Im Kern geht es um die Beobachtung, dass Prostituierte systematisch infantilisiert werden: Im Narrativ des politischen Aktivismus werden Prostituierte meist nicht als selbstbestimmt dargestellt, sondern als weitgehend fremdbestimmt. Es wird ihnen abgesprochen, dass sie willentlich die Art von Sexarbeit verrichten, die sie eben verrichten, und es wird ihnen unterstellt, dass sie in aller Regel "traumatisiert" wären, und nur deshalb diese Arbeit überhaupt verrichten könnten oder würden. Die Implikation ist, dass wenn sie "gesund" wären, sie unmöglich eine solch schreckliche Arbeit ausführen würden.
Damit wird ihnen auf erstaunliche Weise ein eigener Wille unter dem Deckmantel der Hilfe weggesprochen. Sie werden entmündigt. Offenbar wissen alle Menschen ausser Prostituierten selbst, wie es ihnen ergeht.
Ich plädiere schlicht dafür, erst einmal von der Mündigkeit von Prostituierten auszugehen. Sie also schlicht in dem, was sie tun, erst einmal ernst zu nehmen statt ihnen zu unterstellen, es könne unmöglich das sein, was sie tun wollten.