Ruhigstellen von Kindern

Etwas off topic, aber vielleicht auch nicht.... Ich finde es sehr befremdlich, wie viele Menschen einen "Guru" brauchen, wenn das Kind wild ist, zu wenig isst, Probleme beim Einschlafen hat, Probleme damit, sich an Regeln zu halten uvm. Sehr verständlich, wenn die Eltern da Abhilfe suchen. Dass sie es tun, zeigt ja in der Regel, dass sie um das Wohl ihrer Kinder bemüht sind. Leider ist die Gefahr groß, an dubiose Erziehungsratgeber zu gelangen. Die Auswahl ist riesig. Aber es ist so, dass auch schnell dort Erfolge gesehen werden, die tatsächlich das glatte Gegenteil sind. Signalisiert zum Beispiel ein Kind, dass es Angst hat, nachts allein in seinem Zimmer zu bleiben, gibt es manchmal die Empfehlung es konsequent in seinem Zimmer zu lassen, bzw. dorthin zurückzubringen. Dass das Kind nach einiger Zeit nicht mehr weint oder zu seinen Eltern läuft, wird als Erfolg gewertet. Das Kind hat aber oft nur gelernt: Auf meine Eltern ist kein Verlass, wenn ich Angst habe. Die helfen mir nicht. So manche Eltern feiern aber Resignation als Erfolg.

Aber selbstverständlich ist es richtig sich Hilfe zu holen, wenn man selber nicht weiterweiß. Allerdings würde ich zum weitestgehenden Verzicht auf Erziehungsratgeber raten. Das Geld wäre in etwas Nervennahrung oder einen neuen Lippenstift meist besser investiert. Lesenswert finde ich z.B. die Bücher des, leider längst verstorbenem, Wolfgang Bergmann.
 
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Was ist das wohl für eine sache mit diesen kindern? Das scheinbar von der natur verliehene anrecht über das eigene kind zu bestimmen liegt bei den eltern respektive im endeffekt bei der mutter. Dennoch sollte außenstehenden, seien es bekannte, institutionen oder meinetwegen irgendwelche gurus, die für das kindeswohl erwiesenermaßen bessere vorschläge haben, die möglichkeit eingeräumt werden einfluss zu nehmen. Wenn ein kind beispielsweise misshandelt wird gäbe es ansonnsten niemanden an seiner seite.
Demgegenüber steht die ur-angst vor kindeswohlgefährdung durch außenstehende, wie es im thread thematisiert wird. Das erzeugt ein einziges tauziehen um arme kinderseelen die vielleicht nicht mal in der lage sind zu verstehen was um sie geschieht. Das geht seit vielen generationen so und niemand hat bislang eine lösung dafür gefunden.
 
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Etwas off topic, aber vielleicht auch nicht.... Ich finde es sehr befremdlich, wie viele Menschen einen "Guru" brauchen, wenn das Kind wild ist, zu wenig isst, Probleme beim Einschlafen hat, Probleme damit, sich an Regeln zu halten uvm.
Das Problem in diesem Fall ist aber, dass der Winterhoff kein "Guru" ist, sondern ein fertig studierter Psychiater, der Kinder und Jugendliche schlichtweg völlig an der anerkannten Forschung vorbei diagnostiziert und therapiert hat.

Er hat seine Thesen geschickt begründet (Beispiel siehe *hier*), sodass man ihn ernst nahm.
So wurde er von mehreren Medienleuten gehypt, was ihm Bekanntheit einbrachte, und was dazu führte, dass sich so einige Eltern auf ihn verließen. Und DAS nutzte er aus.
Letztlich hat er als anerkannte psychiatrische Autorität seine Macht missbraucht.

P.S.: Mich erinnert dieser Fall an das Milgram-Experiment zur Gehorsamkeitsbereitschaft.
 
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Das Problem in diesem Fall ist aber, dass der Winterhoff kein "Guru" ist, sondern ein fertig studierter Psychiater, der Kinder und Jugendliche schlichtweg völlig an der anerkannten Forschung vorbei diagnostiziert und therapiert hat.

Daher die Anführungszeichen. Ich beziehe mich auf den Part der wegweisenden, wissenvermittelnden und verehrten Person.

Problematisch fand ich bereits seine Bücher, die vor vielen Jahren Bestseller waren. Es stimmte mich nachdenklich und traurig, dass Menschen Werke kauften, in denen Kinder als "Tyrannen" tituliert wurden.
 
Es stimmte mich nachdenklich und traurig, dass Menschen Werke kauften, in denen Kinder als "Tyrannen" tituliert wurden.

Winterhoffs Bücher funktionieren nicht als Anleitung zur Veränderung, sondern als Bestätigung für Eltern, die sich in ihrer autoritären Haltung rechtfertigen wollen. Wenn man sich die Bewerbungen dazu auf diverse Plattformen anschaut....
 
Wir glauben halt an Experten und Titel, um nicht zu sagen, viele beten sie an, gerade in D. Sagt einer, er ist Experte, dann werden die eigenen Kompetenzen ausgeschaltet.
Unverständlich, dass das auch für den Umgang mit Kindern gilt.
Bei Atomphysik und Mathematik weiß ich, dass ich nulkomma keine Ahnung habe, aber hierbei?
 

Mich nicht. Das Experiment wurde in dem Buch "Im Grunde gut" von Rutger Bregmann näher beleuchtet. In der Berichterstattung wird noch heute so getan, als wären zuhauf Menschen bereit gewesen, ohne mit der Wimper zu zucken tödliche Stromstöße zu verabreichen. Nicht erwähnt wird in der Regel, dass die Teilnehmer massiv unter Druck gesetzt wurden. Eine Frau z.B. schaltete die Schockmaschine in heftigem Streit mit Williams ab - der sie wieder einschaltet und zum Weitermachen aufforderte.
Auch wird immer so getan, als hätten die Probanden mehrheitlich vermeintlich tödliche Stromstöße verabreicht.

Aber: Das Experiment fand in der renommierten Yale-Universität statt. Man konnte es vermuten: Wie sich später herausstellte, hat ca. die Hälfte nie daran geglaubt, anderen Schmerzen zugefügt zu haben. Auch wurde nicht erwähnt, dass die Mehrheit von denen, die das Experiment für echt hielt, dieses abbrach.

Und auch ethisch ist es zu bemängeln: Denn es gab Menschen, die monatelang mit der Befürchtung herumliefen, jemanden getötet zu haben.
 
Mich nicht. Das Experiment wurde in dem Buch "Im Grunde gut" von Rutger Bregmann näher beleuchtet. In der Berichterstattung wird noch heute so getan, als wären zuhauf Menschen bereit gewesen, ohne mit der Wimper zu zucken tödliche Stromstöße zu verabreichen. Nicht erwähnt wird in der Regel, dass die Teilnehmer massiv unter Druck gesetzt wurden. Eine Frau z.B. schaltete die Schockmaschine in heftigem Streit mit Williams ab - der sie wieder einschaltet und zum Weitermachen aufforderte.
Auch wird immer so getan, als hätten die Probanden mehrheitlich vermeintlich tödliche Stromstöße verabreicht.

Aber: Das Experiment fand in der renommierten Yale-Universität statt. Man konnte es vermuten: Wie sich später herausstellte, hat ca. die Hälfte nie daran geglaubt, anderen Schmerzen zugefügt zu haben. Auch wurde nicht erwähnt, dass die Mehrheit von denen, die das Experiment für echt hielt, dieses abbrach.

Und auch ethisch ist es zu bemängeln: Denn es gab Menschen, die monatelang mit der Befürchtung herumliefen, jemanden getötet zu haben.
Naja, machen wir uns nix vor, die meisten, die über Milgram reden , haben die Studie nie gelesen..
 
Es ist nicht alles Gold was so nett glänzt.

Kritik an Milgrams Experiment: Rutger Bregmann "Im Grunde Gut" (Quelle: grok)

Ein zentraler Punkt in Bregmans Kritik ist seine Recherche:
Er erhielt Zugang zu den Originalaufnahmen und Notizen Milgrams, die lange Zeit unzugänglich waren. Daraus ergibt sich eine Reihe von Enthüllungen:
  • Übertriebene Gehorsamsrate: Milgram führte 24 Varianten des Experiments durch, aber nur in einer (mit verbalem Feedback) erreichte die Gehorsamsrate 65 %. In anderen Varianten war sie deutlich niedriger. Milgram publizierte selektiv und dramatisierte die Ergebnisse, um Aufmerksamkeit zu erregen. Bregman zitiert, dass Milgram selbst in privaten Notizen zugab, die Probanden seien nicht so gehorsam gewesen, wie dargestellt.
    • Starker Druck durch den Experimentator: Die Aufnahmen zeigen, dass der Experimentator die Probanden massiv manipulierte – bis zu 25-mal drängte er in manchen Fällen. Probanden zweifelten, fragten nach, weinten oder lachten nervös, aber der Experimentator gab keine Garantie, dass der „Lernende“ sicher sei. Viele Probanden glaubten letztlich, es sei ein Schwindel, da der Experimentator keine Panik zeigte.
      -> Bregman bezieht sich auf Don Mixon (1989), der das Experiment replizierte und argumentierte: Die Probanden gehorchten nicht einer Autorität, sondern folgten ihrem eigenen Urteil – sie vertrauten, dass die Wissenschaft ethisch sei und niemand Schaden nehme.

      Misstrauen der Probanden: Bregman enthüllt, dass nicht alle Probanden glaubten, echte Schocks zu geben. Viele vermuteten einen Trick, da der Setup absurd wirkte (z. B. warum sollte Yale jemanden foltern?). In Nachbefragungen gaben 56 % an, sie hätten nicht geglaubt, dass der „Lernende“ wirklich litt. Dies reduziert die tatsächliche Gehorsamsrate auf unter 50 %. Bregman argumentiert: Das Experiment misst nicht Bosheit, sondern wie Menschen in unklaren Situationen rationalisieren – sie taten es „für die Wissenschaft“, ähnlich wie Eichmann seine Taten als „für das Reich“ rechtfertigte.
 
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Nicht erwähnt wird in der Regel, dass die Teilnehmer massiv unter Druck gesetzt wurden.
Das ist mir sehr wohl bekannt. Und deshalb nehme ich das auch als Vergleich.
Das war ja auch das Problem beim Winterhoff, dass mehrere Personen (auch Angestellte und Eltern) von ihm massiv unter Druck gesetzt und manipuliert wurden.

Auch wurde nicht erwähnt, dass die Mehrheit von denen, die das Experiment für echt hielt, dieses abbrach.
Es geht mir nicht um die Einzelheiten des Experiments, sondern um den Fakt, dass eine scheinbare Autorität (im weißen Kittel) es schafft, einen gewissen Druck auf normale Menschen auszuüben, sodass diese in heftige Gewissenskonflikte geraten können.


Es ist nicht alles Gold was so nett glänzt.

Kritik an Milgrams Experiment: Rutger Bregmann "Im Grunde Gut" (Quelle: grok)

Dort heißt es ja u.a. auch:
Bregman argumentiert: Das Experiment misst nicht Bosheit, sondern wie Menschen in unklaren Situationen rationalisieren – sie taten es „für die Wissenschaft“, ähnlich wie Eichmann seine Taten als „für das Reich“ rechtfertigte.
Dadurch bekamen auch Winterhoffs Therapien einen seriösen Anstrich.
 
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