Zokora's Weltenschmerz

Was regiert in einem, wenn's einem mal gut ist und dann wieder nicht? Man hat das Pendel nicht selber in der Hand, macht man sich seiner Willkür abhängig.
Ich habe Depressionen und bin nicht bipolar/ manisch- depressiv. Ich weiß gute Tage zu schätzen und muss sie nicht fürchten, oder sie in irgendeiner Form dämpfen. Was hätte das auch für einen Sinn.

Da ich ein emotionaler Mensch bin, ist meine Gefühlswelt sowieso sehr sehr vielfältig. Und ich habe lange genug versucht, dass einfach zu kontrollieren und zu ändern, zu unterdrücken. Das bringt nichts, außer das man sich selbst leugnet und es anderen versucht damit recht zu machen.

Ich habe es akzeptiert und habe sogar gelernt, diese Gefühlswelt zu schätzen. Das Pendel selbst ist nicht das Problem, sondern die Art und Weise, wie man damit umgeht KANN ein Problem sein.... muss es aber nicht.
 
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Ich habe mich nicht deutlich genug ausgedrückt. Es geht mir nicht um anonyme User in einem Forum, denn von denen darf man gar nichts erwarten. Die Fluktuation ist gross, das Interesse für den Anderen klein. Meine Frage bezog sich auf dein engeres reales Umfeld. Dein Partner, deine Mutter, deine Freundin... Mit welchem Verhalten würden sie dir eine Weltschmerz-Phase erleichtern? Du scheinst ja trotz Depression noch gut funktionieren zu können. Naja, das was halt im Alltag gerade so unbedingt nötig ist. Alles was darüber hinaus geht, wirst du vermutlich liegen lassen, bis du dich wieder gefangen hast.

Für welches Verhalten von deinem engsten Umfeld bist du dankbar? Sollen sie sich dich in Ruhe lassen? Gar nicht erst ansprechen bis du selber Kontakt suchst? Sollen sie dich lieber alleine zu Hause hocken lassen während sie in den Ausgang gehen, oder würdest du eigentlich insgeheim gerne mitgehen, auch wenn du wie eine Trantüte dabei sitzt? Sollen sie ihr normales Leben einfach weiterleben als ob nichts wäre, bis du wieder aus der Tiefe auftauchst? Hilft es dir, wenn jemand einfach nur neben dir sitzt oder willst du alleine sein? Sowas halt...

Entschuldige mein Missverständnis.

Es ist unterschiedlich. Der Grundtenor, der mir wohl helfen würde, wäre, wenn mein Mann mir vermittelt, "Ich sehe dich, ich kenne dich, erkenne dich und deine aktuelle Phase. Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst, aber ich glaube an dich und vertraue in deine Fähigkeiten. Du weißt was für dich richtig ist und ich unterstütze dich darin." (Sinngemäß). Es ist mutmachend und auf Augenhöhe, dennoch einfühlsam.

Der Rest, die Aktivitäten, sind unterschiedlich. Manchmal ist es gut alleine zu sein, um in sich selbst und mit sich selbst wieder klar zu kommen. Manchmal ist es falsch zu Freunden zu gehen, dann ist es eher gute Miene zu bösem Spiel. Manchmal ist es richtig, um wieder aus sich selbst raus zu kommen, so wie gestern Abend. Aber dass mein Mann deswegen seine Aktivitäten einstellt, wenn er Lust darauf hat und selbst mal Abstand benötigt, will ich nicht. Für ihn gilt das gleiche, ich unterstütze ihn darin, was er für sich als richtig empfindet.

Meine Freunde wissen natürlich auch Bescheid und handhaben es ähnlich. Dennoch bin ich, egal wie es mir geht, bei allen wichtigen Feierlichkeiten da und reiß mich dann zusammen, um es ihnen auch nicht zu versauen. Mir ist es wichtig, meinen Leuten zu zeigen, dass sie mir wichtig sind.

Also wenn sie mich ernst nehmen, in meinem Erleben und ein gesundes Gleichgewicht zwischen mal in den Arm nehmen und mal einen Arschtritt verpassen. Da bin ich dankbar für:D

Aber bei aller Hilfe und Unterstützung von anderen, bin und bleibe ich selbst in der Verantwortung. Das darf ich nicht vergessen und das darf mir auch keiner abnehmen.
 
Heute hat mich meine Hölle eingeholt und das Leid kam wieder. Mein Ventil ist aber nicht mit anderen Menschen darüber zu reden, das tue ich eher mit Gott und meinen Schutzengel. Wenn's mir schlecht geht, ist mein Ventil traurige/depressive Musik zu hören, meistens Doom-Metal.
Zuletzt habe ich Musik dazu verwendet, um es zu provozieren. Meine Großmutter ist vor einigen Wochen gestorben. Da wir Corona bei uns auf Arbeit hatten und viele Kollegen ausgefallen sind, musste ich eine Stunde später arbeiten. Der Trauerprozess war unterbrochen und um funktionieren zu können unterdrückt. Im Feierabend hörte ich dann emotional aufgeladene Musik, um es hervorzuholen und leben zu können. Sonst wäre es wahrscheinlich irgendwann zu einem unterbewussten Prozess geworden und explodiert oder hatte sich vielleicht toxisch generalisiert im Verhalten manifestiert.

Schlechte Phasen, emotional, sind nicht grundlegend schlecht. Sie haben ebenso ihre Berechtigung, wie die guten. Sehe ich zumindest für mich so.
 
Zuletzt habe ich Musik dazu verwendet, um es zu provozieren. Meine Großmutter ist vor einigen Wochen gestorben. Da wir Corona bei uns auf Arbeit hatten und viele Kollegen ausgefallen sind, musste ich eine Stunde später arbeiten. Der Trauerprozess war unterbrochen und um funktionieren zu können unterdrückt. Im Feierabend hörte ich dann emotional aufgeladene Musik, um es hervorzuholen und leben zu können. Sonst wäre es wahrscheinlich irgendwann zu einem unterbewussten Prozess geworden und explodiert oder hatte sich vielleicht toxisch generalisiert im Verhalten manifestiert.

Schlechte Phasen, emotional, sind nicht grundlegend schlecht. Sie haben ebenso ihre Berechtigung, wie die guten. Sehe ich zumindest für mich so.
Was mir viel geholfen hat, um Leid zu überwinden, ist das Buddhistische Nirwana, du wirst eins mit der Leere und löst alle Emotionen auf und damit auch die negativen Emotionen auf. Absoluter Frieden. Zusätzlich bete ich zu Gott um Seine Liebe und Führung. In dieser Kombination erfahre ich Erlösung und Erfüllung. Mein Schutzengel hilft mir auch sehr viel und gibt mir Liebe. Beten hilft!
 
Was mir viel geholfen hat, um Leid zu überwinden, ist das Buddhistische Nirwana, du wirst eins mit der Leere und löst alle Emotionen auf und damit auch die negativen Emotionen auf. Absoluter Frieden Zusätzlich bete ich zu Gott um Seine Liebe und Führung. In dieser Kombination erfahre ich Erlösung und Erfüllung. Mein Schutzengel hilft mir auch sehr viel und gibt mir Liebe. Beten hilft!
Es freut mich für dich, dass du einen Weg für dich gefunden hast, der dir hilft, Kraft gibt und Liebe schenkt😊
 
Ich weiß gute Tage zu schätzen und muss sie nicht fürchten, oder sie in irgendeiner Form dämpfen. Was hätte das auch für einen Sinn.
Sinn ist, das innere Gleichgewicht zu finden.


Ich habe es akzeptiert und habe sogar gelernt, diese Gefühlswelt zu schätzen. Das Pendel selbst ist nicht das Problem, sondern die Art und Weise, wie man damit umgeht KANN ein Problem sein.... muss es aber nicht.
Und doch klappt es nicht.
 
Sinn ist, das innere Gleichgewicht zu finden.



Und doch klappt es nicht.

Meinst du Gleichgewicht, oder Neutralität? Ein Pendel ist immer im Gleichgewicht. Ob einem die Intensität des pendelns gefällt, oder nicht.

Keine Ahnung, was dir daran missfällt, wenn jemand äußert, dass er gute Tage hat :dontknow:
 
Meinst du Gleichgewicht, oder Neutralität? Ein Pendel ist immer im Gleichgewicht. Ob einem die Intensität des pendelns gefällt, oder nicht.

Keine Ahnung, was dir daran missfällt, wenn jemand äußert, dass er gute Tage hat :dontknow:

Weil "Depression" bei sehr vielen Menschen als Charakterschwäche angesehen wird und nicht als Krankheit, die jeden treffen kann. Und das unabhängig von Lebensumständen, oder traumatischen Erlebnissen.
 
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Also wenn sie mich ernst nehmen, in meinem Erleben und ein gesundes Gleichgewicht zwischen mal in den Arm nehmen und mal einen Arschtritt verpassen. Da bin ich dankbar für:D
Das ist tatsächlich der Idealfall. Für beide Seiten. Offenbar hast du das Glück, diesen Idealfall zu haben. Dafür kann man nicht genug dankbar sein. Deshalb kannst du ja auch so offen darüber sprechen. Aber das funktioniert nur wechselseitig. Ein verständnisvolles Umfeld ist das eine, aber auch der Depressive muss (und in diesem Wort liegt das Problem - MUSS) seinen Teil dazu beitragen. Deine Depression ist m.E. nicht so schwerwiegend, dass du in ein dumpfes Ich-arme-Sau-keiner-liebt-mich-und-die-Welt-ist-sowieso-scheisse Denken verfällst. Dann wärst du nicht mehr in der Lage daran zu denken (oder es überhaupt in Betracht zu ziehen), dass die anderen auch Bedürfnisse und Gefühle haben und du dich, trotz Weltschmerz, da und dort zusammenreissen musst (schon wieder dieses Wort).

Dein Mann kann dich einmal in den Arm nehmen und dir ein anderes mal einen Arschtritt verpassen, weil du ihm offenbar auch die richtigen Signale gibst oder du dich verständlich ausdrücken kannst was du gerade brauchst oder nicht brauchst. Wie soll man sich aber verhalten, wenn ein Depressiver das nicht kann, es vielleicht nie gelernt hat? Wie oft versucht man jemanden in den Arm zu nehmen, wenn man eh nur abgewehrt wird? Wie oft versucht man mit jemandem zu reden, wenn nichts oder nur Gejammer oder "will nicht, mag nicht, kann nicht, Scheisswelt" zurück kommt? Nicht besonders oft.
 
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