Joey
Sehr aktives Mitglied
Was wäre der Gegenbeweis?
MIr fällt nichts ein. Weder dafür, dass das Leben einen Sinn hat, noch dafür, dass es vollkommen sinnlos ist, existieren mir bekannte Sichere Anzeichen.
Ohne Ironie: Ich finde es beruhigend, wenn eine Kompetenz aus dem Gebiet der Wissenschaft zugibt: "Wir wissen nicht!!!"
Das wirst Du in der Wissenschaft häufig hören, denn ohne diesen Satz wäre Forschung auch sinnlos.
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß bei einer dieser Sprengungen ein Lexikon entstünde???
Wie Du Dir sicher denken kannst: Ich weiß es nicht. Genausowenig wissen es aber die Leute, die diese Wahrscheinlichkeit mit der Lebensentstehungs-Wahrscheinlichkeit vergleichen. Und die kennen genausowenig die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Leben, zumal sie das mit einem zufälligen Prozess vergleichen ohne weitere steuernde Mechanismen zu erwägen.
Ich kenne viele Schätzungen über die Wahrscheinlichkeit der Lebensentstehung. Sie reichen von "Auf jedem Planeten mit dauerhaft flüssigem Wasser entsteht zwangsläufig Leben" bis "Es braucht sehr viele günstige Umstände, damit sich die Chemie zu Lebensformen weiter entwickelt." Die Wahrheit wird wohl irgendwie dazwischen sein.
Der Vergleich mit einer Druckerreiexplosion hinkt aber gewaltig. Es spielen zwar Zufallsprozesse eine große Rolle, aber dennoch kann daraus etwas geordnetes entstehen. Dazu mal einen kleinen Exkurs in die Chemie: Man nehme 1 Liter Sauerstoffgas und 2 Liter Wasserstoffgas. Das mische man und entzünde das Gemisch. Es gibt einen lauten Knall und man hat: Wasser (mit winzig kleinen Anteilen Wasserstoffperoxid und Rest-Wasserstoff sowie -Suaerstoff). Wieso haben sich in so großer Mehrheit jeweils ein Sauerstoffatom und zwei Wasserstoffatome zusammengetan? Woher "wussten" sie, wo sie sich anlagern dürfen und wo nicht?
Wenn ich hier den Vergleich der Druckerreiexplosion benutzen würde, würde ich erwarten, dass ich eine riesiege Anzahl möglicher Moleküle bekommen würde. Der Anteil an Wasserstoffperoxid wäre wesentlich höher. Ebenso hätte ich abgedrehte Moleküle wie 3 Sauerstoff- und 2 Wasserstoffatome miteinander im Verbund. Wieso habe ich sie nicht? Die Antwort: Sie waren kurzzeitig da, sind aber wieder zerfallen; sie sind instabil, und die Atome verscuhen rum, bis sich stabile Moleküle bilden.
Ebenso ist es mit allen chemischen Prozessen. Und die ersten Moleküle des Lebens sind so irgendwie entstanden. Und auf diese Weise entwickelte es sich weiter. Die Evolution ist ja auch ein ähnlicher Prozess, nur, dass hier "Stabilität der Moleküle" durch "Lebensfähigkeit des Organismus" zu ersetzen ist.
Eine Druckerreiexplosion mit diesem zusätzlichen selektiven Mechanismen übertragen könnte durchaus etwas "sinnvolles" zustande bringen. Die durcheinanderfliegenden Teile würden zusammenstoßen, und jenachdem, wie stabil oder "sinnvoll" das Ergebnis ist, würden sie wieder auseinanderfliegen bis sie mit weiteren Teilen zusammenstoßen. So sieht keine vernünftige Explosion aus.
Fazit: Ich kenne weder die Wahrscheinlichkeit, dass auf einem Planeten mit dauerhaft flüssigem Wasser Leben entsteht (und ich glaube, diese Wahrscheinlichkeit kennt niemand genau). Ich kenne auch nicht die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Druckerrei-Explosion ein Lexikon entsteht. Diese beiden Prozesse kann man aber nicht vergleichen, weil gewisse chemische und biologische Mechanismen, die in der molekularen Vielfalt doch eine gewisse Ordnung schaffen und die Chemie durchaus zu "Leben" hindrängen, bei der Explosion einer Druckerrei nicht vorhanden sind. Das wird von den Leuten, die diesen Vergleich ziehen gerne ignoriert (fälschlicherweise). Insofern ist die Entstehung von Leben doch wahrscheinlicher als der spontane Lexikondruck.
(desweiteren dauert eine Druckerrei-Explosion einige Sekunden, während das Leben Jahrmillionen Zeit hatte, sich zu bilden).
Bist du dein Gehirn?
Möglicherweise. Ich glaube es zwar nicht, aber mir fällt kein feststellbarere Unterschied ein, den ich untersuchen könnte um zu schauen, ob ich nur mein Gehirn bin, oder ob meine Persönlichkeit nicht noch weitere Anteile besitzt.
Muggle schrieb:Zu deinen anderen Argumenten fällt mir im Moment nicht viel ein. Wenn ich sage, du wirst in den nächsten 20 Jahren kein Date mit Daisy Duck haben, würdest du vielleicht antworten: "Stimmt- es ist sehr unwahrscheinlich, aber man kann ja nie wissen."
Wieso glaubst Du, dass ich das sagen würde? In der Tat würde ich Dir da nur zustimmen.
Zunächst einmal: Weißt Du, wie wahrscheinlich die Entstehung von Leben ist? Und rechne mal nicht nur vereinfacht mit gesprengten Druckerreien, sondern rechne mal die ganzen Mechanismen (chemische und biologische), die ich oben beschrieben habe, mit rein. Viel Spaß!
Desweiteren gibt es im Menschen irgendwie eine psychologische Grenze von Wahrscheinlichkeiten, ab der etwas als Unmöglich bezeichnet wird. Was bedeutet es, wenn ich sage: "Etwas geschieht mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/1000."? Das bedeutet, dass das untersuchte Ereignis in durchschnittlich einem von 1000 Versuchen eintritt. Wenn ich genügend viele Versuche zur Verfügung habe, treten mit ziemlicher Sicherhait auch Ereignisse ein, die einzeln betrachtet eine Wahrscheinlichkeit von 1:100000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000
besitzen (oder noch geringer). Nur so viele Versuche haben wir selten. So viele Druckerreien gibt es einfach nicht.
Als "unmöglich" kann man getrost etwas bezeichnen, was auch nach Einbeziehung der Anzahl der Versuche noch verschwindend unwahrscheinlich ist. Aber die meisten beziehen die Anzahl der Versuche nicht mit ein. Das steckt irgendwie in der Psychologie der Menschen mit drin, das zu vergessen oder zu ignorieren.
Es gibt auf der Welt verschwindend wenig Frauen, die "Daisy Duck" heißen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine Frau anspreche, die diesen Namen trägt, ist verschwindend gering... weit geringer als 1:500. Auch, wenn ich ein Power-Dater wäre und in 20 Jahren 500 Dates hätte (Das wären alle zwei-drei Wochen eines...), so bleibt die Wahrscheinlichkeit gering, dass da eine Daisy Duck darunter ist.
Wenn Du jetzt auch noch die Daisy Duck aus dem Comic meinst, so sinkt die Wahrscheinlichkeit noch weiter, weil ich nicht auf Enten stehe und sie insofern auch nicht zu einem Date einladen würde, sollte ich sie mal sehen.
)Gesamt-Fazit:
- Wir wissen nicht, wie wahrscheinlich die Entstehung von Leben ist, aber sie ist wahrscheinlicher als ein spontaner Lexikondruck bei einer Druckerreiexplosion.
- Bei Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen ist immer auch die Anzahl der Versuche zu berücksichtigen, was leider gerne unter'n Teppich gekehrt wird.
Viele Grüße
Joey
Ich arbeite weiter daran