Auszug aus
http://www.welt.de/wissenschaft/article5804911/Pflanzen-besitzen-eine-besondere-Intelligenz.html
Demnach haben Pflanzen zwar kein Nervensystem, bedienen sich aber für die Außenwahrnehmung durchaus ähnlicher Hilfsmittel wie Mensch und Tier: mit elektrischen Signalen.
Eine Pflanze kompensiert das durch Feinfühligkeit. "Stellen Sie sich vor, Sie seien eine Butterblume. Sie können nicht weglaufen, deshalb müssen Sie genau verfolgen, was in Ihrer Umgebung passiert", sagt der Bonner Botaniker Frantisek Baluska, "Sie brauchen ganz besonders feine Sinne, um zu erfassen, was um Sie herum passiert." Der feinfühligste Teil des Grüns sitzt in der Wurzel. "Eine einzelne Wurzelspitze misst in jeder Sekunde Schwerkraft, Licht, Nährstoffe und Gifte", sagt Baluska. Im Bonner Maislabor zeigte sich, dass die Pflanzenwurzel innerhalb von Sekunden ihre Wuchsrichtung ändern kann, sobald sie im Boden auf Gift stößt oder sich ihre Position im Blumentopf ändert. Aber Gift und Schwerkraft ist nicht das Einzige, was eine Pflanze interessiert.
"Jede einzelne Pflanzenzelle hat eine Membran, die empfindlicher ist als das menschliche Hörorgan", schreibt Scheppach in seinem Buch.
Genauso lieben Pflanzen es, gestreichelt zu werden. Etwa zehn Jahre ist es her, da entdeckten amerikanische Forscher "Touch-Gene", also Berührungsgene. Werden diese Gene aktiviert, ändert die Pflanze ihre Wachstumsrichtung: Statt in die Höhe zu schießen, legt sie mehr und mehr an Breite zu. Der Versuch in den texanischen Labors der Pflanzengenetikerin Janet Braam war so schlicht, dass ihn jeder in der Küche nachstellen kann: zwei Blumentöpfe, in jedem wächst ein Bohnen- oder wie bei den Texanern ein Senfpflanzenspross. Der eine wird gestreichelt, massiert, liebkost, am besten mindestens viermal täglich, der andere wird zwar regelmäßig gegossen, aber ansonsten ignoriert. Das Ergebnis: Das gestreichelte Pflänzchen wächst kurz und dick, während das missachtete in die Höhe schießt wie ein U-Boot-Periskop.
Und was ist mit liebevollem Geplauder? Einer Umfrage zufolge spricht jede vierte Frau mit ihren Zimmerpflanzen, bei den Männern sind es nur fünf Prozent, der Prominenteste von ihnen ist Prinz Charles. Tut Pflanzen dieser akustische Zuspruch gut? Das bayerische Forschungsinstitut Weihenstephan ist dieser Frage nachgegangen. Neben einem "guten Morgen, liebe Tomaten" wurden die Pflänzchen mit reichlich gutem Zureden bedacht und brachten offenbar durchschnittlich einen Mehrertrag von 500 Gramm. Lässt sich das erklären? Die Forscher sind bis heute ratlos.