Institut für Psychologie, Lehrgebiet Klinische und Gesundheitspsychologie
Narzißtische Persönlichkeitsstörung
Deskriptive
Merkmale
narzißtischer
Persönlichkeiten:
(nach: Kohut, H. (1973):
Narzißmus)
Ad 3: Und weil schließlich die Getrenntheit vom
Objekt in der Spiegelübertragung im engeren
Sinne kognitiv am deutlichsten entwickelt ist,
sind objektbezogene Inhalte hier am
häufigsten. Das Objekt ist jedoch selbst hier
noch mit narzißtischer Libido besetzt, und es
wird nur insoweit darauf reagiert, als es zur
Aufrechterhaltung der narzißtischen
Homöostase beiträgt (oder diese
beeinträchtigt). (S. 148)
pathologischer Narzißmus,
1975, dt. 1978, Kap. 8)
- Patienten, deren Hauptproblem in einer Störung ihres
Selbstwertgefühls im Zusammenhang mit spezif.
Störungen in ihren Objektbeziehungen besteht
= pathologischer Narzißmus
-in der Regel sozial gut angepaßt und
funktionstüchtig, Impulskontrolle besser ausgebildet
als bei infantilen Persönlichkeiten
-Widerspruch zwischen einem aufgeblähten
Selbstkonzept und gleichzeitig einem maßlosen
Bedürfnis nach Bestätigung. Gefühlsleben seicht,
wenig Empathie für die Gefühle anderer und im
Grunde wenig Freude am Leben; leiden unter
Langeweile, sobald die äußere Fassade ihren Glanz
Narzißtische Persönlichkeitsstörung
Deskriptive
Merkmale
narzißtischer
Persönlichkeiten:
-starker (unbewußter) Neid auf andere
-Tendenz, andere Menschen zu idealisieren und zu
entwerten, von denen keine narzißtischen
Gratifikationen zu erwarten sind
-
Beziehungen sind ausbeuterisch, parasitär:
Anspruch, über andere Menschen ohne jegliche
Schuldgefühle zu verfügen, sie zu beherrschen und
auszunutzen.
-hinter charmanter Fassade etwas Kaltes,
Unerbittliches
-völlig außerstande, eine echte Abhängigkeit zu
entwickeln
-Arroganz = Abwehr gegen paranoide Tendenzen, die
mit der Projektion oraler Wut zusammenhängen
Narzißtische Persönlichkeitsstörung
Deskriptive
Merkmale
narzißtischer
Persönlichkeiten:
-Unvermögen, sich auf gute verinnerlichte Objekte zu
verlassen
-mangelhafte Gefühlstiefe und mangelnde
Differenzierung des Gefühlslebens: die Emotionen
flackern rasch auf und flauen gleich wieder ab.
-Fehlen echter Gefühle von Traurigkeit, Sehnsucht,
Bedauern. Auch bei depressiver Reaktion mehr Wut,
Empörung, Rachebedürfnis.
-trotz teilweise beachtlicher Erfolge Oberflächlichkeit
und Flüchtigkeit in ihrer Arbeit und ein Mangel an
Tiefe
-Überraschend zeigt sich oft in der Behandlung eine
tiefe Regressionsneigung
-Kernberg geht davon aus, daß wir es
(auch) bei narzißtischen
Persönlichkeiten mit einer
Wiederverschmelzung verinnerlichter
Selbst- und Objektimagines zu tun
haben, die aber hier auf einer
Entwicklungsstufe eintritt, auf der die
Ichgrenzen bereits stabilisiert sind.
Die normalerweise bestehende Spannung
zwischen Real-Selbst einerseits, Ideal-Selbst und
Ideal-Objekt andererseits, wird aufgehoben, indem
ein aufgeblähtes Selbstkonzept durch
Verschmelzung von Realselbst-, Idealselbst- und
Idealobjekt-Repräsentanzen errichtet wird,
innerhalb dessen die einzelnen Anteile nicht mehr
voneinander unterschieden sind. Inakzeptable
Selbstanteile, die sich in dieses grandiose
Selbstkonzept nicht einschmelzen lassen, werden
verdrängt und zum Teil auf äußere Objekte
projiziert, die dafür entwertet werden
Wesentliches Merkmal sind weiterhin die
Entwertung und Auslöschung von Objekten und
zwar nicht nur äußeren Objekten, sondern auch
verinnerlichten Objektimagines. ... Die
verbliebenen Reste verinnerlichter Objektrepräsentanzen
zeigen Merkmale realer Personen,
die aber leblos und schattenhaft wirken.
Typisch ist dann auch für narzißtische Persönlichkeiten,
daß andere Menschen soweit sie nicht
gerade idealisiert werden überwiegend wie leblose
Schatten oder Marionetten erlebt werden.
⇒
... reines Ausnutzungsverhältnis wie man
eine Zitrone ausquetscht und den Rest
wegwirft. D.h., andere Menschen gehören
entweder in die Kategorie derer, die noch
etwas an Nahrung zu enthalten scheinen,
was man aus ihnen herausquetschen kann,
oder sie sind bereits ausgequetscht und daher
wertlos.
⇒Einstellung den anderen Menschen
gegenüber entweder bewundernd, wobei sie
eigentlich in den anderen eher sich selbst
bewundern, oder verächtlich oder ängstlich.
⇒Tief abgewehrt findet sich die basale
Beziehungskonstellation eines
ausgehungerten, wütenden innerlich
leeren Selbst in seinem
ohnmächtigen
Zorn über die ihm zugefügten
Frustrationen und in ständiger Furcht
vor der Welt der anderen, die der
Patient als genauso haßerfüllt und
rachsüchtig empfindet wie sich
selbst.
M. Heine
⇒Oft werden die Menschen in 2 Kategorien
aufgeteilt: einerseits die berühmten, reichen,
bedeutenden Menschen und auf der anderen
Seite der verächtliche und wertlose
Durchschnitt, das Mittelmaß. Solche
Patienten fürchten dauernd, es könnte sich
herausstellen, daß sie auch nur mittelmäßig
sind, ...., praktisch gleichbedeutend mit einer
wertlosen und verachtungswürdigen Existenz
⇒Die größte Angst dieser Patienten ist es,
von irgendeinem anderen Menschen abhängig
zu sein, denn Abhängigkeit bedeutet Haß, Neid
und die Gefahr, vom anderen ausgenutzt,
rücksichtslos behandelt und frustriert zu
werden. In der Behandlung solcher Patienten
richtet sich ebenfalls die hauptsächliche
Abwehr gegen eine mögliche Abhängigkeit
vom Analytiker, denn sobald der Patient
wirklich fühlt, daß er überhaupt einen anderen
Menschen braucht, ist er wieder mit der
bedrohlichen Grundsituation seiner Kindheit
konfrontiert (Rosenfeld, 1994). (S. 270)
⇒Daß sie Abhängigkeit von anderen nicht ertragen
können, ist überhaupt ein ganz zentrales
Kennzeichen narzißtischer Persönlichkeiten. Sie
haben zwar häufig ein Idol oder sonst eine
herausragende Persönlichkeit, die sie bewundern
und zu der sie in einem Verhältnis stehen, das bei
oberflächlicher Betrachtung wie eine
Abhängigkeitsbeziehung erscheinen mag; in
Wirklichkeit aber erleben sie sich selbst als Teil
dieser bewunderten Person bzw. sie erleben diese
Person nur als eine Erweiterung ihrer selbst, wie die
Analyse regelmäßig erweist. Erfahren sie dann von
dieser Person eine Zurückweisung, so reagieren sie
mit Haß, Furcht und Entwertung des früheren Idols.
⇒
Kurz gesagt: zu diesen bewunderten Personen
besteht gar keine wirkliche Objektbeziehung,
sondern sie werden einfach nur narzißtisch benutzt.
... Wenn narzißtische Persönlichkeiten selber
objektiv bedeutende Positionen - ... innehaben, so
umgeben sie sich gern mit Bewunderern, ... Sobald
die benötigte Bewunderung >>ausgesogen<< und
nicht mehr zu erwarten ist, werden die eben noch
hofierten Anhänger wieder zu >>schattenhaften
Existenzen<<, die ausgenutzt und rücksichtslos
behandelt werden. Versucht aber einer dieser
>>Sklaven<<, sich etwa zu befreien, so reagiert der
Narzißt aufs äußerste beleidigt. (S. 271)
⇒Gefühle von innerer Leere und Langeweile, worüber
diese Patienten häufig klagen, hängen wesentlich mit ihrer
verkümmerten Ichentwicklung zusammen, vor allem mit
ihrer Unfähigkeit, Depression zu erleben. Viele Autoren
haben bereits darauf hingewiesen, daß die Fähigkeit,
Depression zu ertragen die ja eng verbunden ist mit der
Fähigkeit, über den Verlust eines guten Objekts oder auch
eines Idealselbstanteils zu trauern -, eine wichtige
Voraussetzung für die emotionale Entwicklung und
besonders für die Verbreiterung und Vertiefung des
Gefühlslebens darstellt. Hinzu kommt die Entwertung
äußerer und innerer Objekte, die bei diesen Patienten mit
pathologischem Narzißmus ständig alle Beziehungen ihrer
Bedeutung entleert und damit das innere Leeregefühl noch
verstärkt. (S. 272)
⇒Das ist eben die Tragik dieser
Menschen, daß sie so bedürftig sind
und so viel von anderen brauchen,
aber das, was sie bekommen, gar nicht
anerkennen können, weil es sie sonst
zu neidisch machen würde; deshalb
fühlen wir uns ja immer von ihnen so
ausgewrungen und entleert. (
Folgende Thesen Kernberg´s:
1. Die narzißtischen Widerstände von
Patienten mit narzißtischer
Persönlichkeitsstruktur spiegeln
einen pathologischen Narzißmus
wider, der sich sowohl vom
gewöhnlichen Narzißmus des
Erwachsenen als auch von der
Fixierung auf den ( oder der
Regression zum) normalen kindlichen
Narzißmus unterscheidet.(S. 310
Folgende Thesen Kernberg´s:
2. Pathologischer Narzißmus kann nur mit Hilfe einer
kombinierten Analyse der Schicksale libidinöser
und aggressiver Triebabkömmlinge verstanden
werden. Denn ein pathologischer Narzißmus
spiegelt nicht nur die libidinöse Besetzung des
Selbst im Gegensatz zur libidinösen Besetzung der
Objekte wider, sondern bedeutet vor allem
libidinöse Besetzung einer pathologischen
Selbststruktur. Diese wiederum erfüllt Abwehrfunktionen
gegen tieferliegende libidinös und
aggressiv besetzte primitive Selbst- und
Objektimagines, die in heftige, vorwiegend
prägenitale, um Liebe und Haß kreisende Konflikte
verwickelt sind. (S. 310)
Qualitative Unterschiede zwischen
infantilem und pathologischem Narzißmus:
1. Die Größenphantasien normaler Kleinkinder, .... ,
sind bei weitem realitätsgerechter, als dies bei
narzißtischen Persönlichkeiten der Fall ist.
2. Neben überschießenden Reaktionen auf Kritik,
Mißerfolg und Schuld findet man bei kleinen
Kindern immer gleichzeitig auch Äußerungen von
echter Liebe, Dankbarkeit und Interesse für andere
Menschen, sobald die Kinder nicht unter dem
Druck von Versagungen stehen, und vor allem eine
bemerkenswerte Fähigkeit, sich vertrauensvoll von
wichtigen Objekten abhängig fühlen zu können..
3. Normaler infantiler Narzißmus zeigt sich in der
Anspruchshaltung des Kindes, die sich auf
reale Bedürfnisse bezieht, während der
pathologische Narzißmus sich in
übermäßigen und unerfüllbaren Ansprüchen
ausdrückt, die sich regelmäßig als Folge einer
inneren Zerstörung der von außen erhaltenen
Zufuhr erweisen. (S. 310)
4. Die Kälte und die abweisende Haltung von Patienten mit
pathologischem Narzißmus, sobald sie ihren Charme nicht zur
Geltung bringen können, ihre Tendenz zur Mißachtung anderer
Menschen
sofern diese nicht gerade als potenzielle Quellen
narzißtischer Zufuhr vorübergehend idealisiert werden und die in
den meisten ihrer Beziehungen so überwiegende Verachtung und
Entwertung des Objekts stehen in ausgeprägtem Gegensatz zur
lustvollen Selbstbezogenheit eines kleinen Kindes. Verfolgt man
diese Beobachtung während der Analyse narzißtischer Patienten
in ihre Vorgeschichte zurück, so entdeckt man bei ihnen schon
vom zweiten oder dritten Lebensjahr an einen auffälligen Mangel
an normaler Wärme und Verbindlichkeit im Umgang mit anderen
und eine leicht aufflammende Zerstörungswut und Unbarmherzigkeit,
die bereits als pathologisch gelten müssen. (S. 311)
M
(3) in den manifesten Charaktermerkmalen: Mangel
an Humor, Mangel an Einfühlung für die
Bedürfnisse und Gefühle anderer, Mangel an
Gefühl für die rechten Proportionen, Neigung zu
unkontrollierten Wutausbrüchen, Pseudologie;
Obwohl diese Beschwerden und
Syndrome in der Tat häufig bei
narzißtischen Persönlichkeiten
auftreten ....., beruht das
entscheidende diagnostische
Merkmal nicht auf der Bewertung der
angebotenen Symptomatik und auch
nicht der Lebensgeschichte, sondern
auf dem Wesen der spontan sich
entwickelnden Übertragung.
Das Gleichgewicht des primären Narzißmus wird
durch die unvermeidlichen Begrenzungen
mütterlicher Fürsorge gestört, aber das Kind
ersetzt die vorherige Vollkommenheit (a) durch
den Aufbau eines grandiosen und exhibitionistischen
Bildes des Selbst: das Größen-
Selbst; und (b) indem es die vorherige
Vollkommenheit einem bewunderten,
allmächtigen (Übergangs-) Selbst-Objekt
zuweist: der idealisierten Eltern-Imago. (
Sie ist der Zustand, in dem die Psyche, nachdem sie eine Störung
des Gleichgewichts des primären Narzißmus erleiden mußte,
einen Teil des verlorenen Erlebens der umfassenden narzißtischen
Vollkommenheit dadurch zu retten versucht, daß sie diese
einem archaischen, rudimentären (Übergangs-)Selbst-Objekt
zuschreibt, der idealisierten Elternimago. Da alle Vollkommenheit
und Stärke jetzt in dem idealisierten Objekt liegen, fühlt das Kind
sich leer und machtlos, wenn es von ihm getrennt ist, und es
versucht deshalb, dauernd mit ihm vereint zu bleiben.
Naja... usw. ... usf...
Hier:
http://iranique.de/cherie/Threads & Artikel/Pathologischer Narzissmus.pdf