Hi fckw,
Ob das Träumen bewusst oder "luzid" erfolgt oder nicht ist meiner Meinung nach von derselben Bedeutung, wie das bewusste (Nicht)erleben von Bewusstheit im sogenannten Wachzustand: Es hat keine.
Sich um eine spezielle Erscheinung dieser Art zu ereifern gleicht imho in etwa dem Bestreben dauernde Glückseligkeit oder dergleichen zu erreichen.
Ganz abgesehen davon, dass die Suche danach, solange man es nicht gefunden hat, immer nur die Suche nach meiner Vorstellung sein muss, stellt sich die Frage nach der tatsächlichen Beschaffenheit der sogenannten Erleuchtung.
Meiner Meinung nach kann "Erleuchtung" nur bedeuten, nichts zu haben, nichts zu wissen und nichts zu sein. Das ist natürlich auch ein Konzept. Sobald "Erwachen" an irgendeine Eigenschaft, und es ist völlig gleich um welche es sich handelt, gebunden wird, tritt unvermeidlich ein Fixum in die Welt. Und alles was derart besteht oder begonnen hat und wieder vergehen könnte, ist relativ.
Fckw ich will ehrlich mit dir sein. Du schreibst z.B. Beiträge wie "spirituelles Wachstum als Lüge", denen ich wirklich hundertprozentig zustimmen kann. Da steht alles drin, aber dennoch scheinst du dich immer wieder in den Glauben an irgendwelche bestimmten "Merkmale" zu verstricken.
Du schreibst beispielsweise:
Spirituelles Wachstum IST seinem Wesen nach, alle Sicherheiten aufzugeben bzw. sie nach und nach zu verlieren.
Das stimmt, aber was heißt es letztlich? Es kann ja gar nichts anderes bedeuten, als jegliche Vorstellung darüber, wie die "Erlösung" auszusehen hat, aufzugeben. Natürlich könnte man einwenden, wenn es um "gar nichts" geht, und "jeder erleuchtet ist", dass es dann quasi alles nur Einbildung ist, dies aber eben nicht stimmen kann, weil es ja diese gewissen Erfahrungen von Leere und so weiter gibt, und man eben doch irgendwo "anders" ist, als die meisten anderen Menschen.
Der Punkt hierzu ist meiner Meinung nach: Ja, man kann durchaus mit Berechtigung sagen, es gibt gewisse Erfahrungen, es gibt gewisse "Eigenschaften" oder Merkmale, aber alle diese Merkmale sind letztlich relativ, alle diese Merkmale sind nicht das, worum es geht, _wesentlich_ muss die Wirklichkeit alles umfassen.
Weiter schreibst du:
"heute bin ich noch nicht erleuchtet, aber später irgendwann, wenn ich nur genug X tue"
Ist es nicht gerade das, wonach du hier jetzt schielst? Nach diesem Später? Nach diesem "dies gilt es noch zu bekommen und dann..."?
Meiner Meinung nach könnte man sich folgende Frage stellen: "Wenn jetzt eigentlich alles da ist, wenn jetzt alles in Ordnung ist, wenn ich jetzt schon angekommen bin, wo liegt dann das Problem?"
Und liegt die Antwort nicht ganz einfach darin: "Das Problem liegt darin, eben irgendwo anders hin zu wollen, das Problem liegt darin, zu glauben, es gäbe ein Problem, das Problem liegt darin, dem Gedanken Glauben zu schenken, es müsste irgendwie anders sein."? Ist es nicht genau so? Kann es anders sein? Kann es um etwas anderes "gehen" als um diese Vorstellungen? Ist es etwas anderes, das will, weiß und hat, als diese Vorstellungen?
Meine Erfahrung ist folgende: Wenn die Vorstellung, das Wollen und das Wissen weg sind, dann gibt es _faktisch_ weder Zeit, noch Raum, noch Schlaf, noch Wachen, noch Träume, noch Bäume, noch Häuser noch sonst irgendwas. Die Trennung in Schlaf, Wachen und Träumen besteht nur für den, der sie eben vornimmt.
Ebenso muss aber dieser "4.Zustand" eine Vorstellung sein, er kann gar nicht anders denn als Gedanke existent sein.
Wenn aber diese Bewertung der Zustände wegfällt, ist alles vollkommen gleichgültig da. Ob man sich für längere Zeit "bewusst" ist, oder ob man sich völlig in den Dingen verliert oder als "Zeuge" anwesend ist, ist völlig gleich-gültig. Mal erscheint es so, mal so und mal anders, alles ist eine "richtige" Form.
Es geht eben nur darum, so zu leben, als würde es einen selbst nicht geben. (Das ist natürlich auch nur ein plakatives Konzept).
Hier noch ein weiteres Konzept zur Veranschaulichung: Es geht z.B. meiner Meinung nach nicht darum, die "Sterblichkeit" zu überwinden, indem man etwas Unsterbliches findet, sondern darum, ganz sterblich zu werden, sich eben dem Sterben selbst hinzugeben.
Das "Ewige" kann nur in die Welt treten, wenn alle Beschränkung weggefallen ist, und man selbst ist diese Beschränkung. Das Verlangen nach beschränkten Dingen, wie irgendwelchen Zuständen, das Wissen-Wollen einer Wahrheit, das Haben-Wollen von bestimmten Eigenschaften, sind diese Beschränkungen.
Kann denn die Wirklichkeit so mickrig sein, dass es darum geht beim Träumen bewusst zu sein? Das ist doch nichts, einfach eine Erscheinung. Kann die Wirklichkeit so mickrig sein, dass sie sich durch nette Erlebnisse beschreiben und vereinnahmen lässt?
Der größte Feind der Suche ist die absolute Sinnlosigkeit derselben. Die größte Furcht des Suchers ist es, umsonst gesucht zu haben, und so sucht er weiter, in Gedanken an frühere "Erfolge", die er zum Heiligen erhoben hat, wo er doch eigentlich weiß, dass sie bloß noch fahle schimmerde Gedanken sind, deren Lack längst ab ist.
Wie kann man allen Dingen Freund sein, wenn man sich ihrer erhaben dünkt? Der Besondere zu sein, geht es nicht darum? Die Gläubigen sind egoistisch, weil sie Gott nach ihrem Abbild schaffen, der Sucher ist egostisch, weil er meint Selbstlosigkeit bestünde darin sein Ego zu überwinden.
Er sieht nicht, dass Selbstlosigkeit darin besteht, sich selbst zu überwinden.
liebe Grüße