Hallo Muggle,
Du baust Deine Thesen da auf ein sehr wackeliges Fundament.
Irgendwann fing ich dann an mich mit der scheinbar nicht zu beantwortenden Frage aller Fragen auseinander zu setzen. Mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und nach dem Ursprung allen Seins. Das es, wie Goethe schon so schön sagte, mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als sich unserer Schulweisheit erträumen lässt, liegt irgendwann ganz zwangsläufig auf der Hand. Verweilen wir nochmal kurz beim Sinn des Lebens. Hier gibt es zwei Grundsätzliche Theorien die wir annehmen können oder auch nicht. A) Das Leben hat einen Sinn und B) Das Leben ist sinnlos. Ich hatte schon immer eine große Vorstellungskraft, aber bei aller Offenheit und kreativen Fantasie Antwort B) konnte und kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Es verblieb also nur die Antwort A.
Damit dieser Bericht jetzt nicht vollkommen ausufert erspare ich euch meine natürlicherweise begrenzte Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und konzentriere mich zunächst nur auf einen Aspekt meiner Überlegungen der da sagt: Wenn es schon uns Menschen nicht möglich ist den Sinn des Lebens zu ergründen, es ihn aber gleichzeitig geben muß, so muß es etwas geben, dass ausserhalb unseres begrenzten Denkvermögens in der Lage ist diese Antwort in all ihrem Umfang parat zu halten. Das war für mich der erste Gottesbeweis dem noch viele weitere folgen sollten.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das Leben sinnlos ist. Ich kann mir aber auch keine gekrümmten Raumzeiten vorstellen und mit der Vorstellung von Quanteneffekten harpert es bei mir auch. So ging es nicht nur mir, sondern auch Einstein und Heisenberg (die das beides auch mal zugegeben haben). Insofern ist "ich kann es mir nicht vorstellen" keinerlei Beweis, dass es nicht doch so ist. Das Leben kann nach wie vor vollkommen sinnlos sein.
Da war sie also, die Welt hinter der Welt. Später verwendete ich übrigens zu gern ein Zitat von Edwin Conklin, welches ich auch euch nicht vorenthalten möchte.
Die Entstehung des Lebens auf der Erde mit dem Zufall erklären heisst, von der Explosion einer Druckerei das Zustandekommen eines Lexikons zu erwarten. Was aber ist tatsächlich entstanden ? Ein Objektiver Realismus ? Was ist Materie und wie manifestiert sie sich ?
Dieses Zitat ist rhetorischer Schwachsinn (der auch gerne von Kreationisten verwendet wird). Fakt ist: Wir wissen nicht, wie wahrscheinlich die Entwicklung von Leben ist. Es kann auch sein, dass es durchaus wahrscheinlicher ist als die spontane Lexikonbildung bei einer Durckereiexplosion; sogar viel wahrscheinlicher. Und selbst wenn es so dermaßen unwahrscheinlich ist; das Universum ist verdammt groß, und es gibt extrem viele Planeten. Auch etwas extrem unwahrscheinliches passiert, wenn es nur oft genug versucht wird. Es existieren im sichtbaren Teil des Universum 100 Milliarden Galaxien, die jeweils auch ebensoviele Sterne besitzen... und das ist nur der sichbare Teil; es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es nicht noch mehr gibt. Hätte man ebensoviele Druckerein wie Planeten und würde alle nacheinander in die Luft jagen... vielleicht entünde bei einer dieser Sprengungen ja ein Lexikon.
Quantenobjekte manifestieren sich in der Raumzeit erst durch die Beobachtung.
Nein, warum?
Die Idee vom Dualismus zwischen der materiellen Welt und den geistigen Erfahrungen ist nicht nur aus diesem Grund mehr als mangelhaft. Das Denken z.B. ist eine geistige Erfahrung, die keine Materialität zu haben scheint.
Was spricht dagegen, dass das Denken ein reiner Hirnprozess ist.
Es kann auch nicht erklärt werden wie ein, von allem abgetrennter, nicht materieller Geist, in Wechselwirkung mit einem materiellen Körper stehen kann.
Na und? "Es kann nicht erklärt werden" heißt nur, dass das aktuelle Wissen oder Vorstellungskraft dazu nicht ausreicht, und nicht, dass es unmöglich ist. Desweiteren ist noch nicht einmal gesichert, ob es diesen nicht-materiellen Geist gibt. Vielleicht ist doch alles Hirnfunktion (was ich zwar nicht glaube... aber ausschließen kann ich's nicht).
Durch die Quantenphysik und speziell durch das Komplementaritätsprinzip sollten wir eigentlich die Erkenntnis gewinnen, dass es wenig Sinn macht, unseren Blick auf eine Situation zu richten, in der wir ( scheinbar ) von allem getrennt sind.
Wieso?
Die Erfahrungen in unserer Welt finden über unsere 5 Sinne statt. Nehmen wir einmal den Sehsinn. Was sehen wir denn überhaupt ? Das Original einer realistisch materialistischen Welt ist das nicht. Ich muß zur Erklärung zunächst in der physischen Illusion verweilen, die ich später versuchen werde auszuhebeln. Das Auge wandelt das Licht in elektrische Impulse um, diese erreichen das Gehirn in dessen Sehzentrum und hier findet der Sehvorgang statt. Es sind also die elektrischen Impulse die das räumliche Bild im Gehirn entstehen lassen. Wenn wir in diesen Fleischklops reinschauen könnten würden wir allerdings kein Bild entdecken. Im Gehirn entsteht nicht wirklich ein Bild, vielmehr vermittelt uns das Gehirn lediglich die Vorstellung eines Bildes. Eine Realität ausserhalb des Gehirns ist nicht wahrnehmbar, denn auch die Vorstellung davon, dass wir mit Organen ausgestattett sind, die es uns erlauben etwas zu sehen, zu fühlen, etwas zu hören, etwas zu riechen oder schmecken entsteht in unserem Kopf. Eine tatsächlich vorhandene externe Realität, die sich ausserhalb von uns selbst befindet ist vollkommen überflüssig. Man bedenke, dass die Existenz des Gehirns selbst nur darum von uns als etwas reales empfunden wird, weil die Wahrnehmung dessen nach genau den selben Prinzipien verläuft.
R. L. Gregory hat den Irrtum einer realistischen Wahrnehmung, die Idee von der Verarbeitung einer tatsächlichen Welt durch das Gehirn einmal sehr schön formuliert: Man sollte nicht der Versuchung anheim fallen zu behaupten, dass die Augen im Gehirn Bilder hervorrufen. Ein Bild im Gehirn würde eine Art inneres Auge erforderlich machen um das Bild zu sehen doch um das Bild dieses Auges sehen zu können, würde man ein weiteres Auge benötigen und so müsste es weitere geben in einer endlosen Folge von Augen und Bildern. Doch das ist absurd.
Nein, wieso sollte ein inneres Auge erforderlich sein? Das Bild der Welt ist nicht im Hirn zu finden, um von irgendetwas weiterem auf- oder wahrgenommen zu werden, sondern wird vom Hirn wahrgenommen. Es ist zwar ein Rätsel der aktuellen Hirnforschung, wie das Ich-Bewusstsein und die Wahrnehmung "Mensch sitzt im Hirn und sieht Kino" zustande kommt, aber unmöglich ist das nicht (selbst, wenn es schwer vorzustellen ist).
Ein Bild, dass wir in unserem Kopf haben ist tatsächlich genauso wenig ein Bild, wie eine Landkarte das Land ist. Man müsste sagen: Ich sehe ein Bild von einem Bild in meinem Kopf, dass durch die Sinneseindrücke hervorgerufen wird, welches von einem geistigen Bild eines Bildes vom Bild stammt.
Und was spricht gegen "Ich d.h. mein Gehirn, interpretiert die Sinneswahrnehmungen und erzeugt dadurch für sich selbst eine Wahrnehmung der Außenwelt."
Insgesamt kann dem zu Folge nur das Bewußtsein eine Realität erschaffen, die wir als physisch real annehmen, was nichts anderes bedeutet, als das Materie schlicht metaphysischen Charakter hat. Wozu brauchen wir noch eine externe Realität ausserhalb von uns selbst ?
Wenn man einiges postuliert, kann man das wirklich so sehen. Aber bewiesen hast Du es noch lange nicht.
Ist es wirklich annehmbar, dass Bewußtsein aus den Folgen materialistischer Prozesse besteht oder ist es nicht wesentlich logischer zu postulieren, dass Materie auf das Bewußtsein zurückzuführen ist ?
Ja, das ist in der Tat annehmbar. Was spricht dagegen? Ich persönlich glaube zwar an sowas wie die Seele... aber ich sehe keinen Grund, warum es nicht doch nur das Gehirn sein sollte.
Anzunehmen, das Gehirn sei verantwortlich für die Übertragung einer materialistischen Welt in unsere Wahrnehmung ist so, als würde man einen Spielfilm auf die Existenz des Fernsehgerätes zurückführen.
Es gibt eine interessante Art von Gehirnverletzungen: Die Betroffenen glauben blind zu sein, weil sie keine Bilder sehen. Andererseits brauchen sie keine Blindenhilfen und laufen nicht gegen Wände. Sie können auch Figuren, die mit einem Laserpointer an eine Wand gemalt werden, mit dem Finger nachzeichnen. Und sie verstehen selbst nicht, wie sie das machen und woher sie plötzlich eine Form kennen. Die Sehinformationen werden in ihrem Gehirn verarbeitet, nur nicht zu einem bewussten Bild.
Quelle: Eine BBC-Sendung, die ich vor Jahren mal gesehen habe.
Was spricht dagegen, dass das Gehirn der Sitz des Bewusstseins ist? Dann braucht es auch keine weiteren Augen etc.
Wie kann ein idealistischer Kosmos das Erscheinen des Realismus hervorrufen ?
Eigentlich gibt es überhaupt keinen logischen Grund, nachdem man aus einem Traum erwacht, anzunehmen, man befände sich nun in der tatsächlichen Welt die aus der wahrhaften Materie besteht. Warum wirkt die Welt der Erscheinungen so objektiv ? Klassische Körper besitzen gewaltige Massen, was bedeutet, dass sich sich ihre Quantenwellen ziemlich behäbig ausbreiten. Infolgedessen können bei makroskopischen Objekten die Bahnkurven ihres Massezentrums ganz genau vorausberechnet werden und der Mond z.B. befindet sich immer da wo wir ihn erwarten. So entsteht der Eindruck einer Kontinuität, die zusätzlich durch unseren eigenen Wahrnehmungsapparat verstärkt wird. Außerdem sind makroskopische Objekte so komplex, dass sie eine lange Erneuerungsdauer haben. Insofern können sie gewissermaßen Vergangenes festhalten, so temporär sie am Ende auch sein mögen. Aufgrund ihrer Vorleben sind wir versucht, die Welt durch eine kausale Brille zu sehen und die Vorstellung zu haben, die Zeit bewege sich in einer Richtung und sei von unserem Bewußtsein unabhängig. Aber im nichtlokalen Bewußtsein sind alle Phänomene, selbst sogenannte emprirische, klassische Objekte, Objekte im Bewußtsein, womit ich eben zur Folgerung gelange, dass die Welt aus Bewußtsein besteht.
Habe ich das richtig verstanden? Idealistischer Kosmos = Kosmos im Bewusstsein, oder? (Nur zur Begriffsklärung, da ich mir nicht ganz sicher bin)
Du beschreibst hier, wie ein idealistischer Kosmos Realismus vortäuschen kann. Diese Gedanken kann man sich machen. Daraus kann man dann aber nicht den Schluss ziehen, dass der Kosmos auch wirklich idealistisch ist. Vielleicht ist die Zeit ja doch unabhängig von unserem Bewusstsein.
Die Paradoxie der Wahrnehmung wird durch die Nichtlokalität aufgelöst.
Welche Paradoxie?
Bezeichnend für mich ist übrigens die Tatsache, dass es keinen plural von Bewußtsein gibt. Was man mit dieser Überlegung anfangen kann, soll jedem ( sofern man da noch von jedem sprechen mag) überlassen sein.
"Bewusstseine", würde ich sagen. Einen Plural kann man bilden, sobald man ihn braucht. Es geht ja nur um Sprache, die ja auch nur eine Beschreibung der Natur sein kann. Wenn sie nicht ausreicht, muss man sie erweitern.
Viele Grüße
Joey