Selbstidentifikation

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Im Grunde hast du Recht, dennoch beziehe ich es auf die Kunst, welche sich in Werken ausdrückt die eine Ewigkeit überdauern können. Wenn wir z.b sterben, bleibt nicht viel in dieser Welt von unserer Existenz übrig, ein Bild, Gedicht oder auch ein komponiertes Lied jedoch ist sowas wie ein konservierter Fussabdruck den wir hinterlassen. Viele Künstler wurden so erst nach ihrem Tode berühmt und ich denke sie werden sich freuen, sollten sie erfahren, dass sie noch ihrer Nachwelt in Gedanken bleiben aufgrund ihrer geschaffenen Werke.

Darum empfinde ich es als schlimm, wenn die Kunst "verkümmert", weil man ihrer nicht mehr gedenkt oder sie schafft. ;)

Die Kurzlebigkeit unserer Kunst liegt aber eigentlich primär in den verwendeten Werkstoffen. Wir haben ja sehr viel Kunst (rechnet man z.B. auch Architektur dazu, im Vergleich zu den antiken Bauwerken). Aber selbst Beton überdauert kaum 200 Jahre. Holz/Glas/Stahl ist noch viel schlimmer.
Selbst die Familienfotos machen wir heute mit digitaler Speichertechnik zum Wegwerfprodukt, weil sie einfach ggf. meistens sogar noch innerhalb der Lebenszeit der jeweiligen Personen einfach kaputt sind (DVD Lebensdauer < 20 Jahre!, VHS etwa 10 Jahre, Festplatten bis zum Crash ... auch < 20 Jahre).

Wie viel blieb uns von der Kunst früherer Generationen? Auch sie haben ungeheuer viele verrottende Werkstoffe verwendet. Ausser steinernen Standbildern, Bauwerken aus Stein, Werken aus Gold und einigen kurzfristigen (<2000 Jahre) Kunstwerken ist uns da doch von ihrem Kusthandwerk auch kaum etwas geblieben.

Im Prinzip überlebt jeder Mensch sowieso ... denn er ist ja Teil seiner Zeit, und damit ein (wenn auch nur Milliardstel) Rädchen in der Erdgeschichte,mit dessen Hilfe die Menschheit einen gewissen Entwicklungsweg genommen hat. Und nicht jeder ist ein Führer oder Künstler, der in die Geschichte eingeht. Also bleibt im Endeffekt von einem durchsnittlichen Menschen sowieso kaum etwas übrig.

Es ist natürlich eine sehr wichtige Sache, um dem eigenen Leben irgendeinen Sinn zu geben ... nur finde ich hier das Ziel etwas Bleibendes zu schaffen etwas vermessen ... weil die Chance einfach zu gering ist. Die beste Möglichkeit die jeder hat ist noch in seinen Kindern weiterzuleben.

Ich finde ich Variante besser, sich auf das Leben im hier und jetzt zu konzentrieren, denn das ist unser eigenes Leben, das uns geschenkt wurde. Es hat für mich wenig Sinn, für jemand anderen zu leben, etwas zu hinterlassen, von dem ich nicht einmal weiss, wie wertschätzend von künftigen Generationen damit überhaupt umgegangen wird.
 
Interessantes Thema, und interessant finde ich auch, wie der Titel gewählt ist. Ich habe mir in letzter Zeit oft Gedanken gemacht,wie es zur Selbstidentifikation kommen könnte, und dies mal in Abgrenzung zu dem, was man psychologisch gesehen als Ich-Identifikation bezeichnen würde.

Eine solche ist ja ein ganz natürlicher Prozess, der entwicklungspsychologisch erklärbar ist. Wo wären wir denn hingekommen, hätten wir uns nicht von klein auf als ICH erfahren, abgrenzen, ausdrücken, und eben entwickeln können.

Nicht ganz von klein auf, denn die Selbstindentifikation besteht erst etwa ab dem 3. Lebensjahr. Vorher ist die Identifikation mit der Bezugsperson (meistens einem Elternteil) sehr eng (graduell mit dem Alter fallend).

Ich finde, die Frage ist dann aber auch, warum, wie und wann im Laufe der Zeit sowas wie Überidentifikationen entstehen, was man wohl auch die Anhaftungen nennen könnte.

Wie könnte so eine Überidentifikation aussehen?

Und weiter könnte man sich fragen, inwieweit solche Überidentifikationen das Selbst betreffen, bzw. mit diesem verwickelt sind.
Da klingt Ent-wicklung dann auch richtig stimmig, find ich.

Das sehe ich nicht so. Das ICH ist ja alle meine gesamte Geschichte, meine Werte, mein Können, meine Erfahrung. Das was Programmiert wird sind immer nur Werte. Und damit auch das Einzige was sich entwickelt, aus der Erfahrung oder dem zeitlich unbegrenzten Lernen heraus. Und damit verändert sich natürlich auch die Identifikation, wer und wie ich bin (wobei wir da noch den Unterschied zwischen Selbst- und Fremdbild haben), die ICH-Identifikation mappt hier ja eher auf das Selbstbild.
 
Nicht ganz von klein auf, denn die Selbstindentifikation besteht erst etwa ab dem 3. Lebensjahr. Vorher ist die Identifikation mit der Bezugsperson (meistens einem Elternteil) sehr eng (graduell mit dem Alter fallend).



Wie könnte so eine Überidentifikation aussehen?



Das sehe ich nicht so. Das ICH ist ja alle meine gesamte Geschichte, meine Werte, mein Können, meine Erfahrung. Das was Programmiert wird sind immer nur Werte. Und damit auch das Einzige was sich entwickelt, aus der Erfahrung oder dem zeitlich unbegrenzten Lernen heraus. Und damit verändert sich natürlich auch die Identifikation, wer und wie ich bin (wobei wir da noch den Unterschied zwischen Selbst- und Fremdbild haben), die ICH-Identifikation mappt hier ja eher auf das Selbstbild.


Ja, stimmt, nicht von ganz klein auf. Ich wollte einfach sagen, dass dies ziemlich früh im Leben beginnt.

Also bei mir war das so, dass ich lange Zeit an Werten festhielt, die mir im Leben nur wenig nützten, und ich denke, das beruht auf Kompensation von gewissen Defiziten aus der Kindheit.
Gut ist, dass man ja lernfähig bleibt, wenn man will! (y)

Ja stimmt, kann ich auch so sehen mit dem Selbstbild und dem Fremdbild. Das ist eine gute Erklärung für meine Fragen, danke.
 
Interessantes Thema, und interessant finde ich auch, wie der Titel gewählt ist. Ich habe mir in letzter Zeit oft Gedanken gemacht,wie es zur Selbstidentifikation kommen könnte, und dies mal in Abgrenzung zu dem, was man psychologisch gesehen als Ich-Identifikation bezeichnen würde.

Eine solche ist ja ein ganz natürlicher Prozess, der entwicklungspsychologisch erklärbar ist. Wo wären wir denn hingekommen, hätten wir uns nicht von klein auf als ICH erfahren, abgrenzen, ausdrücken, und eben entwickeln können.

Ich finde, die Frage ist dann aber auch, warum, wie und wann im Laufe der Zeit sowas wie Überidentifikationen entstehen, was man wohl auch die Anhaftungen nennen könnte.

Und weiter könnte man sich fragen, inwieweit solche Überidentifikationen das Selbst betreffen, bzw. mit diesem verwickelt sind.
Da klingt Ent-wicklung dann auch richtig stimmig, find ich.
Man kann es behelfsweise als ein Spiel Gottes bezeichnen, welcher sich selbst erfahren will (siehe Kabbalah) eine Beschreibung des werdenden Ichs und seiner Heimkehr ist ‚Der verlorene Sohn ‚ oder auch die Vertreibung aus dem Paradies. Du kannst das auf der Ebene der Menschheitsgeschichte finden und auch in der persönlichen Geburt und Sterben. Menscheitsgeschichtlich stehen wir bereits auf dem Rückweg, allerdings ergeben sich dabei Extreme durch den Widerstand des Alten. Auf der anderen Seite häufen sich die Fälle, wo Identifizierung aufgegeben wurde (beispielsweise Eckhart Tolle und seine stark anwachsenden Kollegen und Kolleginnen). Das waren in in den letzten Jahrhunderten absolute Ausnahmefälle. Im Mittelalter trat es allerdings auch gehäuft auf, so dass ich nicht sicher bin, ob es nur „hoch“ geht, oder es eher kollektive Wellenbewegungen sind.
 
Man kann es behelfsweise als ein Spiel Gottes bezeichnen, welcher sich selbst erfahren will (siehe Kabbalah) eine Beschreibung des werdenden Ichs und seiner Heimkehr ist ‚Der verlorene Sohn ‚ oder auch die Vertreibung aus dem Paradies. Du kannst das auf der Ebene der Menschheitsgeschichte finden und auch in der persönlichen Geburt und Sterben. Menscheitsgeschichtlich stehen wir bereits auf dem Rückweg, allerdings ergeben sich dabei Extreme durch den Widerstand des Alten. Auf der anderen Seite häufen sich die Fälle, wo Identifizierung aufgegeben wurde (beispielsweise Eckhart Tolle und seine stark anwachsenden Kollegen und Kolleginnen). Das waren in in den letzten Jahrhunderten absolute Ausnahmefälle. Im Mittelalter trat es allerdings auch gehäuft auf, so dass ich nicht sicher bin, ob es nur „hoch“ geht, oder es eher kollektive Wellenbewegungen sind.

Das Spiel Gottes gefällt mir, und genügt mir völlig als Metapher, die eine Leichtigkeit bringt, zu der das Ich allein meiner Erfahrung nach nicht fähig ist.

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind...
 
Man kann es behelfsweise als ein Spiel Gottes bezeichnen, welcher sich selbst erfahren will (siehe Kabbalah) eine Beschreibung des werdenden Ichs und seiner Heimkehr ist ‚Der verlorene Sohn ‚ oder auch die Vertreibung aus dem Paradies. Du kannst das auf der Ebene der Menschheitsgeschichte finden und auch in der persönlichen Geburt und Sterben. Menscheitsgeschichtlich stehen wir bereits auf dem Rückweg, allerdings ergeben sich dabei Extreme durch den Widerstand des Alten. Auf der anderen Seite häufen sich die Fälle, wo Identifizierung aufgegeben wurde (beispielsweise Eckhart Tolle und seine stark anwachsenden Kollegen und Kolleginnen). Das waren in in den letzten Jahrhunderten absolute Ausnahmefälle. Im Mittelalter trat es allerdings auch gehäuft auf, so dass ich nicht sicher bin, ob es nur „hoch“ geht, oder es eher kollektive Wellenbewegungen sind.

Das mit der kollektiven Wellenbewegung ist ein sehr interessanter Gedanke....
 
Interessant übrigens auch - versucht einmal, einen Tag lang auf das Wort ICH zu verzichten. Euch aller Selbstidentifikation oder Meinungsäußerung zu enthalten. Natürlich mitten im Alltag, nicht im Schweige-Seminar.
Knifflig.
Knifflig? Mitnichten!
Ich hab's gemacht und alle haben gefragt, ob ich krank bin...
 
Ja, aber das "Problem" ist nur, für 7 Mrd. andere ist es das.
Wer erkennt das schon, außer einem kleinen Haufen Leute wie wir? Wo bleibt das große Erkennen?
Seit Jahrtausenden bekriegt sich der Mensch, da war das ja letztlich nicht sonderlich erfolgreich.

Identifikation wofür? Man wird geboren, identifiziert, lebt, stirbt. Und dann ist es eh egal, wer man war, außer für die Erinnerung.
Hallo Arcturin, es werden täglich immer mehr Menschen, die sich selbst als Individiuum, wie sie geschaffen wurden, erkennen können. Es wird nicht mehr wichtig, was, wer, wie viel und soweiter hat...höher, weiter, schneller interessiert nicht mehr so, Betriebe fangen an, ihre Mitarbeiter in Meditation zu schicken....das Massenbewusstsein erwacht und langsam fangen die Menschen an, zu begreifen, warum wir wirklich hier sind.

Es geht nicht um das Ego jedes einzelnen, es geht um das Bewusstsein, das Erkennen, dass wir alle miteinander verbunden sind, mit der Natur verbunden sind, mit dem Universum, uns selber einfach erkennen können als das, was wir sind, Bewusstsein....im Auftrag, jede einzelne Facette eines Gedanken leben zu können, sich ausprobieren und wieder zur Einheit zurück zu finden.

Es spielt keine Rolle, ob eine Erinnerung an uns übrig bleibt, warum? Wir kehren zur Einheit zurück und haben von einer Erinnerung eh nichts. Die Menschen, die zurück bleiben, werden sich erinnern wollen, eine Zeit lang, ist ok.
Doch wir leben in der Gegenward, da spielt auch die Vergangenheit keine Rolle mehr.

Lieber Arcturin, Du klingst ein bisschen traurig, so als mache das Leben für Dich nicht mehr unbedingt großen Sinn, wenn Du auf das Ganze schaust? Kann das sein?
Ich kann mich auch total irren...

Alles und Liebe Dir
 
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Wäre ein friedliches Miteinander nicht einfacher, wenn jeder ist, wie er ist, unabhängig davon, wie er sein will und was er möglicherweise schon "erreicht" hat im Leben?
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer:

Ich denke, dass der Mensch sich mit allem gleichsetzen kann, wofür er sich hält, was er zu sein glaubt oder was er gerne wäre.
In der Regel ist dem Menschen seine Identität ja gar nicht bewusst. Stattdessen setzt er sich mit etwas gleich, das er dann als seine Identität definiert.
Abgesehen vom Körper, hat das Ich ja keine feste Form. Was es ist, weiß es zunächst nicht und macht sich vielleicht erst im Kontext von Vergangenheit und dem Jetzt ein Bild davon?

...
 
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