathe als Männer. Es gibt verschiedene Untersuchungen zu dem Thema, und die entsprechenden ermittelten Verteilungsfunktionen überlappen sich IMMER stark, in vielen Fällen konnte nicht einmal ein Unterschied in den Mittelwerten festgestellt werden. Dennoch besteht das Gesellschafts-Klischee, und es beeinflusst uns (siehe von mir verlinkter Spektrum-Artikel). D.h. die gesellschaftliche Prägung hat hier einen großen Einfluss und kann wahrscheinlich den gesamten Unterschied, wenn denn einer da ist, erklären. Wenn wir jetzt - wieder dem Farben-Gleichnis folgend - "in Mathe gut" mit "blau" identifizieren und das Gegenteil mit "rot", so besitzt wieder jeder mensch eine Mischfarbe. Aber die Frauen sind nicht viel röter als die Männer. Und, wenn dort ein Unterschied zu sehen ist, so kann der durch gesellschaftliche Prägung erklärt werden. Hier macht es meiner Ansciht nach KEINEN Sinn, das eine Ende der Fahnenstange als "männlich" und das andere Ende als "weiblich" zu bezeichnen, und das Klischee ist schlicht falsch.