Joey
Sehr aktives Mitglied
Wenn ich deine Argumentation richtig verstanden habe, zielt sie darauf hinaus, dass man bei den Wahrscheinlichkeitsberechnungen nicht einfach das vorgefundene Ergebnis zur Grundlage nehmen kann, sondern auch alle in der Vergangenheit aufgetretenen potentiellen Alternativen berücksichtigen muß.
Nein, da hast Du mich teilweise falsch verstanden.
Die Realität könnte also auch eine ganz andere sein. Somit wird die Unwahrscheinlichkeit einer bestimmten beobachteten Konfiguration durch die Menge ihrer potentiellen Varianten aufgehoben.
Ja, die Realität könnte eine andere sein. Die Unwarhscheinlichkeit wird aber nicht durch die Menge der potentiellen Varianten aufgehoben, sondern durch die möglicheriweise große Menge an Versuchen.
Beispiel: Du fährst mit dem Auto eine 100 km lange Autobahn entlang. Ein Beifahrer mit verbundenen Augen wirft irgendwann eine Münze raus (und wehe Du sagst ihm was!) Irgendwo auf der Strecke ist ein 1 cm breiter Streifen quer über die Fahrbahn gemalt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Münze den Streifen trifft ist höher als ein Lottogewinn (um die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinnst zu erreichen, müsste die Autobahn 140 km lang sein). Nun gut, du siehst ein, dass es irrsinnig unwahrscheinlich ist, dass der Streifen durch die Münze getroffen wird. Jetzt machen wir mal ein anderes Experiment. Der Beifahrer steht in einem Anhänger, der ein unerschöflichen Vorrat an Münzen bietet und schaufelt diese während der Fahrt sehr fleißig raus. Für jede einzelne Münze ist es immernoch irrsinnig unwahrscheinlich, dass sie den Streifen trifft. Andererseits käme es in diesem Falle aber auch einem Wunder gleich, wenn der Streifen von keiner einzigen Münze getroffen wird und unberührt auf der sonst von Münzen gepflasterte Fahrbeit scheint.
Nun ist es aber so, dass wir für die Explosion einer Druckerei die Existenz der Druckerei vorraussetzen müssen.
Und für die Entstehung von Leben muss Materie da sein und müssen ein paar chemische, physikalische und biologische Vorraussetzungen sowie vielleicht mehr oder weniger Glück erfüllt sein.
Ungachtet meiner Meinung, dass die Welt so sein muß wie sie ist, weil der Sinn dieser bestimmten Konstelation sonst nicht aufrecht erhalten werden könnte (...)
Wo habe ich das geschieben? Den Satz verstehe ich nicht.
(...) stellt sich noch die Frage, ob etwas ausserhalb des Bewußtseins in der Lage ist Materie zu erschaffen und ob, wenn Materie aus dem Bewußtsein entsteht, selbst etwas anderes als Bewußtsein sein kann.
Warum sollte etwas außerhalb von Bewusstsein nicht in der Lage sein, Materie zu erschaffen? Das ist die Frage.
Die Urknalltheorie ist auf die Wahrnehmung einer Ausdehnung des Universums zurückzuführen. Nehmen wir mal die Ausdehnung als objektive Realität an, so stellt sich noch immer die Frage nach dem Ursprung der manifestierten Materie, die den Anfang bildet. Die Anfangsmaterie kann aus nichts anderem entstehen als aus Energie. Wenn sich Energie in Materie umwandelt, was so viel bedeutet, als das sich die Energie in einen anderen Zustand versetzt hat (...)
Ja? *gespannter fragender Anstieg der Tonlage*... *gespannt schau*
(...), so hat sich also das Bewußtsein zu dem manifestiert, was wir als Materie bezeichnen. Aus diesem geboren und bestehend aus seinen Elementen.
Wieso kommt hier plötzlich wieder Bewusstsein ins Spiel? Energie ist nicht Bewusstsein, und Bewusstsein ist nicht Energie; zumindest nicht anhand der physikalischen Definition von Energie. Der Satz hat so schön begonnen, und dann hast Du heimlich das Bewusstsein mit reingeschmuggelt, als wenn es dringend gebraucht würde, obwohl es gar nicht nötig ist.
Ich will noch einen draufsetzen und den Bogen zum Multiversum spannen. Sofern ich dich richtig verstanden habe ist es nur logisch, dass wenn man eine unendliche Anzahl von Versuchen zu Grunde legt am Ende irgendwas herauskommen muß.
Nein, nicht unbedingt.
Nun ist es also so entstanden wie wir es vorfinden. Müsste aber nicht bei einer Unendlichkeit der Versuche auch eine Unendlichkeit der Ergebnisse entstehen ?
Die Multiversen-Theorie sagt das ja so vorraus. Nach dieser Theorie gibt es eine Unzahl an Paraleluniversen, die ihren eigenen Urknall hatten. Und jenachdem, welche Naturkonstanten in diesen Universen herschen, ist ihre geschichte. Einige kollabieren sofort wieder; andere bleiben ewig Gasgefüllt, ohne, dass sich da irgendwelche Strukturen geschweigedenn Sterne beilden... und in einigen wenigen passen die Bedingungen so gut, dass sich Leben bildet. Und da intelligentes Leben in der Lage ist sein Universum zu beobachten, beobachtet es natürlich ausschließlich ein Universum, welches intelligentes Leben hervorgebracht hat (die anderen lebensfeindlichen sind ja unerreichbar).
Nach dieser Theorie sehen wir ein Universum unter vielen, und durch die Umstände wird automatisch eine Auswahl getroffen, dass das Universum, was beobachtet wird, automatisch auch eins ist, was Leben hervorbringen kann, was beobachten kann (da gibt es so gewisse Anleihen an das schwache anthropische Prinzip).
Bevor Du da etwas vermischt: Die Multiversen-Theorie ist etwas völlig anderes als vie Viele-Welten-Deutung der QM.
Die Multiversums-Theorie wurde entwickelt u.a. um einen intelligenten Schöpfer des Universums, sprich Gott, unnötig zu machen. Und das ist auch gelungen; es ergibt sich ein schlüssiges Bild. Allerdings ist diese Theorie genausowenig nachgeprüft wie die Existenz Gottes. Ein Schöpfer ist damit nicht automatisch widerlegt.
Ist es wirklich anzunehmen, dass nur eine Realität es geschafft hat sich zu manifestieren, obwohl die Anfangsbedingungen und Konstelationsmöglichkeiten sich ins unendliche erstrecken und können wir dann tatsächlich noch die von uns erlebte Wahrheit als die einzig manifestierte Wirklichkeit betrachten oder ist es nicht wesentlich logischer diese Wirklichkeit dem kollektiven Bewußtsein unserer Raumzeit zuzuschreiben, der eine unendliche Zahl von Abwandlungen entgegenstehen ?
Nach der Theorie haben sich ja durchaus viele Universen manifestiert... und wir können nur unseres sehen. Genauso, wie ich nicht sagen kann, was im Nebenzimmer geschieht.
Die Zeit ist abhängig vom Standpunkt der Betrachtung. Die Vorstellung von einer Zukunft ist nicht mehr oder weniger als ein durch das Bewußtsein hervorgerufenes Gedankenkonstrukt. Der heutige Tag mit all seinen Gegebenheiten ist demnach das Ergebnis des manifestierten Bewußtseins von Gestern. Was aber bedeutet Gestern, Heute und Morgen in einer lineraren Folge wenn die Betrachtung von einem Punkt des Zeitpfeils ausgeht, der nicht mit der Gegenwart identisch ist ? Aus der Zukunft betrachtet leben wir in der Vergangenheit und aus der Vergangenheit betrachtet leben wir in der Zukunft und der Moment der Gegenwart löst sich in der Unendlichkeit seiner Verkürzung auf.
So kann man es natürlich sehen. Es passt in Dein Weltbild. Aber es beantwortet nicht, warum es so sein muss und warum das Bewusstsein nicht abhängig von der Zeit ist.
Muggle schrieb:Übrigens, wenn das Gehirn als Sitz des Bewußtseins betrachtet werden soll und dieses in Zusammenarbeit mit der Fleischmasse ohne Wechselwirkung mit einer übergeordneten Einheit in die Lage versetzt werden soll einen Gedanken zu fassen, so dürfte es einem Käse wohl nicht schwer fallen, sich antriebslos zum Bahnhof zu rollen.
Ein Gehirn ist eine Ansammlung von Neuronen, die elektrische Impulse austauschen. Das gesamte Konzert dieser Imöpulse manifestiert sich in unseren Gedanken. Ein Käse ist kein Netzwerk aus irgendetwas, was irgendwelche Impulse austauschen könnte.
Ein Gehirn und ein Stück Käse gleicher Masse besitzen gleich viele Nukleonen (Protonen und Neutonen). Nur beim Gehirn sind sie wesentlich anders angeordnet, so dass sich darin Gedanken und Bewusstsein manifestieren können und im Käse nicht. Die Komplexität der Anregungsmuster in einem Gehirn übersteigt die Möglichkeiten eines Käses bei weitem. Wieso sollte er dann in der Lage sein, sich zum Rollen zu entschließen?
Ich spreche absichtlich nur von "manifestieren", da ich persönlich nicht glaube, dass der Ursprung der Gedanken ausschließlich im Gehirn liegt. Aber dafür habe ich leider keinen Beweis. Würdest Du hier mit einem Atheisten diskutieren, würde anstelle von "Gedanken manifestieren" sogar "Gedanken bilden" stehnen... mit dem gleichen Recht. Der Kern der Argumentation ist der selbe.
Viele Grüße
Joey
Ich arbeite weiter daran