Wie beurteilt ihr Prostitution? V2.0

Wie beurteilt ihr Prostitution?

  • stellt eine Verletzung der Menschenwürde dar, und ist daher ohne Wenn und Aber zu verbieten.

    Stimmen: 6 14,3%
  • Bestraft werden sollten die Freier und Bordellbetrieber, nicht aber die Prostuierten

    Stimmen: 7 16,7%
  • Ist ein nicht änderbares Übel und sollte unter staatliche Kontrolle

    Stimmen: 7 16,7%
  • Ist im Grunde eine Dienstleistung wie andere auch und sollte staatlich kontrolliert werden

    Stimmen: 22 52,4%

  • Umfrageteilnehmer
    42
Und hier noch eine Studie von 2014 zum Thema "Sexuelle Ausbeutung und Prostitution und ihre Auswirkungen auf die
Gleichstellung der Geschlechter":


Diese wurde vom Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter des Europäischen Parlaments in Auftrag gegeben.
Laut eigenen Angaben liege der Schwerpunkt der Studie auf der Debatte darüber, ob Prostitution freiwillig sein kann oder vielmehr grundsätzlich als Verletzung der Menschenrechte von Frauen zu werten ist.

Sorry, ich hab erst angefangen das sehr umfangreiche Paper zu lesen.
 
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Natürlich können einzelne erwachsene Frauen sich freien Willens prostituieren, was ist das für eine Frage?
Die Masse der Frauen und Mädchen aber wird NICHT freiwillig in dieser Situation sein und zwar weltweit.
Wer dazu erst Studien braucht, ... weiß nich wie entweder vernagelt oder naiv oder was sonst der sein muß.
Und von den paar Frauen, die es freiwillig machen, weils ja so toll ist, würde mich interessieren, was sie nach
sagen wir mal zwei drei Jahren alles zu erzählen haben. Ob es wirklich immer so toll war wie angedacht.
 
Wer dazu erst Studien braucht, ... weiß nich wie entweder vernagelt oder naiv oder was sonst der sein muß.
Da frage ich mich auch, was da los ist.
Vielleicht gucken manche einfach auch zu viele Pornos, in denen Frauen gezeigt werden, die stets willig sind, oder erliegen vielleicht auch der nach-mitternächtlichen Sex-Werbung, die laufend leicht bekleidete, erotisch anziehende und scheinbar allzeit bereite Mädels abspult.
Da könnte man ja glatt meinen, dass die Mehrheit der Prostituierten genau so tickt ...

Wer hier unbedingt perfekt austarierte wissenschaftliche Studien braucht, der liest sich offenbar nur ungern durch die diversen Berichte über bzw. Interviews mit Prostituierten, die von ihren Schicksalen berichten. Und solche findet man im WWW sehr wohl, wenn man genauer recherchiert, wenngleich nicht en masse.
Aber die Betroffenen erklären in den allermeisten Fällen ja sehr wohl, dass Prostitution für sie auf Dauer nichts ist.
Wenn ich mir dann vorstelle, das wochen-, monate- oder sogar jahrelang machen zu müssen, dabei täglich Dutzende von Männern zu "bedienen", da wird mir wirklich speiübel.

Ich hab noch einen Link zu einem Bericht (dieser wurde auch schon von @Neutrino gepostet, wie die vorhin von mir verlinkte Studie von 2014 leider auch schon - aber gut, doppelt hält besser):

Auszug:
Jürgen Zurheide: In Kurzfassung, was ist Katharina passiert?

Barbara Schmid: Katharina war eine Zwangsprostituierte. Er hat sie über elf Jahre lang auf den Strich geschickt – das erste Mal mit 17einhalb. Er hat ihr Vertrauen gewonnen, als sie fast noch ein Kind war, und Katharina ist wirklich brutal und menschenverachtend ausgebeutet worden von ihm. Er hat sie quasi abgerichtet, wie er früher vielleicht seine Pferde dressiert hat, und Katharina hat Tagebuch geführt, hat auch Listen geführt und kann deshalb sehr gut nachweisen, dass sie in diesen elf Jahren etwa 25.000 Männer – ja, wie nennen wir das – bedienen musste. Es waren teilweise 20 am Tag, aber in der Spitze auch 40, und das zeigt eigentlich, mit was für einem grauenvollen Geschäftsfeld wir es hier zu tun haben.

„Man nennt das Hörigkeit“

Zurheide: Wie kann man denn diese Abhängigkeit erklären, vor allen Dingen über einen so langen Zeitraum? Als Außenstehender stutzt man da und sagt, das kann doch eigentlich alles gar nicht sein. Aber es ist so, oder?

Schmid: Absolut! – Ich habe darüber auch ein langes Gespräch mit der forensischen Psychiaterin Dr. Saimeh geführt, weil natürlich tauchen Fragen auf. Katharina war dann acht Jahre lang in einem Bordell, das offiziell auch auf ihren Namen lief. Sie hätte natürlich jeden Tag rausgehen können, aber das Gefängnis von ihr bestand nicht aus Schlössern und Türen, sondern das Gefängnis war im Kopf. Man nennt das Hörigkeit. Wir haben es bei diesen Lover Boys oder auch Zuhältern mit einer bestimmten Masche zu tun. Sie versuchen, das Vertrauen dieser meist sehr jungen Frauen, die teilweise noch in der Pubertät stecken und dann sehr anfällig sind, zu gewinnen. Die Frauen verlieben sich in diese Männer. Sie versprechen, ihnen die allerschönsten Träume zu erfüllen. Hier war es dann der eigene Reitstall. Und dann entsteht eine solche Hörigkeit, dass sie gar keinen eigenen Willen mehr haben und auch gar nicht mehr gehen können.
 
N
Ich glaube, da liegt ein fulminanter Irrtum vor.
Es ist nicht das Prostitutionsverbot, das die Gewalt gegen Frauen scheinbar ansteigen läßt, es ist die Gewalt, die aus der Dunkelziffer rausfällt und transparenter wird - es gibt also nicht mehr Gewalt!
Andere Länder folgen Schwedens Weg, weil er so erfolgreich ist!

...
Wieso also diese unglaublich hohe Vergewaltigungsstatistik? Der Grund ist ganz einfach: In Schweden wird jede Vergewaltigung gezählt. Im Gegensatz zu vielen Ländern auf dieser Welt gilt in Schweden eine Vergewaltigung in der Ehe als Straftat.
In Deutschland ist die Vergewaltigung in der Ehe erst seit 20 Jahren strafbar, in anderen Ländern ist sie es immer noch nicht. Ist es im Laufe einer Beziehung zu mehreren Übergriffen gekommen, wird außerdem jeder einzelne gezählt. In den USA würde beispielsweise nur ein einzelner Fall registriert werden, unabhängig davon, wie viele Übergriffe es in der Beziehung gegeben hat.

Dazu kommt, dass seit einer Gesetzesänderung 2005 in Schweden viele Delikte in die Kategorie „Vergewaltigung“ fallen, die vorher als „Nötigung“ oder „Missbrauch“ verzeichnet wurden. In vielen anderen Ländern wird da stärker differenziert.

Die hohe Zahl an Vergewaltigungen in Schweden zeigt den Erfolg des Sexualstrafrechts

So ist zwar die Zahl der registrierten Vergewaltigungen stark gestiegen. Gleichzeitig lassen diese Veränderungen vermuten, dass die Dunkelziffer stark gesunken ist.

Der vermeintliche Anstieg von Vergewaltigungen in Schweden steht also nicht für ein Versagen der Politik, sondern viel eher für erste Erfolge der strengen und feministischen Reformen des Sexualstrafrechts.

Die Erklärung ist mir nicht nur vertraut, sondern ich hab die selbst schon vor mehreren Jahren mal im Forum gebracht (finde den Beitrag leider nicht, da die Suchfunktion seit der letzten Umstellung ja eher einem Glücksrad gleicht als sonstwas) und auch in diesem Faden schon anklingen lassen. Nur hab ich in den letzten Jahren angefangen, sie anzuzweifeln, weil öfter mal berichtet worden ist, dass die Polizei viele Vergewaltigungsmeldungen nicht ernst nimmt. Das hat für mich nicht zusammengepasst.
Wär aber natürlich froh, wenn sie doch stimmt.
 
Natürlich können einzelne erwachsene Frauen sich freien Willens prostituieren, was ist das für eine Frage?
Die Masse der Frauen und Mädchen aber wird NICHT freiwillig in dieser Situation sein und zwar weltweit.
Das ist erstmal eine Behauptung. Sie kann als solche stimmen oder auch nicht. Da du dir nicht die Mühe machst, irgendeinen überprüfbaren Hinweis zu geben, wie du zu dieser Einschätzung kommst, ist die Aussage für mich halt bloss deine Meinung. Was völlig okay ist, aber eben nichts, was mich nun besonders interessiert, weil es ja auf diesem Planeten ganz viele Meinungen über ganz viele Dinge gibt. Damit sie mich zu interessieren beginnt, benötige ich schon irgendwelche verlässlicheren Dinge als Meinungen.

Hingegen zu sagen, etwas sei "offensichtlich" und brauche keine Wissenschaftichkeit ist eine Bankrotterklärung an jede Wissenschaft. Da könnte ja jede/r ganz vieles behaupten, beispielsweise könnte ich behaupten, dass Österreicher im Durchschnitt dümmer seien als Schweizer. (Stimmt vermutlich nicht, aber hey, nachweisen braucht's ja niemand, irgendeinen wissenschaftlichen Nachweis braucht's ja auch nicht, und es werden vermutlich genügend Schweizer zu finden sein, die das sofort unterschreiben würden. Ich könnte auch das Durchschnitteinkommen von Österreichern versus Schweizern als "Beweis" heranziehen und behaupten, es sei ja bekannt, dass intelligente Menschen mehr verdienen als eben dumme Menschen, und die Schlüsse seien deshalb ja völlig offensichtlich. Was natürlich vollkommener Quatsch wäre.) Oder ich könnte behaupten, die Covid-19 Impfung wirke gar nicht, wer braucht denn schon Wissenschaft? Ich könnte auch behaupten, den Klimawandel gäbe es ja gar nicht, wir sollten endlich aufhören damit zu versuchen, unseren CO2 Ausstoss zu reduzieren, das sei bloss schädlich. Ich meine, hey, wozu denn irgendwas mit solider Wissenschaft untermauern, wenn wir auch fröhlich hier im Forum ohne Wissenschaft auskommen können, und uns ganz einfach auf "unser natürliches Gefühl" verlassen können?

Im übrigen, mal so als Gegenpunkt zu irgendwelchen Verbänden, die sich für eine Kriminalisierung der Prostitution einsetzen (sei es nun auf Seiten der Prostituierten oder der der Freier): Amnesty International setzt sich für eine Entkriminalisierung der Prostitution ein, genauso wie das Global Network of Sex Work Projects. Die interessante Frage ist, warum diese beiden Organisationen eine solche Position vertreten.
 
Und hier kommen endlich mal Prostituierte selbst zu Wort. Da gibt es eine ganze Menge, was diese Menschen zu sagen haben, es lohnt sich, erstmal einfach zuzuhören und sie in dem ernst zu nehmen, was sie sagen.

 
Ein Beispiel.

Kira, eine Sexarbeiterin aus Schweden:
My name is Kira and I am a sex worker from Sweden and a member of Red Umbrella Sweden. In Sweden sex work is not seen as decent work. In fact, it’s not seen as work at all. Instead, sex workers are seen as victims without agency who can’t take care of ourselves. Police make “rescue” raids at our workplaces against our own will. If you have children, your custody will be questioned by social services. This has happened to many of my colleagues and it has happened to me. This also leads to a lot of stigma around sex work. We don’t need to be rescued! What we need is the same rights as any other working people.
Hier meine Übersetzung, damit auch die Nicht-Englischmächtigen verstehen, was hier gesagt wird:
Mein Name ist Kira, und ich bin eine Sexarbeiterin aus Schweden und ein Mitglied von Red Umbrella Schweden. In Schweden wird Sexarbeit nicht als anständige Arbeit angesehen. Tatsächlich wird sie gar nicht als Arbeit gesehen. Stattdessen werden Sexarbeiter/innen als Opfer ohne Eigenwillen [Englisch: Agency, ungefähr: eigener Wille, Wirkkraft, Wirkmächtigkeit] betrachtet, welche nicht für sich selbst sorgen können. Die Polizei veranstaltet "Rettungseinsätze" [Englisch Raid kann auch bedeuten: Überfall, jedenfalls ist ein Raid i.a. unangekündigt und plötzlich] an unseren Arbeitsplätzen gegen unseren eigenen Willen. Falls du Kinder hast wird dein Sorgerecht vom Sozialdienst infrage gestellt. Dies ist vielen meiner Kolleginnen passsiert, und es ist auch mir passiert. Dies führt zu einer Menge an Stigmata in Bezug auf Sexarbeit. Wir brauchen nicht gerettet zu werden! Was wir brauchen sind die gleichen Rechte wie alle anderen arbeitenden Menschen.

Gemäss der Logik, die hier von verschiedenen Seiten vertreten wurde, ist diese Kira kein Mensch, welcher tatsächlich meint, was sie sagt. Entweder, so die Logik, wird sie von irgendwem unter Druck gesetzt, sowas zu sagen, oder aber sie ist aus irgendwelchen Gründen aus der Vergangenheit traumatisiert oder sonstwie geistig oder emotional krank, so dass es nicht sein kann, das sie das wirklich ernst meint, was sie behauptet.

Ich nehme Kiras Aussage erstmal einfach genau so, wie sie sie sagt. Ich habe erstmal keinen Grund anzunehmen, dass sie etwas anderes meint, als das, was sie sagt. Ob sie damit glücklich ist, mit dem, was sie tut, das weiss ich erstmal nicht. Aber ich mute mir nicht an, dass ich es besser wisse als sie selbst. Und ich finde es äusserst befremdlich, dass das andere hier so ganz offensichtlich anders sehen, dass sie also offenbar besser über Kira Bescheid wissen als Kira selbst. Notabene ist Kira sogar Mitglied von Red Umbrella, einer Organisation, die sich für die Rechte von Sexarbeiterinnen einsetzt. Man darf also davon ausgehen, dass Kira nicht bloss informiert ist über ihre Rechte, sondern dass sie sich sogar mit anderen Sexarbeiterinnen austauscht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Und hier kommen endlich mal Prostituierte selbst zu Wort. Da gibt es eine ganze Menge, was diese Menschen zu sagen haben, es lohnt sich, erstmal einfach zuzuhören und sie in dem ernst zu nehmen, was sie sagen.
Aber guck sie dir doch mal an - hör ihnen beim Sprechen zu - schau auf ihre Augen!
Wirken die glücklich? Die wirken doch alle verhärmt und resigniert!

Ein paar Videos lassen sich bald mal drehen.......
 
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