Das stimmt... Und ich frage mich immer wieder, warum... Ich hab vor kurzem in einem relativ gescheiten Buch gelesen, das könnte an der Struktur des Gehirns liegen. Sozusagen Uraltreflexe aus dem evolutionstheoretisch gesehen ältesten Teil des Gehirns... Das aus einem Erdzeitalter stammt, wo es noch überlebenswichtig war, nicht zur eigenen Gruppe Gehörende totzumachen...
Kanndas? Und warum sind diese Reflexe so schwer zu überwinden?
Kinnaree
Ist ne echt schwere Frage... Aber ich glaube da eigentlich nicht so sehr an einen Reflex. Es gibt da vermutlich oder auch sicher eine Art "Tötungsbewusstseinszustand", das was oft als "Blutrausch" bezeichnet wird, wenn das Töten schon begonnen hat. Aber Völkermorde geschehen ja planvoll. Selbst der in Ruanda war zwar einerseits wie entfesselt... aber das entfesseln selbst war strategisch.
Es geht m.A.n. vor allem um Ideologie. Der Mensch ist fähig nicht einfach nur für den eigenen Vorteil zu töten wie es Tiere tun. Menschen wollen, wenn sie einer Ideologie anhängen, teilweise Dinge durchsetzen die zum Teil erst weit nach dem eigenen Tod zum "Endziel" führen - falls überhaupt.
Grundlegend ist es m.A.n. wiederum simpel: Die Realität, so wie sie ist, ist mindestens unsicher wenn nicht gar feindlich. Andere Menschen gehören schlicht und einfach dazu... potentiell sind sie gefährlich und je unbekannter desto gefährlicher. Der Mensch sucht Sicherheit oft in Glaubenssystemen. Die können praktischer Natur sein, etwa der Kommunismus... im Sinne von "so und so muss man leben und dann gehts allen gut". Oder sie sind religiöser Natur wie beim IS oder vielen Sekten oder früher im Christentum. Und dann gibt es sofort Gründe dieses Glaubenssystem zu verteidigen, gegen jede potentielle Bedrohung. Paradoxerweise wird es ja gerade deshalb so extrem weil es nicht direkt "praktisch-egoistisch" ist. Da sind natürlich viele Egoismen am Werk, etwa der Wunsch nach Paradies im Tod oder Ruhm nach dem Tod oder was immer. Aber Menschen werden eben bereit sich selbst für eine Idee zu opfern - und andere natürlich noch mal mehr.
Der Ursprung ist übrigens immer Leid. Solche Wahnsysteme entstehen immer aus kollektiven Leidsituationen. Der Kommunismus ist das beste Beispiel, denn er war ja eine Antwort auf Unterdrückung. Auch die Nazis sind eines, denn Deutschland war ja sozusagen tief depressiv und gedemütigt als Hitler auf der Bildfläche erschien. Ruanda... dasselbe. Der IS ist ebenfalls aus dem Widerstand geboren usw.
Ich halte das für kollektiven Amok. Denn Amokläufer zeigen individuell dasselbe Muster. Auch die brauchen in der Regel eine Art größere Idee... eine tiefere Sinngebung als einfach nur durchzudrehen und auch Amokläufer schaffen es ja häufig, den Wahn zuerst mal strategisch zu planen. Manche mehr als ein Jahr im Voraus.
Möglicherweise ist also die jeweilige Ideologie gar der Ursprung... sondern die Ideologie ist zuerst mal eine "mentale Antwort" auf Leid, die eine vermeintliche Lösung beinhaltet und dann einfach auch alles rechtfertigt.