Es ist ja eben kein *Argument*. Ein *Argument* stützt eine Behauptung, bei Woerlee bleibt es bei der bloßen Behauptung, die in Form einer Tatsachenfestellung getätigt wurde ("Da Pam Reynolds mehrmals bei Bewußtsein wahr"). Für diese Behauptung gibt es bei Woerlee kein einziges stützendes Indiz. Was wäre denn ein Anhaltspunkt dafür, daß es so gewesen sei? Die VEP-Überwachung zeigte kein Erwachen an, auch die Beobachtung der Patientin ncht. Auf welches Argument sollte ich denn deiner Meinung nach eingehen? Es gibt bei Woerlee dafür kein Agument, es bleibt bei der bloßen Behauptung.
Wieso liegt das denn nahe? Nenne mir ein einziges Fakt, das diese Vermutung *nahelegen* könnte. Das einzige, was dies nahelegen könnte, ist die vorgängige materialistische Glaubensannahme, daß Bewußtsein nicht ohne Gehirn existieren könnte. Eine Vorurteilstruktur also, aus der nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf, gefolgert wird, Pam müsse also bei Bewußtsein gewesen sein.
Die Tatsache, dass sie Erinnerungen hatte, lassen sich auch dadurch erklären, dass sie bei Bewusstsein war. Mehr sagt Moerlee nicht. Natürlich kann es auch so erklärt werden, dass sie ihren Körper verlassen hat. Es gibt nur nach der Ansicht von Woerlee keinen Anlass davon auszugehen. Das hat nichts mit Vorurteilen zu tun. Das ist wissenschaftliche Methodik. Ehe man ein neues Phänomen (in diesem fall "Seele verlässt Körper") annimmt, muss versucht werden, es mit bekanntem Wissen zu beschreiben. Das hat Woerle mehr oder weniger schlüssig getan. Es besteht also nach seiner Ansicht kein Grund von der Annahme abzuweichen, sie hätte den Körper nicht verlassen. Und aus wissenschaftlichem Standpunkt hat er damit so lange Recht, bis sich damit ein konkreter Widerspruch ergibt. Das ist aber leider nicht der Fall.
Dazu kopiere ich am besten eine Passage des von Trekker gebrachten Links:
Ich denke, daß hier die Faktenlage, die du immer noch für ungeklärt hältst, klar gegen Woerlees bloße Behauptung spricht.
Wann wurde der Schädel aufgesägt? Wenn ich mich richtig an diverse Artikel erinnere, war sie zu dem Zeitpunkt noch nicht blutleer und abgekühlt. Das Aufsägen des Schädels war zwar Teil der OP, um den Körper aber möglichst lange "am Leben" zu erhalten, wurde das Blut erst abgelassen und der Körper abgekühlt, als es wirklich notwendig war, d.h. als das Aneurisma operiert wurde.
Du klammerst dich an Strohhalme, Joey.
Nein. Ich glaube ja an ein Weiterleben nach dem Tod und an eine Seele. Ich wäre wirklich sehr glücklich, wenn es mir auch bewiesen werden könnte. Ich weiß aber, was ein Beweis ist, und vor allem, was kein Beweis ist. So lange es auf "natürlichem Weg" zu erklärbar ist, und so keine Widersprüche entstehen, besteht nicht die Notwendigkeit von einer Seele auszugehen. Und das hat Woerlee gezeigt.
Wenn nicht einmal der Chirugenkollege Bescheid wußte und sich erst die Unterlagen besorgen mußte, wie sollte eine Sängerin wissen, wie diese Knochensäge aussieht? Es sei denn, man würde annehmen, daß sie in ihrer Freizeit Kataloge mit chirugischen Instrumentarien studiert, sozusagen als Hobby. Könnte sie gesehen, gehört haben? Dazu noch einmal die Aussage vom ausführenden Operateur im der BBC-Doku:
Dennoch bleibt die Aussage, dass man vom Geräusch auf einiges schließen kann. So z.B. darauf, dass es sich wohl eher um einen Bohrer als um eine Säge handelt, dass Assoziationen an irgendetwas Zahnärztliches erlaubt sind etc.
Meine Kritik an Woerlee ist eben die, daß er frei und kontrafaktisch daherphantasiert und in seinem Aufsatz nicht die geringsten Indizien bringen kann, die für seine Deutung sprechen. Stattdessen zieht er es vor, mangelnde Argumente mit Hilfe unseriöser Rhetorik zu ersetzen: bloße Vermutungen in der vollmundigen Art von Tatsachenbehauptungen zu verkleiden.
Über die Rhetorik kann man streiten. Alles, was Woerlee getan hat ist darzulegen, wie die Erlebnisse von Reynolds sich ohne "Seele verlässt den Körper" erklären lassen. Und das Bild, was er zeichnet, Aufwachen während der Anästhesie, Assoziation von Geräuschen etc. finde ich leider sehr plausibel (wie gesagt: ich wäre wirklich froh, wenn es anders wäre). Unplausibel wäre es erst, wenn in der Beschreibung von Reynolds verifizierte Ereignisse wären, die wirklich während der blutleeren und abgekühlten Phase geschehen sind. Und die gibt es nicht. Das Blut wurde soweit ich weiß erst abgelassen, nachdem der Schädel aufgebohrt wurde, oder während dessen.
- Es war die aller erste Stillstand-OP überhaupt.
Soweit ich weiß nicht... aber das ist nicht wichtig.
- Man hat für diesen Versuch nur die Besten auf ihrem Gebiet genommen, die verfügbar waren.
Auch den besten Ärzten passieren fehler. Auch dem besten Anästhesisten entgehen Dinge, wenn der Klick-Test versagt, und der Körper fixiert ist (was bei Gehirnoperationen gerne gemacht wird)
- Pams Kopf war Blutleer und der Körper auf rund 10 - 15° C abgekühlt.
Nich während der gesammten OP, sondern nur während der Zeit, in der es unbedingt notwendig war.
- Der todesähnliche Zustand dauerte über eine Stunde
- Alles wurde penibel genau aufgezeichnet.
- Die Zeugen waren alles Profis auf ihrem Gebiet.
Darum wieder meine Frage: Zu welchem Zeitpunkt der OP wurde das Blut genau abgelassen, und gibt es verifizierte Erinnerungen von Reynolds während dieser Zeit?
So sieht das alles erstmal aus. Um Pams Erfahrungen auf Gehirnfunktionen zu reduzieren müssten folgende Geschehnisse eintreten oder eben nicht eintreten:
- Der Anästesist hatte eine einzige Aufgabe während der ganzen OP, die ist auf den Klick-Test zu achten, also aufs EEG zu sehen ob sich was tut UND auf andere Stoffwechselfunktionen zu achten, die es über eine Stunde nicht gab. Er müsste ja total unfähig sein wenn ihn da etwas entgangen wäre, denn jede Aktion des Gehirns hätte er sehen müssen, lange bevor sie das Bewusstsein zumindest teilweise wieder erlangt. Denn genau dafür gibt es ja die Klick-Tests und die Überwachung.
Woerlee beschreibt in seinem Artikel, dass der Klick-Test auch nicht 100% sicher ist.
- Die angesprochene Fehlerquote beim Narkosemittel ist auch dem Arzt bekannt und bei einer solch ungewöhnlichen OP hat er bestimmt alles 1000x geprüft. Wie gesagt Zeit genug hatte er.
Die Fehlerquote bezog sich aber auch auf die Tests, wie tief die Narkose gerade ist.
- 15° Körpertemperatur alleine verlangsamen allen und jeden Stoffwechsel im Körper so stark, das ich es fast für unmöglich halte, das jemand bei Bewusstsein sein kann oder kommen kann.
Völlig richtig. Aber sie war nicht während der gesammten OP blutleer und kalt. Dieser Zustand wurde so kurz wie möglich gehalten. Zum Aufbohren des Schädels ist das z.B. nicht nötig.
- Hinzu kommt, das die Abkühlung des Körpers Prinzipbedingt lange vor der Öffnung des Schädels und dem Ablassen des Blutes begonnen haben muss. Schockfrost hätte nur Gewebeschäden hervor gerufen, was bei einer so extrem riskanten OP als zusätzlicher Risikofaktor bestimmt auszuschliessen ist.
Nein. Gewebeschäden würden durch Schockfrosten entstehen, wenn sie auf unter Null Grad abgekühlt worden wäre. 15 Grad sind da noch weit drüber. Ich weiß nicht, wie lange das genau dauert; soweit ich weiß, war sie aber nicht die ganze OP in diesem Zustand. Die chemischen Reaktionen im Körper verlaufen zwar arg verlangsamt ab, so dass der Körper einige Zeit lang so lebensfähig gehalten werden kann, dennoch gibt es auch hier Grenzen, so dass man das nur so kurz wie möglich anstellt.
- Das Gespräch zwischen den Ärzten wegen der Beinarterien muss also zwangsläufig zu einem Zeitpunkt gewesen sein, an dem der Körper bereits abgekühlt war. Auch wenn die 15° Zieltemperatur vielleicht noch nicht erreicht war, so macht dieser Punkt zusammen mit der Betäubung ein Wach-Bewusstsein sehr unwahrscheinlich bis unmöglich.
Da spekulierst Du jetzt ("das muss lange vorher geschehen sein"... was Ihr Woerlee vorwerft). Im OP-Protokoll muss doch irgendwo stehen, wann das Blut abgelassen wurde, und wann der Körper welche Kerntemperatur (auf die kommt es dabei an) hatte. Ich gehe davon aus, wass Woerlee das Protokoll auch genau studiert hat, so dass er weiß, zu welchen Zeitpunkt sie wirklich blutleer und kalt war.
- Sämtliches Blut wurde für die OP aus dem Kopf abgelassen. Blut aber ist die Grundvoraussetzung für Stoffwechsel im Gehirn. Vom Sauerstoffgehalt mal ganz abgesehen.
Nochmal: Wann genau während der OP?
- Sämtliche Instrument incl. der Knochensäge blieben laut Aussage von Dr. Spetzler abgedeckt oder eingepackt bis kurz vor ihrem Einsatz. Die Sterilität soll auf diese Weise gewahrt bleiben.
Ja, dann hat sie sie nicht gesehen. Eine korrekte Assoziation aus den Geräuschen ist dennoch möglich.
- Sämtliche Geräte waren zur Lebenserhaltung waren während der OP bestimmt nur auf Stand By und nicht im Betrieb. Warum auch, sie wurden lange nicht gebraucht.
Keine Ahnung. Wozu ist dieser Punkt wichtig?
- Im OP-Saal lief ein ganzes Team von Ärzten herum. Keiner hat während der OP irgendwas beobachtet oder eine Reaktion gespürt, die auf Wach-Bewusstsein hindeutet.
Wie denn, wenn die Augen verklebt und der Körper fixiert ist? Oft kann der Patient sich auch durch die doch noch teilweise wirkende Narkose nicht bewegen.
- Alle Ärzte hätten während der OP-Zeit zweifelsfrei den Tod von Pam Reynolds nach allgemein gültigen Regeln bestätigt und wären damit auch im Recht gewesen.
Ja, aber wann war das? War das vor oder nach dem Aufsägen des Schädels?
Schaut man sich alleine diese Argumente an und führt sich die Zusammenhänge vor Augen, so kann man nur zu einem Schluss kommen: Die Erfahrungen von Pam Reynolds wurden während der OP nicht mit ihrem Gehirn gemacht.
Das hängt sehr entscheidend davon ab, wann die Kerntemperatur abgesenkt wurde, und wann das Blut abgelasen wurde. Soweit ich mich an Berichte erinnere, geschah beides nachdem der Schädel aufgesägt wurde.
Ich persönlich bin überzeugt, das die Darstellung Fehlerfrei ist und keiner gelogen hat. Bewerten muss das jeder selbst. Man kann auch darüber streiten, wie diese Erfahrungen zustande gekommen sind. Klar ist für mich zumindest, das es nicht über Pams Gehirn erfahren wurde. Die Erklärungen von Sabom und Fenwick zu überzeugend für einen Zweifel.
Davon gehe ich auch aus. Woerlee unterstellt auch nirgendwo irgendjemandem einer Lüge. Er zeigt nur einen plausiblen Weg, wie die Erlebnisse ohne "Bewusstsein außerhalb des Körpers" erklärt werden können. Die Plausibilität würde mit dem Zeitpunkt des Abkühlens und Auspumpens fallen. Wann war das genau?
Viele Grüße
Joey