Zur Abwechslung mal was historisches zu einem schwachen Mann: Giacomo Casanova lebte nicht nur ein Leben als Hochstapler und Betrüger, nein in vielen Herrenhäusern war er gern gesehener Gast und als Freimauerer 1750 in Lyon beigetreten befasste er sich auch mit Esoterik, durfte seinerzeit auch vom Papst abgesegnet verbotene Bücher lesen etc. Auch mit einer geregelten Arbeit in einigen Künsten konnte er sein Geld verdienen, was ihm jedoch nicht sonderlich lag...er wollte immer ein bisschen höher hinaus und hat auch gern Familienverhältnisse höherer Herkunft erfunden, um sich einen Vorteil zu verschaffen.
Er hat so ziemlich alle verarscht, den Hof, die Kirche, die Frauen und letzlich auch sich selbst, stets auf der Flucht vor sich selbst seinem Betrug und seinen Verfolgern.
Sozialgechichtlich betrachtet weiß man, daß die Schilderungen seiner Liebschaften anders abgelaufen sind, als dargestellt...
Nicht Casanova hat die Mädls klargemacht, sondern andersrum...er war sowas wie der Spielball, der nie Nein sagen konnte.
Schwer verliebt in Marie Charpillon auf seiner Europareise, aber nicht gelandet, hätte ihn sein Liebestaumel benahe in den Selbstmord getrieben...heute gibts dafür ein Krankheitsbild, wenn jemand mit Ablehnung nicht umgehen kann xD
Im Alter nach Wien gereist wurde Casanova eine Stelle als Bibliothekar auf Schloss Dux angeboten. Casanova hat sich hierbei ständig mit anderen Schloßbewohnern gezofft...Casanovas Altersteilzeitjob-Gönner Graf von Waldstein hatte einen Onkel, und jener Fürst de Ligne beschreibt das Zusammenleben mit Casanova in etwa so:
„Es gab keinen Tag, an dem er sich nicht über seinen Kaffee, seine Milch oder den Teller Makkaroni beschwerte, den er täglich verlangte … Der Graf hatte ihm nicht als erster guten Morgen gewünscht. Die Suppe war ihm absichtlich zu heiß serviert worden. Ein Diener hatte ihn auf ein Getränk warten lassen. Er war einem berühmten Besucher nicht vorgestellt worden … Der Graf hatte ein Buch verliehen, ohne ihn davon zu verständigen. Ein Diener hatte nicht den Hut gezogen, als er an ihm vorüberging … Er hatte seine französischen Verse vorgezeigt, und jemand hatte gelacht. Er hatte gestikuliert, als er italienische Verse vortrug, und jemand hatte gelacht. Er hatte beim Betreten eines Raumes die Verbeugung gemacht, die ihm von dem berühmten Tanzlehrer Marcel vor sechzig Jahren beigebracht worden war, und jemand hatte gelacht.“
– Charles de Ligne:
Fragment sur Casanova
Selbst würde ich es als Schwäche bei einem Mann betrachten, wenn er prinzipiell zwar dazu fähig ist, eine Frau zu anfangs leicht um den Finger zu wickeln, der Tiefgang aber ausbleibt...
https://www.psychologie-heute.de/ph-compact/detailansicht/news/liebe_braucht_tiefgang/
Narzismus ist zwar behandelbar, das Problem aber besteht darin, daß dieser Persönlichkeitstyp so gut wie nie den Weg zum Therapeuten findet...er selbst leidet ja nicht unter seiner Krankheit, sondern stets nur alle anderen...so ist das auch, wenn man tot ist...selbst leidet man nicht darunter...und ganz ähnlich verhält es sich auch mit der Dummheit xD Wie auch immer...der Wandel des Lebens geht viele Wege...
Mögen alle Wesen glücklich sein!
Amituofo, Tiger